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Darf ein Kind einen Hund alleine ausführen?

Wir leben in einem ruhi­gen Wohnge­biet mit vie­len Kindern und vie­len Vier­beiner. Nicht sel­ten begeg­nen mir auf unseren täglichen Run­den Kinder, die einen Hund aus­führen. Oft ohne die Begleitung eines Erwachsenen.

Die Sit­u­a­tio­nen sind oft völ­lig unterschiedlich:

Ich erin­nere mich noch gut an ein Mäd­chen, die ich so auf ca. 11 oder 12 Jahre schätzen würde. Sie läuft regelmäßig mit ihrem Dackel die gle­ichen Run­den wie wir. Dieses Mäd­chen — und man muss es mal so ein­fach for­mulieren — hat es ein­fach drauf. Der Hund läuft immer neben ihr, ori­en­tiert sich an dem Mäd­chen. Sie arbeitet mit dem Dackel wie eine Große. Sie ver­steckt Leck­erlis in Baum­rinden oder apportiert mit ihrem Hund. Man riecht auf 100 Meter Ent­fer­nung, dass dieses Mäd­chen sich sehr bewusst darüber ist, was es heißt, einen Hund zu führen. Ich finde das wirk­lich beeindruckend.

Dann gibt es noch ein Mäd­chen auf der sel­ben Straßen in dem ver­mut­lich gle­ichen Alter. Sie führt einen Golden Retriever aus — allein. Der Hund zieht sie wild von links nach rechts. Sie leint ihn ab, ohne dass er auf sie hört. Er bellt und rennt unkon­trol­liert durch die Gegend. Das Mäd­chen wirkt völ­lig über­fordert und auch nicht wirk­lich glück­lich mit der Situation.

Erst am Dien­stag erlebte ich eine Sit­u­a­tion, in der ich mir gewün­scht hätte, dass ich die Eltern hätte sprechen kön­nen. Ein Junge — ich schätze ihn auf 8,  max­i­mal 9 Jahre alt — fuhr mit einem Skate­board durch die Bauern­schaften. Dabei ließ er sich von einem ca. 40 kg Labrador ziehen. Der Hund war an einer Flex­ileine befes­tigt. Diese widerum an einem Stachel­hals­band. Von Weitem schon rief ich “Achtung. Ich habe eine läu­fige Hündin.” Aber der Junge hatte keine Chance. Der unkas­tri­erte Rüde ran­nte ein­fach weiter und er kon­nte ihn nicht hal­ten. Zwar sprang er vom Skate­board ab, den­noch zog der Hund den Jun­gen weiter über die Straße. Erst als ich sagte “Du musst ihn jetzt irgend­wie fes­thal­ten” schien er den Ernst der Lage erkannt zu haben. Queen ist noch immer in der Stand­hitze und ich wurde langsam nervös. Wir kon­nten uns irgend­wie an den bei­den vor­bei schle­ichen und in ein Wald­stück flüchten. Mit­tler­weile glaube ich, dass der Junge mit dem Begriff “läu­fige Hündin” gar nichts anfan­gen kon­nte. Ein kleiner Junge mit einem 40 kg Hund auf einem Skate­board. Der Hund trug ein Stachel­hals­band, an dem die Flex­ileine befes­tigt war. Was um alles in der Welt haben die Eltern sich dabei gedacht?

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Erst vor Kurzem sprach ich mit der Trainerin von Mar­tin Rüt­ter DOGS über die Kom­bi­na­tion von Kind und Hund. Sie erzählte mir, dass sie häu­fig von Kun­den ange­sprochen würde.

Wir wollen gerne für unsere Tochter einen Hund anschaf­fen. Kannst du eine Rasse empfehlen?”

Dieser Beitrag soll nicht die Frage the­ma­tisieren, ob Kind und Hund eine gute Kom­bi­na­tion ist. Darüber kann und werde ich mir kein Urteil erlauben. Ich jeden­falls bin wirk­lich froh darüber, dass ich mit Hun­den aufwach­sen kon­nte. Mein Opa hat Schäfer­hunde gezüchtet und ich habe früh viel Zeit mit diesen wun­der­vollen Tieren ver­brin­gen kön­nen. Schon mit sechs Jahren bin ich mit einem Schäfer­hund spazieren gegan­gen. Natür­lich nicht auf der Straße, son­dern unter Auf­sicht meines Opas oder meiner Eltern in Feldern und Wiesen.

Ich muss unge­fähr 12 gewe­sen sein, als wir einen West­high­land Ter­rier beka­men. Vom ersten Tag an durfte ich alleine mit ihm spazieren gehen. Das war über­haupt kein Problem.

