Blogreihe Handicaphunde

Blogreihe Handicaphunde — die schönste Geschichte

Ver­gan­gene Woche startete mein Aufruf. Ich wollte mir euch die schön­ste und emo­tion­al­ste Geschichte unserer Blo­greihe finden.

Dass alle Geschichten etwas ganz berühren­des an sich haben, ist uns allen klar. Doch als Dankeschön für all eure Geschichten und per­sön­lichen Ein­blicke, wollte ich der schön­sten Geschichte eine kleine Aufmerk­samkeit zukom­men lassen.

Ich ver­rate es euch direkt:

Wir haben keine schön­ste Geschichte gefunden.

Es besteht Gle­ich­stand zwis­chen vier Beiträgen.

Und nun?

Eigentlich traf eine Leserin den Nagel auf den Kopf:

Um ehrlich zu sein: Ich kann gar nicht sagen, welcher Beitrag mich am meis­ten berührt hat.
Alle Geschichten haben einen bleiben­den Ein­druck hin­ter­lassen und gezeigt, wie schön das Leben mit unseren Flausch­p­foten ist — egal, was andere sagen und denken oder wie schwer auch manche Tage sind. Jeder einzelne hat uns gezeigt, wie viel Liebe und Kraft sie ihrem Hund geben. Und genau das ist es, was ein Hund braucht. Ich finde es bewun­dern­swert, wie stark und offen alle damit umgehen.
Wir alle ken­nen doch diese trau­ri­gen Fälle, in denen die Fell­nase dann ein­fach in’s Tier­heim abgegeben wird (oder noch schlim­meres), aber ihr habt uns gezeigt, dass sich die Mühe lohnen und die Liebe durch jedes Erleb­nis größer wird.

Somit würde ich gerne jeder Geschichte eine Stimme geben, wenn das denn erlaubt ist. Jeder von euch hat eine kleine Geste ver­di­ent, um auch euren Hun­den zu zeigen, dass wir an sie denken.
Ganz liebe Grüße,
Nadine mit Motte

Es gibt keinen Gewin­ner, weil alle Geschichten “die schön­ste Geschichte” sind.

Daher habe ich mir über­legt euch allen ein kleines Dankeschön auszusprechen.

Den Gutschein aufzuteilen macht keinen Sinn.

Daher schenke ich allen Teil­nehmer einen Gutschein über 20% über meinen Shop Glück­shund, den ihr noch in diesem Monat ein­lösen könnt.

Wer möchte kann mich hierzu über meine Face­book — Seite kontaktieren.

Und noch einmal:

Vie­len Dank an alle, die mit­gemacht haben. Es war eine sehr schöne, emo­tionale Blo­greihe und ich habe mich sehr über jeden einzel­nen Beitrag von euch gefreut 🙂

Blogreihe Handicaphunde — jetzt seid ihr dran

Ihr Lieben,

die Blo­greihe Hand­i­ca­phunde ist nun beendet.

Mir wur­den zahlre­iche Geschichten zugeschickt. Geschichten, die sehr per­sön­lich sind. Geschichten, die sicher nicht leicht über die Lip­pen gekom­men sind.

Ich selbst habe auch einen Handicaphund.

Queen hat an bei­den Seiten ED. Es geht ihr aktuell sehr gut und das ist ein­fach nur großartig.

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All­ge­mein scheine ich ein viel größeres Prob­lem mit dieser Sache zu haben als sie. Queen ist ein durch­weg fröh­licher, unternehmungslustiger und aktiver Hund. Sie bekommt Nahrungsergänzungsmit­tel und wir ver­mei­den plöt­zliches Stop­pen und Los­ren­nen, d.h. dass sie beim Apportieren warten muss bis der Ball liegt und ich sie loss­chicke. Ich habe ihr beige­bracht um den Ball herum zu laufen und ihn dabei aufzunehmen. So müssen wir auf dieses Spiel nicht verzichten und über­anspruchen ihre Gelenke nicht. Sie läuft wahnsin­nig gern und viel.

Zur Zeit geht es uns wirk­lich gut und dafür bin ich sehr dankbar.

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Viele eurer Geschichten haben mir Mut gemacht. Viele eurer Geschichten haben mir gezeigt, dass ich nicht alleine bin und dass es immer einen Weg gibt. Mir wurde bewusst, dass man immer etwas machen kann und ich habe gemerkt, dass die Hunde mit ihrer Sit­u­a­tion meist besser zurecht kom­men als die Zweibeiner.

Dafür möchte ich heute Danke sagen.

Danke, dass ihr eure Geschichten mit uns geteilt habt. Danke, dass ihr uns an euren Gedanken und Empfind­un­gen habt teil­nehmen lassen.

Doch ich möchte nicht ein­fach nur Danke sagen.

Ich möchte mit euch zusam­men die schön­ste Geschichte finden.

Welche Geschichte hat euch am meis­ten berührt? Welche Geschichte ist euch im Gedächt­nis beglieben? Und welche Geschichte hat euch Mut gemacht?

Hier sind noch ein­mal alle Geschichten zum Nachlesen.

Das humpel­nde Brötchen — Heidi und Panini

Char­lie, ein Hund mit PRA — San­dra und Charlie

Ein Leben mit Depri­va­tion­ssyn­drom — Daniela und Skadi

Rede du nur — Diana und Jessi

Die Man­de­lentzün­dung die niemals geht — Ker­stin und Kessie

Diag­nose PRA — Lea und Izzy

Claras Krankheits — Bingo — Christina und Clara

Snowy — beson­ders und bere­ichend — Tina und Snowy

Yuki — Lea und Yuki

Schreibt mir einen Kom­men­tar unter diesen Beitrag und ver­ratet mir, welche Geschichte euch am meis­ten berührt hat.

Die beliebteste Geschichte bekommt von mir einen 30,00 EUR Gutschein für meinen Shop Glück­shund.

Ihr habt nun Zeit bis zum 18.10.2016 abzus­tim­men. Am 19.10.2016 gebe ich die Gewin­nergeschichte hier auf dem Blog bekannt.

Blogreihe Handicaphunde — Yuki

Heute geht es weiter mit unserer Blo­greihe Hand­i­ca­phunde. Heute berichtet die liebe Lea über ihren Hund Yuki.
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Yuki ist nun fast 11 Monate alt, und schon gilt sie als ‘Handicap’-Hund, naja, eigentlich tut sie das von Geburt an, aber es wurde erst im Alter von 14 Wochen fest gestellt.

Aber in dem Alter kan­nten wir sie noch nicht. Eigentlich kam das Thema Zwei­thund für uns nie in Frage. Meine Eltern woll­ten keinen, und so musste ich mich damit abfinden. Doch dann lern­ten wir Yuki ken­nen und es war gegen­seit­ige Liebe auf den ersten Blick. Sie lief viel bei uns in der Nähe, hatte so ein tolles Wesen, was per­fekt zu uns passte und ver­stand sich super mit Alinga.

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Warum war denn dieser tolle Hund noch nicht vergeben?
Und zwar weil sie taub ist. Und so haben wir uns informiert und kamen zu dem Entschluss, dass wir sie zu uns holen wollen, für immer.

Im Alter von 8 Monaten zog Yuki am 12.6.2016 also bei uns ein. Die ersten Tage waren etwas chao­tisch. Ich kon­nte Yuki teil­weise nicht klar machen, was ich von ihr wollte, und sie hatte auf ein­mal ganz andere Regeln im Haus zu beachten.
Aber wie gestal­tet sich so ein Leben mit einem tauben Hund?
Ich sag es mal so:
Wie mit einem hören­dem Hund, nur dass man Sichtze­ichen gibt, anstatt Wortkommandos.

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Yuki lernt unheim­lich schnell. Sie achtet auf viele Kleinigkeiten. Wir haben ihr beige­bracht sich draußen beim Gassi immer wieder zu uns um zu drehen, so kann sie sogar frei laufen, weil sie immer bei uns in der Nähe bleibt und sich immer zu uns umdreht und man ihr so Kom­man­dos geben kann.
Not­falls stupsen wir sie ein­mal an, und dann haben wir ihre Aufmerksamkeit.

Im Haus folgt die jedem von uns wie ein Schat­ten und will immer wis­sen, wo wer ist. Sie ist über­haupt nicht gerne getrennt von uns und hat am lieb­sten immer Körperkontakt.

Sie hat nach einer kurzen Eingewöh­nungszeit schnell ‘Platz’ gel­ernt, und hatte auch unheim­lichen Spaß daran.
So habe ich mit ihr das Trick­sen ange­fan­gen, so war es auch geplant. Das mache ich ja schon seit Jahren mit meiner ersten Hündin Alinga.

