3 Probleme und 9 Lösungen

3 Probleme und 9 Lösungen

Neben sehr kom­plexen Prob­le­men gibt es in der Hun­deerziehung immer wieder die typ­is­chen Klassiker.

Und den typ­is­chen Klas­sik­ern fol­gen meist typ­isch Lösungsansätze.

Heute möchte ich mich daher ein­mal mit drei typ­is­chen Prob­le­men auseinan­der­set­zen, die auch uns betrof­fen haben. Auch, wenn dieser Artikel keinen Anspruch auf All­ge­me­ingültigkeit erhebt, möchte ich ein­fach mal aus dem Nähkästchen plaud­ern, welcher Lösungsansatz uns weiter gebracht hat und was für uns eher kon­trapro­duk­tiv gewe­sen ist.

Wenn der Hund bellt, sobald er Artgenossen sieht…

Wir alle ken­nen Hunde, die bellen, sobald sie Artgenossen sehen. Sowohl Queen als auch Püppi haben das im Junghun­deal­ter für die beste Reak­tion auf das Erscheinen eines Artgenossen gehalten.

Bei diesem Prob­lem trifft man immer wieder auf diese drei Lösungsansätze

  • Hunde mit Leck­erlis ablenken
  • Ignori­eren
  • Unterbinden

 Bei Queen habe ich zunächst auf die Leck­erl­is­frak­tion gehört. Sobald ein Artgenosse auf­tauchte und sie anf­ing zu bellen, lenkte ich sie mit Fut­ter ab. Schließlich sollte sie den Artgenossen mit etwas Pos­i­tivem verbinden, oder wie lautet noch gle­ich das Argu­ment der Keksewerfer?

Ich jeden­falls hatte Null Erfolg mit dieser Meth­ode. Der Keks kam ins Maul, wurde direkt geschluckt und bevor der näch­ste Keks geschluckt wurde, wurde die Mini­pause genutzt um zu bellen. Brachte uns also kein bißchen voran.

Anschließend habe ich ver­sucht, das Bellen zu ignori­eren. Queen wurde also auf die andere Seite genom­men und schnellen Schrittes marscheirte ich an dem Hund vor­bei. Queen nutze jede Lücke um zwis­chen meinen Beinen durchzuse­hen und mal hier und da einen Wuf­fer von sich zu geben. Brachte uns auch kein Stückchen voran.

Als drit­ten Weg habe ich ver­sucht, das Bellen zu unterbinden. Ich habe sie nach wie vor auf die andere Seite genom­men. Das gehört sich ein­fach so und ist der beste Weg seinem Hund zu zeigen, dass man die Sit­u­a­tion im Griff hat. Hat sie ange­fan­gen zu bellen, blieb ich ste­hen, legte meine Hand auf ihre Brust und sagte deut­lich “Schluss”. Blieb sie ruhig wurde sie mit einem Keks oder Spielzeug belohnt. Das hat bei uns in weni­gen Tagen den Erfolg gebracht und das Prob­lem war verschwunden.

Auch Püppi hat zunächst Artgenossen ange­bellt. Auch hier hat uns Ignori­eren kein bißchen weiter gebracht. Sie hing klef­fend in der Leine und wenn ich etwas hasse, dann das. Zudem war es ein­fach nur pein­lich. Und was bei Queen schon zum Erfolg geführt hat, kann man auch bei Püppi aus­pro­bieren. Mit dem Unter­schied, dass ich mich wesentlich weiter bücken musste, um meine Hand auf ihre Brust legen zu kön­nen, funk­tion­ierte es wirk­lich gut. Ich hatte das Gefühl sie durch die Berührung aus der Sit­u­a­tion holen zu kön­nen. Sie ver­stand sehr schnell, dass sie belohnt wer­den würde, wenn sie ruhig blieb und auch bei ihr kon­nten wir sehr schnell das Prob­lem lösen.

Wenn der Hund bellt, sobald es klingelt…

Der Klas­siker, oder?

Auch hier gibt es immer die gle­ichen Tips um das Prob­lem in den Griff zu bekommen.

  • Der Hund wird angeleint
  • Der Hund wird auf seinen Platz geschickt
  • Ablenken durch Futter

Oft wird emp­fohlen, den Hund angeleint mit zur Tür zu nehmen. Dort muss er sich set­zen und darf erst dann den Besuch begrüßen, wenn er sich ruhig verhätlt.

