Deutschland rüstet auf: der Schäferhund als Waffe

Deutschland rüstet auf: der Schäferhund als Waffe

Spätestens seit Sil­vester steigen die Absatz­zahlen für alles, was einem Sicher­heit gewähren kann.

Ob dieses Bedürf­nis gerecht­fer­tigt ist oder nicht, möchte ich an dieser Stelle nicht auf­greifen. Das würde zum Einen den Rah­men spren­gen und wäre zum Anderen auf diesem Blog völ­lig deplatziert.

Und ich würde diese Zeilen nicht schreiben, wenn sich die Absatz­zahlen lediglich auf Alar­man­la­gen, Waf­fen und Pfef­fers­pays beschränken würden.

Seit einigen Wochen sind Schäferhunde gefragt wie lange nicht mehr.

Bei der Nach­frage han­delt es sich lei­der nicht um Fam­i­lien, die sich auf der Suche nach einem neuen Mit­glied befinden. Die Nach­frage bezieht sich nicht auf Welpen. Gefragt sind aus­ge­bildete Schutzhunde.

Und wer sich schon ein­mal genauer mit dem Thema Schutz­di­enst auseinan­derge­setzt hat, weiß, dass Schutz­di­enst nicht zwangsläu­fig bedeutet, dass der Hund seinen Hal­ter im All­tag beschützt.

Ich möchte nicht leug­nen, dass die meis­ten Schäfer­hunde unab­hängig davon, ob sie Hun­de­sport machen oder nicht, ihren Hal­ter im Ern­st­fall beschützen wür­den. Auch ich habe schon eine Sit­u­a­tion erlebt, indem Queen gezeigt hat, wozu sie im Zweifel in der Lage wäre. Ob ich mich in dieser Sit­u­a­tion sicher gefühlt hab? Natür­lich. Ich weiß zu schätzen, dass ich jed­erzeit über­all mit ihr ent­lang laufen kann, ohne mich ängstlich umdrehen zu müssen…

Aber Queen lebt bei mir, weil ich mein Leben mit diesem Hund teilen möchte und nicht, weil ich es “geil” finde, dass die Men­schen Respekt vor meinem Hund haben.

Mittag4

Deutschland sucht Schutz. Es wird auf ausgebildete Schäferhunde zurückgegriffen.

Ist das der richtige Weg?

Ist das die richtige Vor­raus­se­tung, sich einen Hund in sein Leben zu holen?

Es mag sicher Men­schen geben, die sowieso über das Thema Hund nachgedacht haben.

Ich habe jedoch mit eini­gen Züchtern sprechen kön­nen. Viele bestätigten mir, dass es sich um völ­lig Uner­fahrene han­delt. Men­schen, die teil­weise noch nie einen Hund an ihrer Seite hat­ten. Men­schen, die über­haupt nicht ein­schätzen kön­nen, was es bedeutet, für einen Hund die Ver­ant­wor­tung zu übernehmen. Und sie fra­gen nicht danach, wer die Eltern des Hun­des sind. Sie fra­gen nicht danach, wie alt der Hund über­haupt ist. Sie fra­gen nur eins: “Ist der abgerichtet?”

Die Nach­frage bee­in­flusst das Ange­bot — das haben wir schon in der Schule gelernt.

Der aus­ge­bildete Schäfer­hund ist gefragt wie nie.

Doch was wird das im Einzel­nen bedeuten?

Gehen Käufer durch die Straßen und ver­suchen her­auszufinden, ob der Hund “funk­tion­iert”? Wird hierzu ein Über­all fin­giert oder der Hund vielle­icht auf Unschuldige gehetzt?

Es wird noch mehr gezüchtet, noch mehr und vor allem noch schneller ausgebildet.

Die Sit­u­a­tion wird mit Stuken­brock ver­gle­ich­bar sein.

