Erziehung

3 Probleme und 9 Lösungen

Neben sehr kom­plexen Prob­le­men gibt es in der Hun­deerziehung immer wieder die typ­is­chen Klassiker.

Und den typ­is­chen Klas­sik­ern fol­gen meist typ­isch Lösungsansätze.

Heute möchte ich mich daher ein­mal mit drei typ­is­chen Prob­le­men auseinan­der­set­zen, die auch uns betrof­fen haben. Auch, wenn dieser Artikel keinen Anspruch auf All­ge­me­ingültigkeit erhebt, möchte ich ein­fach mal aus dem Nähkästchen plaud­ern, welcher Lösungsansatz uns weiter gebracht hat und was für uns eher kon­trapro­duk­tiv gewe­sen ist.

Wenn der Hund bellt, sobald er Artgenossen sieht…

Wir alle ken­nen Hunde, die bellen, sobald sie Artgenossen sehen. Sowohl Queen als auch Püppi haben das im Junghun­deal­ter für die beste Reak­tion auf das Erscheinen eines Artgenossen gehalten.

Bei diesem Prob­lem trifft man immer wieder auf diese drei Lösungsansätze

  • Hunde mit Leck­erlis ablenken
  • Ignori­eren
  • Unterbinden

 Bei Queen habe ich zunächst auf die Leck­erl­is­frak­tion gehört. Sobald ein Artgenosse auf­tauchte und sie anf­ing zu bellen, lenkte ich sie mit Fut­ter ab. Schließlich sollte sie den Artgenossen mit etwas Pos­i­tivem verbinden, oder wie lautet noch gle­ich das Argu­ment der Keksewerfer?

Ich jeden­falls hatte Null Erfolg mit dieser Meth­ode. Der Keks kam ins Maul, wurde direkt geschluckt und bevor der näch­ste Keks geschluckt wurde, wurde die Mini­pause genutzt um zu bellen. Brachte uns also kein bißchen voran.

Anschließend habe ich ver­sucht, das Bellen zu ignori­eren. Queen wurde also auf die andere Seite genom­men und schnellen Schrittes marscheirte ich an dem Hund vor­bei. Queen nutze jede Lücke um zwis­chen meinen Beinen durchzuse­hen und mal hier und da einen Wuf­fer von sich zu geben. Brachte uns auch kein Stückchen voran.

Als drit­ten Weg habe ich ver­sucht, das Bellen zu unterbinden. Ich habe sie nach wie vor auf die andere Seite genom­men. Das gehört sich ein­fach so und ist der beste Weg seinem Hund zu zeigen, dass man die Sit­u­a­tion im Griff hat. Hat sie ange­fan­gen zu bellen, blieb ich ste­hen, legte meine Hand auf ihre Brust und sagte deut­lich “Schluss”. Blieb sie ruhig wurde sie mit einem Keks oder Spielzeug belohnt. Das hat bei uns in weni­gen Tagen den Erfolg gebracht und das Prob­lem war verschwunden.

Auch Püppi hat zunächst Artgenossen ange­bellt. Auch hier hat uns Ignori­eren kein bißchen weiter gebracht. Sie hing klef­fend in der Leine und wenn ich etwas hasse, dann das. Zudem war es ein­fach nur pein­lich. Und was bei Queen schon zum Erfolg geführt hat, kann man auch bei Püppi aus­pro­bieren. Mit dem Unter­schied, dass ich mich wesentlich weiter bücken musste, um meine Hand auf ihre Brust legen zu kön­nen, funk­tion­ierte es wirk­lich gut. Ich hatte das Gefühl sie durch die Berührung aus der Sit­u­a­tion holen zu kön­nen. Sie ver­stand sehr schnell, dass sie belohnt wer­den würde, wenn sie ruhig blieb und auch bei ihr kon­nten wir sehr schnell das Prob­lem lösen.

Wenn der Hund bellt, sobald es klingelt…

Der Klas­siker, oder?

Auch hier gibt es immer die gle­ichen Tips um das Prob­lem in den Griff zu bekommen.

  • Der Hund wird angeleint
  • Der Hund wird auf seinen Platz geschickt
  • Ablenken durch Futter

Oft wird emp­fohlen, den Hund angeleint mit zur Tür zu nehmen. Dort muss er sich set­zen und darf erst dann den Besuch begrüßen, wenn er sich ruhig verhätlt.

Aus­pro­biert haben wir das natür­lich auch, denn hier bellen beide wenn es klin­gelt. Beide saßen also angeleint brav neben der Tür und bell­ten. Sie ließen sich anleinen und set­zen sich auch hin. Blieben sogar dort, wenn der Besuch hereinkam. Alles wurde nur lei­der nach wie vor von einem bel­len­den Konz­ert begleitet.

Zweiter Ver­such. Queen und Püppi wur­den auf ihren Platz geschickt und durften nicht mit zur Tür. Kein Prob­lem. Auf das Wort “Kör­bchen” gehen beide brav dor­thin, legen sich und bleiben auch dort. Alles kein Thema. Nur auch diese Vari­ante wurde von einem unun­ter­broch­enen Bellen begleitet.

Also habe ich den drit­ten Tip aus­pro­biert. Etwas richtig Leck­eres sollte in einen Napf gefüllt wer­den. Es muss sich um etwas so tolles han­deln, dass der Hund nicht wider­ste­hen kann. Sobald es klin­gelt, wird der Napf hinge­hal­ten. Bei uns sah das so aus, dass Queen zu dem Napf kam, den Pansen in den Mund nahm und bellte, sodass links und rechts kleine Brocken auf mich und den Tep­pich fie­len. Bei Püppi sah das ähn­lich aus. Ich glaube, die kann sogar fressen und bellen zeitgleich.

Drei typiche Tips für dieses typ­is­che Prob­lem. Tja, was soll ich sagen. Bei uns ist eben Alarm, wenn es klin­gelt. Kann ich mit leben 🙂

Wenn der Hund nicht kommt, wenn man ruft

So richtige Prob­leme mit dem Rück­ruf hat­ten wir nie. Klar, kam mal das ein oder andere Austesten der Gren­zen hinzu. Vor allem, wenn sich die Vier­beiner in der Pubertät befinden oder nicht richtig aus­ge­lastet sind.

Auch hier gibt es wieder die typ­is­chen Lösungsansätze

  • du musst dich verstecken
  • du musst in die andere Rich­tung renne
  • du musst dich inter­es­san­ter machen

Sich zu ver­stecken macht bei uns keinen Sinn. Bei Queen würde es ohne­hin nicht so weit kom­men, dass sie sich weit genug ent­fer­nen würde, damit ich mir ein Ver­steck suchen kann. Und Püppi würde mich spätestens bei dem Anblick eines Vogels vergessen. Oder einen Schmetter­lings, vor­bei­fliegen­des Insekts oder wack­el­nden Grashalms. Das trifft auch für die zweite Lösung zu.

Bringt bei uns nichts und ich vom Bauchge­fühl her wider­spricht es auch meinem Ver­ständ­nis von ver­trauensvoller Beziehung sich vor seinem Hund zu ver­stecken. Zudem möchte ich, dass es gar nicht so weit kommt, dass ich mich erst ver­stecken oder wegren­nen muss.

Also mache ich mich stets inter­es­sant. Bei uns gibt es auch jetzt noch für viele alltägliche Dinge Beloh­nun­gen. Sie laufen nicht zu einem Hund obwohl der ein Spielzeug hat oder ren­nen nicht hin­ter einem Wildtier her, dann gibt es eine Beloh­nung. Frei nach dem Motto “Warum sollte der Meis­ter weniger bekom­men als der Lehrling” gibt es bei uns nach wie vor Kekse oder Spielzeug als Lob. Zudem werfe ich oft plöt­zlich Leck­erlis ins hohe Gras oder starte plöt­zlich ein Fangspiel. Bei uns hat das stets Erfolg gebracht.

Typ­isch Queen
Typ­isch Püppi

Egal, auf welches Prob­lem wir gestoßen sind, so habe ich immer ver­sucht den Hun­den zu ver­mit­teln, dass ich das Prob­lem regeln werde. Ver­trauen ist ganz wichtig in der Beziehung zu seinem Hund und nur so kann eine Bindung auge­baut wer­den. In vie­len Sit­u­a­tio­nen ist eine enge Bindung der Schlüs­sel zu vielem. Nur beim Klin­geln an der Haustür scheint das wenig Ein­fluss zu haben 😀

Klas­sis­che Lösungsan­sätze haben sicher schon vie­len Hun­den geholfen. Schließlich wer­den sie nicht ohne Grund immer wieder aufge­grif­fen. Den­noch ist let­z­tendlich jeder Hund anders und jedes Prob­lem hat andere Ursachen.

Mit einer engen Bindung, einer ordentlichen Por­tion ver­trauen, viel Liebe, gemein­samen Erleb­nis­sen und aus­re­ichen­der art­gerechter Beschäf­ti­gung ist ein ordentliches Fun­da­ment gelegt. Vieles erledigt sich dann von allein oder lässt sich ganz ein­fach in den Griff bekom­men. Oder mann kann– wie bei uns das Klin­geln an der Tür — auch ein­fach mal Fünfe ger­ade sein lassen.

Was habt ihr für Prob­leme und wie habt ihr sie in den Griff bekom­men oder welche Meth­o­den haben bei euch nicht zum Erfolg geführt?

Die Hundeleine — ein Fluch oder ein Segen?

In Nieder­sachen besteht zur Zeit Leinenpflicht. Nahezu über­all muss Wuffi angeleint wer­den. Doch nahezu nie­mand hält sich an diese Vorgabe.

Ich muss zugeben, auch ich habe die bei­den nicht immer an der Leine. An einem Feld­weg direkt um die Ecke gibt es keine Wildtiere. Es besteht ohne­hin Uneinigkeit darüber, ob dort über­haupt Leinenpflicht besteht, aber das ist ein anderes Thema.

Oft begeg­net mir Hun­de­hal­ter, die ihre Hunde über­haupt nicht anleinen. Auch nicht in Waldge­bi­eten oder am See, wo generell Leinenpflicht besteht. Wenn man sie bit­tet ihre Hunde kurz anzuleinen, weil man ohne Stress an ihnen vor­beige­hen möchte, geht das große Murmeln und Nörgeln los. Manch­mal lasse ich das unkom­men­tiert ste­hen, beim drit­ten oder vierten Mal auf einer Runde rutscht mir schon mal ein “Hier ist sowieso generell Leinenpflicht” heraus.

In der Regel kom­men dann immer die gle­ichen Antworten.

Ein Hund muss auch mal Hund sein können.”

Ein Hund an der Leine? Das ist doch nicht artgerecht.”

Ich komme nicht umher mich zu fragen:

Ist nur ein Leben ohne Leine ein artgerechtes Leben?

Die Nachteile einer Leine liegen deut­lich auf der Hand.

Der Hund ist in seinem Bewe­gungsra­dius eingeschränkt und kann sich nicht frei bewe­gen. Je nach Vor­liebe ste­hen ihm dann die üblichen 2m, vielle­icht auch 3, oder wer es richtig “gut” meint auch die oblig­a­torischen 5m der guten alten Flex­ileine zur Ver­fü­gung. Und wer etwas auf sich hält, der latscht mit einer 10m lan­gen, leuch­t­end gel­ben Bio­thane Schlep­pleine los.

Das Prob­lem einer Leine liegt wahrschein­lich gar nicht so sehr in dem Radius, den der Hund dann zur Ver­fü­gung hat. Man kann mit einer Schlep­pleine schon viel “Freiraum” ermöglichen. Das Prob­lem liegt eher darin, dass der Hund unser Tempo hal­ten muss. Hunde wür­den generell viel langsamer spazieren gehen als wir es tun. Angeleint müssen sie sich unserem Tempo anpassen, was für den Hund meist eine völ­lig unnatür­liche Geschwindigkeit darstellt. Wer sich bei der näch­sten Runde ein­mal völ­lig auf die Geschwindigkeit seines Hun­des konzen­tri­ert und sich in der Tem­pov­or­gabe völ­lig zurück­hält, wird schnell merken, dass Hunde in der Regel wesentlich langsamer unter­wegs sind als wir.