Auch mit dem Agility haben wir schon etwas ange­fan­gen. Natür­lich ohne Sprünge, dafür ist sie ja noch nicht alt genug, aber zwis­chen zwei Auslegern durch­laufen und durch einen Tun­nel flitzen darf sie schon und das macht ihr mächtig Spaß.

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Die Unterord­nung klappt auch super und so wollen wir auch, wenn sie alt genug ist, die Beglei­thun­de­prü­fung mit ihr machen.

Am 10.9. hat sie ihren ersten Auftritt mit ihren ersten Tricks, und ich bin schon ges­pannt, wie sie es meis­tern wird.

Leuten, denen wir es nicht sagen, dass sie taub ist, denen fällt es gar nicht auf, bis es ihnen komisch vor kommt, dass sie nur Sichtze­ichen bekommt.

Das Leben mit einem tauben Hund gestal­tet sich also so, wie mit einem Hörenden.

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Ich muss sagen, sie ‘hört’ sogar besser als Alinga in dem Alter, bei Alinga wäre es unmöglich gewe­sen, wenn sie einen anderen Hund sieht, sie zu stop­pen, bei Yuki klappt es meistens.

Uns schränkt das Hand­i­cap von Yuki also so gut wie gar nicht ein, klar, nimmt man sie schneller mal an die Leine, wenn man nicht weiß, was um der näch­sten Ecke ist, etc.
Aber grund­sät­zlich ist ein Leben mit ihr wie ein Leben mit einem nor­malen Hund.

Blogreihe Handicaphunde — Snowy, besonders und bereichend

Unser Leben mit der Handicap-Hündin Snowy – beson­ders und bereichernd

Wenn ein Hund in unser Leben ein­tritt, haben wir meist ein Bild vor Augen, wie die Zukunft mit unserem Liebling ausse­hen wird. Ein fröh­licher Hund, der mit strahlen­den Augen auf den gemein­samen Spaziergän­gen freudig und leicht­füßig durchs Leben läuft. Ein müh­eloses Leben. So erleben wir es auch mit unserer Podenco Hündin Tessa. Doch Anfang 2012 kam dann das Podenco Mäd­chen Snowy dazu und verän­derte einiges.

Was bedeutet das Zusam­men­leben mit dem Handicap-Hund?

Ganz gle­ich, ob man sich von vorne herein für eine Adop­tion eines Hand­i­cap Hun­des entschei­det, so wie wir unser mit­tler­weile achtjähriges Podenco-Mädchen Snowy adop­tierten oder ob ein Unfall oder eine Erkrankun­gen im Ver­lauf des gemein­samen Lebens zu einem Hand­i­cap führt. Das Leben mit einem Hand­i­cap Hund ist ein anderes. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es macht keinen Unterschied.
Als Snowy vor etwas vier Jahren zu uns kam, kon­nte sie kaum gehen. Sie war geze­ich­net, von den Jahren, die sie bei einem Jäger in einer Holzk­iste ver­brachte. Die Hin­ter­läufe ver­formt, schwere Arthrose in den Hüften, beide Knie kaum mehr als Gelenke erkennbar, nicht zu sagen, ob durch einen Unfall oder durch äußere Gewal­tein­wirkung. Auch der Rücken zeigte erste Schädi­gun­gen in Form von Spondy­losen. Zusät­zlich hat sie einen achten Lenden­wirbel und die Ell­bo­gen waren durch die dauer­hafte Über­be­las­tung geschädigt.

Wie wir mit Snowy unser tägliches Leben bestreiten

Es ist beein­druck­end, trotz ihrer Beschw­er­den har Snowy immer gute Laune, verza­ubert jeden mit ihrer fre­undlichen Art und läuft fröh­lich durchs Leben. Seit Snowy bei uns lebt, bekommt sie regelmäßig Phys­io­ther­a­pie. Auch wenn sie sich niemals wie ein gesun­der Hund bewe­gen wird, hilft es ihrem Kör­per enorm. Wir haben sehr viele kleine Schritte gemacht und machen sie noch immer. Sie bewegt sich viel besser und leichter und sie fühlt sich wohler in ihrem Kör­per. Auch die Goldakupunk­tur, die sie im Jahr 2015 bekam und die zahlre­ichen Nahrungsergänzungsmit­tel helfen ihr. Aber sie wird immer ein Hund mit Hand­i­cap sein.
Unsere Spaziergänge wer­den nie so lang sein, wie mit einem gesun­den Hund. Sie wird ins Auto gehoben und bekommt Unter­stützung, wo auch immer sie uns zeigt, das sie diese benötigt. Den Sprung aufs Sofa lässt sie sich allerd­ings nicht nehmen und auch ins Bett schle­icht sich Snowy gern auch mal ohne fremde Hilfe.
Uns ist bewusst, dass sich ihr Gesund­heit­szu­s­tand mit fortschre­i­t­en­dem Alter ver­schlechtern kann. Wir sind darauf gefasst und vor­bere­itet. Wir wer­den Snowy jeden Weg ebnen, um ihr das Leben so unkom­pliziert, angenehm und bar­ri­ere­frei wie möglich zu gestalten.

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Die schlechten Tage

Ich gebe ehrlich zu, dass auch wir manch­mal schlechte Tage haben. Wenn es mit dem Laufen nicht gut klappt oder sie sich schw­er­fäl­liger als sonst bewegt. Dann keimt auch bei mir die Angst hoch und ein flaues Gefühl im Magen entsteht. Dann beschle­ichen mich Äng­ste und Sor­gen, ob ich alles richtig mache, ob es ihr noch gut geht, ob wir etwas anders machen soll­ten. Und ich habe Angst sie zu ver­lieren. Aber ich glaube, das diese Äng­ste und Sor­gen nor­mal und men­schlich sind. Dann schaue ich Snowy an und weiß, sie braucht kein Mitleid. Ich darf mit­füh­lend sein, vor allem aber sollte ich sie motivieren, lieben, begleiten und jeden Tag mit ihr genießen.

Wir passen uns (Lebens– )Tempo an Snowy an

Wir spazieren in dem Tempo, wie sie es kann und passen auch die Länge der Spaziergänge an. Oft machen wir kürzere Spaziergänge und dafür dann häu­figer und gön­nen uns kleine Ruhep­ausen unter­wegs. Das gibt uns auch die Gele­gen­heit, die Natur inten­sive wahrzunehmen und wir saugen die Momente mit unseren bei­dne Hun­demäd­chen förm­lich auf.
Das die Spaziergänge kürzer aus­fallen, schmäl­tert die Qual­ität nicht. Im Gegen­teil. Wir erleben sie noch bewusster und ver­suchen vor allem eines: Snowy so „nor­mal“ wie möglich Hund sein zu lassen und sie Dinge aus­pro­bieren lassen. Sie soll ihre Erfahrun­gen machen. Und das kann auch mal bedeuten, dass sie strauchelt und stolpert. Aber durch ein über­mäßiges Behüten wür­den wir sie verun­sich­ern und ein­schränken. Und Snowy möchte so viel wie möglich ein nor­maler Hund sein. Ihre Gren­zen auszutesten, nicht über­be­hütet zu wer­den, stärkt sie. Und wenn sie eine Sit­u­a­tion alleine gemeis­tert hat, kann man den Stolz und die Freude in ihrem Gesicht sehen. Und wir freuen uns von Herzen mit.

Ein Hand­i­cap verän­dert vieles – aber nicht alles zum Schlechten

Das Leben mit Snowy bere­ichtert unser Leben unge­mein. Manch­mal wird man ein­fach gezwun­gen langsamer zu machen und einen Gang run­terzuschal­ten. Jeden Tag bewun­dere ich aufs Neue ihre Stärke und ihre gute Laune. Sie lässt sich nie hän­gen, sie jam­mert nicht, sie genießt jede Sekunde. Sie nimmt ihr Leben so an wie es ist und sie geniesst es. Das ist eine große Bere­icherung, weil es uns bewusster Leben lässt.

Auch wenn es an manchen Tagen beschw­er­licher ist, ich würde keine Sekunde tauschen wollen. Wir haben nicht das Gefühl, das wir im Zusam­men­leben mit Snowy etwas ver­passen oder es mit einem gesun­den Hund schöner sein könnte.
Ich kann nur alle Men­schen dazu ermuti­gen, einen Hund aufzunehmen, der ein Hand­i­cap hat. Auch mit dem Wis­sen, dass der All­tag manch­mal Hür­den bereit hält und man sich mehr sorgt.

