Blogparade: Begegnungen mit anderen Hundehaltern

Heute begin­nen Nicole, Rebecca und ich mit unserer Blog­pa­rade zu dem Thema „Welche Vorurteile uns als Hun­de­hal­ter begegnen“.

Wie uns die Idee zu dieser Reihe gekom­men ist, haben wir euch let­zte Woche in diesem Artikel berichtet.
Den Anfang machen die Hun­de­begeg­nun­gen, die uns dies­bezüglich am stärk­sten im Gedächt­nis geblieben sind. Ich habe die Sit­u­a­tio­nen in zwei Kat­e­gorien geteilt, die „Klas­siker“ und meine „Highlights“.

Die Klas­siker – alle Schä­fis sind böse

Also ich bin ja schon ein­mal von einem Schäfer­hund gebis­sen wor­den.“ Es mag sicher Men­schen geben, auf die dies lei­der zutrifft, aber so viele Schäfer­hunde gibt es gar nicht, dass diese Aus­sage immer der Wahrheit entsprechen kann.

Und wenn nicht schon der Hal­ter von einem Schäfer­hund ange­fallen wurde, ist es eben der Hund. „Meiner ist ja schon ein­mal von einem Schäfer­hund ange­fallen und fast tot gebis­sen wor­den“.  Aber auch hier besteht das Prob­lem, dass es gar nicht so viele Schä­fis geben kann, dass auch diese Aus­sage immer stim­men kann.

Ich liebe auch dieses Zitat „Meiner mag ein­fach keine Schäfer­hunde“. Die meis­ten Hunde, auf die diese Abnei­gung zutr­e­f­fen soll, ste­hen schwanzwedelnd und völ­lig spiel­freudig vor uns.

Die brauchen aber eine strenge und harte Erziehung, oder?“ Streng oder hart nicht — kon­se­quent ja. Aber auf welche Rasse trifft dies nicht zu?

Hal­ten Sie die Leine auch wirk­lich fest?“ In der Regel läuft Queen neben mir und die Leine hängt etwas durch. Wenn andere Hunde kom­men, ändert sich dies nor­maler­weise nicht. Für die ent­ge­genk­om­menden Hun­de­hal­ter scheint dies etwas locker zu wirken – vielle­icht zu locker. Anders kann ich es mir nicht erk­lären, dass ich immer wieder gefragt werde, ob ich die Leine auch fes­thal­ten würde. Vielle­icht bin ich aber auch so klein, dass man mir nicht zutraut den kleinen 35 kg – Hund fes­thal­ten zu können 🙂

Warum trägt Ihr Hund kein Stachel­hals­band?“ Schein­bar laufen der­art viele Schäfer­hunde mit solch frag­würdi­gen Hals­bän­dern herum, dass es sich schon in den Köpfen fest­ge­brannt hat, einen Schäfi so führen zu müssen. Stachel­hals­bän­der gehören nicht um den Hals eines Hun­des. Sie gehören um den Hals des Besitzers, der ern­sthaft ver­sucht, seinen Hund auf diese Weise führen zu müssen.

Begeg­net mir ein unbekan­nter Hund ohne Leine, so bitte ich den Hun­de­hal­ter immer, diesen anzuleinen. Zu 80% ignori­eren sie meine Bitte und fra­gen mich stattdessen „Wieso? Ist ihr Hund aggres­siv?“ Zu Anfang habe ich ja noch ver­sucht, aufzuk­lären, warum es wichtig ist, unbekan­nte Hunde nicht ein­fach aufeinan­der zurasen zu lassen. Mit­tler­weile habe ich aufgegeben.

2015-07-04 15.27.07
Ein so gefährliches Tier

Meine High­lights – eine Mis­chung aus Unwis­senheit, Eng­stirnigkeit und Schwachsinn

