Allgemein, Recht und Hund

Darf ich meinen Hund mit zum Arbeitsplatz nehmen?

Der Trend geht zum Büro­hund und das ist auch gut so. Hunde im Büro sor­gen nach­weis­lich für ein angenehmeres Arbeit­skli­ma und steigern die Pro­duk­tiv­ität der Mitar­beit­er. Büro­hunde sind wahre Moti­va­tion­skün­stler und steigern zudem das Engage­ment, die Loy­al­ität und Kreativ­ität. Jed­er Hun­de­men­sch wird dies nachvol­lziehen und bestäti­gen kön­nen.

Auch ich genieße es total, dass meine Hunde immer dabei sind. Obwohl man wahrschein­lich nicht so richtig von einem typ­is­chen Büro­hund sprechen kann, wenn das Büro in der eige­nen Woh­nung ist 😀

Doch wie sieht es eigentlich rechtlich aus? Wann darf ich meinen Hund mit zur Arbeit nehmen?

Grund­sät­zlich beste­ht kein Anspruch darauf, seinen Hund mit zum Arbeit­splatz brin­gen zu kön­nen. Dies fol­gt aus dem Haus­recht des Arbeit­ge­bers (§§ 858 ff. 903, 1004 BGB). Der Arbeit­ge­ber entschei­det daher als Eigen­tümer oder Mieter der Betrieb­sstätte, wem er den Zutritt gewährt.

Grund­sät­zlich ste­ht dem Arbeit­ge­ber gem. § 106 GewO ein sog. Weisungs- oder Direk­tion­srecht zu. Daraus fol­gt, dass der Arbeit­ge­ber an eine ein­mal erteilte Ein­willi­gung zur Mit­nahme des Hun­des nicht gebun­den ist. Er ist berechtigt Inhalt, Ort sowie Zeit der Arbeit­sleis­tung nach bil­ligem Ermessen zu bes­tim­men, soweit die Arbeits­be­d­i­n­un­gen des Arbeitsver­trags bzw. des Geset­zes dem nicht ent­ge­gen­ste­hen.

Der Arbeit­ge­ber ist also berechetigt, als Weishung die Mit­nahme des Hun­des zu ver­bi­eten. Allerd­ings schreibt das Gesetz gem. § 315 BGB vor, ass das Direk­tion­srecht nach bil­ligem Ermessen aus­geübt wer­den muss. Das Ver­bot muss also durch einen berechtigten Grund ver­an­lasst sein.

Als berechtigte Gründe kom­men zum Beispiel in Betra­cht, dass der Hund gefährlich ist, andere Mitar­beit­er oder Kun­den stört. Sollte ein Arbeit­skol­lege Angst vor Hun­den haben, so ist auch dies zu berück­sichti­gen, da der Arbeit­ge­ber gemäß sein­er Für­sorgepflicht aus § 241 II BGB jedem Mitar­beit­er grund­sät­zlich einen angst­freien Arbeit­splatz zur Ver­fü­gung stellen muss.

Als Arbeit­nehmer kann man zum Beispiel dann einen Anspruch auf Mit­nahme seines Hun­des haben, wenn er diesen als Blind­en­hund am Arbeit­splatz benötigt. In diesem Fall beste­ht ein ein­klag­bar­er Anspruch auf eine behin­derten­gerechte Gestal­tung des Arbeit­splatzes, § 81 III SGB IX.

Ähn­lich­es gilt dann, wenn der Arbeit­ge­ber bere­its einem Arbeit­skol­le­gen die Mit­nahme dessen Hund bewil­ligt hat (Gle­ich­be­hand­lungs­grund­satz). Jedoch kön­nen hier­von Aus­nah­men vor­liegen, wenn es sich zum Beispiel um einen gefährlichen Hund han­delt.

Stre­it­ig und juris­tisch noch nicht abschließend gek­lärt ist, ob in Betrieben, die über einen Betrieb­srat ver­fü­gen, eine arbeit­ge­ber­seit­ige kollek­tive Weisung bzgl. der Mit­nahme von Hun­den an den Arbeit­splatz Mitbes­tim­mungsrechte des Betrieb­srats aus­löst. Dies hängt davon ab, ob man das Hun­de­ver­bot als Frage der all­ge­meinen betrieblichen Ord­nung auf­fasst, denn nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG hat der Betrieb­srat bei Fra­gen der all­ge­meinen betrieblichen Ord­nung und dem Ver­hal­ten der Arbeit­nehmer, soweit deren Zusam­men­leben und Zusam­men­wirken berührt wird, mitzubes­tim­men. Dage­gen beste­ht kein Mitbes­tim­mungsrecht, wenn man den Schw­er­punkt darau­flegt, dass sich das Ver­bot aus dem Inhalt der geschulde­ten Arbeit­sleis­tung ergibt, wenn ohne das Ver­bot der Arbeit­nehmer die Arbeit­sleis­tung nicht ord­nungs­gemäß erbrin­gen kann.

Wie ist es bei euch? Kön­nt ihr euren Hund mit zur Arbeitsstätte nehmen?

2 Comments on “Darf ich meinen Hund mit zum Arbeitsplatz nehmen?

  1. Sehr inter­es­sant!
    Deine Beiträge zum The­ma Recht sind echt super.
    Wir dür­fen Tim­my lei­der nicht mit nehmen. Bei meinem Fre­und würde das gar nicht funk­tion­ieren auf Grund des Arbeit­splatzes an sich. Und ich darf lei­der nicht. Ich habe zwar mein eigenes Büro aber ständig Kun­denkon­takt. Und da fän­den es einige sich­er nicht so gut, dass hier ein Hund ist. Generell finde ich aber, dass da der öffentliche Dienst noch etwas hin­ter­her ist. Ich kenne nur ganz wenige im öffentlichen Dienst, die ihren Hund mit­nehmen dür­fen.
    Ich benei­de jeden, der seinen Hund mit­nehmen kann.
    Liebe Grüße von Vic­to­ria und Tim­my

  2. Hal­lo, erst­mal danke für die rechtliche Aufk­lärung. Zweit­ens, lei­der darf ich nur in Not­fällen meine lady mit ins Büro nehmen. Ich hätte sie auch viel lieber jeden Tag gern mit. Lg Clau­dia

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