Doch wenn wir mal ehrlich sind, dann war es das auch schon mit den Nachteilen einer Leine.

Eine Leine bietet Kontrolle

Eine Leine bietet Kon­trolle, denn ich kann zur Not auf meinen Hund ein­wirken. Sollte zum Beispiel eine Katze auf der anderen Straßen­seite auf­tauchen, kann ich meinen Hund zur Not mith­ilfe der Leine davon abhal­ten, auf die Straße zu ren­nen. Sollte sich mein Hund erschrecken und zur Seite sprin­gen, so kann er max­i­mal so weit wie die Leine es zulässt.

Auch, wenn die Leine eigentlich nicht dazu da sein sollte, auf den Hund einzuwirken, so ist sie in Not– und Aus­nahme­si­t­u­a­tio­nen oft die let­zte Option den Hund zu stoppen.

Eine Leine bietet Schutz

Unsichere Hunde sind oft an der Leine gelassener. Queen zum Beispiel ist ein eher unsicherer Hund. Wir haben unsere Run­den, in denen sie ohne Leine läuft. Völ­lig entspannt und gelöst. Am Ende des Feld­weges wird sie wieder angeleint. Sollte ich nun zehn Meter weiter gehen als sonst und sie mal nicht an dem oblig­a­torischen Punkt anleinen, wird sie unsicher. Sie bleibt ste­hen, guckt. Die Ohren hän­gen runter und sie schaut unsicher hin­ter mir her. Kommt einige Schritte, bleibt wieder ste­hen, sieht sich um. Es gibt viele Hunde, die sich angeleint — und sei es auch nur in manchen Sit­u­a­tio­nen — ein­fach sicherer fühlen.

Eine Leine ist manchmal unverzichtbar

Bei der Begeg­nung fremder Hunde hat der Vier­beiner angeleint zu wer­den. So ein­fach wie das klingt, so schwer scheint es doch zu sein. Klar wird es nun einige geben, die sagen kön­nen, dass ihr Hund auch unan­geleint an frem­den vor­beige­hen kann, ohne auf diese zuzuge­hen. Das kön­nen meine bei­den auch und den­noch leine ich an und zwar aus einem ganz ein­fachen Grund: Ich möchte nicht, dass sich jemand meinetwe­gen unwohl fühlt. Der ent­ge­genk­om­mende Men­sch weiß nicht, dass meine bei­den ein­fach so neben mir vor­beilaufen wür­den. Er wird also vielle­icht unsicher, was sich zwangsläu­fig auf den anderen Hund über­tra­gen wird. Und ich bin mir sicher, dass Hunde sehen, ob der andere angeleint ist oder nicht. Queen ist zum Beispiel viel entspan­nter, wenn ein angelein­ter Hund ent­ge­genkommt, als wenn einer auf sie zuläuft, der nicht angeleint ist. Selbst, wenn dieser direkt neben seinem Zweibeiner läuft. Ich möchte ein­fach nicht der Grund dafür sein, dass der Hun­de­hal­ter und / oder sein Hund meinetwe­gen in Stress ger­aten. Daher Leine dran. Ist ganz einfach 😉

Eine Leine ist kein Gefängnis

Auch an der Leine kann ich meinen Hund prima beschäfti­gen. Such­spiele funk­tion­ieren an der Leine genauso gut wie kleine Tricks oder ein selbst aus­gedachter Agili­ty­par­cour im Wald. Eine Leine bedeutet nicht, dass ich lust­los neben meinem Hund hertrot­ten muss. Dann würde mich Aus­sagen wie “Mein Hund haut ab, wenn ich ihn anleinen will” auch nicht wun­dern. Sowohl Queen als auch Püppi bleiben bei­den ste­hen, sobald ich mir die Leine von den Schul­tern nehme. Das muss ich weder kom­men­tieren noch habe ich das geübt. Wür­den sie die Leine schreck­lich finden, wäre das nicht so.

Eine Leine bringt Ruhe ins Boot

Für mich ist dies ein ganz wichtiger Punkt gewor­den. Queen dreht völ­lig auf — ja nahezu durch — wenn wir in einem unbekan­nten Gebiet spazieren gehen oder zu ihren Liebling­sorten fahren. Sie ist auf 180 und rennt wie wild durch die Gegend. Zwar abruf­bar, aber wild und wie aus­gewech­selt. Damit stichelt sie Püppi natür­lich auch an und so ren­nen zwei wild gewor­dene Hunde von links nach rechts. Und damit meine ich kein gemein­sames Toben, son­dern wirk­lich völ­lig unentspannt und gestresst. Nichts für mich. Queen ist in solchen Momenten so außer sich und so voller Adren­a­lin, dass sie zum Beispiel gar nicht merken würde, wenn ihr etwas weh tut oder wenn sie ihren Gelenken zu viel zumutet. Daher greife ich in solchen Momenten ein und leine sie zunächst an. Sie beruhigt sich dann an der Leine und so kann ich sie nach einer gewis­sen Zeit auch ableinen und wir kön­nen entspannt spazieren gehen. Am See zum Beispiel bleibt sie hinge­gen kom­plett an der Leine. Unan­geleint dreht sie dort völ­lig durch, gerät in Stress und bekommt Durch­fall. Das brauche weder ich noch der Hund. Angeleint ist es schon nach weni­gen Metern ein entst­pan­nter Spaziergang.

Das Thema Leine ist nicht nur neg­a­tiv behaftet. Man kann auch an der Leine eine Menge Spaß haben und seinen Hund art­gerecht aus­las­ten. Zudem gibt es in Tier­märk­ten und Onli­neShops mit­tler­weile so viele unter­schiedliche Mod­elle mit ver­schiede­nen Län­gen und Mate­ri­alien. Da ist für jeden etwas dabei 🙂

Jeder Welpe hat ein Recht auf seine Welpenzeit

Welpenkurs, Junghun­de­gruppe, Obe­di­ence und Deckentraining.

Das sind nur wenige Punkte auf dem wöchentlichen Plan vieler Welpen.

Prob­lemhunde” sind immer häu­figer ein Thema, selbst im TVPro­gramm stößt man auf Hun­de­trainer, die Prob­leme “weg­trainieren”. Die Gesellschaft strebt nach Per­fek­tion. Man misst sich mit anderen und definiert sich über erre­ichte Ziele. Unser All­tag ist geprägt von Schnel­llebigkeit, Erfol­gs­druck und Konkurrenzdenken.

Im Inter­net geht es weiter. Ver­steckt hin­ter den Tas­ten des Lap­tops lässt sich leicht eine Welt auf­bauen, die mit der Real­ität nichts mehr zu tun hat. “Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt” hat schließlich schon Pip­i­langstrumpf gesagt.

Kennt ihr nicht den einen Trick­dog? Der kon­nte mit 4 Monaten schon 10 Tricks.”

Erin­nert ihr euch an den Aussie? Der kon­nte mit vier Monaten schon per­fekt “Bei Fuß” laufen”.”

Ein Träum­chen oder?

Wenn ich mich hier im Inter­net oder in der Hun­de­schule umsehe, dann sehe ich ganz oft Hun­de­hal­ter, die ihren Welpen und Junghund vor Auf­gaben stellen, die in mir immer wieder ein bes­timmtes Bild auslösen:

Vor meinem geisti­gen Auge sehe ich kleine japanis­che Schüler in Schu­lu­ni­form, die per­fekt ger­ade auf ihrem Stuhl sitzen, still und aufmerk­sam. Die nach­mit­tags vor dem Klavier sitzen oder Geige ler­nen. Kleine Minierwach­sene in Hemd und Pollunder.

Das ist traurig.

Das fest­ge­set­zte Ziel vor Augen, der ständige Blick zur Seite auf die anderen und das Bedürf­nis, etwas ganz beson­deres zu sein, bringt viele Hun­de­hal­ter dazu aus ihrem Welpen einen japanis­chen Minierwach­se­nen zu machen.

Muss ein Welpe mit vier Monaten wie an der Schnur gezo­gen “Bei Fuß” gehen können?

Muss ein Junghund mit fünf Monaten schon 10 Tricks können?

Und muss ein Welpe mit vier Monaten zuver­läs­sig auf der Decke liegen bleiben, während wir kochen und anschließend essen? Auch, wenn Besuch kommt und erst recht, wenn wir in unserem sowieso schon stres­si­gen Leben ger­ade beson­ders gestresst sind?

Mit­ten im Zah­n­wech­sel wird alles weg­geräumt, damit der Hund auf nichts herumkauen kann. Alter­na­tiven wie gekühlte Möhren? Nö.

Jeder Welpe hat ein Recht auf seine Welpenzeit.

Jeder Welpe hat ein Recht darauf Quatsch zu machen und die Welt zu erkun­den. Er hat ein Recht darauf unbeschw­ert groß zu wer­den ohne ständig Leis­tun­gen erbrin­gen zu müssen.

Schließlich haben auch wir die Möglichkeit bekom­men, im Kinder­garten los­gelöst zu spie­len und uns frei zu entwick­eln. Wir sind auch nicht mit drei Jahren in die Schule gekom­men und das war auch gut so.

Ich habe mich bei Püppi ganz bewusst dazu entsch­ieden, sie bis sie ein Jahr gewor­den ist, ein­fach nur Welpe bzw. Junghund sein zu lassen.

Nur der Rück­ruf war mir wichtig, weil ich wollte, dass sie sich draußen frei bewe­gen kann. Sitz und Platz ergab sich im All­tag. Wir haben weder Deck­en­train­ing, noch Leinen­führigkeit noch Tricks oder sonst etwas geübt.

Vieles ergab sich im All­tag. Sie hat sich von allein an mir ori­en­tiert. Leinen­führigkeit­strain­ing war nie notwendig.

Sie hat von allein die Vorzüge ihres Kör­bchens entdeckt.

Wollte sie bel­lend über die Hun­dewiese ren­nen, dann kon­nte sie das tun. Sie hat sehr schnell alleine gemerkt, dass es gar nicht notwendig ist, vor Aufregerung und Unsicher­heit zu bellen.

Ich wollte, dass sie sich so frei wie möglich entwick­eln kann. Ich wollte weder sie noch ihren Charak­ter for­men. Kurz bevor sie ein Jahr wurde haben wir mit dem Agility ange­fan­gen, um schon mal austesten zu kön­nen, ob es ihr liegt.

Statt “Bei Fuß” zu üben, haben wir den Wald erkun­det. Statt Deck­en­train­ing haben wir Fan­gen gespielt und statt Tricks zu üben, hat Queen Püppi die Welt gezeigt.

Sicher lässt sich auch bei­des verbinden, doch soll­ten wir wirk­lich unsere Welpen zu Minierwach­se­nen mit Hemd und Pol­lun­der machen?

Jeder Welpe hat ein Recht auf seine Welpen­zeit. Sie ist so kurz und es bleibt noch genug Zeit zum Lernen.

Die Angst vor den Großen

Hun­debe­sitzer lassen sich in viele ver­schiedene Kat­e­gorien einteilen.

Da gibt es diejeni­gen, die mit ihrem Hund aktiv sind und vielle­icht Sport machen. Diejeni­gen, die ihre Hund Hund sein lassen und diejeni­gen, die ihren Hund als Kinder­ersatz set­zen. Es gibt diejeni­gen, die man mit Gum­mistiefeln im Wald trifft und diejeni­gen, die mit Büroklei­dung durch die Sied­lung laufen.

Und es gibt diejenigen, die große Hunde haben und diejenige, die kleine Hunde halten.

Ein Hund fängt bei mir ja erst da an, wo ich mich zum Stre­icheln nicht mehr bücken muss.”

Wie oft habe ich diesen Satz nun schon gehört.

flugplatz3

Trifft man mich mit Püppi, aber ohne Queen, so habe ich oft das Gefühl, den Stem­pel schon auf der Stirn zu haben.

Das junge Ding mit kleinem Hand­taschen­hund. Tussi, was sonst?!

Kommt man ins Gespräch und ich erwähne, dass auch ein Schäfer­hund bei mir lebt, merkt man deut­lich, wie sich die Sicht auf mich verändert.

Und dabei kann man es den Leuten nicht übel nehmen.