Vor­sicht, da kommt ein Schäfer­hund!“ Ob in der Stadt oder auf der Hun­dewiese, über­all habe ich diesen Satz schon gehört. Beson­ders vor Augen habe ich hier immer eine Begeg­nung während eines Mark­tes in unserer Stadt. Die Frau war noch gute zehn Meter von uns ent­fernt. Völ­lig gelang­weilt lief Queen neben mir her. Die Frau sah uns und schrie zu ihrem Ehe­mann, der eigentlich direkt neben ihr stand, „Vor­sicht, da kommt ein Schäfer­hund.“ Der Mann hatte eben­falls eine Hun­deleine in der Hand, dessen Ende an dem Hals­band eines Dack­els befes­tigt war. Noch bevor der Mann reagieren kon­nte, sprang der Dackel in die Leine, bellte und knur­rte wie ein Irrer. Sofort nahm die Frau dieses leicht angeknip­ste Tier auf den Arm und hielt beschützend die Hand vor die Augen des Dack­els. Ich bin ehrlich. Ich diesem Moment dachte ich nur: Wenn es etwas Gerechtigkeit gibt, dann beißt dieses etwas zu dick ger­atene Tier zu (Frauchen hatte – wen wun­dert es – übri­gens eine ähn­liche Figur). Natür­lich war dem nicht so, aber Genug­tu­ung emp­fand ich dann doch noch, denn ein Pas­sant sagte fol­gen­des: „Immer diese kleinen behaarten Würstchen mit Beinen – die sind die Schlimmsten“

Eine ganz bes­timmte Begeg­nung wird mir immer im Gedächt­nis bleiben. Wir liefen an einem Feld ent­lang und ein Jagdhund kam direkt – und nicht ger­ade fre­undlich – auf uns zuge­laufen. Im let­zten Moment kon­nte ich meinen Fuß in den Weg stellen, damit dieser Hund Queen nicht direkt in die Seite beißt. Ich habe mich dann direkt vor Queen gestellt und sie am Hals­band hin­ter meinen Beinen fest­ge­hal­ten. Die Besitzerin rief ihren Hund gar nicht erst, weil „die hätte dann sowieso nicht mehr gehört.“ Sofort kam mein absolutes „wenn – mir – das – noch – ein­mal – jemand – sagt – raste – ich – vol­lkom­men – aus – Zitat“: „Das hät­ten die Hunde schon unter sich gek­lärt!“ Na klar. Das ist ja wohl der bek­loppteste Satz eines Hun­debe­sitzers. Sobald jemand dies zu mir sagt, steckt der­jenige schon in meiner „Dumme – Hun­debe­sitzer – Schublade“ und kommt da auch nie mehr raus. Ich fragte die Dame daher nur, ob sie Lust hat, mit ihrem Hund in die Tierklinik zu fahren. Zwei Hündin­nen klären Sit­u­a­tio­nen niemals unter sich. Das endet in der Regel mit einem Besuch beim Tier­arzt. Queen würde sich mit Sicher­heit wehren und sich nicht taten­los beißen lassen. Auf meine Frage hin, kam ein Satz, mit dem ich nun wirk­lich nicht gerech­net hätte. „Wenn ihr Hund aggres­siv ist, dann müssen sie ihn eben an der Leine führen!“ Ja genau, diesen Satz hat die Dame mit der „ich brauche nicht zu rufen, die kommt sowieso nicht“ – Ein­stel­lung gesagt. Ich bin wirk­lich ein gelassener Hun­de­hal­ter, aber an dieser Stelle hab ich die Dame – nun ja – zu dem Tier gemacht, welches sein Haus auf dem Rücken trägt. Sorry, da kon­nte ich nicht anders. Die hat angefangen 🙂

Viele Hun­debe­sitzer nehmen ihren Vier­beiner auf den Arm, wenn sie mich sehen. In der Regel ignoriere ist das und gehe ein­fach weiter. Doch an einem Tag stellte sich die Frau mit ihrem Hund direkt vor einen Baum und rief „Gehen Sie! Drehen Sie ein­fach um!“ Ich sollte also meine Rich­tung ändern, während die Frau ihren Hund vor dem Baum fast zer­quetschte. Ich muss zugeben, Queen war noch nicht so schwer wie jetzt, daher nahm ich sie eben­falls auf den Arm und ging direkt an der Frau vor­bei, während ich beruhi­gend auf die völ­lig ver­störte Queen einre­dete „Die Frau tut dir nichts mein Schatz. Alles ist gut. Du brauchst keine Angst zu haben“ Keine Worte dieser Welt kön­nen den Blick dieser Frau beschreiben…

