Blogreihe Handicaphunde — Snowy, besonders und bereichend ?>

Blogreihe Handicaphunde — Snowy, besonders und bereichend

Unser Leben mit der Handicap-Hündin Snowy – beson­ders und bereichernd

Wenn ein Hund in unser Leben ein­tritt, haben wir meist ein Bild vor Augen, wie die Zukunft mit unserem Liebling ausse­hen wird. Ein fröh­licher Hund, der mit strahlen­den Augen auf den gemein­samen Spaziergän­gen freudig und leicht­füßig durchs Leben läuft. Ein müh­eloses Leben. So erleben wir es auch mit unserer Podenco Hündin Tessa. Doch Anfang 2012 kam dann das Podenco Mäd­chen Snowy dazu und verän­derte einiges.

Was bedeutet das Zusam­men­leben mit dem Handicap-Hund?

Ganz gle­ich, ob man sich von vorne herein für eine Adop­tion eines Hand­i­cap Hun­des entschei­det, so wie wir unser mit­tler­weile achtjähriges Podenco-Mädchen Snowy adop­tierten oder ob ein Unfall oder eine Erkrankun­gen im Ver­lauf des gemein­samen Lebens zu einem Hand­i­cap führt. Das Leben mit einem Hand­i­cap Hund ist ein anderes. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es macht keinen Unterschied.
Als Snowy vor etwas vier Jahren zu uns kam, kon­nte sie kaum gehen. Sie war geze­ich­net, von den Jahren, die sie bei einem Jäger in einer Holzk­iste ver­brachte. Die Hin­ter­läufe ver­formt, schwere Arthrose in den Hüften, beide Knie kaum mehr als Gelenke erkennbar, nicht zu sagen, ob durch einen Unfall oder durch äußere Gewal­tein­wirkung. Auch der Rücken zeigte erste Schädi­gun­gen in Form von Spondy­losen. Zusät­zlich hat sie einen achten Lenden­wirbel und die Ell­bo­gen waren durch die dauer­hafte Über­be­las­tung geschädigt.

Wie wir mit Snowy unser tägliches Leben bestreiten

Es ist beein­druck­end, trotz ihrer Beschw­er­den har Snowy immer gute Laune, verza­ubert jeden mit ihrer fre­undlichen Art und läuft fröh­lich durchs Leben. Seit Snowy bei uns lebt, bekommt sie regelmäßig Phys­io­ther­a­pie. Auch wenn sie sich niemals wie ein gesun­der Hund bewe­gen wird, hilft es ihrem Kör­per enorm. Wir haben sehr viele kleine Schritte gemacht und machen sie noch immer. Sie bewegt sich viel besser und leichter und sie fühlt sich wohler in ihrem Kör­per. Auch die Goldakupunk­tur, die sie im Jahr 2015 bekam und die zahlre­ichen Nahrungsergänzungsmit­tel helfen ihr. Aber sie wird immer ein Hund mit Hand­i­cap sein.
Unsere Spaziergänge wer­den nie so lang sein, wie mit einem gesun­den Hund. Sie wird ins Auto gehoben und bekommt Unter­stützung, wo auch immer sie uns zeigt, das sie diese benötigt. Den Sprung aufs Sofa lässt sie sich allerd­ings nicht nehmen und auch ins Bett schle­icht sich Snowy gern auch mal ohne fremde Hilfe.
Uns ist bewusst, dass sich ihr Gesund­heit­szu­s­tand mit fortschre­i­t­en­dem Alter ver­schlechtern kann. Wir sind darauf gefasst und vor­bere­itet. Wir wer­den Snowy jeden Weg ebnen, um ihr das Leben so unkom­pliziert, angenehm und bar­ri­ere­frei wie möglich zu gestalten.

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Die schlechten Tage

Ich gebe ehrlich zu, dass auch wir manch­mal schlechte Tage haben. Wenn es mit dem Laufen nicht gut klappt oder sie sich schw­er­fäl­liger als sonst bewegt. Dann keimt auch bei mir die Angst hoch und ein flaues Gefühl im Magen entsteht. Dann beschle­ichen mich Äng­ste und Sor­gen, ob ich alles richtig mache, ob es ihr noch gut geht, ob wir etwas anders machen soll­ten. Und ich habe Angst sie zu ver­lieren. Aber ich glaube, das diese Äng­ste und Sor­gen nor­mal und men­schlich sind. Dann schaue ich Snowy an und weiß, sie braucht kein Mitleid. Ich darf mit­füh­lend sein, vor allem aber sollte ich sie motivieren, lieben, begleiten und jeden Tag mit ihr genießen.

