Der “wertlose” Welpe

Der “wertlose” Welpe

Ich erin­nere mich noch gut an den Tag, an dem Queen das erste mal geröngt wurde.

Der Tier­arzt war einer der weni­gen, die für den Schäfer­hund­verein rönt­gen durfte. Eine kalte, abge­zockte und lieblose Person.

Er kam mit der noch unter Narkose ste­hen­den Queen auf dem Arm wieder rein, legte sie auf den Boden (!) und fragte mich “Sollen wir sie direkt liegen lassen?”

Ich brauchte einen Moment um zu verstehen.

Du wirst mit deinem Hund nicht züchten kön­nen. Die ist völ­lig wert­los und wird dich nur Geld kosten.”

Mir war völ­lig egal, was dieser Mann von sich gab. “Wert­los” ist ein Wort, welches ich nie im Zusam­men­hang mit einem Lebe­we­sen ver­wen­den würde.

Doch genau dieses Wort wurde nun von in einem Gerichtsver­fahren benutzt.

Wie sieht es eigentich juristisch aus? Hat man als Käufer Ansprüche gegen den Züchter?

Recht4

Im zugrunde liegen­den Sachver­halt ist fol­gen­des passiert:

Der Kläger kaufte bei einer Züch­terin für 1.500,00 EUR einen Mag­yar Vissla Welpen. Kurz nach dem Kauf wurde bei diesem eine unheil­bare Blutkrankheit fest­gestellt. Den Welpen zurück­zugeben kam für den Kläger nicht in Frage, deshalb klagte er auf Min­derung des Kauf­preises in Höhe von 1.450 EUR. Zudem ver­langte er Schadenser­satz für die ihm ent­stande­nen Tierarztkosten.

Das Gericht urteilte:

Rückzahlung des Kaufpreises nur gegen Rückgabe des Hundes

Das Gericht schätzte die Min­derung auf 1.500,00 EUR ein — mithin der gesamte Kauf­preis. Die Erkrankung des Welpen sei mit erhe­blichen Sor­gen und Aufwen­dun­gen ver­bun­den, sodass der Wert des Hun­des rein wirtschaftlich auf 0,00 EUR zu bemessen sei. Der Hund kön­nte zwar ein nor­males Leben führen. Der Krankheit müsse jedoch unter ständi­ger Auf­sicht stehen.

Rein juris­tisch ist der Welpe also als “man­gel­hafte Kauf­sache” zu bezeichnen.

Ist eine man­gel­hafte Kauf­sache völ­lig wert­los, führt die Min­derung zu einem kom­plet­ten Ent­fallen des Kauf­preisanspruchs. Juris­tisch ist die Min­derung also wie ein Rück­tritt vom gesamten Kaufver­trag zu behan­deln, sodass die “wert­lose” Sache im Gegen­zug her­auszugeben wäre.

Dies kam für den Kläger jedoch nicht in Betracht.

Die Tier­arztkosten sind dem Kläger nicht zuge­sprochen wor­den, sodass er ins­ge­samt auf den Kosten sitzen blieb.

Amts­gericht Bre­mervörde, Urteil vom 16.11.2016 — 5 C 154/16

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+
Posted on: 1. Dezember 2016Sabrina

Ein Gedanke zu „Der “wertlose” Welpe

  1. Vom wirtschaftlichen Stand­punkt aus kann ich es sogar nachvollziehen.
    Trotz­dem fühlt es sich für mich nicht richtig an einen Hund wie eine Sache oder Ware behan­delt zu sehen, auch vor Gericht nicht. =(

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.