Doch worauf kommt es eigentlich juristisch an? Ab wann darf ein Kind eigentlich mit einem Hund alleine spazieren gehen?

Grund­sät­zlich kann man fes­thal­ten, dass man sowohl kör­per­lich als auch gesitig dazu in der Lage sein muss. So lässt sich die Sit­u­a­tion erst ein­mal grob abstecken.

Doch wenn es tat­säch­lich ein­mal um Haf­tungs­fra­gen und die Auseinan­der­set­zung mit einer Haftpflichtver­sicherung gehen sollte, wird jeder Fall ein Einzell­fall sein.

Es kommt auf das Kind an. Auf das Alter und die geistige Reife. Zudem wird auch die Größe des Hun­des eine Rolle spie­len. Es kann zudem rel­e­vant sein, ob das Kind völ­lig alleine oder unter Auf­sicht den Hund gefüht hat.

Wächst ein Kind zum Beispiel mit Hun­den auf, so kann es dur­chaus sein, dass bere­its ein zehn­jähriges Mäd­chen dazu in der Lage ist, einen Hund alleine auszuführen. Natür­lich muss das Kind auch kör­per­lich dazu fähig sein, das Tier im Zweifel fes­thal­ten zu können.

Ein Kind, welches kein­er­lei Erfahrun­gen mit Hun­den hat, wird auch mit 14 nicht alleine mit dem Hund raus­ge­hen können.

In jedem Fall sind die Eltern gefragt. Sie müssen ihrem Kind die notwendi­gen Infor­ma­tio­nen mit an die Hand geben. Wie ver­hält man sich, wenn ein anderer Hund kommt? Wann kann der Hund abgeleint wer­den? Wie führt man einen Hund an der Straße, wie im Wald?

Je mehr Wis­sen das Kind hat, umso eher wird man es alleine mit einem Hund loss­chicken dür­fen. Viele Hun­de­schulen bieten hier eine indi­vidu­elle Betreu­ung und ver­mit­teln dem Kind die notwendi­gen Ken­nt­nisse. Wer zum Beispiel der­ar­tige Unter­richtsstun­den nach­weisen kann, der steht in einer Schadenssi­t­u­a­tion in jedem Fall besser, als jemand der Hund und Kind ein­fach zusam­men losschickt.

Lei­der kann man nicht auf alle Fra­gen eine klare juris­tis­che Antwort geben. Oft ist man als Jurist ein­fach gezwun­gen, das typ­is­che “Es kommt drauf an” zu antworten. Den­noch hoffe ich, ein wenig Licht ins Dun­kle gebracht zu haben.

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Fazit

Ob ein Kind mit einem Hund alleine spazieren gehen kann, ist in jedem Fall anders zu beurteilen. Entschei­dende Fak­toren kön­nen das Alter des Kindes, die Erfahrun­gen mit Hun­den, die Größe des Tieres sowie auch der Erziehungs­stand des Hun­des sein.

Sollte es den­noch zu einem Schadens­fall kom­men, steht man juris­tisch umso besser, je besser der Hund erzo­gen ist und umso mehr Ken­nt­nisse das Kind hat.

Habt ihr rechtliche Fra­gen rund ums Tier­recht, die ihr gerne beant­wortet haben möchtet? Vielle­icht muss es sich nicht zwangsläu­fig um Fra­gen rund um den Hund han­deln. Vielle­icht habe ihr auch eine Frage, die euer Pferd bet­rifft? Dann schreibt mir eine Mail an queen@dietutnichts.de oder kon­tak­tiert mich über unsere Face­book — Seite. Ich greife eure Fra­gen auf (gern auch anonym) und beant­worte sie aus­führlichen in einem Beitrag.

Bitte beachtet, dass es sich hier­bei um all­ge­meine Fra­gen wie “Wie lange darf ein Hund bellen?” oder “Wann darf mein Ver­mi­eter ein Haustier ver­bi­eten?” han­deln sollte. Rechts­ber­atung für konkrete Fälle darf ich weder öffentlich noch unent­geltlich durchführen.

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13 thoughts on “Darf ein Kind einen Hund alleine ausführen?