Hier auf der Straßen wohnen zwei ältere Damen. Sin­gle — Ladys mit Dackel und Pudel. Kein Witz.

Meist sieht man die bei­den zusam­men spazieren gehen. Beide schnacken laut und bleiben bei jeder Gele­gen­heit stehen.

Die bei­den entsprechen genau dem Bild, welches viele von Men­schen mit kleinen Hun­den haben.

Und sie erfüllen das Klis­chee tatsächlich.

Erst ver­gan­gene Wochen kamen mir beide an einem engen Feld­weg ent­ge­hen. Da ich es selbst nicht mag, wenn man auf dem ca. 1m bre­iten Weg anderen Hunde auswe­ichen muss, blieb ich am Ende ste­hen und wartete auf die bei­den. Das dauerte erst ein­mal länger als erwartet, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich auf dem engen Weg viele Hunde durch ent­ge­genk­om­mende Artgenossen bedrängt fühlen. Das muss nicht sein und ist ganz ein­fach ver­mei­d­bar, indem man den Ent­ge­genk­om­mende eben durchge­hen lässt.

Beide sind natür­lich end­los entzückt von Püppi und bleiben grund­sät­zlich bei uns stehen.

Die Dame mit dem Pudel sagte zu mir (orinialer Wort­laut): “Die Kleine ist ja ganz süß, aber die Große da… Ne, also da hat meine ja Angst vor.”

Ihre Hündin war völ­lig entspannt. Sie ließ sie auf Püppi zulaufen. Kurz vor Püppi fletsche sie jedoch die Zähne und wollte weitergehen.

Die Hündin hatte keine Angst vor Queen. Sie hat sie nicht mal beachtet. Ihre Kör­per­sprache wirkte eher dom­i­nant als zurückhaltend.

Warum denken so viele Hundebesitzer, dass ihre kleinen Hunde Angst vor Großen hätten? Oder ist diese Aussage vielleicht von der eigenen Angst geprägt, dass etwas passieren könnte?

flugplatz20

Natür­lich kann es sein, dass der kleine wirk­lich Angst vor dem Großen hat. Und ich will das auch gar nicht herun­ter­spie­len, denn die Empfind­un­gen des eige­nen Hun­des dür­fen in keinem Fall ignori­ert wer­den. Außer­dem kann ein Zusam­men­stoß zwis­chen Groß und Klein schwere gesund­heitlichen Fol­gen haben.

Ich meine diejeni­gen, die lediglich annehmen ihr Hund habe Angst. Schließlich haben wir alle Augen im Kopf und sehen auch, ob der Kleine sich ger­ade wohl fühlt oder nicht. Wir erken­nen, ob er Angst hat oder vielle­icht sogar neugierig ist. Den­noch behaupten viele Besitzer kleiner Hunde, ihrer habe Angst vor Großen.

Warum?

Oft wird von Anfang an der Kon­takt zu großen Hun­den gemieden. Die kleinen wer­den auf den Arm genom­men oder angeleint und zur Seite gezo­gen. Oft begleitet von deut­licher Anspan­nung des Zweibeiners.

Und anschließend wun­dert man sich, dass der Kleine an der Leine pöbelt, wenn ein großer Hund kommt. Obwohl Moment. Wieso wun­dern? Schließlich hatet der Kleine doch schon immer Angst vor Großen, oder?

Wenn ich mir einen Schäfer­hundwelpen vorstelle, so ist dieser in seinen ersten Leben­sta­gen ger­ade mal so groß wie die Schnauze der Mut­ter. Und obwohl die Welpen erst nach den ersten zwei Wochen die Augen öff­nen, so spüren sie doch ihre im Ver­gle­ich zum eige­nen Kör­per riesige Mut­ter. Die große Zunge schiebt den gesamten Welpen über den Boden, während die Hüd­nin ihre Welpen säu­bert. Die Welpen kuscheln sich unter die riesi­gen Beine ihrer Mutter.

Ohne Angst.

In der Welpen­spiel­stunde tre­f­fen die Welpen auf andere Welpen größerer Rassen und wir alle wis­sen, wie Welpen untere­inan­der spie­len. Grob­mo­torisch wird gebis­sen, umger­annt und sich auf den anderen gewor­fen. Und kein Welpe fürchtet sich anschließend vor dem anderen.

Püppi ist mit Queen groß gewor­den. Sie hat keine Angst vor großen Hun­den und weiß wie sie sich ver­hal­ten muss. Immer wieder höre ich Sätze wie “Die Kleine hat ja gar keine Angst vor meinem.” Warum auch?

Ich erin­nere mich noch gut an eine Dame, die mir oft in der Heimat begeg­net ist. Das ist schon einige Zeit her, Püppi gab es noch gar nicht. Die Dame hatte einen Mal­teser. Sah sie Queen und mich, eilte sie zu ihrem Hund, nahm ihn auf den Arm und stellte sich schützend vor einem Baum, sodass sich der kleine zwis­chen ihr und dem Baum befand.

Queen war angeleint und hat noch nicht mal nach dem Mal­teser geguckt. Die Dame über­trieb maß­los. Bis zu dem Tag, an dem ich Queen eben­falls auf den Arm nahm und mich schützend vor einem Baum stellte.

Der tut dir nichts mein Schatz. Die gehen ein­fach an uns vorbei.”

Nach diesem Tag drehte sie schla­gar­tig um, sobald sie uns sah.

flugplatz16

Ich komme nicht umher mich zu fragen:

Wird die “Angst vor großen Hun­den” vielle­icht gefördert oder sogar aner­zo­gen? “Ver­lernt” der Kleine durch Iso­la­tion das richtige soziale Ver­hal­ten gegenüber Großen? Überträgt sich die Unsicher­heit der Men­schen auf den Kleinen und wird diese Unsicher­heit dann als Angst interpretiert?

Nicht alle kleinen Hunde haben Angst vor Großen.

Auf­fäl­lig ist jedoch:

Entspan­nte Besitzer von kleinen Hun­den haben meist auch entspan­nte kleine Hunde neben sich, die sowohl mit kleinen als auch mit großen Hun­den zurecht kommen.

Unsichere und ängstliche Besitzer von kleinen Hun­den haben oft pöbel­nde, unsichere Hunde an der Leine. Nicht sel­ten wird dieses Ver­hal­ten begleitet mit der “Erk­lärung”, dass der Kleine furcht­bare Angst habe.

Man sollte sich dur­chaus der Gefahr bewusst sein, was passieren kann, wenn beispiel­sweise ein Boxer über einen Mop­swelpen drüber rennt.

Den­noch ist Iso­la­tion, Unsicher­heit oder gar Angst nicht der richtige Weg. Dem Vier­beiner jeden­falls wird man damit keinen Gefallen tun.

Die drei großen A — oder: können Probleme “weg ignoriert” werden?

Um das schon mal vor­weg zu nehmen: ich bin keine Hundetrainerin.

Alles, was ich weiß, basiert auf meinen Erfahrun­gen und meinem Bauchgefühl.

Nicht mehr und nicht weniger. Den­noch schreibe ich heute mal über das Thema “Grunderziehung”.

Mit Queen habe ich keinen Welpen– und keinen Junghun­dekurs besucht. Wir hat­ten schnell einen sehr guten Draht zueinan­der. Ihre gesamte Erziehung beruht auf dem aus unserer Bindung ent­stande­nen Bauchgefühl.

Doch über die Grun­derziehung im Ganzen zu schreiben, würde wohl den Rah­men eines Artikels spren­gen. Es soll auch gar nicht um das große Ganze gehen, son­dern lediglich um den Umgang mit uner­wün­schtem Verhalten.

iso9

Das einzige Prob­lem, was ich mit Queen je hatte, war ihre Unsicher­heit anderen Hun­den gegenüber. Sie ist rel­a­tiv isoliert aufgewach­sen und kam erst mit 4 Monaten zu mir. Sie kan­nte keine andere Hun­derasse und ver­bellte diese. So oft es ging suchte ich denn Kon­takt zu ver­schiede­nen Hun­den mit unter­schiedlichen Alter, unter­schiedlicher Optik und unter­schiedlichem Wesen. Nun kann und wollte ich gar nicht zu jedem mir ent­ge­genk­om­menden Hund laufen. Schließlich sollte sie ler­nen ruhig und entspannt an anderen Vier­bein­ern vor­beige­hen zu können.

Kam uns ein anderer Hund ent­ge­gen, nahm ich sie auf die andere Seite, sodass ich immer zwis­chen ihr und dem Hund gelaufen bin. Ging sie ruhig und entspannt an dem anderen vor­bei, gab es eine Beloh­nung. Fing sie an zu bellen, blieb ich ste­hen, stellte mich in den Weg, legte meine Hand auf ihre Brust und sagte “nein”. Hier­bei habe ich sie natür­lich nicht gestoßen, son­dern nur ange­fasst. Es ging lediglich um die Berührung an sich und dem “nein”.

Warum ich das gemacht hab? Irgend­wie hatte ich das Gefühl, dass sie sich leichter auf mich konzen­tri­eren kon­nte, wenn ich sie berührt habe. Sie kam leichter aus der Sit­u­a­tion her­aus, wenn ich sie ange­fasst habe. Nur anfassen, mehr nicht.

Nach guten drei bis vier Wochen kon­nten wir entspannt an anderen Hunde vorbeilaufen.

Mit Püppi bin ich von Anfang an in die Welpen­stunde bei Mar­tin Rüt­ters DOGS gegangen.

neu7

Ich bin mit Queens Erziehung abso­lut happy und sie ist ein ganz toller Hund gewor­den. Per­fekt, in meinen Augen.

Den­noch wollte ich mich auf das Exper­i­ment ein­lassen. Ich habe die dort bekomme­nen Tipps beherzigt und bei Püppi umgesetzt.

Uner­wün­schtes Ver­hal­ten sollte grund­sät­zlich ignori­ert wer­den. Hier­bei soll­ten die drei großen A beherzigt wer­den. Nicht anfassen, Nicht ansprechen, nicht anse­hen. Die Begrün­dung liegt darin, dass die Hündin ihre Welpen eben­falls ignori­eren würde.

Uner­wün­schtes Ver­hal­ten sollte also ignori­ert wer­den, erwün­schtes belohnt.

Alles klar. Das klang ein­fach. Mit dem Tim­ing hatte ich eigentlich nie große Prob­leme, sodass ich mich auf das Exper­i­ment ein­lassen wollte.

Wenn wir also zu Beginn der Stunde im Kreis standen und die Prob­leme der einzel­nen durchgin­gen, wur­den bel­lende und aufgekratzte Hunde ignoiert. Diejeni­gen, die lieb und ruhig neben ihrem Zweibeiner saßen wur­den belohnt. Auch im Junghun­dekurs wurde nach diesem Prinzip vorgegangen.

Nun stand ich vor dem gle­ichen Prob­lem wie damals mit Queen. Püppi hat nicht grund­sät­zlich jeden Hund ange­bellt. Wurde sie jedoch angepö­belt, pöbelte sie zurück. Uner­wün­schtes Ver­hal­ten? Für mich auf jeden Fall. Ich will — ger­ade mit zwei Hun­den — entspannt an anderen Vier­bein­ern vor­beilaufen kön­nen. Ob diese nun bellen oder nicht, spielt keine Rolle.

Die drei großen A

Beide Hunde wur­den angeleint und ich bin an dem anderen Hund vor­beige­laufen. Beide wur­den auf die andere Seite genom­men. Manch­mal zog Püppi wie irre zu dem Hund, mach­mal bellte sie. Ich ging ein­fach weiter. Nicht anfassen, nicht ansprechen, nicht anschauen.

Püppi wurde acht Monate alt und das Prob­lem war kein bißchen besser geworden.

Garten23

Als wir mit dem Agility anfin­gen, lern­ten wir eine neue Trainerin ken­nen, die wir auch immer zwis­chen­durch mal Grundäst­zliches fra­gen dür­fen. Unsere Fre­undin aus dem Junghun­dekurs fragte wie sie sich ver­hal­ten soll, wenn ihr Hund im Flur sitzt und heult. Ignori­eren brachte da näm­lich nichts und verärg­ert zudem die Nachbarn.