Aus­pro­biert haben wir das natür­lich auch, denn hier bellen beide wenn es klin­gelt. Beide saßen also angeleint brav neben der Tür und bell­ten. Sie ließen sich anleinen und set­zen sich auch hin. Blieben sogar dort, wenn der Besuch hereinkam. Alles wurde nur lei­der nach wie vor von einem bel­len­den Konz­ert begleitet.

Zweiter Ver­such. Queen und Püppi wur­den auf ihren Platz geschickt und durften nicht mit zur Tür. Kein Prob­lem. Auf das Wort “Kör­bchen” gehen beide brav dor­thin, legen sich und bleiben auch dort. Alles kein Thema. Nur auch diese Vari­ante wurde von einem unun­ter­broch­enen Bellen begleitet.

Also habe ich den drit­ten Tip aus­pro­biert. Etwas richtig Leck­eres sollte in einen Napf gefüllt wer­den. Es muss sich um etwas so tolles han­deln, dass der Hund nicht wider­ste­hen kann. Sobald es klin­gelt, wird der Napf hinge­hal­ten. Bei uns sah das so aus, dass Queen zu dem Napf kam, den Pansen in den Mund nahm und bellte, sodass links und rechts kleine Brocken auf mich und den Tep­pich fie­len. Bei Püppi sah das ähn­lich aus. Ich glaube, die kann sogar fressen und bellen zeitgleich.

Drei typiche Tips für dieses typ­is­che Prob­lem. Tja, was soll ich sagen. Bei uns ist eben Alarm, wenn es klin­gelt. Kann ich mit leben 🙂

Wenn der Hund nicht kommt, wenn man ruft

So richtige Prob­leme mit dem Rück­ruf hat­ten wir nie. Klar, kam mal das ein oder andere Austesten der Gren­zen hinzu. Vor allem, wenn sich die Vier­beiner in der Pubertät befinden oder nicht richtig aus­ge­lastet sind.

Auch hier gibt es wieder die typ­is­chen Lösungsansätze

  • du musst dich verstecken
  • du musst in die andere Rich­tung renne
  • du musst dich inter­es­san­ter machen

Sich zu ver­stecken macht bei uns keinen Sinn. Bei Queen würde es ohne­hin nicht so weit kom­men, dass sie sich weit genug ent­fer­nen würde, damit ich mir ein Ver­steck suchen kann. Und Püppi würde mich spätestens bei dem Anblick eines Vogels vergessen. Oder einen Schmetter­lings, vor­bei­fliegen­des Insekts oder wack­el­nden Grashalms. Das trifft auch für die zweite Lösung zu.

Bringt bei uns nichts und ich vom Bauchge­fühl her wider­spricht es auch meinem Ver­ständ­nis von ver­trauensvoller Beziehung sich vor seinem Hund zu ver­stecken. Zudem möchte ich, dass es gar nicht so weit kommt, dass ich mich erst ver­stecken oder wegren­nen muss.

Also mache ich mich stets inter­es­sant. Bei uns gibt es auch jetzt noch für viele alltägliche Dinge Beloh­nun­gen. Sie laufen nicht zu einem Hund obwohl der ein Spielzeug hat oder ren­nen nicht hin­ter einem Wildtier her, dann gibt es eine Beloh­nung. Frei nach dem Motto “Warum sollte der Meis­ter weniger bekom­men als der Lehrling” gibt es bei uns nach wie vor Kekse oder Spielzeug als Lob. Zudem werfe ich oft plöt­zlich Leck­erlis ins hohe Gras oder starte plöt­zlich ein Fangspiel. Bei uns hat das stets Erfolg gebracht.

Typ­isch Queen
Typ­isch Püppi

Egal, auf welches Prob­lem wir gestoßen sind, so habe ich immer ver­sucht den Hun­den zu ver­mit­teln, dass ich das Prob­lem regeln werde. Ver­trauen ist ganz wichtig in der Beziehung zu seinem Hund und nur so kann eine Bindung auge­baut wer­den. In vie­len Sit­u­a­tio­nen ist eine enge Bindung der Schlüs­sel zu vielem. Nur beim Klin­geln an der Haustür scheint das wenig Ein­fluss zu haben 😀

Klas­sis­che Lösungsan­sätze haben sicher schon vie­len Hun­den geholfen. Schließlich wer­den sie nicht ohne Grund immer wieder aufge­grif­fen. Den­noch ist let­z­tendlich jeder Hund anders und jedes Prob­lem hat andere Ursachen.

Mit einer engen Bindung, einer ordentlichen Por­tion ver­trauen, viel Liebe, gemein­samen Erleb­nis­sen und aus­re­ichen­der art­gerechter Beschäf­ti­gung ist ein ordentliches Fun­da­ment gelegt. Vieles erledigt sich dann von allein oder lässt sich ganz ein­fach in den Griff bekom­men. Oder mann kann– wie bei uns das Klin­geln an der Tür — auch ein­fach mal Fünfe ger­ade sein lassen.