Viele Hunde kom­men in einen Topf. Möglichst schnell mit möglichst vie­len Extremen wer­den sie kon­fron­tiert. Sie dür­fen keine Angst haben, müssen im Ern­st­fall auch mal ein­stecken kön­nen. Also wird der Ern­st­fall geprobt — ein Über­fall fin­giert. Es muss echt sein. Ein oder zwei Hiebe in die Seite wer­den nicht schaden. Ach was, im Ern­st­fall muss er das auch verkraften…

Mittag6

Einen Hund auszu­bilden kostet viel Zeit.

Doch was passiert, wenn nicht viel Zeit besteht? Die Nach­frage besteht jetzt und vielle­icht nicht mehr in einem hal­ben Jahr.

Erfolge müssen kom­men und zwar schnell. Warum mit Geduld und Liebe üben, wenn ein Stachel­hals­band den “Erfolg” in zwei Tagen statt zwei Wochen bringt?

Wo führt das hin?

In einem Jahr, vielle­icht auch schon in einem hal­ben, wer­den einige dieser Tiere im Tier­heim sitzen. Schäfer­hunde, die vielle­icht aus Angst schon ein­mal gebis­sen haben. Die vielle­icht über­fordert sind und nie­man­den an sich heranlassen…

Die Suche nach Schutz — mag sie begrün­det sein oder nicht — berechtigt nie­man­den, zu diesen Zwecken ein Tier zu benutzen.

Der Schäfer­hund ist keine Waffe!

mittag12

 

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+
Posted on: 25. Februar 2016Sabrina

4 Gedanken zu „Deutschland rüstet auf: der Schäferhund als Waffe

  1. Ich Unter­schreib das!!!!

    Aber nicht nur der Schäfi istkeine Waffe, auch ein Mali nicht, ein Staff nicht!
    Kein Hund ist eine.

    Gruß Silke

  2. Ein toller Beitrag liebe Sab­rina, aber auch ich kann/muss lei­der bestäti­gen, dass viele solcher Schutzhunde mit “Gewalt” und für mich nicht akzept­ablen Hil­f­s­mit­teln aus­ge­bildet werden.
    Ich meine hier nicht “nur” Stachel­hals­bän­der, obwohl ich diese schon schlimm genug finde, son­dern auch Stromhals­bän­der. *Augen weit aufreiß*
    Der Schäfi befand sich mit­ten im Apportieren und als der Trainer “Down!” schrie, klappte er regel­recht zusam­men, statt sich wie unsere Hunde “nor­mal” abzulegen. 🙁
    Ver­ständlich, wenn er gel­ernt hat, dass es fürchter­lich weh tut und er noch nicht mal mehr ver­steht, woher es kommt, wenn er nicht SOFORT auf Anweisun­gen reagiert.

    Diese Hunde wer­den sogar in einem ziem­lich ein­samen Gelände gehal­ten, wo so gut wie keiner hin­findet, wer es nicht weiß und die Schä­fis so möglichst keinen Kon­takt zu Außen­welt haben, mit dem Hin­ter­grundgedanken, dass sie abso­lut lern­freudig und hochmo­tiviert sind, kommt ihr Trainer und holt sie raus, auch wenn es nur zur harten Aus­bil­dung ist…
    Den Hun­den ist aber selbst diese Art der Aufmerk­samkeit lieber, als sich selbst 22h täglich über­lassen zu sein. 🙁

    Wirk­lich trau­rig aber wahr, zumal dieser besagte Mann seine aus­ge­bilde­ten Schutzhunde erfol­gre­ich bis ins Aus­land verkauft. *heul* 

    Auch ich bin der Mei­n­ung, dass dies abso­lut nicht der richtige Weg sein kann, aber lei­der kann man das auch nicht stop­pen, solange solche Aus­bilder von zahlre­ichen Men­schen mit gle­icher Ein­stel­lung gefeiert wer­den und somit immer wieder erfol­gre­ich ihre Hunde verkauft bekommen… 

    Jule

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.