3 Vorteile einer Pfeife im Rückruf

3 Vorteile einer Pfeife im Rückruf

Grund­sät­zlich würde ich mich in der Erziehung meiner Hunde wohl eher in der Wat­te­bäuschchen — Frak­tion einord­nen. Mir ist es wichtig, dass sich meine Hunde “frei ent­fal­ten” kön­nen. Damit meine ich nicht, dass sie wild hin­ter Rehen hin­ter­her ren­nen dür­fen. Son­dern hier­mit meine ich, dass ich kleine “Macken”, weswe­gen andere in der Hun­de­schule den Train­ern die Ohren abkauen, nicht direkt als Prob­lem ansehe. Hunde sind viel intel­li­gen­ter, als wir oft annehmen. Ich gebe ihnen lieber die Möglichkeit, eigene Lern­er­fahrun­gen zu sam­meln, statt sie in eine Rich­tung zu drängen.

Queen zum Beispiel hat ich anfangs auf Schitt und Tritt ver­folgt. Klar, kön­nte man sie nun an ihrem Platz fes­t­binden oder man kön­nte hun­dert mal von links nach rechts laufen, damit sie gen­ervt liegen bleibt. Ich habe das ein­fach ignori­ert und sie hat es ganz von alleine ver­standen. Püppi hinge­gen frisst nicht auf ein­mal ihren Napf leer. Sie nimmt sich zwei oder drei Brocken, geht anschließend ins Wohnz­im­mer, beschäftigt sich dort und geht danach wieder zum Napf. Ich habe nach fün­fzehn Minuten den Napf weggenom­men und wollte ihr so beib­rin­gen, dass sie alles dierkt fressen soll. Das Ergeb­nis sah so aus: während der fün­fzehn Minuten ging sie zwis­chen­durch immer mal wieder dor­thin, schaffte aber nicht alles aufzufressen. So sah jede Mahlzeit aus. Unterm Strich fraß sie also viel weniger als sie sollte. Das änderte sich auch nach einige Tagen nicht. Nun steht der Napf in der Küche, immer etwas gefüllt. Und Püppi denkt trotz­dem nicht, dass sie die Weltherrschaft an sich geris­sen hat.

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Ich ver­suche mich eher meinen Hunde anzu­passen, als dass ich sie zu etwas dränge, “was sich halt so gehört”. Mir tut das nicht weh, wenn da immer etwas im Napf ist. Und ich war auch nicht beein­trächtigt, als Queen mich ver­folgt hat. Wenn es jeman­den ern­sthaft stört, ist das natür­lich etwas anderes. Ich ver­suche mich in einem ruhi­gen, entspan­nten Moment zu fra­gen, ob da für mich Hand­lungs­be­darf besteht. Wenn nicht (und das ist meis­tens so), dann gebe ich ihnen lieber die Option, eigene Erfahrun­gen zu sam­meln und so selbst zu merken, dass sie mir zum Beispiel nicht immer fol­gen müssen. Stimmt die Bindung zum Hund, erledi­gen sich viele Dinge von allein.

So lange alles andere läuft, sind mir solche “Kleinigkeiten” egal.

Und mit “alles andere” meine ich in erster Linie den Rückruf.

Nichts ist mir so wichtig, wie ein ver­lässlicher Rück­ruf. Ich möchte meinen Hun­den möglichst viel Frei­heit bieten und möglichst oft ohne Leine laufen lassen kön­nen. Das kann ich aber nur, wenn sie ver­lässlich zurück­kom­men, wenn ich sie rufe.

Wie die Über­schrift schon ver­rät, bin ich auf die Pfeife gekommen.

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Schon lange hängt sie an meiner Garder­obe, doch so richtig zum Ein­satz gekom­men, ist sie erst vor rund einein­halb Wochen. Mit zwei Hun­den ist es nicht so ein­fach, weil sich eigentlich immer die falsche ange­sprochen fühlt. Ein “Nein” in Püp­pis Rich­tung, verun­sicherte Queen. Daher lautet Püp­pis Wort nun “Tabu”. Ein “Aus” gerichtet an Püppi, ver­an­lasst Queen grund­sät­zlich alles fallen zu lassen, auch, wenn sie ger­ade so schön mit ihrem Ball spielt. “Gib ab” ist daher das Kom­mando für Püppi.