  1. Hallo ihr drei! Ein toller Beitrag! Ich sehe das genauso. Kinder sind nicht alle gle­ich und auch Hunde nicht. Da muss man dif­feren­zieren. Bei uns ist das auch ganz oft zu beobachten und manch­mal möchte ich die Eltern ein­fach schüt­teln, dass sie so ver­ant­wor­tungs­los sind…

  2. Liebe Sab­rina,
    Wirk­lich ein ganz toller Artikel! Und ich hab mich dabei ertappt, dass ich dachte, in dem Thema genau Bescheid zu wis­sen! Meine Annahme war immer, dass Kinder erst mit 14 Jahren rechtlich dazu befugt sind, einen Hund zu führen. Aber evtl. habe ich da etwas mit der Haf­tung durcheinan­derge­bracht, weil im Schadens­fall das Kind mit 14 ja sel­ber nach Jugend­strafrecht, schuld­fähig wäre. (Beson­ders Kör­per­ver­let­zung durch den Hund) Zivil­rechtlich bin ich mir da immer noch nicht so sicher, wenn ein Schaden entsteht. Haften da immer die Eltern (bis zum 18. Leben­s­jahr des Kindes)?

    Auf jeden Fall wieder sehr informativ!
    Liebe Grüße, 

    Marit & Tino

    1. Guten Mor­gen,
      bitte bring das Strafrecht nicht mit dem Zivil­recht durcheinan­der. Selbst wenn der Hund einen anderen Men­schen ver­letzt, sind wir im Zivil­recht. Das Strafrecht kommt hier in keinem Fall zur Anwen­dung (außer das Kind setzt den Hund bewusst als Waffe ein und hetzt diesen auf einen anderen Menschen).

    2. Und zur zivil­rechtlichen Haftung:
      Grund­sät­zlich ist ein Kind erst ab dem siebten Jahr delik­ts­fähig. Vorher kommt kein­er­lei Haf­tung von Kindern in Frage.
      Kinder zwis­chen dem 7. und 18. Leben­s­jahr wer­den als voll delik­ts­fähig ange­se­hen, wenn sie die nötige Ein­sichts­fähigkeit besitzen. Das heißt, dass das Kind geistig in der Lage sein muss, die Entste­hung des Schadens vorauszuse­hen und gegebe­nen­falls zu ver­hin­dern. Min­der­jährige, die das 10. Leben­s­jahr, aber nicht das 18. vol­len­det haben, sind gemäß § 828 BGB nicht für den ent­stande­nen Schaden ver­ant­wortlich, wenn sie nicht die für diese Erken­nt­nis notwendige Ein­sicht besitzen.

      1. Ja das meinte ich auch, dass wenn ein Kind eine Hund mit “Fass” oder “Los” schickt. Manche Kinder blasen auch Frösche auf… also da kommt dann ja schon das Strafrecht in Frage und lei­der traue ich das nicht weni­gen Kindern zu, weil sies ein­fach nach­machen, was sie von erwach­se­nen oder evtl im TV / Inter­net gese­hen haben und es erst mal lustig finden. Aber danke, dass du es nochmal im Detail erk­lärt hast. Denn ger­ade die Sit­u­a­tion (Kind+Labbi/Berner/Aussie/großer Mix+Flexi) sehe ich quasi jeden Tag und ich wun­der mich, dass nicht mehr passiert. Wenn ich sehe, dass Kinder einen Hund alleine spazieren führen, wech­sle ich grund­sät­zlich die Straßen­seite. Das ist mir oft zu unberechen­bar. Aber wo fängt denn die “nötige Ein­sicht” an, einen Schaden nicht voraus sehen zu kön­nen und damit schuld­fähig zu sein? Wirk­lich schwieriges und für den Laien (ich hab zwar Wirtschaft­srecht studiert, kenne mich mit Verträ­gen aber auf keinen Fall mit Details in solchen Spezialfällen aus und denke ich bin auch Laie) fast nicht abse­hbar. Und neben dem Kind und dem dazuge­höri­gen Hund, finde ich auch die Umge­bung wichtig bei der Frage, ob es OK ist einen Hund von einem Kind aus­führen zu lassen. Hier bei uns (viele Straßen, unzäh­lige freilaufende & nicht richtig erzo­gene Hunde, generell schwieriges Milieu) würde ich es auf keinen Fall machen. Auf dem Land (über­schaubarer Verkehr, nicht viele Hunde, “man kennt sich” unter Hun­debe­sitzern) würde ich ein Kind, dass einen Hund im Not­fall kör­per­lich hal­ten kann ab einem gewis­sen Alter schon zusam­men losschicken.