Bevor mein Blut­druck erneut ins uner­messliche steigt, belasse ich es hier­mit bei diesen Klas­sik­ern und High­lights. Ich bin schon ges­pannt, was uns dies­bezüglich noch alles erwartet. Meis­tens nehme ich diese Begeg­nun­gen mit Humor, aber manch­mal häufen sich die Vorurteile der­art, dass ich zwis­chen­durch kurz vorm Platzen bin. Ich kön­nte die Vorurteile nachvol­lziehen, wenn Queen einen Grund liefern würde. Aber sie ver­hält sich mehr als vor­bildlich und pöbelt nie an der Leine. Sie bellt keine anderen Hunde an und selbst wenn sie von anderen Hun­den ange­bellt und angepö­belt wird, reagiert sie völ­lig ruhig und geht ein­fach weiter. Das ist nicht nur auf meinen Mist gewach­sen. Queen ist ein sehr ruhiger und abso­lut entspan­nter Hund. Daher ver­stehe ich die Vorurteile und deplatzierten Fra­gen noch weniger. Ich komme nicht umher, mir die Frage zu stellen, ob sich die Hun­de­hal­ter über­haupt nur ein Fünkchen Wis­sen über Vier­beiner angeeignet haben. Ob ein Hund fre­undlich oder aggres­siv ist, kann man an der Kör­per­sprache erken­nen. Ein wenig mehr Wis­sen und ein paar weniger Vorurteile kön­nten uns Hun­de­hal­tern das Leben untere­inan­der erle­ichtert. Wer bei Google „RTL nau“ (ja ihr habt richtig gele­sen) eingeben kann, wird es schaf­fen, die Wörter „Kör­per­sprache“ und „Hund“ einzutippen 🙂

Aber ich bin diesen Hun­debe­sitzern auch furcht­bar dankbar. Wie hätte ich sonst erfahren, dass mein Hund sowohl Men­schen als auch Hude beißt und manche Hunde ein­fach keine Schä­fis mögen. Wie sollte ich sonst wis­sen, dass Schäfer­hunde eine strenge und harte Erziehung brauchen, während die Leine stramm gehal­ten wer­den muss, damit das Stachel­hals­band auch gut sitzt. Ich hätte gar nicht wis­sen kön­nen, dass ich mit einem Schäfi sofort umdrehen muss, wenn uns ein anderer Hund ent­ge­gen kommt.All diese Grun­dregeln hätte ich nie ken­nen gel­ernt, wenn diese “net­ten” Men­schen mich nicht so “höflich” darauf hingewiesen hätten.

Was habt ihr schon vor Vorurteile erlebt? Welche Sit­u­a­tio­nen sind euch im Gedächt­nis geblieben? Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr euch uns anschließen und berichten würdet.

2015-06-02 14.27.21

Die Beiträge von Nicole und Rebecca findet ihr hier und hier.

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Posted on: 27. Juli 2015Sabrina

10 Gedanken zu „Blogparade: Begegnungen mit anderen Hundehaltern

  1. Hallo Sab­rina!

    Die Frau tut dir nichts mein Schatz. Alles ist gut. Du brauchst keine Angst zu haben“
    hihi, das mache ich auch immer. wenn ein kleiner Dackel, Waden­beißer, Fußhupe zäh­ne­fletschend Lyko anmacht, sage ich sowas auch immer.

    Ich hatte mal einen Vorfall:
    Damals lebte Lutz, 72 cm hoch imposan­ter Schäfer­hund. Artgenossen unverträglich, aber dank Train­ing aber gut zu führen.

    Es kam mir ein Mann auf dem Feld ent­ge­gen, der einen kleinen Hund an der Leine hatte. Ich nahm Lutz dicht an mein Bein, führte ihn und sprach auf ihn ein.
    “Ruhig, ein­fach weiter, alles gut,ruhig, laß dich nicht provizieren, weiter..”

    Alles in einem ruhi­gen, Singsang.
    Lutz klebt an meinem Bein, fix­ierte zwar den kleinen Hund, bellte aber nicht und hing nicht in der Leine.

    Der Leine währen dessen hing im Hals­band, die Leine auf Span­nung, bellte und keifte und machte Terror.
    Als der Mann hörte, was ich meinen BÖSARTIGEN Schäfer­hund da so souf­flierte und zure­dete, machte er mich an:
    “von wegen ‘nicht provizieren lassen’, diese bösenti­gen Schäfer­hunde gehören alles erzo­gen, die sind gefährlich..
    Mit keinem Wort richtet er sich gegen seinen Hund der meinen übelst anbellte und anmachte… son­dern pampte mich weiter an…
    Ich lief weiter, redete beruhi­gend mit Lutz und beachtete ihn garnicht.
    Mann brüllte nur Minuten­lang hin­ter­her und belei­digte meinen Hund.
    Irgend platzte mir der kra­gen, ich drehte mich um und meinte:
    “Fan­gen Sie mal bei sich an, ihr Hund an meinen anbellt, meiner war ruhig und das immer­hin ein BÖSARTIGER Schäferhund !”
    und ging mit stolzgeschwel­ter Brust weiter…