Die Trainerin riet ihr, das uner­wün­schte Ver­hal­ten zu unter­brechen. “Geh zu deinem Hund, fass ihn an und sag ihm, dass du das nicht möchtest.”

In meinem Kopf rat­terte es: Also doch anfassen? Und ansprechen?

Ich änderte also meine Tak­tik. Zog Püppi zu dem anderen Hund oder bellte sogar, blieb ich wie bei Queen früher ste­hen, fasste sie an und sagte “tabu”.

Durch die Berührung an der Brust hatte ich schnell ihre Aufmerk­samkeit und sie schaute mich mit großen Kuller­au­gen an. “Tabu” ist ihr dur­chaus ein Begriff. Klappte das Vor­beige­hen prob­lem­los, gab es eine Belohnung.

Und ich kann sagen: es ist schon um vieles besser geworden.

Kön­nen Prob­leme “weg ignori­ert” wer­den? Ist das wirk­lich der richtige Weg, um dem Hund zu zeigen, dass man etwas nicht möchte?

Ich kann für mich und für meine Hunde sagen: In unserem Fall hat es nicht geklappt.

Zudem frage ich mich, ob es tat­säch­lich sin­nvoll ist, sich an dem ange­blichen Ver­hal­ten von Hündin­nen zu ori­en­tieren? Unter­schätzen wir unsere Hunde damit nicht?

Ich bin mir sicher, dass Hunde sehr viel schlauer sind als wir denken. Sie wis­sen sehr wohl, dass wir keine Artgenossen sind. Sie erken­nen uns zwar als voll­w­er­ti­gen Sozial­part­ner an, wis­sen aber sehr wohl, dass wir keine Hunde sind.

Wie gesagt, ich bin keine Hun­de­trainerin. Das hier sind nur meine Erfahrun­gen und mein Bauchge­fühl. Dabei darf ich nicht vergessen, dass ich zwei ganz tolle Hunde habe und nicht wirk­lich von großen “Prob­le­men” sprechen kann. Den­noch frage ich mich, ob das Ignoieren bei richti­gen Baustellen über­haupt zu Erfolg führen kann? Oder in manchen Fällen vielle­icht sogar con­trapro­duk­tiv ist?

Wie hand­habt ihr das? Ignori­ert ihr uner­wün­schtes Verhalten?

Martin Rütter — ein kritischer Blick

Mar­tin Rüt­ter ist längst vom Hun­de­trainer zur Marke gewor­den. Jeder Hun­de­men­sch kennt ihn und auch die Nicht — Hun­debe­sitzer haben ihn schon mal “irgendwo im Fernse­hen” gesehen.

Ich gebe es gerne zu:

Ich habe alle seine Bücher gele­sen, habe all seine Kome­die — Pro­gramme besucht und die DVDs in meinen Regel ste­hen, habe mehrere Shirts aus einem Pro­gramm und einige Train­ing­suten­silien. Außer­dem gehen wir in seine Hundeschule.

Bin ich vielle­icht sogar ein Fan?

Vor meinem geisti­gen Auge sehe ich nun meine Mama und meinen Opa vor ihrem Tablet sitzen und laut “Jaaaa” schreien.

Ich hinge­hen würde das dur­chaus etwas dif­feren­zierter sehen.

see24

Seine Person

Nie erzählt, doch heute ver­rate ich es euch: Ich liebe ihn.

Das hat jetzt erst ein­mal nichts mit seinen Train­ingsmeth­o­den zu tun, denn dazu komm ich später. Ich mag ihn als Per­son. Er ist unglaublich lustig und nett. Ich kön­nte ihm stun­den­lang zuhören und zuse­hen. Dabei kann ich gar nicht genau sagen, woran es liegt. Doch irgend­wie hat er etwas, was mich total fasziniert. Schon weit bevor Queen ein­zog, habe ich regelmäßig seine Sendung auf VOX verfolgt.

Ich mag ihn ein­fach. Ich kann nichts dafür 🙂

Sein Leben im TV

Ich sauge alles, was von ihm im TV kommt auf wie ein Schwamm. Alles wird ange­se­hen und nach jeder Sendung bin ich trau­rig über das doch so schnell gekommene Ende.

Doch dabei darf man das alles nicht allzu ernst nehmen. Vor allem die Sendung “Der Hun­de­profi” auf VOX ist kein Erziehungsrat­ge­ber. Sie ersetzt keinen Hun­de­trainer. Außer­dem darf man nicht vergessen, dass die Fälle der­art geschnit­ten und zusam­megestellt wer­den, dass sie vor allem eins sind: unterhaltend.

Der Zuschauer soll sich gut unter­hal­ten fühlen. Der ein oder andere C — Promi in der Sendung oder lustige Spruch von Mar­tin Rüt­ter lock­ern das For­mat auf. Wochen­lang wer­den die Hunde von pro­fes­sionellen Train­ern seiner Hun­de­schule begleitet. All das wird nicht gezeigt. Die Fälle wer­den so geschnit­ten, dass der Zuschauer sich gut unter­hal­ten fühlt. Das darf man natür­lich nicht vergessen.

see23

Das Training nach Martin Rütter

Kom­men wir zu dem, was euch jetzt wohl am meis­ten interessiert.

Das Train­ing.

Ich finde es super, dass er stets auf das andere Ende der Leine schaut. Er stellt art­gerechte Beschäf­ti­gung in den Fokus. Mit diesem Ansatz kann ich mich super iden­ti­fizieren. Genau wie er bin ich der Mei­n­ung, dass eine gute Bindung die Grund­lage für alles ist.

Hier­bei kommt oft der Fut­ter­beu­tel und all­ge­mein das Thema Fut­ter zum Ein­satz. Ich finde es prinzip­iell gut, wenn man viel mit Fut­ter belohnt. Oft sieht man Welpen, die für jeden Pups vollgestopft wer­den. Sind die Hunde erwach­sen, bleibt der Fut­ter­beu­tel Zuhause. Warum eigentlich? Der Meis­ter bekommt doch auch nicht weniger als der Lehrling? Queen und Püppi müssen sich auch einen Teil ihres Fut­ters erar­beiten und sie sind super happy damit.

Das Thema Fut­ter­beu­tel ist natür­lich nicht immer ein­fach. Wer nur seine Sendung ver­folgt, bekommt den Ein­druck, der Beu­tel sei die Lösung für alles. Ein nicht aus­ge­lasteter Hund soll mit den Beu­tel apportieren, genau wie ein Hund, der an der Leine pöbelt oder auf Artgenossen aggres­siv reagiert. Kann man all diese Fälle über einen Kamm scheren? Ist der Fut­ter­beu­tel das All­heilmit­tel für alle Probleme?

Sicher nicht.

Das fängt schon allein damit an, dass nicht jeder Hund für diesen Beu­tel zu begeis­tern ist. Klar kann man nun wie Rüt­ter emp­fiehlt, das Fut­ter nur noch aus dem Beu­tel geben und wenn der Hund nicht mitar­beitet, bekommt er eben nichts zu Fressen. Bei eini­gen Hun­den würde ich genauso ver­fahren. Bei anderen nicht. Wenn der Hund keinen Spaß hat, dann hat es auch der Zweibeiner nicht und dann bringt das alles nichts. Als Püppi noch nicht da war und Queen noch sehr schlecht gefressen hat, hat auch sie eine Zeit lang das gesamte Fut­ter aus dem Beu­tel bekom­men. Hat sie nicht mit­gemacht, gab es nichts. Nach spätestens zwei Tagen war sie so ver­schüchtert, dass sie schon unsicher wurde, wenn sie den Beu­tel nur sah. Heute arbeiten wir nach wie vor mit dem Fut­ter­beu­tel, aber nicht auss­chließlich. Püppi apportiert den Beu­tel auch schon ganz prima, aber wir nutzen ihn nicht täglich. Vielle­icht ein oder zwei mal pro Woche nehmen wir ihn mit. Dabei steht lediglich die Abwech­slung inner­halb der Beschäf­ti­gun­gen im Fokus.

see16

Ich würde mir wün­schen, dass nicht 80 % aller Fälle in seiner Sendung mit dem Fut­ter­beu­tel “gelöst” wer­den. Teil­weise bekommt man den Ein­druck, es gibt ca. 8 ver­schiedene Lösungsan­sätze. Das Prob­lem wird dann in eine dieser Schubladen gesteckt und mal schauen wo die Reise hingeht. Dem ist eigentlich gar nicht so, aber wer durch die Serie auf VOX kennt, kön­nte meinen dies sei das gängige Ver­fahren. Zudem wäre es toll, wenn man mehr von dem Train­ing sehen würde. Es geht vor allem um die Besuche von Mar­tin Rüt­ter, doch wäre es sicher inter­es­sant zu sehen, wie in der Zwis­chen­zeit trainiert wer­den würde.

Wer seine Bücher kennt, der weiß, dass er eigentlich viel dif­feren­zierter ist. Dort wird immer wieder davon gesprochen, dass alle Hunde anders sind und dass man indi­vidu­ell die richtige Beschäf­ti­gung finden muss.

Auch in der Hun­de­schule — zumin­d­est bei uns in der Stadt — wird inividu­ell auf den Hund ein­gan­gen. Ange­fan­gen von Fut­ter­beu­tel, bis hin zu Nase­nar­beit und Suchen von kle­in­sten Gegen­stän­den, über art­gerechter Beschäf­ti­gung auf den Spaziergän­gen, Reizan­gel­train­ing, Apportierkursen und und und ist eigentlich alles dabei.

Bei dem Thema “Maßregeln” bin ich immer etwas skep­tisch. Mar­tin Rüt­ter mag das ver­ant­wor­tungs­be­wusst machen. Er hat das richtige Tim­ing. Doch haben die Hun­debe­sitzer das auch? Ich bin kein Fan von Sprüh­hals­bän­dern und Train­ings­dics und wie die Dinger alle heißen.

Hunde, die nicht mitar­beiten oder “respek­t­los” erscheinen, bekom­men eben­falls einen ähn­lichen Train­ings­plan: Zunächst ein­mal darf der Hund nicht mehr aufs Sofa oder ins Bett. Alle Spielzeuge wer­den weg­geräumt und Fut­ter darf sowieso nicht herum­ste­hen. Zudem soll der Hund im Haus ignori­ert werden.

Würde Mar­tin Rüt­ter zu uns nach Hause kom­men, würde er wahrschein­lich die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen. Hier ste­hen drei große Kisten Spielzeug immer frei zugänglich im Wohnz­im­mer. Die Hunde schlafen im Bett und liegen auf dem Sofa. Über­all ste­hen Kör­bchen herum und die vie­len Tep­piche bieten den Hunde zahlre­iche Optio­nen strate­gisch zu liegen. Nicht sel­ten liegen Knab­ber­sachen irgendwo rum. Beide Hunde bunkern in ihren Kör­bchen und ich bekomm das nicht immer mit. Das Fut­ter wan­dert meist so gegen halb fünf in den Napf. Beide fressen, wenn sie Hunger haben. Manch­mal steht es bis spät abends in der Küche.

Ignori­ert wer­den die bei­den fast nie und Queen schon mal gar nicht, weil sie das total verun­sich­ern würde. Püppi ignori­eren wir, wenn sie wirk­lich auf­dringlich ist oder bet­telt. Anson­sten gehen wir gern auf die Wün­sche und Bedürfnisse unserer Vier­beiner ein.

In der Hun­de­schule wurde mir schon mehrfach ger­aten, die Ressourcen selbst einzuteilen. Das Spielzeug gehöre in eine ver­schlossene Box und das Fut­ter müsse nach kurzer Zeit weggestellt werden.

Kann man machen. Will ich aber nicht.

see17

Solange wir keine Prob­leme haben und alle glück­lich sind, sehe ich gar keinen Grund etwas zu ändern. Im Gegen­teil: Ich finde es super, wenn sie gemein­sam auf die Suche nach einem Spielzeug begeben, mit dem sie gemein­sam zergeln kön­nen. Sie machen nichts kaputt, gehen nicht an die Sachen der Zweibeiner, sind abruf­bar und hören auch sonst auf das, was wir möchten. Beim “Arbeiten” machen sie motiviert mit und auch sonst würde ich nichts im Zusam­men­leben mit den bei­den als “Baustelle” bezeichnen.