Da ich es oft in meiner Praxis erlebt habe, das Hun­debe­sitzer meist völ­lig verun­sichert waren, wenn ein Hand­i­cap Hund ins Haus kommt, oder der zuvor gesunde Hund plöt­zlich mit einem Hand­i­cap leben muss, teile ich gern eine ganze Reihe von Tipps mit dir, wie du euer Zusam­men­leben erle­ichtern kannst.

Man kann sehr viel tun, um einem Handicap-Hund den All­tag zu erleichtern:

• erhöhter Wasser-/Futternapf
• ein wär­mender Man­tel im Winter
• orthopädis­che Hundebetten
• Hun­der­am­pen fürs Auto
• Trep­pchen für das Sofa
• Rutschfeste Unter­gründe im Haus
• Trage­hil­fen beim Treppensteigen

Die Orthopädi­etech­nik hält eine Vielzahl an Lösun­gen bereit:

• Ban­da­gen
• Orthesen
• Prothesen
• Hunderolli

Phys­io­ther­a­pie kann deinen Hund unter­stützen mit z.B.:

• Laser
• Elektrotherapie
• Hydrotherapie
• Akupunktur
• Manuellen Therapieformen

Du kannst mit geziel­ten Übun­gen aus der Phys­io­ther­a­pie selbst unter­stützen mit z.B.:

• entspan­nende Massagen
• aktive Übun­gen für eine gute Musku­latur, Beweglichkeit, Koor­di­na­tion, Bal­ance und Körpergefühl

Wir genießen jede Sekunde, die wir mit Snowy haben

Wir freuen uns und staunen, wenn sie wie ein Reh durch den Garten springt, wenn sie über Stock und Stein klet­tert, weil sie ver­gisst, dass ihre Knochen nicht gesund sind. Und wir sind glück­lich, wenn wir sehen, wie sie am Abend selig in ihrem geliebten Bettchen liegt und ihr ganzes Gesicht voller Freude ist.
Und wir wis­sen, wie wertvoll jeder Tag mit ihr ist.

Dir hat der Beitrag gefallen? Hilf auch anderen Mensch-Hund Teams aktiv zu wer­den und teile ihn bitte mit deinen Fre­un­den und deinem Netzwerk!

Deine Tina

Blogreihe Handicaphunde — Clara´s Krankheits-Bingo

Heute geht es weiter mit unserer Blo­greihe der Hand­i­ca­phunde. In der heuti­gen Geschichte berichtet uns die liebe Christina von Zucker & Zimt Design von dem “Krankheits — Bingo” ihrer Hündin Clara.

Ich möchte euch heute gerne von meiner Hündin Clara erzählen. Manch­mal denke ich mit einem weinen­den und einem lachen­den Auge, dass sie bei einem „Krankheits-Bingo“ als einer der ersten „Bingo!“ rufen könnte… 

Aber von vorn: 

Ich habe sie vor 1 ½ Jahren in einem ital­ienis­chem Tier­heim ent­deckt und mein erster Gedanke war: „Das ist ein wirk­lich trau­riger Hund!“ Trauer, Leid und Herz­schmerz habe ich dort bei vie­len Hun­den gese­hen, aber bei keinem war es für mich so deut­lich wie bei Clara. Die Entschei­dung Clara zu adop­tieren war für meine Ver­hält­nisse schnell getrof­fen und so hatte ich sie nach 2 Tagen adop­tiert. Man sah ihr schon damals an, dass sie sehr Krank war. Ich hatte mit Leish­man­iose oder Arthrose gerech­net, aber nicht mit der lan­gen Liste an Krankheiten die sich nach und nach her­aus gestellt haben… 

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Zurück in Deutsch­land ging es gle­ich zum Tier­arzt und es wurde unter anderem gle­ich ein großes Reise­blut­bild gemacht. Dabei stellte sich her­aus das sie nicht an Leish­man­iose erkrankt ist son­dern an Herzwürmer. Von denen hatte ich bis dato noch nie etwas gehört, aber dank Google wussten wir schnell mehr. Wie Leish­man­iose wird diese Krankheit vor allem in südlichen Län­dern durch Mücken über­tra­gen. Durch die Mücken gelan­gen Herzwurm­lar­ven in den Blutkreis­lauf und wach­sen in der Lunge oder/und im Herzen zu lan­gen dün­nen Würmern heran. Behan­delt man diese nicht kann es tödlich Enden. 

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Die Behand­lung allerd­ings auch. Im schlimm­sten Fall kann es zu einer Embolie kom­men, die durch die toten Würmer, die durch die Blut­bahn abge­tra­gen wer­den, entste­hen kann (der Hund darf sich deswe­gen nach der Behand­lung auch 4–6 Wochen so gut wie gar nicht bewe­gen). Da hatte ich also Clara „gerettet“, nur damit sie möglicher­weise gle­ich bei mir ster­ben könnte?! 

Davon abge­se­hen wurde in der Klinik neben den Herzwürmern auch das Cauda Equina Syn­drom fest­gestellt. Verkalkun­gen oder Tumore drücken bei dieser Krankheit im hin­teren Rück­en­bere­ich auf die Ner­ven und verur­sachen dadurch schmerzen und evtl. Läh­mungser­schei­n­un­gen. Und das bedeutete eine schwere OP an den Ner­ven, ein großes Risiko bei einer alten Hündin wie Clara. Von der Heilung und den Erfol­gschan­cen mal ganz abgesehen. 

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Die Klinik wollte, dass wir das Cauda Eyuina Sydrom sofort operieren und danach die Herzwürmer behan­deln. Nach so einer schw­eren OP ist aber auch Phys­io­ther­a­pie wichtig und 4–6 Wochen strenges nicht bewe­gen, nicht ger­ade förder­lich. Was soll ich sagen, ich war total über­fordert. Höre ich auf die Ärzte oder höre ich auf mein Bauchge­fühl? Mein Bauchge­fühl sagte mir näm­lich „NEIN!“, nicht so und nicht in dieser Reihenfolge. 

Ich über­legte also hin und her, wägte ab und entsch­ied mich schließlich für mein Bauchge­fühl. Die OP wollte ich Clara nicht antun. Man merkt ihr die Prob­leme am Rücken an, sie hat auch kaum Muskeln an den Hin­ter­beinen, aber ich hatte ein­fach zu sehr Angst das diese schwere OP schief geht und das es ihr dann wirk­lich besser geht, war auch nicht sicher. Vielle­icht war es auch ein Fehler sie nicht zu operieren, ich weiß es bis heute nicht?! 

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Die Herzwürmer ließ ich dann übri­gens nicht in der Tierklinik behan­deln. Sie woll­ten Clara näm­lich für eine Woche in der Klinik behal­ten und das wollte ich ihr nicht antun, wo sie doch ger­ade aus ihrer „alten Heimat“ geris­sen wurde. Für die 2-tägige Behand­lung (es wer­den zwei schmerzhafte Spritzen verabre­icht inner­halb von 48 Stun­den) nahm ich mir frei und wir hat­ten Clara Zuhause unter Beobach­tung. Auch da machte ich mir große Sor­gen, da wir im Falle einer Embolie selbst eine Spritze hät­ten verabre­ichen müssen. Ein größeres Risiko also, da nicht gle­ich geschultes Per­sonal vorhan­den ist. Es ging aber alles gut, die Sor­gen waren unbe­grün­det und mit­tler­weile wis­sen wir, dass die Herzwürmer passé sind.

Wir hat­ten ja die Hoff­nung, dass sie nach der Herzwur­mgeschichte etwas aktiver wird. Tja lei­der nicht…allerdings kon­nte man nach einem hal­ben Jahr sagen, dass sie wenig­stens wieder etwas glück­licher gewor­den ist. 🙂 

Die Rück­en­prob­leme sind also geblieben, aber wir haben gehofft das Ganze mit Phys­io­ther­a­pie etwas in den Griff zu bekom­men. Das machten wir dann auch, bis Clara auf ein­mal anf­ing Fal­ten zu wer­fen. Ja, ihre Haut warf tat­säch­lich Fal­ten! Neben­bei hatte sie übri­gens auch noch eine chro­nis­che Blase­nentzün­dung und einen Augenlidtumor. 

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Den Augen­lid­tu­mor kon­nte man gut ent­fer­nen und bis heute ist zum Glück kein neuer aufgetaucht. 

Bezüglich der Fal­ten und der Blase­nentzün­dung wusste unsere Haustierärztin irgend­wann auch nicht mehr wirk­lich weiter. Und ich war ein­fach nur noch verzweifelt… Diese Ungewis­sheit hat mich fast ver­rückt gemacht. Ich startete sogar einen Aufruf auf meinem Blog ob irgend­je­mand davon schon mal gehört hatte. Ich bekam den Tipp zu einer Der­ma­tolo­gin zu gehen. Das tat ich auch und für sie war schnell klar: Es ist das Cush­ing Syn­drom! Nicht heil­bar, aber behandelbar. 