    Gruß Silke

  2. Na da habt ihr ja schon einiges erlebt und euch anhören müssen und ich bin mir ganz sicher, dass auch noch einige Sit­u­a­tio­nen kom­men wer­den, wo du drüber schmun­zeln wirst 😉
    Mit­tler­weile geh ich mit einigem auch etwas lock­erer um, zumin­d­est ver­suche ist es, aber es gab schon Momente, wo mir ungel­o­gen die Trä­nen in den Augen standen und ich echt mit mir zu kämpfen hatte.
    Als ich Chilli vielle­icht grad mal ein Jahr hatte und wir gemein­sam mit den Col­lies meiner Großel­tern spazieren gegan­gen sind, kam uns ein älteres Pärchen ent­ge­gen und der Mann meinte doch tat­säch­lich: “Also die zwei lang­haari­gen Hunde sehen mir nach sehr lieben und fre­undlichen Genossen aus, aber so was da (und zeigte auf Chilli) gehört eingeschläfert!”
    Weder meine Oma noch ich wussten in dem Moment, was wir sagen soll­ten, so per­plex und geschockt waren wir!!! Ich meine Chilli hat diese Leute noch nicht mal mehr eines einzi­gen Blickes gewürdigt, steckte sie zu diesem Zeit­punkt grad mit ihrer Nase in einem Loch und war äußerst beschäftigt…
    Das tat mir damals abso­lut weh, aber mit­tler­weile ver­such ich das nicht mehr so an mich heran zu lassen, was mir mal mehr und mal weniger gelingt. Ich meine ich erwarte doch nicht, dass jeder meinen Hund liebt und toll findet, dafür hat nun mal jeder seine eige­nen Vorstel­lun­gen von einem für ihn passenden und geeigneten Hund, aber kann man sich dann solche skru­pel­losen Aus­sagen bitte wenig­stens nur denken?!?

    Einen wun­der­schö­nen restlichen Son­ntag dir und Queen noch, wün­schen Jule & Chilli. 🙂

    1. Wow. Da bin ich echt sprachlos.
      Solche Sätze sind so über­flüs­sig, da finde ich keine Worte für.
      Das tut mir leid, dass du dir so etwas anhören musstest.
      Ich hoffe, dass es bei diesem einen mal bleibt. Da ist ja furchtbar.
      Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte.
      Liebe Grüße
      Sab­rina und Queen

  3. Hallo, bin vor eini­gen Tagen auf euren Blog gestoßen und lese mich nun fleißig durch. 🙂

    Ja, die lieben, net­ten Vorurteile…
    Meine Schäfer­dame ist ger­ade 2 Jahre alt.
    Ich hätte nie gedacht, das die Vorurteile “heute” tat­säch­lich noch so extrem sind, als ich sie mit 12 Wochen abge­holt habe.
    Als sie erst so um die 4 Monate alt war haben wir schon ver­dammt viele Sprüche gesam­melt. Immer das selbe; “Aggres­siv”, “Bestie” und sooooo “Böse”, “Braucht doch einen Maulkorb”. *Kopfschüttel*
    Und natür­lich ließen die meis­ten Hun­debe­sitzer ihre “Fußhu­pen” keifend auf sie zubrettern.
    “Ja, der hat halt schlechte Erfahrun­gen mit Schäfer­hun­den gemacht!/Ist schon mal von einem Schäfer­hund gebis­sen wor­den!” (Wo sind die denn bitte alle?! Wir tre­f­fen in einem hal­ben Jahr mit etwas Glück mal 3 anderen DSH)
    Toll, und deshalb soll meine nun schlechte Erfahrun­gen sam­meln?! Mit einem Jahr hatte sie selbst noch vor Chi­huahuas totale Angst. 🙁
    Den Leuten, die sofort umdrehten, oder ihre Hunde auf den Arm genom­men haben, begeg­neten wir auch häufig.
    Inzwis­chen weiche ich Großräu­mig aus wenn ich die Hunde nicht kenne, allerd­ings weil meine lei­der nicht mehr so fre­undlich reagiert und durch Bellen abstand fordert und ich den Stress ver­mei­den möchte. Das Bestätigt die anderen natür­lich in ihrem Bild vom aggres­sivem Schäfer.
    Zum Glück ken­nen die meis­ten Leute meine Hündin, die regelmäßig die sel­ben Strecken gehen wie wir, und wis­sen das sie nicht aggres­siv ist, son­dern nur etwas unsicher und deshalb gerne mal laut ist. 