Also warum soll ich zum Ressourcen — Ver­wal­ter wer­den, wenn wir alle bestens zufrieden sind?

Ich mag seine Ansätze und sein Ver­ständ­nis von der Bindung zu einem Hund. Ich finde es super, dass er art­gerechte Beschäf­ti­gung in den Mit­telpunkt stellt und sein Train­ing darauf aufbaut.

Manch­mal wün­sche ich mir etwas mehr Ini­di­vid­u­al­ität. Zum Teil fallen zu schnell pauschale Lösungsan­sätze. Mehr Ein­blick in die Zeit des Train­ings zwis­chen den Rüt­ters Besuchen würde sicher viele Hun­de­men­schen interessieren.

Alles in allem ist sein Ver­ständ­nis von dem Zusam­men­leben mit einem Hund das, womit ich mich am besten iden­ti­fizieren kann. Als ich ange­fan­gen habe mich mit seinen Meth­o­den und Ansätzen auseinan­derzuset­zen, entsprachen diese in sehr vie­len Punk­ten meinem Bauchgefühl.

Wie denkt ihr über Mar­tin Rüt­ter? Wie findet ihr seine Trainingsansätze?

Platz da! Ein Rüpel kommt!

In unserer Heimat gibt es einen wun­der­vollen See, der von allen Zwei– und Vier­bein­ern geliebt wird. Wir haben schon häu­figer über Aus­flüge dor­thin berichtet und auch schon einige Bilder gezeigt.

Der Sil­bersee ist ein­fach toll. Der Strand ist wun­der­schön, das Wasser sauber und es befinden sich nahezu keine Steine am Strand oder im Wasser. Der per­fekte Ort, um seine Hunde ins Wasser lassen zu kön­nen. Queen fährt dort super gerne hin. Sobald sie merkt, dass es zum See geht, win­selt sie ganz aufgeregt und ist nicht mehr zu hal­ten. Und zwar wörtlich 😀

Silbersee1

Doch nahezu bei jedem Besuch in den let­zten Monaten kam es zu unschö­nen Begeg­nun­gen dort. Manch­mal waren wir alleine dort, oft auch mit unserem Kumpel Hagrid. Nicht sel­ten haben wir beschlossen das Weite zu suchen. Daher habe ich einen Text ver­fasst und in eine Face­book Gruppe namens “Hunde Gemein­schaft Sil­ber See” geteilt:

Ich wollte ein­fach mal ein paar all­ge­meine Dinge loswerden.

Ich weiß nicht, ob sich der Sil­bersee zu einem rechts­freien Raum entwick­elt hat, in dem Rück­sicht­nahme ein Fremd­wort und Auf­dringlichkeit zur täglichen Tage­sor­d­nung gewor­den ist. 

Wenn jemand dort mit seinen Hun­den spazieren geht und seine Hunde anleint, dann kann man doch von dem ent­ge­genk­om­menden Besitzer das gle­iche erwarten. Jeder ver­ant­wor­tungsvolle Hun­debe­sitzer leint seinen Hund an, wenn der ent­ge­genk­om­mende Hund eben­falls angeleint ist. Oder er ruft ihn zumin­d­est zu sich — voraus­ge­setzt, er bleibt dann auch neben seinem Zweibeiner.  Ich leine meine Hunde grund­sät­zlich an, weil meine Große sich schnell bedrängt und sich sehr unwohl und unsicher fühlt, wenn andere Hunde auf sie zugestürmt kom­men. Meiner Kleinen möchte ich beib­rin­gen, dass ein Zustür­men sich ein­fach nicht gehört. Mehrfach schon bin ich dafür am Sil­bersee verurteilt wor­den. “Was kom­men Sie hier hin, wenn Sie ihre Hunde anleinen?” “Leinen Sie doch ein­fach ab. Das regeln die schon unter sicht.” Der let­zte Satz ist übri­gens schlicht falsch! Wenn ich am Strand an einem ruhi­gen Platz mit bei­den Hunde spiele und andere Vier­beiner zu uns gestürmt kom­men, dann kann es doch nicht zu viel ver­langt sein, wenn ich die Beistzer bitte ihre Hunde zu rufen. Muss das sein, dass fremde Hunde bel­lend zu uns ger­annt kom­men, das Spielzeug klauen und dieses dann noch mit Knur­ren und Ver­beißen vertei­di­gen? Erst let­ztes Mal kam ein Hund mehrfach zu uns gestürmt. Wir standen nicht an dem großen Sand­strand, son­dern in einer kleinen Nis­che ganz am Rand auf der anderen Seite. Erst ran­nte er meine Kleine mehrfach um und stand dann knur­rend vor der Großen. Erst nach mehrfachem Bit­ten kamen die Besitzer und holten ihren Hund ab. Auf Rufe reagierte er kein bißchen. Beim fün­ften Mal knur­rte meine Hündin eben­falls. Daraufhin nahm der Mann seinen Hund am Hals­band, dem ich auf­grund der hochge­zo­ge­nen Lefzen bis auf die Backen­zähne schauen kon­nte und ging mit den Worten “Komm. Der Schäfer­hund ist böse.” 

Also mal ehrlich?

Wenn euch ein Hund ent­ge­gen kommt, der angeleint ist, dann hat das seinen Grund. Vielle­icht ist er krank, hat Flöhe oder Zwinger­hus­ten. Vielle­icht mag er es nicht, wenn man auf ihn zustürmt oder ist vielle­icht sogar generell unverträglich. Habt doch bitte soviel Respekt und leint euren Hund an.

Und noch etwas: Der Sil­bersee ist nicht dazu da, den Hund auszupow­ern, weil man zu faul ist, sich mit seinem Vier­beiner zu beschäfti­gen. Nicht sel­ten habe ich Leute gese­hen, die ihren Hund abgeleint auf jeden haben zustür­men lassen. In der Hoff­nung, dass sie einen Spiel­fre­und finden und mit einem erschöpften Hund nach Hause fahren kön­nen. Sollte der andere Hund ein­fach keine Lust auf Sozialkon­takte haben, dann ist er nicht generell unverträglich. Vielle­icht hat er ger­ade ein­fach nur keine Lust auf Ihren Hund.

Der Sil­bersee ist für alle da. Auch für diejeni­gen, die nur mal mit ihrem Hund spazieren oder spie­len wollen. Ich habe keine Vere­in­barung unter­schrieben, dass mein Hund mit jedem auf uns zustür­menden Spie­len muss. Ich finde es toll, wenn Hunde dort gemein­sam spie­len und toben kön­nen. Doch nur weil meine Hündin lieber mit mir spielt oder spazieren geht, heißt das nicht, dass sie unverträglich ist. Das zeigt ja auch ihr Ver­hal­ten gegenüber den anderen Hun­den. Ich würde mir ein­fach wün­schen, dass man mit etwas mehr Respekt behan­delt wird und ich möchte nicht hören “Der Hund ist böse.” Mein Hund ist nicht böse. Sie spielt nur ein­fach nicht gern mit frem­den Hun­den. Und das ist ihr gutes Recht. Sie darf auch ein­fach nur mit mir am Wasser spie­len und ihren Ball apportieren, ohne dass wir verurteilt werden.

Schon oft haben wir nur wenige Meter von anderen Hunde ges­tanden. Diese haben eben­falls mit ihren Besitzern oder anderen Hun­den gespielt ohne zu uns ger­annt zu kom­men und meine Hunde zu bedrän­gen. Meine Hunde haben gel­ernt nicht ein­fach zu anderen zu stür­men. Selbst die Kleine mit ihren sieben Monaten weiß das schon.

Und bevor wieder Kom­mentare kom­men: Ja ich habe einen Schäfer­hund und viele von euch ken­nen mich auch. Ihr wisst, dass Queen weder aggerssiv noch unverträglich ist. Sie geht frem­den Hun­den ein­fach aus dem Weg. Sie geht weiter oder spielt weiter. Sie knurrt erst wenn sie sich wirk­lich bedrängt fühlt und da gehört bei ihr schon einiges zu.

Es geht mir ein­fach darum, dass wir Hun­deb­sitzer uns das Leben doch nicht unnötig schwer machen müssen. Wir sitzen doch alle im gle­ichen Boot. Wir soll­ten uns daher auch so ver­hal­ten. Rück­sicht­nahme hat noch nie­man­dem geschadet. Und wenn um Selb­stver­ständliches gebeten wird, dann sollte man so viel Anstand haben und dem nachkom­men, ohne dasss man seinen Gegenüber oder dessen Hund verurteilt oder abstempelt.

Daraufhin schrieben mehrere Hun­debe­sitzer, dass sie die gle­ichen Erfahrun­gen sam­meln musste. Sie wür­den den See daher mei­den und irgendwo spazieren gehen, wo sie ihre Ruhe hätten.

Eine Dame berichtete davon, dass ein Hund an ihren Ruck­sack uriniert hätte. Der Besitzer hat das ignori­ert. Als sie dazwis­chenge­hen wollte, knur­rte der Hund sie an und fletschte die Zähne.

Natür­lich melde­ten sich auch diejeni­gen zu Wort, an die der Post in erster Linie gerichtet war.

Warum fährst du denn über­haupt dahin, wenn dein Hund unverträglich ist?”

Wer mit seinem Hund mit Spielzeug spielt, der spielt sowieso nicht richtig mit ihm.” — hierzu am Fre­itag mehr 🙂

Der See ist groß. Die Runde um den See ist ca. 5 km lang. An nahezu jeder Stelle kann man zum Wasser gehen. Wenn ich mir also eine ruhige Ecke am anderen Ende vom “Hun­de­strand” suche, dann ist das doch mein gutes Recht, oder?

Den­noch inter­es­sant, wie ein und dieselbe Sit­u­a­tion zu 100% unter­schiedlich wahrgenom­men wer­den kann…

Ich komme nicht umher mich zu fra­gen, ob das nun der uns verbleibende Weg ist? Müssen wir weichen, weil für Rück­sicht und Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein keinen Platz ist? Ist Bequem­lichkeit und Igno­ranz die mod­erne Umgangsform?

Silbersee4

Platz da! Ein Rüpel kommt!

Ich bin ganz ehrlich:

Ich habe meinen Hund nicht erzo­gen, um die schö­nen Orte zu mei­den. Ich habe meinem Hund nicht beige­bracht, nicht auf anderer zuzustür­men, um sel­ten besuchte Orte aufzusuchen, während die Rück­sicht­slosigkeit in Per­son am See ihren Hund ren­nen lässt.

Vielle­icht kommt da der Jurist in mir her­aus, aber es gibt doch gewisse Regeln im Zusam­men­leben, die doch bitte alle beherzi­gen soll­ten. Es kann doch nicht sein, dass Ver­ant­wor­tungslosigkeit den Anstand verdrängt.

 Ver­steht mich nicht falsch. Jeder Hund kann mal nicht abruf­bar sein. Jeder Hund kann mal flitzen gehen. Zu 100% kann man das nie sagen. Queen hat zwar noch nie nicht gehört und wahrschein­lich würde ich bei ihr sogar den berühmten “Hand ins Feuer — Spruch” brin­gen, doch vielle­icht würde ich mich hier­bei eines Tages verbrennen…

Doch wenn mein Hund stiften geht, dann sam­mel ich den wieder ein. Wenn mich jemand bit­tet, anzuleinen dann mach ich das (wenn ich nicht ohne­hin schon angeleint habe). Und wenn mein Hund andere bedrängt, die offen­sichtlich für sich sein wollen, dann gehe ich dazwischen.

Nur weil der See ein öffentlicher Platz ist, bedeuetet das doch nicht, dass die Hunde bzw. dessen Hal­ter machen kön­nen, was ihnen ger­ade in den Sinn kommt.

Vielle­icht wollen wir ein­fach nur unsere Ruhe haben und ein wenig abschal­ten. Vielle­icht wollen wir ein­fach nur spie­len oder uns mit Hun­dekumpels tre­f­fen, um dort eine schöne Zeit zu verbringen.