Kurz gesagt: In ihrem Fall sorgt ein kleiner Tumor im Hirn für eine Kor­ti­sol Über­pro­duk­tion. Das sorgt unter anderem für die Fal­ten, Haa­raus­fall (Clara´s Haare sind bis heute lei­der immer noch nicht nachgewach­sen am Bauch) und die chro­nis­che Blasenentzündung. 

Mit der Behand­lung sind die Fal­ten und die Blase­nentzün­dung weg gegan­gen, die Haut sieht allerd­ings auch nach einem hal­ben Jahr Behand­lung immer noch nicht viel besser aus. Eigentlich sollte sich da schon etwas mehr getan haben, lei­der weiß die Der­ma­tolo­gin in dem Bezug auch nicht mehr wirk­lich weiter. 

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Während der ganzen Cush­ing Unter­suchun­gen und Kon­trollen fiel der Ärztin auch ein leichtes Herzgeräusch auf. Ich habe ein­fach nur noch gedacht, das darf doch nicht wahr sein, sollte sie sich jetzt auch noch mit einer Herz­erkrankung rum­schla­gen müssen? Ich fühlte mich langsam als wür­den wir vom Regen in die Traufe kom­men. Ich muss ehrlich sein, langsam war meine Energie aufge­braucht und ich ein­fach am Ende…Ich wollte ein­fach nichts mehr von einer neuen Krankheit und erneuten Tier­arztbe­suchen hören. Aber was soll man als Frauchen schon anderes machen, Augen zu und durch, Clara steht das Ganz schließlich auch tapfer durch. 

Nach einem EKG und Herzul­tra­schall stellte sich zum Glück her­aus das sie nur eine leichte AV-Blockade ersten Grades hat. Also alles noch im grü­nen Bere­ich, wir müssen es in Zukunft nur kon­trol­lieren lassen und erst wenn es schlechter wird, muss es behan­delt werden. 

Was kann ich nach den 1 ½ Jahren Verzwei­flung, Ungewis­sheit, Angst und Tier­arztbe­suchen sagen? Mein Hund Clara ist Defin­i­tiv härter im nehmen als ich 😉 Das Ganze hat mich glaube ich mehr Kraft gekostet als sie. Es macht mich manch­mal trau­rig, dass all die Behand­lun­gen nicht wirk­lich den Durch­bruch gebracht haben. Ja es geht ihr besser, aber sie wird nie wieder ein gesun­der, agiler Hund sein. Nach jeder neuen Behand­lung war die Hoff­nung da, dass es ihr merk­lich besser geht und jedes Mal ist der Traum recht schnell wieder geplatzt. Es klingt jetzt vielle­icht etwas blöd, aber wir müssen uns wohl ein­fach damit abfinden, dass es Clara eben nie wirk­lich gut gehen wird. Und so freuen wir uns eben, über Kleinigkeiten. Wenn sie sich z.B. im frisch gemähten Gras wälzt oder sie einen mit einem stupsen auf­fordert ja nicht mit dem Stre­icheln aufzuhören. Wichtig ist mir nur noch, dass es ihr so gut wie möglich geht und sie endlich wieder etwas glück­lich ist. Ich kann nur jedem sagen, dafür lohnt es sich durchzuhalten! 

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Blogreihe Handicaphunde — Diagnose PRA

Über den heit­i­gen Artikel zur Blo­greihe Hand­i­ca­phunde habe ich mich beson­ders gefreut. Denn dieser Beitrag stammt von meiner lieben Fre­undin Lea und ihrem Hund Izzy. Queen und Izzy sind dicke Kumpels und auch Püppi ist ganz begeis­tert von dem hüb­schen Izzy. Diese Geschichte geht mir daher beson­ders nah. 

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Diagnose PRA — Aber den Kopf nicht in den Sand gesteckt

Izzy ist ein Bor­der Col­lie Rüde, 3,5 Jahre alt und ein abso­lut fröh­licher Hund, der Agility und jegliche andere Aktiv­itäten liebt. Vor zwei Monaten haben wir die Diag­nose bekom­men, dass Izzy an PRA erkrankt ist. PRA bedeutet Pro­gres­sive Reti­naa­t­ro­phie und ist eine vererb­bare Augen­erkrankung, bei der die Net­zhaut des Hun­des fortschre­i­t­end abstirbt und somit immer mit einer kom­plet­ten Blind­heit endet. Im Fol­gen­den möchte ich euch erzählen, wie wir über­haupt dazu kamen, Izzy fachärztlich unter­suchen zu lassen jnd wie die Diag­nose unser Leben beeinflusst.

Schon am Ende let­zten Jahres, im Win­ter, merkte ich, dass Izzy in unbekan­nter Umge­bung unsicherer wurde. Kamen uns Pas­san­ten ent­ge­gen spitzte er die Ohren und lief unsicher, genauso wenn plöt­zlich jemand aus einer Haustür kam. Er lief teil­weise wie auf rohen Eiern. Da sich sein Ver­hal­ten aber nur sehr langsam dahinge­hend entwick­elte, machte ich mir nicht so viele Gedanken. Dass Hunde auch nacht­blind sein kön­nen, das hatte ich gehört und beun­ruhigte mich nicht so stark. Es vergin­gen also viele Wochen, Monate bis Izzy an einem Abend plöt­zlich gegen ein park­endes Auto lief. Ich hatte ihn für die Aben­drunde an der Felx­ileine und kurz bevor wir in den kleinen Fußweg ein­biegen kon­nten knallte es plöt­zlich, Izzy schrie auf und kam sofort zu mir gelaufen. Ich war total ver­wun­dert und kon­nte mir vor­erst gar nicht erk­lären, was passiert war. Es war wirk­lich dunkel und als Izzy das Auto zuerst mied, war mir klar, was passiert war. Dieser Vor­fall machte mir bewusst, dass es sich mit Sicher­heit nicht nur um “schlechtes Sehen im Dun­klen” handelt.

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Kurz darauf hatte ich einen Ter­min bei meiner Haustierärztin, die sich Izzys Augen nach Ihren Möglichkeiten anschaute. Sie kon­nte nichts beson­deres fest­stellen, emp­fahl mir aber, Izzy bei der Tierklinik in Bram­sche vorzustellen. Gesagt, getan. Ich vere­in­barte einen Ter­min bei dem Augen­spezial­is­ten. Vor diesem Ter­min laß ich natür­lich viel über Augenkrankheiten und die Symp­tome der PRA passten alle­samt genau zu Izzy: auf­fäl­lig ist die anfängliche Nacht­blind­heit, die späte Form dieser Erkrankung tritt mit ca. drei Jahren auf. Nach meiner Schilderung unter­suchte der Arzt Izzy mit ver­schiede­nen Meth­o­den und fragte mich, ob ich schon ahnen würde, um welche Krankheit es sich han­delte. Ich sprach meine Ver­mu­tung CEA oder PRA aus, er bestätigte mir die PRA und zeigte mir die Auf­fäl­ligkeiten von Izzys Augen anhand der Aufnahmen.

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Okay. Mein Hund wird blind.

Er wird bald nichts mehr sehen kön­nen. Das waren meine Gedanken nach diesem Tier­arztbe­such. Ich war tod­trau­rig, schock­iert und hatte unglaublich viel Mitleid mit meiner kleinen Maus. Es flossen unzäh­lige Trä­nen, mich plagte die Frage nach dem “Warum”. Warum Izzy, warum muss es uns tre­f­fen? Wir hat­ten doch noch so viel vor. Ger­ade erst hat­ten wir uns für den Kurs für die Beglei­thun­de­prü­fung angemeldet. Im Agility lief es super, wir lieben es, auf Fun­turnieren zu starten. Zudem wollte ich Izzy später mit in meine Arbeit als Erzieherin ein­beziehen. Diese ganzen Pläne waren für mich erst­mal hinüber. Wie soll das gehen mit einem Hund, der nichts mehr sieht?

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Als er dann abends neben mir im Bett lag und mich so anschaute und ein­fach genauso war, wie vor der Diag­nose dachte ich mir, das Kopf in den Sand stecken keine Alter­na­tive ist. Irgend­wie muss es ja weit­erge­hen, auch mit der Krankheit. Ich suchte mir bei Insta­gram und Face­book Seiten von Hun­den, die eben­falls blind sind und genau diese machten mir Mut. Den meis­ten Hun­den merkt man ihre Behin­derung gar nicht an, sodass sich wirk­lich die Frage stellt, ob es eine Behin­derung ist. Für die Hunde zumin­d­est nicht, nach­dem sie sich an diesen Zus­tand gewöhnt haben. Um Izzy auf seine Blind­heit vorzu­bere­iten kon­di­tion­iere ich bere­its jetzt Kom­man­dos wie “Treppe” und “Stufe”. Wichtige Kom­man­dos wie “Warte” und “Steh” beherrscht er bere­its, denn auch die kön­nen sehr wichtig für uns wer­den. Auch das Train­ing für die Beglei­thun­de­prü­fung machen wir weiter und wer­den diese Prü­fung able­gen — egal ob sehend oder blind.