    Fre­undliche Grüße 🙂

    1. Na, dann sage ich erst ein­mal “Her­zlich Willkom­men” auf unserem Blog. Ich hoffe, er gefällt dir und du find­est hier einige span­nende Beiträge. 

      Die ganze Vorurteile sind wirk­lich schlimm. Die Leute merken ja auch gar nicht, dass es sich hier um einen Teufel­skreis han­delt. Sie lassen ihren Hund nicht mit einem DSH spie­len, weil der DSH gefährlich sein kön­nte. Daraufhin haben wir als Hal­ter Schwierigkeiten mit der Sozial­i­sa­tion weil uns unnötige Steine in den Weg gelegt wer­den. Und sollte es dann wirk­lich Defizite geben und ein DSH bellt an der Leine (und sei es nur weil er unsicher ist) dann fühlen sich die Leute wieder bestätigt und schwups sind wieder alle DSH gefährlich…

  4. Hallo auch von mir, bin auch ger­ade erst auf Euren Blog gestoßen und kann von diesen “spaßi­gen” Begeg­nun­gen auch ein Lied singen.
    Aktuell­ster Fall, ger­ade let­zte Woche passiert:
    Ich bin mit meinem Hund Elmo (Rüde, Mis­chling, 2 Jahre alt, aus de griechis­chen Tier­schutz und lei­der manch­mal angstag­gres­siv) auf einem Feld­weg unter­wegs, uns kommt in ca. 50 m Ent­fer­nung eine Dame mit Dackel ent­ge­gen. Elmo wird schon steif und fix­iert, aber seit einiger Zeit haben wir das Clicker-Training für uns ent­deckt und so spreche ich ihn an, belohne seinen Blick zu mir sofort mit Click und werfe ein Leck­erchen ins Gras am Straßen­rand. Elmo wen­det seine Aufmerk­samkeit (juhu!!) sofort dem Leckerchen-Suchen zu und inter­essiert sich nicht mehr für den Dackel. Die Dame naht, ich belohne Elmos näch­sten erwartungsvollen Blick zu mir sofort wieder mit Click und Kek­swurf. Frau und Dackel sind mit­tler­weile auf unserer Höhe, ich grüße kurz, clicke und werfe während­dessen weiter und freue mich wie Bolle, dass Elmo nur Kekse und keine Kon­fronta­tion mit dem Dackel sucht, behalte ihn aber trotz­dem im Auge. Plöt­zlich kommt die Frau hin­ter mir samt Dack­el­wurst an der Leine genau auf uns zu und sagt: “Entschuldigung, ich glaube, sie benutzen den Clicker falsch!”
    Mir bleibt fast das Herz ste­hen, Elmo allerd­ings lässt sich (noch) mit Click und Keks beschäfti­gen. Ich würdige die Frau keines Blickes, konzen­triere mich weiter auf meinen Hund und sage ganz ruhig: “Ich denke, ich mache ger­ade alles ganz richtig.”
    Anstatt das die Dame endlich weit­ergeht und schnallt, dass wenn ein anderer Hun­de­hal­ter samt Hund die Straßen­seite wech­selt und den Kon­takt mei­det, dass TATSÄCHLICH ABSICHT IST UND GRÜNDE HAT, kommt sie noch näher und antwortet: “Nein, das tun sie nicht! ICH habe in der Hun­de­schule gel­ernt, dass man den Clicker nur nutzen soll, um den Hund für etwas Tolles, was er tut, belohnt wird! Was macht er denn bitte ger­ade Tolles, das Sie belohnen wollen?!”
    Nun habe ich die Faxen dicke und drehe mich kom­plett zu ihr um, Elmos Leine fest in der Hand, falls er dann jetzt doch aus­flip­pen sollte (was er erstaunlicher­weise nicht tut, Train­ing sei Dank!): “Kann ich Ihnen sagen: ich belohne, dass er Ihren Dackel ger­ade nicht angreift und Klinik-reif beißt, da mein Hund ein Angst-Aggressions-Problem hat und lei­der auf fremde Hunde, die ein­fach auf uns zu kom­men, sehr aggres­siv reagiert, weswe­gen ich auf die Seite gegan­gen bin und deut­lich sig­nal­isiert habe, dass wir keinen Kon­takt wünschen!”
    Die Frau springt in einem Riesen­satz gefühlte 3 Meter zurück, starrt entsetzt auf Elmo, dann auf mich, stam­melt “ach so, ja dann…” und sucht endlich das Weite.
    Natür­lich habe ich mit Elmos Aggres­sion maß­los über­trieben, aber der Blick war unbezahlbar. Seit­dem mei­det sie uns mit riesi­gen Bögen, die sie um uns schlägt und gruß­los. Recht so! 😀

    Ich habe schon die kurios­es­ten Erleb­nisse beim Spazier­gang gehabt, und das lei­der immer nur mit anderen Hun­de­hal­tern und nicht mit nor­malen Passanten!