        1. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für einen Laien schwer einzuschätzen ist, wann ein Kind die nötige Ein­sicht– und Urteils­fähigkeit erlangt hat. Juris­ten haben irgend­wann auf­grund der Menge an Fällen ein Bauchge­fühl, doch alles ist ein Einzelfall. Unzäh­lige Umstände kön­nen eine Rolle spie­len. Zum Beispiel auch die von dir genan­nte Umge­bung. Han­delt es sich um eine Stadt oder ein Dorf? Im Zweifel sollte das Kind nicht allein los­geschickt wer­den. Ich fände es gut, wenn mehr Hun­de­schule gezielte Kurse anbi­eten würden…

  3. Hey,

    ich glaube diese Diskus­sion gab es schon auf diversen Hundeblogs.
    Und ja, ich finde das soll­ten immer die Eltern entschei­den ob die eige­nen Kinder einen Hund aus­führen kön­nen / sollen / dürfen.
    Ich selbst habe bere­its mit 9 Jahren alleine zwei Hunde aus­ge­führt — alles super und geregelt !
    Aber man kann nicht direkt sagen, das Kinder es nicht dür­fen / sollen. Das sollte man dann ganz genau beobachten und schauen wie Hund und Kind aufeinan­der einge­spielt sind.
    Lg, Car­ola mit deco und pippa

  4. Wird diese Frage nicht auch von den Haftpflicht-Versicherungen selbst geregelt indem sie in ihren AGB darauf hin­weisen, wer einen Hund führen darf? Ich glaube, dass es Ver­sicherun­gen gibt, die eine Haf­tung ablehnen wenn der “Hun­de­führer” unter 16 ist. 

    Wenn man bedenkt, dass manch ausgewachsener/gestandener Erwach­sener nicht in der Lage ist einen ziehen­den Hund zu hal­ten, ist das bei Kindern mit viel weniger Kör­pergewicht regel­recht gefährlich.… auch für das Kind.

  5. Ich habe meine Kinder am Anfang nicht alleine spazieren gehen lassen. Erst als sie im Umgang mit Charly sicher waren, durften sie eine kleine Runde ohne viel Ablenkung gehen. Das haben wir dann langsam gesteigert. Ich finde auch, dass es auf das Kind darauf ankommt und wie groß der Hund ist. 

    Ich würde gerne ein­mal wis­sen, wie lange ein Hund im Garten bellen darf. Wir haben lei­der einen kleinen Kläf­fer in unserer Nachbarschaft.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

    1. Dann greife ich das Thema gern im näch­sten Beitrag zum Thema Recht&Hund am kom­menden Don­ner­stag auf 🙂 Danke für deinen Vorschlag

  6. Die Frage finde ich wirk­lich schwierig zu beantworten.
    Wir haben ein Kind in der direk­ten Nach­barschaft, der Junge ist viere­in­halb. Teddy hört ein­wand­frei auf dieses Kind, er bringt ihm den Ball, sitzt ab wenn der Kleine dies ver­langt und läuft pausen­los bei Fuß. Nun ist der Junge natür­lich noch zu jung um Gassi zu gehen, aber bei ihm kön­nte ich mir sehr gut vorstellen, dass er in ein paar Jahren eine kleine Runde mit Teddy drehen kön­nte. Die bei­den sind so har­monisch miteinan­der, das passt einfach.
    Allerd­ings lebt auch ein kleines Mäd­chen, etwa im sel­ben Alter nebe­nan. Diese ist mit Teddy so hek­tisch und unkon­trol­liert, das ich sie nicht­mal unbeauf­sichtigt mit dem Hund im Garten spie­len lassen würde. Sie kann ein­fach nicht abschätzen, wie Teddy auf bes­timmte Reize und Sit­u­a­tio­nen reagiert und wäre bei einem Spazier­gang ver­mut­lich heil­los überfordert. 

    Ich finde, daran kann man erken­nen, dass es wichtig ist, wie die Chemie von Tier und Kind ist. Genauso wichtig wie die Erziehung von eben denselbigen.

  7. Nun ja… es kommt halt drauf an…

    Ich bin im Alter von 11 Jahren schon durch Wald und Wiese geturnt — mit Hund. Erst ein Golden Retriever später eine Schäfer­hündin. Beide waren erzo­gen, die Schäfer­hündin auch im Schutz­di­enst aus­ge­bildet — und keiner von bei­den hat uns gehört. Mit bei­den hatte ich kein Prob­lem sie zu führen, muss aber dazu sagen, dass keine 30 Meter von meinem Eltern­haus ein Hun­de­platz ist, den ich damals beinahe täglich aufge­sucht habe.

    Bei solchen The­men muss man wieder bei den Eltern anset­zen. Es ist deren Auf­gabe zu beurteilen, ob ihr Nach­wuchs in der Lage ist, mit einem Hund Gassi zu gehen, oder eben nicht. 

    Am Anfang ist auch immer meine Mut­ter mit spazieren gegan­gen, hat­ten wir ja sel­ber keinen Hund, um zu schauen, ob ich mit Janosch und Shia klar komme. 

    Und dass die Sit­u­a­tion mit dem Jun­gen bren­zlig war, dass kann ich mir leb­haft vorstellen :-/ .

    Liebe Grüße

    Jérôme

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