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Gemein­sam als Team wird uns diese Krankheit nicht im Wege ste­hen. Unser geliebtes Agility wer­den wir solange fort­führen, wie es geht, auch wenn das bedeutet, dass wir nur über die A-Wand laufen. Oder wir suchen uns eine andere Sportart wie Zielob­jek­t­suche. Wir lassen alles auf uns zukom­men und nehmen es so wie es kommt. Mit­tler­weile sehen wir diese Krankheit nicht mehr als Bestra­fung, son­dern als Ler­nauf­gabe, an der Izzy und ich wach­sen wer­den. Denn ändern kön­nen wir es nicht.

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Vie­len Dank, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast. Ich erin­nere mich noch gut an den Tag, an dem du mich auf dem Rück­weg von der Klinik besucht und mir von der Diag­nose erzählt hast. Izzy bleibt Izzy. Egal, was passiert. Und ihr werdet nicht nur die Beglei­thun­de­prü­fung meis­tern, son­dern auch den Rest. Wer, wenn nicht ihr? 🙂 

Blogreihe Handicaphunde — die Mandelenzündung die niemals geht

Heute erzählt uns Ker­stin vom Hun­de­blog Kleine Hun­de­schnau­zen ihre Geschichte. 

Die Mandelentzündung die niemals geht

  Kessie war ger­ade 2,5 Jahre alt, da bekam sie im Win­ter 2014 eine Man­de­lentzün­dung. Es war nicht ihre erste Man­de­lentzün­dung, aber es war die, die für immer bleiben sollte. Ich berichte Euch darüber, wie Kessies chro­nis­che Man­de­lentzün­dung unseren All­tag bee­in­flusst, und wie es Kessie damit geht.

Bei Kessie unter­scheide ich zwei Entzün­dungs­grade. Dabei beschreibt die chro­nis­che Man­de­lentzün­dung Kessies dauer­haften Zus­tand. Die Man­deltaschen sind hier­bei immer geöffnet, die Man­deln sel­ber mal mehr mal weniger stark angeschwollen und gerötet. Kessie ist dabei wie ein ganz nor­maler Hund, zeigt kein Unwohl­sein oder irgendwelche anderen Krankheitssymp­tome. Im Blut sind keine Erreger nach­weis­bar, und somit besteht nicht die Gefahr, dass andere Organe, wie zum Beispiel das Herz, durch die Entzün­dung geschädigt werden.

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Bei einer akuten Man­de­lentzün­dung, sind zusät­zlich eitrige Beläge auf den Man­deln, Kessie bekommt Fieber, ist Schlapp und hat Schmerzen beim Schlucken. Hier­bei besteht die Gefahr, dass andere Organe durch die vorhan­de­nen Erreger im Blut geschädigt wer­den. Unser ganzes Han­deln und Tun besteht darin, eine akute Man­de­lentzün­dung zu vermeiden.

Mit­tler­weile haben wir es geschafft, dass Kessie seit 2014 keine akute Man­de­lentzün­dung mehr hatte. Vor allem Nässe und Kälte führt zu einer Ver­schlim­merung der Entzün­dung. Selbst ein warmer Som­mer­re­gen, bei dem Kessie in einem Regen­over­all und großer Kapuze eingepackt war, hat bei ihr zu einer Steigerung der Schwellung der Man­deln geführt. Da wir aber nicht in einem war­men südlichen Land wohnen, son­dern in einem recht kühlen Teil von Deutsch­land, haben wir ein­fach unseren All­tag auf Kessie und ihre Erkrankung angepasst.

Der Hund mit dem gewissen Mehraufwand

Wirk­lich zu spüren bekom­men wir diesen Mehraufwand eher im Win­ter. Aber auch im Som­mer gibt es das ein oder andere zu beachten. Ich schleppe z.B immer eine 0,5 Liter Wasser­flasche mit mir herum, egal ob im Wald oder auf dem Hun­de­platz, Kessie hat immer ihr eigenes Wasser dabei. Es geht ein­fach darum, dass sie nicht zusät­zlich Erreger über Pfützen­wasser aufn­immt, aber vor allem ver­meide ich es, dass sie mit frem­den Hun­den aus einem Napf trinkt, und sich hier­bei noch etwas ein­fängt. Klar bekomme ich ger­ade am Hun­de­platz schon mal von den Neulin­gen schräge Blicke zuge­wor­fen, wenn ich ver­hin­dere, dass andere Hunde von Kessies Wasser trinken, aber es ist ja auch schnell erk­lärt, und bisher zeigten alle Zweibeiner Ver­ständ­nis dafür.

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Um Nässe und Kälte zu ver­mei­den, haben wir mit­tler­weile feste Abläufe im All­tag. Bei Regen oder Schneere­gen gehen wir ein­fach nicht spazieren. Obwohl so ein­fach war es erst mal nicht für mich, weil ich ein Men­sch bin, der am lieb­sten seine ganze Freizeit in der Natur ver­bringt. Nur ist es sinn­los, Kessie 1–2 schöne Stun­den beim Regen im Wald zu gön­nen, und anschließend muss sie ein Antibi­otika bekom­men, weil sie richtig krank gewor­den ist. Ger­ade im Herbst und im Win­ter kann es dann passieren, dass wir tage­lang nicht richtig nach draußen gehen kön­nen. Zum Glück haben wir einen Garten, indem sich Kessie lösen kann. Zur all­ge­meinen Beschäf­ti­gung gibt es ein sehr umfan­gre­iches Beschäf­ti­gung­spro­gramm im Haus, z.B. mit Trick­sen, Dum­my­suche im Wohnz­im­mer, oder ich baue im ganzen Haus einen Agility-Parcour auf. Kessie ist ein Hund, der nicht eine dauer­hafte Beschäf­ti­gung ver­langt, und auch mal mit einem “Kör­bchen­tag” sehr glück­lich ist. Durch ihr ruhiges und aus­geglich­enes Wesen ist es mir möglich, sie über­all mithin zu nehmen. Ob Bau­markt, Tup­per­abend oder Restau­rantbe­such, im Win­ter ist Kessie über­all mit dabei, um etwas Abwech­slung in ihren den All­tag zu bringen.

 

Aber ein biss­chen Gassi gibt es natür­lich bei jeder Gele­gen­heit auch im Win­ter. Im let­zten Win­ter hat­ten wir sehr viel Glück, und es gab fast täglich immer wieder ein paar trock­ene Stun­den. Da Kessie allerd­ings ein kleiner Lang­haarhund ist, bleiben für uns nur schneefreie Wege. Eingepackt im Win­ter­man­tel und Stulpen­schal, kön­nen wir so die Spaziergänge genießen. Mein Auto statte ich jedes Mal mit einem trock­e­nen Schlaf­sack, Handtüch­ern und Wärmepad aus, damit Kessie direkt nach dem Spazier­gang aus den Nassen Sachen raus, und in den war­men Schlaf­sack hinein schlüpfen kann. So bin ich ständig Klam­ot­ten am trock­nen, bevor ich das Haus ver­lasse muss ich mir genau über­legen, was ich alles für Kessie unter­wegs benötige, und ich stehe immer genau 6 Minuten vor der Mikrow­elle, um das Wärmepad zu erhitzen. Das sind halt die Dinge, die zu unserem Leben dazu gehören, genauso wie die tägliche Gabe der homöopathis­chen Mittel.

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Das Einzige, dass schon etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt, sind die regelmäßi­gen Besuche bei einer speziellen Tier­heil­prak­tik­erin. Dadurch, dass diese nicht ger­ade hier um die Ecke prak­tiziert, gehen bei so einem Besuch immer 5–6 Stun­den drauf. Der Inter­vall der Ter­mine ist auch recht wet­ter­ab­hängig. Jetzt im Som­mer fahre ich alle 4–6 Wochen mit Kessie dor­thin, im Win­ter liegt der Rhyth­mus bei alle 2–4 Wochen. Da ich allerd­ings nur auf Teilzeit arbeite, bekomme ich diese Besuche gut in meinen All­tag integriert.