Was habt ihr für Prob­leme und wie habt ihr sie in den Griff bekom­men oder welche Meth­o­den haben bei euch nicht zum Erfolg geführt?

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Posted on: 5. Juni 2017Sabrina

9 Gedanken zu „3 Probleme und 9 Lösungen

  1. Wir haben 2 “Prob­leme” Ein­mal findet Pixel Auto fahren doof und würde gerne flüchten, sobald sie merkt es geht rich­tung Auto. Schön­füt­tern war sub­op­ti­mal, rein heben hat es schlim­mer gemacht. Solange ste­hen bleiben bis sie frei­willig ins Auto springt und dann Keks hat geholfen. Gern macht sie es immer noch nicht, aber es wird ver­hält­nis­mäßig zügig ins Auto geprun­gen. Das andere ist ihre stalk­erei, die eigenltich nicht stört und sie meck­ert auch nicht wenn man ihr vor der Nase die Tür zu macht. Ger­ade stört mich das vor allem auf dem HUn­de­platz etwas deswe­gen unterbinde ich es zuhause mehr. Sobald sie sofort auf­springt wenn ich mich bewege, wird sie auf den Platz geschickt. Nach zwei Tagen ist sie schon wieder viel entspannter.
    Dein erstes Beispiel stört mich ehrlich gesagt etwas. Ich weiß an wen du denkst mit dem klas­sis­chen Leck­er­li­ablenkmanöver. Aber eigentlich ist es ja so gedacht den ruhi­gen Hund zu belohnen und nicht dem bel­len­den die Schnute zu stopfen. Die Beloh­nung ist so ein wichtiger Bestandteil. Wir haben soviele Kläf­fer in unserer Wohnge­gend, die ange­meck­ert oder ignori­ert wer­den. Wenn sie aber dann wirk­lich mal ruhig sind, wird das über­haupt nicht honoriert.

    1. Ich habe nie­man­den mit dieser Meth­ode gemeint. An wen denkst du denn dabei?
      Klar kann man es machen, den Hund zu belohnen, wenn er ruhig ist. Bei uns ergab sich dieser Moment aber nicht weil mit Keks in der Schnuze weiter gebellt wurde. Diese Meth­ode kam daher für uns nicht betra­cht. Generell sicher ein vernün­ftiger Ansatz, wenn das Tim­ing stimmt bzw. wenn sich Momente ergeben, in denen belohnt wer­den kann.

      1. Ich denke an die Men­schen, die ein­fach nen Stück wurst vor die Schnute hal­ten und vor­bei laufen oder die dann in die Wiese schmeißen. Als Man­age­ment Maß­nahme ok, aber der Hund lernt halt nichts dabei.

        Der Ansatz ist ja auch nicht, ich halte dir den Keks vor die Schnute und geb ihn, wenn du ruhig bist. Son­dern gucke wann du nicht aus­löst oder ger­ade noch ruhig bist und belohne dann. Klar gibt es dann Hunde die auf mehrere hun­dert Meter aus­lösen, da mus mann sich was anderes überlegen. 

        Ich wollte aber eigentlich nur damit aus­drücken, man muss das richtige Ver­hal­ten belohnen. Dann hat man Erfolg. Wie man ja auch bei dir sieht. Man darf nicht nur mit­teilen was gelassen wer­den soll, son­dern auch welches Ver­hal­ten man gerne sehen möchte. Oder wie ist deine Ein­schätzung? Hät­ten die bei­den gel­ernt wenn du nur den Griff angelegt hättest und keine Beloh­nung gefolgt wäre?

        1. Ich habe keinen Griff angewen­det, son­dern ich habe sie berührt. Sie haben schon bei einer kleinen und ein­fachen Berühung auf mich geachtet.
          Wie das Prinzip der Beloh­nung und des richti­gen Tim­ings funk­tion­iert, weiß ich ;O)

  2. Das ken­nen wir auch. 🙂
    Tat­säch­lich inter­essiert sich Kalle in kri­tis­chen Sit­u­a­tio­nen nur bed­ingt für Fut­ter. Deshalb unterbinde ich das Bellen an der Leine auch und sorge gle­ichzeitig dafür, dass er möglichst so viel Abstand hat, wie er benötigt, um entspannt zu bleiben.
    Und es erle­ichtert mich zugegeben­er­maßen, dass wir nicht die Einzi­gen sind, bei denen Alarm ist, wenn es klin­gelt. Mit­tler­weile schaffe ich es, dass sich die Laut­stärke von Ter­ror zu erträglich reduziert und wir gemein­sam zur Tür gehen, anstatt dass Kalle vorstürmt. Besser als nichts. 🙂