Silbersee6

Was wir jeden­falls nicht wollen sind auf uns zustür­mende Hunde, die für Stress sor­gen mit dazu passenden pöbel­nden und rück­sicht­slosen Zweibein­ern, die außer dumme Sprüche nichts auf Lager haben. Wozu einen Hund erziehen, wenn man ihn dort so her­rlich aus­pow­ern kann und anschließend seine Ruhe hat? Wozu sich mit einem Hund beschäfti­gen, wenn er dort doch so prima mit anderen “spie­len” kann?

Beobachtet man die typ­is­chen Plätze, sieht das meist wie folgt aus:

6 bis 8 Hunde ren­nen wild durcheinan­der, prügeln sich um Spielzeug oder mobben einen ein­zle­nen, während die Zweibeiner zusam­men­ste­hen und schnacken.

Bravo.

 Ich für meinen Teil jeden­falls habe beschlossen, diese Orte nicht zu mei­den. Ich habe meine Hunde erzo­gen, um sie über­all mit hin­nehmen zu kön­nen und nicht, um die schö­nen Orte zu meiden.

Welpenstunden — Ja oder Nein?

Mit Queen habe ich nie eine Hun­de­schule besucht. Zwei mal haben wir Kurse bei Mar­tin Rüt­ter DOGS gemacht. Hier­bei ging es um die richtige Gestal­tung von Spaziergän­gen und das Erschnüf­feln kleiner Gegenstände.

Mit Püppi habe ich direkt ab der 9. Woche einen Welpenkurs besucht.

Doch warum eigentlich?

Und lohnt sich das wirklich?

Das Thema Hun­de­schule war für mich schon immer mehr ein “kann” als ein “muss”.

Wenn ich mir einen 50jährigen Mann mit einem Mün­ster­län­der — Welpen vorstelle, der sein Leben lang Hunde gehal­ten und vielle­icht sogar zur Jagd aus­ge­bildet hat, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass dieser Mann tat­säch­lich noch viel mit­nehmen kann aus diesen Stunden.

Sozialkon­takte kann man auch außer­halb der Hun­de­schule organ­isieren und das eigentliche Train­ing findet so oder so im eige­nen All­tag statt. Nie­mand kann mir erzählen, dass die eine Stunde pro Woche auf einem Hun­de­platz zur kom­plet­ten Erziehung eines Hun­des aus­re­icht. Übun­gen müssen auch in den eige­nen vier Wän­den und auf den Spaziergän­gen stattfinden.

Anson­sten hat man näm­lich irgend­wann einen Hund, der auf dem Platz alle Übun­gen beherrscht und Zuhause der let­zte Rüpel ist, weil er genau weiß, dass das Zweibein auf dem Platz kon­se­quent ist und im eige­nen Haus nicht.

Ich komme nicht umher zuzugeben, dass ich dur­chaus über mich sagen würde, dass ich ein Händ­chen für Hunde habe. Ich habe das Gefühl schnell einen Draht zu den Hun­den zu haben, sie zu ver­ste­hen und so schnell eine Bindung zu ihnen auf­bauen zu kön­nen. Sowieso bin ich der Mei­n­ung, dass eine starke Bindung der Schlüs­sel zu allem ist. Die Erziehung ergibt sich bei uns im All­tag. Ich nehme mir keine Hand voll Leck­erlis, setze mich auf den Tep­pich und übe “sitz” und “platz”. Dadurch, dass ich den gesamten Tag mit meinen Hun­den ver­brin­gen kann, üben wir im All­tag. Kommt ein Jog­ger, set­zen sich die bei­den an den Rand und wer­den aufge­fordert zu bleiben. Dann gibt es eine Beloh­nung und weiter geht’s. Während ich Leck­erlis in Baum­rinden oder im Gras ver­stecke, warten die bei­den liegend am Rand bis sie die Auf­forderung zum Suchen bekommen.

Die Hunde ler­nen auf diese Weise viel schneller als wenn ich erst auf dem Tep­pich, dann im Garten und schließlich auf dem Feld “sitz” übe.

Aber nun zurück zum Thema.

2016-04-15 18.59.07

Wieso bin ich eigentlich in den Welpenkurs gegangen?

Zunächst ein­mal hatte ich das Bedürf­nis etwas mit Püppi alleine machen zu wollen. Zwei Hunde zu haben ist zwar mehr als nur super, aber den­noch finde ich, dass beide auch Zeit alleine brauchen. Queen hat ihre Zeit mit mir alleine, wenn wir im Wald Such­spiele machen. Püppi sollte ihre Zeit mit mir bekom­men, wenn wir in den Welpenkurs gehen.

Außer­dem wollte ich, dass sie Kon­takt zu Gle­ichal­tri­gen hat. Zwar hat sie vom ersten Tag an mit Queen gespielt, doch sie hätte ohne die Hun­de­schule viel weniger Kon­takt zu Artgenossen gehabt. Queen ist zwar grund­sät­zlich verträglich, spielt jedoch nur mit ihren Kumpels. Unbekan­nte Hunde draußen wer­den ignori­ert. Queen ist zudem ziem­lich eifer­süchtig, wenn Püppi mit anderen spie­len will.

Wie lief unser Welpenkurs eigentlich ab?

Den Welpenkurs haben wir eben­falls bei Mar­tin Rüt­ter DOGS gemacht. Zunächst wusste ich gar nicht, dass die dort auch Welpen­stun­den anbi­eten, daher habe ich mir zunächst eine andere Hun­de­schule ange­se­hen. Dort haben wir uns aber so unwohl gefühlt, dass schon nach der ersten Stunde klar war, dass wir nicht wieder kom­men würden.

Die Welpen­stun­den laufen bei Mar­tin Rüt­ter DOGS so ab, dass die Kleinen in der Regel die gesamte Zeit in dem Welpe­naus­lauf frei laufen dür­fen. Sie spie­len miteinan­der, während die Trainerin ganz viel zum Thema Kör­per­sprache erzählt und zudem Fra­gen beant­wortet. Der Welpe­naus­lauf besteht nicht nur aus einem Zaun und einer Wiese, son­dern auch ver­schiede­nen Unter­grün­den. In dem Aus­lauf ste­hen zudem Gegen­stände wie kleine Zelte, Fig­uren aus großen Hun­den, Git­ter­boxen, einem Kas­ten voller Bälle und ver­schiede­nen Sachen aus dem Alltag.

Die ersten kleinen Übun­gen wur­den einge­baut, doch in der Regel stand der Sozialkon­takt und das gemein­same Ent­decken im Vordergrund.

2016-04-15 18.53.33

Was hat mir der Kurs denn gebracht?

Ich muss zugeben, dass ich nicht gedacht hätte, dass ich soviel mit­nehmen würde. Ich habe viel über Kör­per­sprache gel­ernt und ein Gespür für sehr viele Kleinigkeiten bekom­men, worüber ich vorher nicht nachgedacht hab. Ich kann mich noch gut an eine Übung erin­nern, in der wir unseren Kleinen das “bleib” näher brin­gen woll­ten. Püppi bliebt lieb sitzen, doch sobald ich sie belohnen wollte, stand sie auf. Die Trainerin erk­lärte mir dann, dass ich zu frontal auf sie zuge­gan­gen bin und dadurch, dass sie so klein ist, habe ich mich dabei zu allem Über­fluss auch noch vorge­beugt — ihr quasi gedroht.

Ich bin dann seitlich auf sie zuge­gan­gen und habe mich mehr in die Hocke gesetzt statt mich vorzubeu­gen und siehe da: sie blieb sitzen.

Jetzt kann man natür­lich sagen: Hey, das hätte dir doch selbst auf­fallen kön­nen und in anderen Sit­u­a­tio­nen ist mir das auch schon aufge­fallen. Aber in dieser eben nicht und vielle­icht hätte es noch die ein oder anderen Übung­sein­heit gedauert, bis ich gecheckt hätte, was ich da ger­ade falsch mache.

Wenn wir unter­wegs sind und die bei­den laufen frei, dann rufe ich sie grund­sät­zlich, wenn wir an eine Gabelung kom­men. Meis­tens sage ich einige Meter vor der Kreuzung “stop”. Beide bleiben ste­hen, ich geh an ihnen vor­bei und schaue, ob ein anderer Hund oder ein Fahrrad kommt. Dass ich mit diesem Ver­hal­ten gle­ichzeitig die Gegend “abchecke” und so den Hun­den ver­mit­teln würde, sie kön­nen sich auf mich ver­lassen, weil ich das regeln würde, war mir in der Form nicht bewusst.

Und so ganz allgemein

Ein Welpenkurs ist nie verkehrt. Selbst wenn man denkt, man kriegt das alles hin, so kann man den­noch einiges mit­nehmen. Tolle Erleb­nisse dort stärken die Bindung und man hat eine Stunde, in der man sich mal so ganz ohne Handy, Zwei­thund oder andere Ablenkun­gen auf seinen Welpen konzen­tri­eren kann.

Die Trainer ste­hen einem mit Rat und Tat zur Seite und man kann Prob­leme schon früh erken­nen und aus der Welt schaf­fen. Train­ern fällt nochmal einiges mehr auf als einem selbst und auch die eigene Kör­per­sprache und –hal­tung kann verbessert werden.

Zudem hat Püppi in der Welpen­stunde zwei tolle Fre­unde gefun­den, mit denen wir auch jetzt noch gemein­sam in den Junghun­dekurs gehen. Auch pri­vat haben wir uns schon getrof­fen. Natür­lich war Queeni dann auch dabei 🙂

 Ein Welpenkurs ist sicher kein unbe­d­ingtes Muss, aber den­noch sam­melt man dort tolle Erfahrun­gen und nimmt einiges mit. Ich würde es in jedem Fall wieder machen 🙂

Nicht noch ein Cesar Millan — Beitrag

Musste das sein? Schon wieder ein Beitrag über Cesar Millan?

Ja, das musste sein.

Solange er immer noch von unzäh­li­gen Men­schen gefeiert wird, solange unzäh­lige Men­schen seine frag­würdi­gen Meth­o­den anwen­den, ja solange werde ich weiter schreiben.

Ich bin macht­los. Das weiß ich. Ich bin eine junge Frau, die ger­ade an ihrem Esstisch vor ihrem Lap­top sitzt, während ihre Hunde auf dem Tep­pich neben ihr liegen und schlafen.

Ich kann Cesar Mil­lan nicht davon abhal­ten zu tun, was er tut. Aber ich kann meine Fin­ger, meinen Ver­stand und diesen Blog hier nutzen.

Ich bin bereit. Mein Post­fach ist aufgeräumt und mein dickes Fell ist ange­zo­gen. Ich bin mir dur­chaus bewusst, dass viele seiner “Anhänger” diese Zeilen hier lesen wer­den. Und ich weiß auch, dass wieder sinnlose und auf kein­er­lei Argu­mente basieren­den Kom­mentare unter diesem Artikel lan­den werden.

Aber so lange nur einer von seinen “Anhängern” diese Zeilen liest und auf­grund dieser Zeilen sein Ver­hal­ten seinem Vier­beiner gegenüber über­denkt, dann habe ich etwas erreicht.

Solange er da draußen sein Unwe­sen treibt, so lange werde ich weiter schreiben. Stets in der Hoff­nung, den ein oder anderen seiner “Anhänger” wachrüt­teln zu können.

Cesar Mil­lan.

Einer der umstrit­ten­sten “Hun­de­trainer” der Welt.

Er wird gefeiert und nachgemacht. Seine Meth­o­den gel­ten als “die Lösung”.

Runde1

Dabei erfüllt sein Verhalten den Tatbestand der Tierquälerei.

Als Tierquälerei wird dabei die in § 17 Tier­schutzge­setzt beschriebene Straftat beze­ich­net. Danach wird mit Frei­heitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geld­strafe bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernün­fti­gen Grund tötet oder einem Wirbeltier entweder aus Rohheit erhe­bliche Schmerzen oder Lei­den oder länger anhal­tende oder sich wieder­holende erhe­bliche Schmerzen oder Lei­den zufügt.