 

Es ist schon etwas anderes, als nur die Leine zu nehmen, und mit dem Hund nach draußen in das wilde Schnee­treiben zu gehen, aber dieser gewisse Mehraufwand ist für uns ein­fach zum All­tag gewor­den, auch wenn sich täglich meine Gedanken darum drehen, was geht und was muss ich ger­ade ver­mei­den. Jedoch durch dieses über­belegte han­deln, kann Kessie ein rel­a­tiv nor­males Hun­deleben führen, und muss nicht ständig Antibi­otika zu sich nehmen.

 

Warum die Mandeln nicht entfernt werden?

Darauf werde ich immer wieder ange­sprochen, ob es nicht besser ist, die Man­deln oper­a­tiv zu ent­fer­nen. Aber solange Kessie nicht ständig an akuten Man­de­lentzün­dun­gen lei­det, und damit eine Gefahr der Erkrankung für andere Organe besteht, ist daran über­haupt nicht zu denken. Zum einen ist es ein kom­plizierter und gefährlicher Ein­griff bei kleinen Hun­den, bei dem es zu starken Blu­tun­gen kom­men kann. Zum anderen besteht ein­fach die Gefahr, dass der Hund anschließend ständig mit Infek­tio­nen der unteren Atemwege zu kämpfen hat, also eine Bron­chi­tis oder Lun­genentzün­dung bekommt. Aus diesen Grün­den werde ich diese Oper­a­tion nicht durch­führen lassen, auch haben mir bisher alle Tierärzte davon abger­aten, die mit Kessie Krankengeschichte ver­traut sind.

Vie­len Dank für diesen inter­es­san­ten und per­sön­lichen Ein­blick. Ich habe ehrlich gesagt zum ersten Mal von einer chro­nis­chen Man­de­lentzün­dung bei Hun­den gehört. Ich fand es daher sehr inter­es­sant zu lesen, wie ihr euren All­tag gestal­tet. Es ist wirk­lich toll, dass ihr einen Weg gefun­den habt und Kessi schon so lange keine akute Enzün­dung mehr hatte. Ich drücke euch die Pfoten, dass es lange so bleibt!

Blogreihe Handicaphunde — Rede du nur!

Heute geht es weiter mit unserer Blo­greihe zum Thema Hand­i­ca­phunde. Heute erzählt uns Diana die Geschichte ihrer Hündin Jessi. 

Ein Hund mit Hand­i­cap ist eine Last. Er beein­trächtigt das Leben und schränkt einen ein. So sehen das viele Men­schen. Aber ich finde, dass dem nicht so ist. Meine Hündin ist taub und damit leben wir jetzt schon 1,5 Jahre.

Jessi ist 15 und darf so langsam dem Zahn der Zeit nachgeben. Dazu gehört nun mal auch lei­der die Taub­heit. Natür­lich haben weder mein Fre­und noch ich uns gefreut, als wir sicher waren, dass sie taub ist. Mir viel schon auf, dass sie nicht mehr reagierte, wenn ich mit den Leck­erli raschelte oder beim Gassi nicht gle­ich auf Abruf zu mir kam. Aber man darf im Rentenal­ter ja schw­er­hörig wer­den. Aber daraus wurde sehr schnell Taub­heit. Heute reagiert sie nur noch sel­ten mal auf Geräusche. Aber die große Frage ist, wie wir damit jetzt zu Recht kom­men. Mein Fre­und hat den Vorteil, dass er Mon­tagear­beiter ist und Jessi nur am Woch­enende sieht, somit musste er sich damit nicht auseinan­der setzten 😉

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Ich hatte von Anfang an Jessi auch Handze­ichen beige­bracht, schließlich war klar, dass sie taub wer­den kön­nte. So hatte ich einen Vorteil und kon­nte fast ganz nor­mal Kom­man­dos weiter geben. Ein größeres Prob­lem stellte aber der Gas­si­gang da. Ein Hund, der nicht hören kann, ohne Leine? Das geht nicht. Also habe ich ange­fan­gen, lange Leinen zu kaufen. Nicht nur eine Schlep­pleine, son­dern auch eine Flex­ileine und auch so län­gere Leinen. Ich möchte, dass Jessi auch an der Leine viel Schnüf­feln kann. Die Umgewöh­nung war gar nicht so ein­fach. Immer wieder wollte ich mit Jessi reden, ihr Kom­man­dos geben. Aber wie bekommt man den tauben Hund dazu, einem Aufmerk­samkeit zu schenken? Ein feines Ziehen an der Leine. Kein reißen oder mit viel Gewalt, ich möchte ja nur, dass sie mich ansieht. Dann kann ich ihr mit Handze­ichen zu ver­ste­hen geben, was ich von ihr möchte. Reagiert sie allerd­ings so gar nicht auf das leichte Ziehen, gibt es schon mal einen kleinen Ruck und im „schlimm­sten“ Fall gehe ich zu ihr und stupse sie an. Wenn Jessi und ich alleine auf unserer Runde unter­wegs sind, darf sie gele­gentlich mal ohne Leine laufen. Dann erin­nert sie sich an das, was sie gel­ernt hat und schaut sich immer wieder zu mir um und wartet auf mich. Dann bekommt sie ein Leck­erli und Streicheleinheiten.

Auch zu Hause komme ich gut damit zu recht. Wenn ich etwas von Jessi möchte, sorge ich dafür das sie mich ansieht und „sage“ ihr dann, was ich möchte. Ärg­er­lich ist es nur, wenn ich sie wecken muss. Ich weiß, schlafende Hunde soll man nicht wecken. Aber wenn ich Jessi nicht wecke, wenn ich weggehe oder ins Bett und sie dann aufwacht und ich nicht da bin, jault sie und sucht mich in der Wohnung.

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Wenn Jessi an der Leine rüpelt ist es am Schwierig­sten. Sie hört mein AUS ja nicht mehr. Und sie und ein­fach sitzen bleiben? Niemals. Das ist doch voll öde. Dann greife ich ihr ans Ohr, nicht fest, son­dern nur ganz leicht, das reicht meis­tens schon aus. Dann kann ich sie ins Sitz brin­gen und wieder weiter laufen.

Aber ist es für mich eine Last oder eine Ein­schränkung? Nicht wirk­lich. Als ich Jessi bei mir auf nahm war und bin ich immer noch bereit, mein Leben wegen ihr umzustellen. Ein Tier ist kein Spielzug, son­dern ein Lebe­we­sen. Und da kann es schon mal vorkom­men, dass es zu Verän­derun­gen kommt oder vielle­icht sind diese auch schon ange­boren. Man sollte damit ver­suchen umzuge­hen und das Beste daraus zu machen und es sollte keine Last sein. Jessi und ich kom­men mit dem Hand­i­cap sehr gut zu recht und machen das Beste daraus. Das Schöne daran ist, egal was und wie viel ich ihr sage – sie kann sich nie beschw­eren, dass ich zu viel rede 😉

Vie­len Dank für diesen Beitrag! Schön, dass du dabei warst!

Blogreihe Handicaphunde — Ein Leben mit Deprivationssyndrom

Heute ist wieder Mittwoch und das bedeutet, es geht weiter mit unserer Blo­greihe zum Thema Hand­i­ca­phunde. Heute erzählt uns Daniela vom Hun­de­blog Pfoten­fre­unde ihre Geschichte. 

Es sind die kleinen Dinge

Ein Leben mit Deprivationssyndrom

Skadi ist nun drei Jahre. Seit 2 ½ Jahren bere­ichert sie unser Leben. In dieses 2 ½ Jahren habe ich so viel über Hunde gel­ernt, wie sie denken, was sie fühlen und wie man am effek­tivsten trainiert. Schon unser Ghandi war nicht ganz ein­fach aber Skadi hat sie alle geschlagen.

Skadi lei­det an einem Depri­va­tion­ssyn­drom. Sie ist in Bul­gar­ien aufgewach­sen. In einem Hin­ter­hof hat sie die ersten sechs Monate ihres Lebens ver­bracht. Somit kon­nte sie keine schlechten Erfahrun­gen sam­meln. Aber auch keine guten. Das Hirn kon­nte keine Verknüp­fun­gen her­stellen welches das Ver­hal­ten von Skadi in ihrem weit­eren Leben bee­in­flussen würde. Die Geburt eines chro­nis­chen Angsthun­des der mit hys­ter­ischem Bellen auf ihr unbekan­ntes reagiert.

Unsere Geschichte

Als Skadi bei uns ein­zog wusste ich von alle dem noch gar nichts. Sie war zu diesem Zeit­punkt bere­its 6 Monate alt, hatte also die wichtig­sten Phasen ihres Lebens hin­ter sich. Das sie gegenüber von Men­schen die sie nicht kan­nte mit ver­bellen reagierte schob ich erst mal auf die all­seits bekan­nten Spooky-Phasen eines Hun­des. Aber schon bald merkte ich dass dies nichts mit den nor­malen Spooky-Phasen zu tun hat. Dazu waren diese Phasen zu heftig und zu lang.