Beim Rück­ruf ist mir aufge­fallen, dass wir unzäh­lige Male am Tage Worte wie “Komm” und “Hier” benutzen. Queen hört eigentlich auf alles. Egal ob ich “Queen”, “Komm” oder “Hier” rufe, sie kommt. Daher habe ich nie über den Ein­satz eine Pfeife nachgedacht. Doch nun habe ich die Vorteile einer solchen erkannt.

Die Stimme

Unsere Stimme ist nie iden­tisch, weil sie nie emo­tion­s­los ist. Sind wir in Eile wird das fre­undliche “Hier” schnell zu einem gen­ervten “Hier” und führt fol­glich zu einem verun­sicherten Hund. Uns allen ist schon aufge­fallen, wie unter­schiedlich wir unsere Hunde rufen. Üben wir den Rück­ruf kommt ein schwungvolles “Hii­i­i­ier”. Kommt uns aber ein anderer Hund ent­ge­gen, von dem wir vielle­icht sogar wis­sen, dass es Ärger geben kön­nte, wir aus dem schwungvollen Rufen schnell ein hek­tis­ches, nervöses “Hier­rrr”. Nicht sel­ten haben wir dann einen Hund vor uns, der sich erst ein­mal umsieht, warum Frauli denn jetzt so nervös wird.

Die Pfeife ist neu­tral. Sie ver­rät unseren Gefühlszu­s­tand nicht, sodass sich dieser nicht auf den Hund auswirken kann.

Die Lautstärke

Eine Pfeife ist so durch­drin­gend, dass sie auch einen weit ent­fer­n­ten Hund erre­ichen kann. Sollte doch mal das Reh inter­es­san­ter sein, müssen wir richtig laut schreien und rufen. Eine Pfeife ist da prak­tis­cher und schont den Hals.

Die Individualität

Wir kön­nen uns einen ganz eige­nen Pfeifton aneignen. Nicht nur ein stumpfer Pfiff ist möglich, son­dern vielle­icht sogar zwei kurze Pfiffe hin­tere­inan­der. Ich bin zwar dur­chaus davon überzeugt, dass ein Hund unsere Stimme auch zwis­chen anderen Stim­men erken­nen würde, den­noch glaube ich, dass ein Pfiff ein­fach durch­drin­gen­der ist. Wir reden so viel auf unsere Hunde ein, dass vieles schon aus­ge­blendet wird. Ein Pfiff kommt nur beim Rück­ruf und nur in dieser Sit­u­a­tion zum Ein­satz. Das ist viel beson­derer als unsere Stimme, die ständig auf unsere Vier­beiner einredet.

Das Training mit einer Pfeife

Wir haben vor einein­halb Wochen ange­fan­gen mit der Pfeife zu trainieren. Hier­bei habe ich mir angewöhnt, eine “Super­be­loh­nung” mitzunehmen. Das ist eine Beloh­nung, die es nur dann gibt, wenn auf den Pfeifton der Hund zurück­kommt. In unserem Fall ist das Leber­wurst, die ich in einer Tube mit mir herum­trage. Püppi ist da völ­lig süchtig nach — die per­fekte Beloh­nung für den Rück­ruf. Bere­its jetzt ist es möglich, sie aus dem Spiel mit Queen her­aus abrufen zu kön­nen. Auch aus dem Anvisieren eines Vogels bekomme ich sie ohne Prob­leme raus. Heute abend ist wieder Hun­de­schule. Wenn es bei dem Plan der let­zten Woche bleibt, üben wir heute abend den Rück­ruf. Ich bin ges­pannt, ob Püppi unter anderer Ablenkung eben­falls auf die Pfeife reagiert. Selbst, wenn nicht, bin ich mit dem Erfolg nach so kurzer Zeit mehr als zufrieden. Die Pfeife ist bei zwei Hun­den wirk­lich prak­tisch. Natür­lich reagiert auch Queen mit­tler­weile gut auf den Pfiff und kommt eben­falls zurück. Klar, sie möchte ja auch gerne die Leberwurst 🙂

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Ich jeden­falls kann die Pfeife jedem nur empfehlen. Ger­ade bei Hun­den, die vielle­icht nicht so gut abruf­bar sind, ist das Ein­führen einer Pfeife nochmal etwas ganz anderes zur men­schlichen Stimme und vielle­icht nochmal eine Chance völ­lig neu mit dem Rück­ruf — Train­ing zu beginnen.