Ket­ten­hals­bän­der, Ket­ten­würger sowie andere Würge­hals­bän­der und Stachel­hals­bän­der sind als tier­schutzrel­e­vant einzustufen und abzulehnen. An den weichen Struk­turen des Halses kön­nen schmerzhafte Schä­den verur­sachen wer­den. Ver­let­zun­gen am Kehlkopf, der Luftröhre, Speis­eröhre, Schild­drüse, des Zun­gen­beins sowie der blutzuführen­den Gefäße wird bil­li­gend in Kauf genom­men. Im unteren Bere­ich des Halses ver­fügt der Hund über kein­er­lei Musku­latur, sodass die darunter liegen­den Organe nicht geschützt sind.

Nicht sel­ten ist der Leinen­druck erst der Aus­löser für Leine­nag­gres­sio­nen, weil es beim Hund zu Fehlverknüp­fun­gen kommt. Die schmerzhaften Ein­wirkun­gen stellen der­ar­tig erhe­bliche Reize dar, dass es beim Hund zu Flucht– und Abwehrver­hal­ten kommt. Als Beispiel kann man sich fol­gende Sit­u­a­tion vorstellen: der Hund sieht auf der gegenüber­liegen­den Seite einen Artgenossen und möchte diesen begrüßen. Der Hun­de­hal­ter zieht den Hund mit einem Ruck weg. Der Hund verknüpft diesen Schmerz bzw. Reiz mit dem anderen Hund. Bere­its wenige Wieder­hol­un­gen reichen aus, sodass bei dem Hund Fol­gen­des passiert: “Wenn ich den Artgenossen begrüßen will, tut es weh.” Schnell entsteht ein Mis­strauen und eine Aggres­sion gegenüber dem Artgenom­men und es kommt zu einer Leinenpöbelei.

Die Ver­wen­dung eines Reizstromgeräts sowie von Stro­mim­puls­geräten wurde per Urteil vom 23.02.2006 durch das Bun­desver­wal­tungs­gericht verboten.

Ich habe mich schon ein­mal mit dem Thema “Ket­ten­hals­bän­der” auseinan­derge­setzt und meinen Tier­arzt zu diesem Thema befragt. Den Artikel findet ihr hier.

Mit seiner Show tritt er auch in Deutsch­land auf. Pein­lich ist nur, dass er durch die Hun­de­trainer — Prü­fung gefallen ist. Bei seinen Shows ist daher ein geprüfter Hun­de­trainer als “Anstandswauwau” dabei und schaut dem gefeierten “Star” auf die Finger.

Und bitte ver­schont mich mit den däm­lichen Ausre­den, er sei nur durch die Prü­fung gefallen, weil er trotz Über­set­zung die Fra­gen nicht ver­standen hätte.

Aufgek­lärte, liebevolle und ver­ant­wor­tungs­be­wusste Hun­de­hal­ter sind sich einig: Eine auf Ver­trauen basierende Beziehung zu seinem Hund ist der Schlüs­sel zu einem har­monis­chen Zusammenleben.

Cesar Mil­lan sieht das anders. Denn offen­sichtlich dauert ihm Bindungsar­beit zu lange. Warum lange trainieren, wenn es auch schnell gehen kann? Warum lange Leinen­führigkeit üben, sich immer wieder umdrehen und ste­hen bleiben, wenn doch ein ein­facher Ruck den Hund “in die Spur brin­gen kann?”

Runde2

Laut Millan muss ein Hund geführt werden. Er arbeitet mit Strafen, Drohgebärden, Würgehalsbändern und Elektroreizen.

Und jetzt mal unter uns: Welcher Gehirn­wäsche muss man sich unter­zo­gen haben, um diese Meth­o­den nachzu­machen und seinem eige­nen Hund anzutun?

Nicht nur, dass dieser Mann selbst von Hun­den im “Train­ing” gebis­sen wurde. Er reagiert mit Trit­ten und Schlä­gen darauf. Und da sitzen tat­säch­lich Men­schen auf dem Sofa und reden sich diesen Mist schön. “Ohne Cesar Mil­lan hätte dieses Tier keine Chance gehabt. Besser ein­mal hart ran­nehmen und dann kann das Tier wieder sozial­isiert werden.”

Dabei hat Cesar Mil­lan weder Ver­ständ­nis von Hun­den noch von ihrer Art zu kom­mu­nizieren. Er bricht das Tier, trau­ma­tisiert es, statt sich die Zeit zu nehmen und sich mit dem Tier und seiner Ver­gan­gen­heit auseinanderzusetzen.

Ein Straßen­hund möchte beim Füt­tern nicht gestört wer­den und knurrt, wenn man ihm zu Nahe kommt. Wer weiß, was dieses Tier durchgemacht hat. Dann soll der Hund doch ein­fach in Ruhe fressen kön­nen. Und selbst wenn man der Mei­n­ung ist, dass da ein Train­ings­be­darf besteht, dann sollte man erst ein­mal die Bindung stärken.

Cesar Mil­lan bedrängt den Hund so lange, bis er zuschnappt.

Und wieder sitzen die Men­schen auf ihem Sofa und quatschen den Mist auch noch nach: Ja der Hund muss sich unterord­nen. Der Men­sch ist der Rudelführer. Und als Rudelführer muss man sich Ein­druck und Respekt verschaffen.

Lächer­lich!

Die Kar­riere von Cesar Mil­lan ist schon beinahe unter­halt­sam: vom ille­galen Ein­wan­derer, Hun­de­frisuer und Gas­sigänger bis hin zu einen Quotenmillionär.

Der Ein­satz von Würge– und Elek­troschock­hals­bän­dern ver­bun­den mit der kör­per­lichen Demon­stra­tion von Macht und Über­legen­heit trau­ma­tisiert die Hunde — und zwar für den Rest ihres Lebens. Schon alleine der Hin­weis, man solle die Meth­o­den nicht nach­machen, würde jeden halb­wegs intel­li­gen­ten Men­schen zum Nach­denken anre­gen. Nicht nur, dass seine “Anhänger” den Hin­weis überse­hen, sie han­deln auch noch gegenteilig.

Erst vor Kurzem habe ich eine Retriver­leine von Hunter bei Ebay zum Verkauf ange­boten. Natür­lich das Mod­ell mit dem Stop­per — ein Würger käme mir nicht ins Haus. Eine Frau meldete sich und kam zum Anschauen vor­bei. “Ist das so eine Leine wie Cesar Mil­lan benutzt? Ich schaue mir das ja immer an und mein Hund zieht so an der Leine.” Ich nahm ihr die Leine aus der Hand und erk­lärte ihr, dass ich keine Tierquälerei unter­stützen würde und bat sie zu gehen.

Es ist doch egal, welches “Prob­lem” der Hund hat. Ob er an der Leine zieht, pöbelt ode unverträglich ist. Alles hat nur eine einzige Ursache: Der Men­sch hat es nicht geschafft, ein Rudelführer zu sein. Der Men­sch muss dom­i­nan­ter sein und die Führungsrolle einnehmen.

Ihr glaubt diesen Mist doch nicht wirk­lich, oder?

Schon mal drüber nachgedacht, dass der Hund vielle­icht als erster aus der Tür möchte, weil er sich so freut nach draußen zu kön­nen? Schon mal über­legt, dass der Hund auf dem Sofa schlafen möchte, weil es dort bequem ist? Schon mal in Erwä­gung gezo­gen, dass der Hund sich auf sein Fut­ter stürzt, weil er Hunger hat?

Runde3

Nein für Cesar Mil­lan käme all das nicht in Betra­cht. Der Men­sch geht als erster durch die Tür, der Hund hat auf seinem Platz zu liegen und gefressen wird erst, wenn der Men­sch es erlaubt.

Diese Struk­tur ist genetisch in einem Hund ver­ankert. In einem Rudel gibt es nur zwei Rollen: die des Führers und die des Mit­glieds. Und wenn Sie nicht der Rudelführer Ihres Hun­des sind, wird er diese Auf­gabe übernehmen und ver­suchen wollen, Sie zu dominieren.” (Mil­lan, Cesar: Tipps vom Hun­de­flüsterer,  Gold­mann Ver­lag, 2009, Seite 18)

Für mich völ­lig befremdlich. Wenn ich als Men­sch in meinem Leben so viel Frust ver­spüre, dass ich diesen an meinem Hund aus­lassen muss, indem ich ihn bei jeder Gele­gen­heit unter­drücke, um mich selbst mächtig zu fühlen, dann läuft da was schief. Die Demon­stra­tion von Macht hat nichts in dem Zusam­men­leben mit einem Hund zu suchen. Wer das Bedürf­nis ver­spürt, sich mächtig fühlen zu müssen, der sollte dieses Bedürf­nis nicht an seinem Hund ausleben dürfen.

Der Hund ist der beste Fre­und des Men­schen. Er liebt uns bedingungslos.

Und der Dank ist Unter­drück­ung und die Demon­stra­tion von Macht.

Ekel­haft! Ich würde mich schämen!

Ach ja und wer sich noch nicht als Rudelführer behaupten kon­nte, dem wird emp­fohlen, seinen Hund auf den Rücken zu drehen und anzuknur­ren. Und nein, das machen die Wölfe so nicht. All seine “Beobach­tun­gen” stützt er auf die The­o­rie, dass sich Wölfe so ver­hal­ten wür­den. Lei­der hat er einen großen Fehler gemacht: Er hat Wölfe in Gefan­gen­schaft beobachtet und nicht die, die in freier Natur leben. Das ist ein Unterschied!

Die Biolo­gen Pro­fes­sor Ray und Lorna Cop­pinger schreiben dazu in ihrem Buch, „Hunde: Neue Erken­nt­nisse über Herkunft, Ver­hal­ten und Evo­lu­tion der Kaniden“, bere­its 2001, dass das Nachah­men eines Alphatiers durch den men­schlichen Trainer dem Hund nur Angst ein­jagt und ihn ver­wirrt, ihn aber nichts lehrt, da Lehren und Ler­nen durch Ein­schüchterung nur (sel­ten) funk­tion­iert. Inzwis­chen geht man außer­dem davon aus, dass selbst Hunde untere­inan­der keine Rudel­struk­turen, son­dern lose Grup­pen bilden.

In einem Punkt gebe ich ihm Recht:

Hunde müssen beschäftigt wer­den. Sie brauchen kör­per­liche und geistige Aus­las­tung. Doch ich würde nicht so weit gehen und einen Zus­tand der Ermü­dung als Resozial­isierung bezeichnen.

Runde4

Wir alle kön­nen seine Videos bei YouTube anse­hen. Lei­der sind mit­tler­weile einige Szenen her­aus­geschnit­ten wor­den. Ich erin­nere mich noch gut an ein Video, in dem einem Hund die Luft abgeschnürrt wurde. Er wurde an einem Würge­hals­band in die Luft geris­sen und Cesar Mil­lan hat sich mit voller Kraft auf ihn gewor­fen. In dem ursprünglichen Video wurde der Kopf des Hun­des in einen Eimer voll Eiswasser gedrückt (ich stelle hier die Ver­mu­tung auf, dass der Hund das Bewusst­sein ver­loren hatte). Ich der aktuellen Ver­sion sieht man nur noch den in die Luft gehal­ten Hund und kurz darauf die Szene, in der er am Boden liegt. Wer genau hin­sieht, erkennt, dass das Fell am Kopf nass ist.

Nicht sel­ten sieht man stran­gulierte Hunde die offen­sichtlich panisch um ihr Leben kämpfen. Und auch hier frage ich mich, wie man so einen Kerl feiern kann. Wie kann man jeman­den nacheifern, der Hunde so offen­sichtlich in Tode­sangst ver­setzt? Liegt es daran, dass die Bere­itschaft, an einem Prob­lem inten­siv zu trainieren, um es an der Wurzel zu packen und Schritt für Schritt in den Griff zu bekom­men, zu viel Zeit erfordert? Vielle­icht erscheint es ein­facher, mith­ilfe von Zwang ein ver­meintlich gutes und vor allem schnelles Ergeb­nis zu sehen – ungeachtet etwaiger Fol­geprob­leme, die daraus resul­tieren kön­nen. Die Hunde fol­gen ihm nicht, so unter­w­er­fen sich. Sie haben Angst, zum Teil Tode­sangst. Wer genau hin­sieht, erkennt es in den Augen der Hunde. Erkennt es in der gesamten Körpersprache.