Wir passen uns (Lebens– )Tempo an Snowy an

Wir spazieren in dem Tempo, wie sie es kann und passen auch die Länge der Spaziergänge an. Oft machen wir kürzere Spaziergänge und dafür dann häu­figer und gön­nen uns kleine Ruhep­ausen unter­wegs. Das gibt uns auch die Gele­gen­heit, die Natur inten­sive wahrzunehmen und wir saugen die Momente mit unseren bei­dne Hun­demäd­chen förm­lich auf.
Das die Spaziergänge kürzer aus­fallen, schmäl­tert die Qual­ität nicht. Im Gegen­teil. Wir erleben sie noch bewusster und ver­suchen vor allem eines: Snowy so „nor­mal“ wie möglich Hund sein zu lassen und sie Dinge aus­pro­bieren lassen. Sie soll ihre Erfahrun­gen machen. Und das kann auch mal bedeuten, dass sie strauchelt und stolpert. Aber durch ein über­mäßiges Behüten wür­den wir sie verun­sich­ern und ein­schränken. Und Snowy möchte so viel wie möglich ein nor­maler Hund sein. Ihre Gren­zen auszutesten, nicht über­be­hütet zu wer­den, stärkt sie. Und wenn sie eine Sit­u­a­tion alleine gemeis­tert hat, kann man den Stolz und die Freude in ihrem Gesicht sehen. Und wir freuen uns von Herzen mit.

Ein Hand­i­cap verän­dert vieles – aber nicht alles zum Schlechten

Das Leben mit Snowy bere­ichtert unser Leben unge­mein. Manch­mal wird man ein­fach gezwun­gen langsamer zu machen und einen Gang run­terzuschal­ten. Jeden Tag bewun­dere ich aufs Neue ihre Stärke und ihre gute Laune. Sie lässt sich nie hän­gen, sie jam­mert nicht, sie genießt jede Sekunde. Sie nimmt ihr Leben so an wie es ist und sie geniesst es. Das ist eine große Bere­icherung, weil es uns bewusster Leben lässt.

Auch wenn es an manchen Tagen beschw­er­licher ist, ich würde keine Sekunde tauschen wollen. Wir haben nicht das Gefühl, das wir im Zusam­men­leben mit Snowy etwas ver­passen oder es mit einem gesun­den Hund schöner sein könnte.
Ich kann nur alle Men­schen dazu ermuti­gen, einen Hund aufzunehmen, der ein Hand­i­cap hat. Auch mit dem Wis­sen, dass der All­tag manch­mal Hür­den bereit hält und man sich mehr sorgt.

Da ich es oft in meiner Praxis erlebt habe, das Hun­debe­sitzer meist völ­lig verun­sichert waren, wenn ein Hand­i­cap Hund ins Haus kommt, oder der zuvor gesunde Hund plöt­zlich mit einem Hand­i­cap leben muss, teile ich gern eine ganze Reihe von Tipps mit dir, wie du euer Zusam­men­leben erle­ichtern kannst.

Man kann sehr viel tun, um einem Handicap-Hund den All­tag zu erleichtern:

• erhöhter Wasser-/Futternapf
• ein wär­mender Man­tel im Winter
• orthopädis­che Hundebetten
• Hun­der­am­pen fürs Auto
• Trep­pchen für das Sofa
• Rutschfeste Unter­gründe im Haus
• Trage­hil­fen beim Treppensteigen

Die Orthopädi­etech­nik hält eine Vielzahl an Lösun­gen bereit:

• Ban­da­gen
• Orthesen
• Prothesen
• Hunderolli

Phys­io­ther­a­pie kann deinen Hund unter­stützen mit z.B.:

• Laser
• Elektrotherapie
• Hydrotherapie
• Akupunktur
• Manuellen Therapieformen

Du kannst mit geziel­ten Übun­gen aus der Phys­io­ther­a­pie selbst unter­stützen mit z.B.:

• entspan­nende Massagen
• aktive Übun­gen für eine gute Musku­latur, Beweglichkeit, Koor­di­na­tion, Bal­ance und Körpergefühl

Wir genießen jede Sekunde, die wir mit Snowy haben

Wir freuen uns und staunen, wenn sie wie ein Reh durch den Garten springt, wenn sie über Stock und Stein klet­tert, weil sie ver­gisst, dass ihre Knochen nicht gesund sind. Und wir sind glück­lich, wenn wir sehen, wie sie am Abend selig in ihrem geliebten Bettchen liegt und ihr ganzes Gesicht voller Freude ist.
Und wir wis­sen, wie wertvoll jeder Tag mit ihr ist.

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Deine Tina

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2 thoughts on “Blogreihe Handicaphunde — Snowy, besonders und bereichend

  1. Ein wun­der­barer Artikel, der mich sofort an meine Handicap-Katzen erin­nerte. Eine Katze hatte nur noch drei Beine und der Kater war blind. Nele, eine unserer drei Hun­demädels, küm­merte sich rührend um den blinden Kater, während Amy, die zweite Hundedame, der dreibeini­gen Katze alles beibrachte, was die ihrer Mei­n­ung nach wis­sen muss. Schön, dass es Men­schen gibt, die Tiere mit Hand­i­caps aufnehmen. Ich weiß nicht, wie oft wir hörten, wir sollen die Katzen doch ein­schläfern lassen. Aber warum? Beide hat­ten Spaß am Leben, deut­lich sicht­bar. Bei der dreibeini­gen Katze dachten wir ab und an, sie hat 10 Beine, so flink war sie mit ihren Krallen unterwegs…

    LG

    Mar­tina

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