    1. Das sind ja wirk­lich unschöne Erfahrun­gen, die du machen musstest
      Wie manche Men­schen völ­lig respek­t­los und rück­sicht­los durch die Welt stiefeln kön­nen, ist mir wirk­lich ein Rätsel

  5. Hehe, die Erfahrung mit der Dame an dem Baum kann ich nachvol­lziehen. “Schon in Ord­nung, Kon­rad, kom­m­mal näher, damit das böse Kind/ die böse Frau dich nicht frisst.” ist bei uns auch sehr geläufig ^^
    Schön war auch die Begeg­nung im Wald. Hubert und Kon­rad (damals noch kein halbes Jahr alt), liefen frei über den Wald­weg, immer in Sich­weite. Es muss so Januar/ Feb­ruar gewe­sen sein.
    Ein älteres Ehep­aar bog um die Kurve und Kon­rad rem­pelte mit der Frau zusam­men. Hubert lief ohne­hin bei Fuß. Die Frau erschrack, ver­ständlicher­weise. Ich habe Kon­rad zurück­gerufen, er kam auch und hat sich fest­machen lassen. Hubert blieb frei bei Fuß, ich habe ihn allerd­ings am Hals­band gehal­ten, da den bei­den die Begeg­nung offen­sichtlich unan­genehm war.
    Als ich danna uf Höhe der bei­den war, fing der Mann (!) an. “Sie dür­fen die Hunde im Wald nicht frei laufen lassen! Außer­dem ist der aggres­siv, der hat meine Frau ange­fallen! Ich werde Sie anzeigen! Und dieser andere, der große Schwarze da, der beißt bes­timmt auch! *blablabla*”
    Ich bin also ganz fre­undl­cih ste­hen geblieben, habe Hubert demon­stra­tiv auch angeleint und absitzen lassen. Keiner der Hunde hatte sich auch­noch annäh­ernd für die bei­den inter­essiert. “Guter Mann, ich darf meine Hunde im Wald frei laufen lassen. Es ist Win­ter, es sind keine Jungtiere da, beide Hunde kom­men auf Zuruf (-das war vor Kon­rads Aus­flug zum Wilderer-) und wenn das aggres­sive Hunde sind möchte ich gerne einen fre­undlichen sehen.”
    Hubert hatte sich mit­tler­weile hin­gelegt, Kon­rad eben­falls. Es passierte ja auch nichts Spannendes.
    Der Mann ver­suchte wieder, seine Wut zu recht­fer­ti­gen. “Aber wenn die ein Reh sehen! So bösar­tig wie die sind, dann reißen die aus und wildern!”
    Ich hob eine AUgen­braue, betra­chtete seine eher kor­pu­lente Frau in ihrem weißen Daunen­man­tel. “Ah, meine Hunde woll­ten also ein Reh jagen. Gut zu wis­sen. Ah, meine Adresse, falls der Man­tel schmutzig gewor­den ist, werde ich das natür­lich bezahlen.”
    Ich bin dann gegan­gen, von dem Paar habe ich nie wieder was gehört. Ich habe allerd­ings noch mit­bekom­men, dass sie sich mit einer Fam­i­lie in der Nähe getrof­fen haben, die ihren Bea­gle frei im Wald rum­laufen ließ. Der Bea­gle reagierte natür­lich nicht auf Zuruf, aber das war ja nicht schlimm, der war ja klein und nicht schwarz. Und auch ganz bes­timmt kein Jagdhund *räusper*

    Mit Hubert gibt es übri­gens reich­lich solcher Erleb­nisse, ein­fach nur, weil er fast 50 cm hoch und schwarz ist. Dabei würde er bei jeder Begeg­nung mit einem Unbekan­nten lieber in meinem Knie ver­schwinden, als irgen­det­was zu provozieren. Jeden­falls so lange, wie man ihm die Möglichkeit lässt (man sollte ängstliche Tiere ja niemals unterschätzen …)

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