Warum?

Warum wen­det man diese Meth­o­den an seinem eige­nen Hund an?

Wenn ich diese armen Geschöpfe in seiner Sendung sehe, dann kön­nte ich heulen. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie dort mit einem Lebe­we­sen umge­gan­gen wird. Mit einem Lebe­we­sen, welches uns in jeder Sit­u­a­tion bedin­gungslose Liebe schenkt.

Wie kann man nachts schlafen, wenn man tagsüber seinem Hund einen Würger umgelegt hat? Wie kann man mor­gens in den Spiegel sehen, wenn das Elek­tro­hals­band schon auf der Kom­mode liegt?

Runde5

Wie kann man mit sich selbst im Reinen sein, wenn man von seinem eigenen Hund nicht nur misstrauisch, sondern flehend angesehen worden ist? Wenn der eigene Hund, der nicht sagen kann “Hör bitte auf!”, einen mit hilflosen und traurigen Augen ansieht?

Ich habe Trä­nen in den Augen, wenn ich nur daran denke, wievie­len hil­flosen Tieren wegen diesem Mann so viel Leid zuge­fügt wird.

Tut das nicht. Tut das euren Hunde nicht an. Sie haben das nicht verdient!

In einer Britis­chen Talk­show beze­ich­nete der Mod­er­a­tor die Meth­o­den von Cesar Mil­lan als bar­barisch und abso­lut inakzept­abel. Ein sichtlich nervöser “Hun­de­flüsterer” anwortete wenig überzeu­gend: ein Schlag gegen die Kehle des Hun­des sei zum Beispiel kein Schlag, son­dern lediglich eine Berührung gewe­sen. Als der Mod­er­a­tor das nicht gel­ten lassen will und den Ver­gle­ich zu einem Boxkampf zieht, erk­lärt Cesar, dass sein Vorge­hen nötig sei, um das Gehirn des Hun­des in einen anderen Modus, also den Hund zur Ver­nunft zu brin­gen. Und über­haupt soll­ten Men­schen das, was er zeige ja nicht nach­machen. Das Inter­view, das Alan Titch­marsh mit ihm führte verdeut­licht vor allem eines:

Cesar Millan kann die ihm gestellten Fragen nicht beantworten, weil es keine Antworten darauf gibt.

 

Meine liebe Blog­gerkol­le­gin Katha­rina von der Leyen hat eben­falls schon über Cesar Mil­lan geschrieben. Ihre großar­ti­gen Artikel findet ihr hier, hier und hier.

Wer sich traut, kann auch “Arthos” von mir lesen. Den Artikel findet ihr hier.

7 Voraussetzungen für einen zweiten Hund

Der Trend geht zur Mehrhun­de­hal­tung. Ver­ständlich, denn was ist besser als ein Hund? Genau. Zwei Hunde.

Ich bin die erste, die den Wun­sch nach einem zweiten Hund nachvol­lziehen kann. Und den­noch sitze ich hier und schreibe diesen mehr als ernst gemein­ten Beitrag.

Nach Püp­pis Einzug erhielt ich immer wieder Nachrichten von Lesern dieses Blogs und Fol­low­ern bei Instagram.

Ange­fan­gen bei Fra­gen, ob ich die Entschei­dung bereuen würde bis hin zu Fra­gen, was genau sich verän­dert hat. Doch es erre­ichten mich auch Bit­ten. Bit­ten von Kindern die woll­ten, dass ich ihre Eltern überrede, dass zwei Hunde einziehen dürften. Zudem wurde ich oft gefragt, wie man Hunde am besten zusammenführt.

Ich habe Geschichten gehört, die in mir die blanke Wut aus­lösten. Ich wurde um Rat gefragt, was ich machen würde, wenn der erste Hund den neuen ver­suchen würde zu beißen. Auf mein Nach­fra­gen kam her­aus, dass der Ersthund gar keine andere Hunde tol­leriert. Ter­ri­to­ri­ale Hunde wurde im eige­nen Garten mit dem zweiten Hund verge­sellschaftet. Richtig wütend wurde ich, als ich las, dass der zweite Hund nur deshalb ein­zog, weil der sowieso schon keine Gesellschaft tol­lerierende Ersthund zu alt war um die Freizeitbeschäf­ti­gung und den Hun­de­sport zu machen, den das Mädel machen wollte.

Daher wird es heute mal etwas ernster.

Dieser Artikel ist nicht wis­senschaftlich, beruht auf keinen Unter­suchun­gen, son­dern basiert nur auf meinen Erfahrun­gen und meinen Erken­nt­nis­sen, die ich im Zusam­men­leben mit Hunde sam­meln durfte.

Ein Zwei­thund will gut über­legt sein, daher habe ich einige Voraus­set­zun­gen zusam­menge­tra­gen, die meiner Mei­n­ung nach erfüllt sein müssen, bevor ein zweiter Hund einziehen kann.

Urlaub8

Der erste Hund darf entscheiden

Wer einen Ersthund hat, der keine Artgenossen in seinem Ter­ri­to­rium duldet oder vielle­icht sogar all­ge­mein kein Fan von Gesellschaft ist, der sollte sich keinen zweiten Hund ins Leben holen! So ein­fach und deut­lich das ist, so schwer scheint es doch für viele Men­schen zu akzep­tieren zu sein. Was würdest du denn sagen, wenn dein Ehe­mann oder deine Ehe­frau bzw. dein Fre­und oder deine Fre­undin ein­fach einen zweiten Part­ner ins Haus holen, dir vor die Nase set­zen würde mit den Worten “Spielt mal schön zusam­men?” Wer der erste Hund lieber der einzige bleiben möchte, ist das sein gutes Recht und ich finde es unver­ant­wortlich, wenn dieses Recht mis­sachtet wird.

Der erste Hund muss erzogen sein

Der Ersthund sollte erzo­gen sein. Und damit meine ich nicht, dass er wie ein Roboter funk­tion­ieren sollte. Aber die Grun­dregeln soll­ten sitzen. Kom­man­dos wie Sitz, Platz und Bleib, geh auf deinen Platz usw. sind uner­lässlich, wenn ein zweiter Hund das Haus betritt. Vor allem, wenn es sich um einen Welpen han­delt, kann ich euch ver­sprechen, dass es chao­tisch wird. Der Zwei­thund muss sich erst an den All­tag und die Regeln in eurem Haus gewöh­nen. Wenn der Ersthund dann nicht kon­trol­lier­bar ist, endet das ganze im Chaos. Außer­dem sollte der erste Hund leinen­führig sein. Einen zweiten Hund an der Leine zu führen ist nicht nur eine Umstel­lung, son­dern gle­icht einer Her­aus­forderung, wenn es sich um einen Welpen han­deln sollte oder um einen Hund, der das Laufen an der Leine nicht kennt. Wenn das Prob­lem aber auf beide zutrifft, dann wird es nahezu unmöglich, gle­ichzeitig raus­ge­hen zu können.

See4

Der erste Hund muss ein Vorbild sein können

Ger­ade Welpen schauen sich alles ab. Der erste Hund muss also ein Vor­bild sein kön­nen. Wenn man sich vorstellt, dass der zweite Hund alle Prob­lem­chen und Eige­narten des Ersthun­des annehmen kön­nte, dann muss man zu dem Ergeb­nis kom­men, dass das in Ord­nung wäre. Pöbelt der Ersthund zum Beispiel an der Leine, dann kann es gut sein, dass der zweite sich das abschauen wird. Han­delt es sich nun um zwei 35 kg — Hunde wird es nicht möglich sein, beide Hunde hal­ten zu können.

Man braucht Zeit

Ein zweiter Hund läuft nicht ein­fach neben­her. Der Zwei­thund braucht Zeit. Man muss auch mal getrennt raus­ge­hen, getrennt miteinan­der üben und auch getrennt an der Bindung zu dem neuen Hund arbeiten. Ver­letzt sich einer der Hunde, muss man getrennt spazieren gehen. Ebenso, wenn es sich um einen Welpen han­delt, der noch nicht so weit laufen kann, muss der Ersthund doch die Gele­gen­heit bekom­men, sich aus­pow­ern zu können.

Man braucht Geld

Zwei Hunde bedeutet dop­pelte Kosten. Nicht nur dop­pelt so viel Fut­ter, son­dern auch dop­pelt so viel Zube­hör und höhere Kosten beim Tier­arzt. Vor kurzer Zeit hat Püppi noch gezeigt, wie schnell mal hun­derte Euro loswer­den kann, wenn ein Milchzahn nicht raus will und sich entzün­det. Man muss stets Geld zur Ver­fü­gung haben, um hohe Tier­arztrech­nun­gen begle­ichen zu können.

Rundweg2

Man muss akzeptieren, dass sich der komplette Alltag ändern wird

Der All­tag ändert sich kom­plett. Queen hat mich eigentlich immer begleitet. Nun gab es schon einige Sit­u­a­tio­nen, in denen beide Hunde zuhause geblieben sind. Einen Hund kann man schon mal mit­nehmen, aber zwei Hunde sind schon etwas anderes. Wenn man dann auch noch alleine unter­wegs ist und sowohl links als auch rechts eine Leine in den Hän­den hält, muss man sich voll und ganz auf die Hunde konzentrieren.

Man muss konsequent sein können

Wo man vielle­icht bei einem Hund mal ein Auge zudrücken würde und auch kön­nte, so hat man mit zwei Hunde keine andere Wahl mehr. Der Rück­ruf muss sitzen, anson­sten hat man ein Prob­lem. Vor allem dann, wenn die Hunde auch noch in ver­schiedene Rich­tun­gen laufen. Einen Hund kann man vielle­icht ein­fan­gen, aber zwei? Schwierig. Als ich noch alleine mit Queen unter­wegs war und es kam mir ein Rad oder ein Jog­ger einge­gen, hab ich sie zu mir gerufen und neben mir geführt. Mit Püppi geht das noch nicht. “Fuß” ist noch kein sicheres Kom­mando, also bleibt mir nichts, als beide Hunde am Weges­rand abzule­gen. Queen links und Püppi rechts festzuhal­ten und gle­ichzeitig weit­erzu­laufen ist auf­grund der unter­schiedlichen Kör­per­größe nicht möglich. Sollte nun einer der bei­den auf­ste­hen, wird der andere es eben­falls. Was ich sagen will? Zwei Hunde zu hal­ten bedeutet, dass die Erziehung wirk­lich sitzen muss. Man muss beide Hunde nur mit Worten hän­deln kön­nen, sonst endet es früher oder später im Chaos.

2016-05-11 08.10.23

Selbst, wenn all diese Voraus­set­zun­gen erfüllt sind, so sollte man real­is­tisch bleiben. Es kann den­noch schief gehen. Vielle­icht ver­ste­hen die bei­den sich nicht oder die erhoffte Vorstel­lung von zwei über die Wiese ren­nende Hunde erfüllt sich nicht, weil sie sich schlichtweg ignori­eren. Obwohl ich sicher bin, dass das tausend mal besser ist, als wenn sie sich nicht “riechen kön­nen”. Ich will nie­man­dem ausre­den, sich einen zweiten Hund anzuschaf­fen. Ich möchte nur ein­mal klar und deut­lich auf das Risiko aufmerk­sam machen, welches man hier­bei eingeht. Viele sehen nur die Fotos von Queen und Püppi und denken, ein Zwei­thund “läuft so neben­her”. Das ist aber nicht so. Ein zweiter Hund bedeutet dop­pelt so viel Arbeit, dop­pelt so viel Zeitaufwand. Das Leben ändert sich kom­plett. Bevor man einen zweiten Hund zu sich holt, es aus ver­schiede­nen Grün­den vielle­icht nicht passt und dieses Tier dann wieder gehen soll, sollte man sich real­is­tisch mit diesem Thema auseinandersetzen.

In unserem Fall ist Püp­pis das let­zte Puz­zlestück, was in Queens Leben noch fehlte. Queen ist so viel glück­licher, aus­ge­lassener und unbeschw­erter als vorher. Ich bin unendlich dankbar dafür. Aber ich weiß auch, dass ich unfass­bar viel Glück gehabt habe.

2016-05-11 09.28.07