    Her­zliche Grüße,
    Nora mit Mia und Kalle

  3. Wir haben mit unserem Rüden (3 Jahre, mit langer Tier­heimgeschichte) einen ganzen Ruck­sack voll Prob­leme. Draußen auf der Straße bellt er alles an, vor allem Hunde und Kinder. Ich bin trotz­dem sehr unsicher, was die Strate­gie des Unterbindens angeht. Das Bellen ist ja erst­mal Kom­mu­nika­tion; der Hund sig­nal­isiert, dass ihm etwas zu viel ist und er mehr Abstand braucht. Das Warnsignal stum­mzustellen, mag funk­tion­ieren, aber uns wurde davon von unserer Hun­de­trainerin gut begrün­det abger­aten. Ein nicht so blöder Spruch dazu: einem Hund das Bellen ver­bi­eten ist wie die Bat­te­rien aus einem Rauch­melder ent­fer­nen. 😉 Aber es kommt natür­lich immer auf die indi­vidu­ellen Hunde an und wie sie anson­sten sozial­isiert sind, wie sie kom­mu­nizieren etc. Mir ist das nur wichtig, weil so viele Leute hier vielle­icht ger­ade dann mitle­sen, wenn sie wegen ihrer ver­hal­tenskreativen Hunde verun­sichert sind, und da würde ich doch fünf­mal über­legen, ob Bellen zu ver­bi­eten wirk­lich das Prob­lem löst.

    1. Es gibt ein­fach Augen­blicke, in denen ein Hund nicht bellen sollte. Klar, ist das seine Art der Kom­mu­nika­tion, aber ich halte den Spruch mit dem Rauch­melder nur bed­ingt für passend. In eini­gen Sit­u­a­tio­nen bes­timmt. In eini­gen aber auch nicht. Ein Hund muss aufs Wort aufhören zu bellen. Das ist ein­fach so und sonst im All­tag nicht zu bewälti­gen. Meine Hunde begleiten mich oft bei der Arbeit. Wie soll das gehen, wenn sie bellen? Meine Hunde begleiten mich auch ins Restau­rant? Wie, wenn sie bellen?
      Klar, ich ver­stehe deinen Aspekt, dass man Kom­mu­nika­tion nicht unterbinden sollte, ABER wenn ein Hund bellt, sobald ein anderer Hund kommt, dann sagt es mir ja schon, dass er sich unwohl fühlt. Dann habe ich sofort mein Ver­hal­ten um 100 % zu ändern und einen Weg zu finden, damit er sich wohl fühlt. Aus solchen Sätzen wie die mit dem Rauch­melder, fol­gen oft Men­schen die sagen, “Mein HUnd muss sich aus­drücken kön­nen.” und an der Sit­u­a­tion wird nichts geän­dert. Sobald mein HUnd mir ein­mal zeigt, dass er sich unwohl fühlt, wird direkt an dieser Schraube gedreht, bis es für ihn ok ist. Ich muss meinen HUnd nicht jedes Mal kläf­fen lassen, son­dern ich hab dafür zu sor­gen, dass er mit der Sit­u­a­tion klar kommt.
      Der Satz ist nicht falsch, kann aber falsch ver­standen werden.

  4. Hallo!

    Mein Hund hat auch Prob­leme mit anderen Hun­den. Manch­mal mehr manch­mal weniger. Ich werde das mit die Leck­erlis probieren 🙂

    Ich habe auch ein Prob­lem mit der Klingel…ich nehme ihn näm­lich seit kurzem in die Arbeit mit und jedes mal wenn es klin­gelt geht das Gebell los auf den Platz schicken ist zweck­los da wird ein­fach weit­erge­bellt und sobald die Türe aufgeht steht er schon neben mir und bellt die Men­schen an. Er hört zwar schnell auf aber trotz­dem muss das nicht sein. Vielle­icht hast du da auch einen Tipp?

    1. Ich bin keine Hun­de­trainerin und kann immer nur aus meinen Erfahrun­gen schöpfen. Ich kann allerd­ings nicht dazu sagen, wenn ich den Hund nie gese­hen habe. Pro­bier ein­fach mal ver­schiedenes aus und bleibe am Ball. Wir arbeiten zur Zeit auch an dem Klingelproblem

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