Ich habe das Train­ing so aufge­baut, dass ich zunächst in einer ablenkungs­freien Phase gep­fif­fen habe. Püppi hat sich direkt umgeschaut und war neugierig, wo nun dieses neue Geräusch herkam. Dann habe ich mich sicht­bar hinge­hockt, nochmal gep­fif­fen und sie kam direkt zu mir. Statt sich hinzuhocken, kann man auch lock­end rufen und sobald sich der Hund in die richtige Rich­tung bewegt nochmal pfeif­fen. Sobald Püppi bei mir war gab es die Leber­wurst. Nach zwei Tagen kam sie bere­its beim ersten Pfiff in meine Rich­tung geflitzt und ich kon­nte nach und nach die Ablenkung erhöhen.

Kennt ihr schon die Bedeutung der Nummern auf den Pfeifen?

Die Num­mer steht für eine bes­timmte Ton­lage. Sollte man also seine Pfeife ver­lieren oder sollte sie kaputt gehen, so wäre es hil­fre­ich, man wüsste die Num­mer auf der Rück­seite. So kann man sich genau den gle­ichen Ton wieder kaufen.

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Arbeitet ihr auch mit einer Pfeife? Welche Erfahrun­gen habt ihr machen können?

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Posted on: 23. Juni 2016Sabrina

5 Gedanken zu „3 Vorteile einer Pfeife im Rückruf

  1. Ja wir arbeiten auch mit Pfeife — nicht weil Deco und Pippa auf Stimme nicht reagieren ;). 

    Unser Pfeif-Ton ist der sog. Super-Rückruf.
    Da Deco und Pippa als Jagdhunde einen seeeeeeeeeeeeeeeeeehr weiten Radius haben (50 Meter sind da nix) brauche ich für eine zuu­u­u­u­u­u­u­u­u­u­u­u­uuu weite Ent­fer­nung den super Rückpfiff.
    Dort wird auf dem Absatz kehrt gemacht und im Schweins­ga­lopp anger­annt. Anson­sten benutze ich die Stimme zum Rückruf. 

    Ebenso nutzen wir die Pfeife um eine Auf­gabe anzukündi­gen. Z.B. eine Rück­spur — Verlorensuche. 

    Zudem besitzen wir an unsere ACME Pfeife noch eine Triller Pfeife. Diese dient dem sofor­ti­gen Abbruch. Wenn der Triller kommt, heißt schla­gar­tig am Boden festzutackern 😉

    LG, Car­ola mit Deco und Pippa

    1. Das klingt mega inter­es­sant. Mein Ziel ist es, dass ich zwei unter­schiedliche Töne benutzen kann. Der erste soll dem Rück­ruf dienen, der zweite soll das Kom­mando dafür sein, dass sich sie hin­le­gen und liegen bleiben bis ich da bin.
      Wie genau hast du das aufge­baut? Ich stell mir das schwer vor. Vor allem bei Püppi. Die ist wirk­lich über eifrig und rennt schon los bevor ich meinen Pfeifton been­det hab.

  2. Über eine Pfeife denke ich auch seit einiger Zeit nach. Charly ist zwar ver­lässlich beim Rück­ruf, aber wenn ein Hase vorbeihoppelt …

    Das mit der Zahl auf der Pfeife wusste ich noch nicht. Danke für die Aufk­lärung. Und wir drücken dir die Dau­men, dass es mit der Pfeife bei euch weit­er­hin so gut klappt. Und mit der Leber­wurst. *lach*

  3. Wir nutzen auch Pfeife und Leber­wurst, allerd­ings hilft bei den Pubertät­sphasen momen­tan manch­mal nur die Schlep­pleine, da ist Yumo dann auch die Leber­wurst egal… 🙁
    Aber in guten Phasen ist er dadurch auch vom Spie­len mit anderen Hun­den abrufbar. 🙂

    Wir haben es übri­gens etwas anders aufge­baut: der Hund wird von einer Hil­f­sper­son gehal­ten, du präsen­tierst ihm kurz die Leber­wurst und gehst weg. Dann pfeifst du und in dem Moment lässt der Helfer den Hund los.
    Hat­ten das ein paar Tage 3x täglich gemacht und dann wurde ein­fach zwis­chen­durch mal gep­fif­fen, ohne Helfer. Ging sehr gut. 🙂

    Liebr Grüße,
    Alina, Yumo und Yari

  4. Wir haben seit kurzem auch wieder die Pfeife im Ein­satz, Molly reagiert sehr ver­lässlich drauf, es erle­ichtert ein­fach unheim­lich das Rückrufen! 

    Liebe Grüße
    Rebecca und Molly

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