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Außer­dem tat sich Skadi mit dem ler­nen ein­fach­ster Dinge schwer, ja sie hatte sogar Angst vorm Click­ern. Entschei­dun­gen alleine tre­f­fen (bsp. beim Free-Shapen) brachte Skadi in eine mit­telschwere Leben­skrise. Für mich, als jemand mit hun­de­sportlichen Ambi­tio­nen, der gerne click­ert und mit seinen Hun­den unter­wegs ist und sie immer dabei hat, erst ein­mal schwierig zu akzep­tieren das Skadi ein­fach anders ist.

Ich merkte rel­a­tiv zügig das Skadi ein spezielles Train­ing brauchte. Keine Unterord­nung, keine Tricks son­dern ein­fach nur Train­ing um All­t­agstauglich zu wer­den. Ein Hund der Men­schen ver­bellt weil er Angst vor ihnen hat und Fahrräder, Jog­ger, LKWs und PKW jagte ist ein­fach eine Gefahr. Für sich selbst und andere.

Durch meine Recherchen im Inter­net stieß ich dann ganz schnell auf das Depri­va­tion­ssyn­drom und hatte somit eine Diag­nose mit der ich arbeiten kon­nte. Unser Train­ing wurde ganz und gar im Stil der pos­i­tiven Ver­stärkung gestaltet.

Ich lernte in der Zeit vor allem vorauss­chauend zu sein, zu reagieren bevor sie es tat und wie wichtig Dis­tanz im Train­ing sein kann. Nun, 2 ½ Jahre später sind wir soweit das nie­mand mehr Angst vor uns haben muss oder ich Angst haben muss das Skadi noch irgendwelche Dinge hin­ter­her jagt. Sicher, ich rufe sie immer noch zurück wenn uns Men­schen, Jog­ger etc. passieren. Ein­fach aus Reflex und Höflichkeit. Aber auch weil ich weiß dass jeder Rück­fall wieder ein Rückschritt sein kann. Ver­bellen tut sie Men­schen jedoch immer noch. Näm­lich genau dann wenn diese sie ansprechen und sich zu ihr runter beu­gen um sie stre­icheln zu wollen. Das findet sie immer noch ätzend. Aber das ist ok. Damit kön­nen wir leben.

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Wie es mir dabei geht

Nun, es ist anstren­gend. Anstren­gend auf einem Spazier­gang immer zu Hun­dert Prozent dabei zu sein. Einen sprich­wörtlichen 360° Blick zu haben. Außer­dem ist es nicht ganz leicht mit einem auf­fäl­li­gen Hund in die Öffentlichkeit zu gehen. Ein Hund der Men­schen ver­bellt? Der über­haupt bellt und knurrt? Unmöglich in der heuti­gen Gesellschaft. Ich habe Glück dass Skadi klein und süß ist. So schmun­zeln die meis­ten Men­schen ein­fach nur. Bei einem großen Rot­tweiler oder Schäfer­hund ist das bes­timmt ganz anders.

Besuch emp­fan­gen ist allerd­ings immer noch so ein Ding – zum Glück haben wir sel­ten bis nie Besuch. Aber auch unser Trep­pen­haus (wir wohnen in einer Woh­nung) ist auch noch so ein Prob­lem. Die Enge, die Akustik, dus­teres Licht … wenn uns da ein fremder Men­sch begeg­nen würde hät­ten wir ein Prob­lem. Zum Glück wis­sen unsere Nach­barn das und lassen uns immer rein und raus gehen bevor sie selbst das Trep­pen­haus betreten.

Unser Leben ist also schon sehr eingeschränkt (gewe­sen) und man ist immer (noch) auf Habacht­stel­lung, muss sich mit eini­gen blö­den Kom­mentaren abfinden („der gehört erschossen“) und sich eingeste­hen dass das ganze Leben mit diesem Hund aus Train­ing beste­hen wird und ein nor­males Leben wohl niemals möglich ist. Im Café sitzen und der Hund döst unterm Tisch?! Never ever. Mit Inuki vielle­icht (wenn wir einen Tisch finden der groß genug ist) aber mit Skadi ist es nur eine Wunschvorstellung.

Ich habe mich damit abge­fun­den. Egal wie sehr wir trainieren, Skadi wird immer beson­ders bleiben. Synapsen kann ich halt nicht herza­ubern. Ich habe gehört man bekommt immer den Hund den man ger­ade braucht. Nun. Den habe ich bekom­men. Inuki habe ich bekom­men weil ich ein­fach einen See­len­hund brauchte, einen Hund der sich meinem Leben anpasst. Der immer da ist, alles für mich gibt. Aus dem ich Kraft ziehen kann.

Und Skadi habe ich bekom­men um diese Kraft zu investieren, zu ler­nen. Ler­nen, „wie Hunde ticken“. Durch sie trainiere ich jetzt auf einem ganz neuem, anderem Level als „nor­male“ Hun­de­hal­ter. Ich habe meine Wis­senslücken ins­beson­dere im Train­ing mit Angsthun­den und Angstag­gres­siven Hun­den gefüllt und bin nach wie vor bestrebt so viel wie möglich zu wissen.

Durch sie habe ich auch mehr Ver­ständ­nis für über­forderte Hun­de­hal­ter entwick­eln kön­nen. Schließlich weiß ich sel­ber wie deprim­ierend es sein kann schein­bar keine Fortschritte zu machen. Die strafenden Blicke anderer Hun­de­hal­ter die natür­lich alles besser machen tun ihr übriges.

Wie es weiter geht

Wie sonst auch. Fallen wir hin? Dann ste­hen wir wieder auf! Ver­lieren wir aus dem Blick was wichtig ist? Dann holen wir uns gegen­seitig auf den Tep­pich zurück. Skadi ist ein glück­licher Hund. Mit Ecken und Kan­ten. Man muss nur wis­sen es zu man­a­gen. Aber so wie es ist, ist es gut. Wir sind stolz darauf was wir gemein­sam erre­icht haben, stolz darauf nicht aufgegeben zu haben und sind noch stolzer darauf uns gegen­seitig zu haben!

Ob ich in ferner Zukunft mich bewusst für so einen Hund entschei­den würde? Nein. Ich denke nicht. Aber wenn ich eines gel­ernt habe, dann dass es immer anders kommt als wie man denkt. Auch in Sachen Hundeanschaffung.

Vie­len Dank dafür, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast. Schön, dass du dabei warst 🙂

Blogreihe Handicaphunde: Charlie, ein Hund mit PRA

Heute geht es weiter mit unserer Blo­greihe zum Thema Hand­i­ca­phunde. Die liebe San­dra von Dreipunk­techar­lie hat uns ihre Geschichte geschickt und ich freue mich sehr, diese Zeilen heute mit euch teilen zu können. 

Charlie, ein Hund mit PRA

Ohne Hunde leben? Undenkbar. Ich bin mit Hun­den aufgewach­sen und sobald es mir von der Wohn­si­t­u­a­tion und beru­flich möglich war, zog wieder ein Hund bei mir ein. Lis­beth, eine ungarische Straßen­hündin. Das ist heute elf Jahre her und ich bin in der wun­der­baren Lage, meinen Hund mit ins Büro zu nehmen. So kann ich meine Lei­den­schaft für Hund gut mit meinem Leben kom­binieren und hatte vor knapp zwei Jahren die Idee, einen zweiten Hund bei mir aufzunehmen.

Es sollte wieder ein Hund aus dem Tier­schutz sein, das entspricht ein­fach meiner Überzeu­gung. Und nach einiger Suche fand ich auf einer Pflegestelle nicht weit ent­fernt Char­lie, einen Border-Collie-Mix aus Ungarn. Fre­undlich, gut sozial­isiert, ein Charmeur, der sogar die wäh­lerische Lis­beth um den Fin­ger wick­elte. Kurz: Wir waren ver­liebt und Char­lie zog kurze Zeit später bei uns ein.

