Blogreihe Handicaphunde — die Mandelenzündung die niemals geht ?>

Blogreihe Handicaphunde — die Mandelenzündung die niemals geht

Heute erzählt uns Ker­stin vom Hun­de­blog Kleine Hun­de­schnau­zen ihre Geschichte. 

Die Mandelentzündung die niemals geht

  Kessie war ger­ade 2,5 Jahre alt, da bekam sie im Win­ter 2014 eine Man­de­lentzün­dung. Es war nicht ihre erste Man­de­lentzün­dung, aber es war die, die für immer bleiben sollte. Ich berichte Euch darüber, wie Kessies chro­nis­che Man­de­lentzün­dung unseren All­tag bee­in­flusst, und wie es Kessie damit geht.

Bei Kessie unter­scheide ich zwei Entzün­dungs­grade. Dabei beschreibt die chro­nis­che Man­de­lentzün­dung Kessies dauer­haften Zus­tand. Die Man­deltaschen sind hier­bei immer geöffnet, die Man­deln sel­ber mal mehr mal weniger stark angeschwollen und gerötet. Kessie ist dabei wie ein ganz nor­maler Hund, zeigt kein Unwohl­sein oder irgendwelche anderen Krankheitssymp­tome. Im Blut sind keine Erreger nach­weis­bar, und somit besteht nicht die Gefahr, dass andere Organe, wie zum Beispiel das Herz, durch die Entzün­dung geschädigt werden.

1

Bei einer akuten Man­de­lentzün­dung, sind zusät­zlich eitrige Beläge auf den Man­deln, Kessie bekommt Fieber, ist Schlapp und hat Schmerzen beim Schlucken. Hier­bei besteht die Gefahr, dass andere Organe durch die vorhan­de­nen Erreger im Blut geschädigt wer­den. Unser ganzes Han­deln und Tun besteht darin, eine akute Man­de­lentzün­dung zu vermeiden.

Mit­tler­weile haben wir es geschafft, dass Kessie seit 2014 keine akute Man­de­lentzün­dung mehr hatte. Vor allem Nässe und Kälte führt zu einer Ver­schlim­merung der Entzün­dung. Selbst ein warmer Som­mer­re­gen, bei dem Kessie in einem Regen­over­all und großer Kapuze eingepackt war, hat bei ihr zu einer Steigerung der Schwellung der Man­deln geführt. Da wir aber nicht in einem war­men südlichen Land wohnen, son­dern in einem recht kühlen Teil von Deutsch­land, haben wir ein­fach unseren All­tag auf Kessie und ihre Erkrankung angepasst.

Der Hund mit dem gewissen Mehraufwand

Wirk­lich zu spüren bekom­men wir diesen Mehraufwand eher im Win­ter. Aber auch im Som­mer gibt es das ein oder andere zu beachten. Ich schleppe z.B immer eine 0,5 Liter Wasser­flasche mit mir herum, egal ob im Wald oder auf dem Hun­de­platz, Kessie hat immer ihr eigenes Wasser dabei. Es geht ein­fach darum, dass sie nicht zusät­zlich Erreger über Pfützen­wasser aufn­immt, aber vor allem ver­meide ich es, dass sie mit frem­den Hun­den aus einem Napf trinkt, und sich hier­bei noch etwas ein­fängt. Klar bekomme ich ger­ade am Hun­de­platz schon mal von den Neulin­gen schräge Blicke zuge­wor­fen, wenn ich ver­hin­dere, dass andere Hunde von Kessies Wasser trinken, aber es ist ja auch schnell erk­lärt, und bisher zeigten alle Zweibeiner Ver­ständ­nis dafür.

3

Um Nässe und Kälte zu ver­mei­den, haben wir mit­tler­weile feste Abläufe im All­tag. Bei Regen oder Schneere­gen gehen wir ein­fach nicht spazieren. Obwohl so ein­fach war es erst mal nicht für mich, weil ich ein Men­sch bin, der am lieb­sten seine ganze Freizeit in der Natur ver­bringt. Nur ist es sinn­los, Kessie 1–2 schöne Stun­den beim Regen im Wald zu gön­nen, und anschließend muss sie ein Antibi­otika bekom­men, weil sie richtig krank gewor­den ist. Ger­ade im Herbst und im Win­ter kann es dann passieren, dass wir tage­lang nicht richtig nach draußen gehen kön­nen. Zum Glück haben wir einen Garten, indem sich Kessie lösen kann. Zur all­ge­meinen Beschäf­ti­gung gibt es ein sehr umfan­gre­iches Beschäf­ti­gung­spro­gramm im Haus, z.B. mit Trick­sen, Dum­my­suche im Wohnz­im­mer, oder ich baue im ganzen Haus einen Agility-Parcour auf. Kessie ist ein Hund, der nicht eine dauer­hafte Beschäf­ti­gung ver­langt, und auch mal mit einem “Kör­bchen­tag” sehr glück­lich ist. Durch ihr ruhiges und aus­geglich­enes Wesen ist es mir möglich, sie über­all mithin zu nehmen. Ob Bau­markt, Tup­per­abend oder Restau­rantbe­such, im Win­ter ist Kessie über­all mit dabei, um etwas Abwech­slung in ihren den All­tag zu bringen.

 

Aber ein biss­chen Gassi gibt es natür­lich bei jeder Gele­gen­heit auch im Win­ter. Im let­zten Win­ter hat­ten wir sehr viel Glück, und es gab fast täglich immer wieder ein paar trock­ene Stun­den. Da Kessie allerd­ings ein kleiner Lang­haarhund ist, bleiben für uns nur schneefreie Wege. Eingepackt im Win­ter­man­tel und Stulpen­schal, kön­nen wir so die Spaziergänge genießen. Mein Auto statte ich jedes Mal mit einem trock­e­nen Schlaf­sack, Handtüch­ern und Wärmepad aus, damit Kessie direkt nach dem Spazier­gang aus den Nassen Sachen raus, und in den war­men Schlaf­sack hinein schlüpfen kann. So bin ich ständig Klam­ot­ten am trock­nen, bevor ich das Haus ver­lasse muss ich mir genau über­legen, was ich alles für Kessie unter­wegs benötige, und ich stehe immer genau 6 Minuten vor der Mikrow­elle, um das Wärmepad zu erhitzen. Das sind halt die Dinge, die zu unserem Leben dazu gehören, genauso wie die tägliche Gabe der homöopathis­chen Mittel.

index

Das Einzige, dass schon etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, sind die regelmäßi­gen Besuche bei einer speziellen Tier­heil­prak­tik­erin. Dadurch, dass diese nicht ger­ade hier um die Ecke prak­tiziert, gehen bei so einem Besuch immer 5–6 Stun­den drauf. Der Inter­vall der Ter­mine ist auch recht wet­ter­ab­hängig. Jetzt im Som­mer fahre ich alle 4–6 Wochen mit Kessie dor­thin, im Win­ter liegt der Rhyth­mus bei alle 2–4 Wochen. Da ich allerd­ings nur auf Teilzeit arbeite, bekomme ich diese Besuche gut in meinen All­tag integriert.

 

Es ist schon etwas anderes, als nur die Leine zu nehmen, und mit dem Hund nach draußen in das wilde Schnee­treiben zu gehen, aber dieser gewisse Mehraufwand ist für uns ein­fach zum All­tag gewor­den, auch wenn sich täglich meine Gedanken darum drehen, was geht und was muss ich ger­ade ver­mei­den. Jedoch durch dieses über­belegte han­deln, kann Kessie ein rel­a­tiv nor­males Hun­deleben führen, und muss nicht ständig Antibi­otika zu sich nehmen.

 

Warum die Mandeln nicht entfernt werden?

Darauf werde ich immer wieder ange­sprochen, ob es nicht besser ist, die Man­deln oper­a­tiv zu ent­fer­nen. Aber solange Kessie nicht ständig an akuten Man­de­lentzün­dun­gen lei­det, und damit eine Gefahr der Erkrankung für andere Organe besteht, ist daran über­haupt nicht zu denken. Zum einen ist es ein kom­plizierter und gefährlicher Ein­griff bei kleinen Hun­den, bei dem es zu starken Blu­tun­gen kom­men kann. Zum anderen besteht ein­fach die Gefahr, dass der Hund anschließend ständig mit Infek­tio­nen der unteren Atemwege zu kämpfen hat, also eine Bron­chi­tis oder Lun­genentzün­dung bekommt. Aus diesen Grün­den werde ich diese Oper­a­tion nicht durch­führen lassen, auch haben mir bisher alle Tierärzte davon abger­aten, die mit Kessie Krankengeschichte ver­traut sind.

Vie­len Dank für diesen inter­es­san­ten und per­sön­lichen Ein­blick. Ich habe ehrlich gesagt zum ersten Mal von einer chro­nis­chen Man­de­lentzün­dung bei Hun­den gehört. Ich fand es daher sehr inter­es­sant zu lesen, wie ihr euren All­tag gestal­tet. Es ist wirk­lich toll, dass ihr einen Weg gefun­den habt und Kessi schon so lange keine akute Enzün­dung mehr hatte. Ich drücke euch die Pfoten, dass es lange so bleibt!

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.