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Char­lie lebte sich wun­der­voll ein, er ist ein Son­nen­schein und bere­ichert mein Leben. Er strahlt eine Lebens­freude aus, die nicht in Worte zu fassen ist. Als recht junger Hund, der im Tier­schutz früh kas­tri­ert wurde (davon mag jeder hal­ten, was er will), ist er juve­nil und aus­ge­lassen. Und manch­mal rem­pelt er beim Toben etwas an. Nicht weiter schlimm, dachte ich. Und dann passierte etwas, das unser Leben verän­dert hat: Wir machten im Herbst 2015 einen Spazier­gang im Dunkeln auf unbekan­ntem Ter­rain, da wir Fre­unde besuchten. Wie fast immer liefen Char­lie und Lis ohne Leine, sie sind gut abruf­bar und dür­fen diese Frei­heit dann genießen, wenn die Umstände es erlauben. Char­lie lief nicht weit ent­fernt von mir und so erlebte ich haut­nah, wie er auf einer Treppe stolperte, sich fast über­schlug und vol­lkom­men irri­tiert war. Ich rief ihn ran und wir gin­gen weiter. Nach weni­gen Metern lief er – und das ist unter Zeu­gen passiert – mit Schwung gegen einen Pfos­ten. Mit dem Kopf zuerst. Das verun­sicherte mich. Er ist ungestüm, aber so etwas war uns vorher noch nicht passiert.

Auf der Rück­fahrt nach Hause geriet ich ins Grü­beln. Wann waren wir zuletzt eine unbekan­nte Strecke gelaufen? Hatte er dort auch so Prob­leme? Meine erste Sofort­maß­nahme zu Hause: Der Wattebausch-Test. Ein Wat­te­bausch fällt geräusch­los, ein völ­lig blinder Hund kann diesen also nicht über das Gehör orten und würde den Wat­te­bausch nicht wahrnehmen. Char­lie sah den Wat­te­bausch jedoch und fing sofort an, sich dafür zu interessieren.

Fol­glich lautete die erste Laien­di­ag­nose Nacht­blind­heit. Wir haben dann umge­hend unseren Tier­arzt aufge­sucht, der eine verzögerte Pupil­len­reak­tion bei Lichtwech­sel fest­stellte und ein großes Blut­bild machte, um Dia­betes und andere schwere Erkrankun­gen auszuschließen. Weit­er­hin emp­fahl er uns einen Augen­spezial­is­ten in der Tierklinik Duis­burg, der weit­ere Tests machen sollte. Am näch­sten Tag stand fest: Das Blut­bild ist in Ord­nung, es blieb die Ver­dachts­di­ag­nose PRA, die später in Duis­burg bestätigt wurde. PRA ist die Kurz­form von Pro­gres­sive Retina Atro­phie. Dies ist eine genetisch bed­ingte Form der Blind­heit, die mit einer Nacht­blind­heit beginnt und in einer völ­li­gen Blind­heit endet.
Keine schöne Diag­nose, aber nicht die schlecht­este, mit der wir anfangs rech­nen mussten. Er hat keinen Tumor, keine chro­nis­che Erkrankung, die sein Leben verkürzt. Er lei­det nicht an Schmerzen und wird langsam erblinden, so dass er sich mit sehr hoher Wahrschein­lichkeit daran gewöh­nen wird.

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Und trotz­dem, es tut mir weh. Warum muss es aus­gerech­net Char­lie tre­f­fen? Er ist noch so jung und hat noch (hof­fentlich) viele Jahre vor sich. Wie kön­nen wir eine Erblind­ung mit unserem All­tag vere­in­baren? Wir haben so lange „Schau mich an“ geübt, da er anfangs Blick­kon­takt eher ver­mieden hat. Ich mag seine bern­ste­in­far­be­nen Augen so sehr! Wir haben all unsere Kom­man­dos vor der Diag­nose auf Sichtze­ichen aufge­baut! Ich war so stolz, wenn er auf Fin­gerzeig reagiert hat. Ich gestehe, ich war anfangs am Boden zerstört.

Und dann packte mich der Ehrgeiz. Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht schaf­fen wür­den! Ich erstellte einen Train­ings­plan, legte neue Ziele für uns fest, von denen ich glaube, dass sie uns das Leben erle­ichtern wer­den. Generell zie­len diese Kom­man­dos und Maß­nah­men darauf ab, Char­lie weit­er­hin ein art­gerechtes Leben zu bieten und auch mal ohne Leine laufen lassen zu kön­nen. Er ist sehr kom­man­dosicher und wenn es irgend­wie möglich ist, möchte ich ihm eine Zukunft ers­paren, in der er nur noch an Leine und Schlep­pleine laufen darf. Das Ziel lautet, dass er in bekan­ntem Gelände unter meiner Auf­sicht auch frei laufen darf ohne andere oder sich zu gefährden.

Prak­tisch ist in diesem Zusam­men­hang (wenn man das so for­mulieren darf), dass Char­lie schon nacht­blind ist. Wir kön­nen also seine „Defizite“ nachts erken­nen und dann bei Licht trainieren. Und das machen wir nun seit über einein­halb Jahren so. Mit Erfolg. Char­lie sieht mit­tler­weile auch bei Däm­merung nichts mehr, tagsüber nimmt die Sehkraft für mich merk­lich ebenso ab. Ich ver­mute, uns bleibt weniger als ein Jahr, bis er völ­lig blind ist.

In dieser Zeit werde ich ihm alles zeigen, was er braucht, um ein Leben in Dunkel­heit genießen zu kön­nen. Wir ver­suchen, so viele Orte wie möglich zu besuchen. Er soll ler­nen, sich immer wieder bewusst neu zu ori­en­tieren. Keine Angst vor frem­den Umge­bun­gen haben. Und ich bin zuver­sichtlich, dass wir das schaffen!

Er hat eine gute Bindung zu mir, wenn wir bei Dunkel­heit unter­wegs sind, ori­en­tiert er sich stark an mir, lässt sich von mir leiten und ver­traut mir im wahrsten Sinne des Wortes blind. Am meis­ten beruhigt und bestärkt mich jedoch: Wenn wir auf einer ver­trauten Strecke unter­wegs sind, merkt ein Außen­ste­hen­der nicht, dass Char­lie nichts sehen kann! In ver­trautem Umfeld bewegt er sich wie jeder andere Hund auch und meis­tert sein Hand­i­cap richtig gut! Ich habe also die leise Hoff­nung, dass ihn seine Blind­heit nicht ein­schränkt und für mich wahrschein­lich prob­lema­tis­cher ist, als für ihn.
Es liegt also alleine an mir, sein Selb­st­be­wusst­sein zu stärken und ihn für die totale Blind­heit zu wapp­nen. Unser Tier­arzt unter­stützt mich dabei ganz toll, gibt mir Tipps und fördert all meine Ideen. So stimmte er auch zu, dass wir uns homöopathis­che Unter­stützung suchten, um Char­lies Per­sön­lichkeit zu stärken, ihn noch selb­st­be­wusster zu machen. Ich möchte ein­fach, dass sein Selb­st­be­wusst­sein nicht unter der Erblind­ung lei­det. Natür­lich habe ich darauf Ein­fluss, kann ihn stärken und sicherer machen. Aber auch nur begrenzt, denn ich stecke nicht „in seinem Kopf“. Und dieser Ansatz gibt mir weit­er­hin das Gefühl, alles Mögliche für ihn zu tun. Es gibt keine kon­ven­tionelle Ther­a­pie bei PRA, sie ist unheil­bar. Aber vielle­icht gibt es Wege, die Erkrankung ein­facher zu machen.

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Und auch ich ver­suche, es mir ein­facher zu machen. Ich spreche bewusst darüber, wenn ich mal wieder einen Durch­hänger habe, weil Char­lie gegen etwas gelaufen ist. Ich schreibe einen Blog, der ehrlich gesagt für mich auch eine Möglichkeit ist, meine Gefühle zu for­mulieren und zu ver­ar­beiten. Ich fotografiere ihn unzählbar oft, da man auf vie­len Fotos sehr gut erken­nen kann, wie weit die Erkrankung fort­geschrit­ten ist, je nach Lichtver­hält­nis­sen sind seine Augen dann grün und nicht mehr braun, das hängt mit der verän­derten Reflex­ion des Lichts auf der Retina zusam­men. Für mich sind diese Fotos ein Anhalt­spunkt, wie weit die Erkrankung fort­geschrit­ten ist.
Ihr seht, ich bin auf der einen Seite aufrichtig erschüt­tert und hadere manch­mal mit der Erkrankung, aber auf der anderen Seite bin ich auch zuver­sichtlich. Wir sind ein Team und daran kann auch eine Erblind­ung nichts ändern. Und an meiner Liebe zu ihm erst recht nicht.

Vie­len Dank für diesen per­sön­lichen Ein­blick in Char­lies Erkrankung. Ich wün­sche ihm, dass er sich ganz schnell an die Sit­u­a­tion gewöhnt. Wah­snin­nig toll, wieviele Gedanken ihr euch macht, um ihn unter­stützen zu können. 

Queens Fre­und Izzy bekam vor Kurzen die gle­iche Diag­nose. Ich freue mich, dass sein Frauchen Lea uns eben­falls ihre Geschichte erzählen wird.