Allgemein

DogDance — vom ersten Trick zur Choreographie

Wer uns regelmäßig fol­gt, der weiß, dass wir im absoluten Dog­Dance — Fieber sind.

Dabei war Dog­Dance gar nicht von Anfang an “unser Ding”. Mit Queen habe ich schon mehrfach den Zugang zu diesem Sport gesucht und immer wieder den Faden ver­loren. Irgend­wann machte ich einen Hak­en hin­ter das Pro­jekt. Es war ein­fach nicht ihr Ding.

Auch mit Püp­pi schlug ich zunächst andere Wege ein. Agili­ty stand ganz oben auf mein­er Liste und erst nach und nach merk­te ich, dass Dog­Dance per­fekt zu Püp­pi passen würde.

Schon nach der ersten Stunde in der Hun­de­schule wusste ich, dass ich auf jeden Fall am Ball bleiben möchte.

Mir gefiel die Vorstel­lung, immer und über­all üben zu kön­nen. Dieser Aspekt ist für mich der größte Nachteil am Agili­ty. Auch der Gedanke immer wieder Neues erler­nen zu kön­nen ist ein großer Anreiz. Die Abwech­slung und Indi­vid­u­al­ität sind zwei unschlag­bare Argu­mente.

Ich habe selb­st viele Jahre getanzt. Typ­isch ich, natür­lich auch auf Meis­ter­schaften und Wet­tkämpfen. Mein größter Erfolg war im Jahr 2006 der zweite Platz auf der Welt­meis­ter­schaft mit mein­er For­ma­tion im Bere­ich Street Dance und HipHop. Also warum nicht daran anknüpfen? 😀

Das cool­ste am Dog­Dance ist die gefragte Kreativ­ität. Ich laufe keinen vorgegebe­nen Par­cour, son­dern ich erstelle eine eigene Chore­o­gra­phie, die ide­al zu mir und meinem Hund passt. Ich finde es super, dass man sich selb­st ein­brin­gen kann und let­z­tendlich etwas entste­ht, was die Beziehung zwis­chen dir und deinem Hund per­fekt wieder­spiegelt. Welche andere Sportart bietet schon so etwas Cooles?

Aber nun erst ein­mal ein paar all­ge­meine Infos:

In den 1980er find­en die ersten Briten an — inspiri­ert durch die Dres­sur im Pfer­de­sport — Obe­di­ence mit Musik zu trainieren. Mary Ray präsen­tierte diese neue Vari­ante des Obe­di­ence erst­mals im Jahr 1990 auf der Crufts in Birm­ing­ham, der welt­größten Rasse­hun­de­schau. Etwa zeit­gle­ich gab es auch in den USA und in Kana­da die ersten vier­beini­gen Musikvor­führun­gen. Bis heute sehen die Briten Dog­Dance eher als eine Vari­ante des Obe­di­ence und leg­en daher den Fokus eher auf die per­fekte Fußar­beit. In Ameri­ka ste­hen die Tricks und Kostüme im Vorder­grund. Hier in Europa hat sich eine Art Mis­chform entwick­elt. In der Regel erfol­gt der Ein­stieg über das Trick­train­ing, sel­tender über den Obe­di­ence — Sport.

Mit­tler­weile küm­mern sich einige Organ­i­sa­tio­nen um Dog­Dance als Tunier­sport. Hier gilt das Regle­ments von DogDance.info. Jährlich find­en immer mehr Tuniere statt. Kein Wun­der, denn Dog­Dance ist für jeden etwas. Jed­er Hund, egal welchen Alters oder welch­er Größe, ist grund­sät­zlich geeignet diesen Hun­de­sport auszuführen.

Dog­Dance lastet den Hund sowohl kör­per­lich als auch geistig aus. Die Sportart kann indi­vidu­ell auf den Hund angepasst wer­den. So find­et man zum Beispiel in den Tunier­regeln fol­gen­den Pas­sus “Tierge­sund­heit”: Wird ein Hund während ein­er Chore­o­gra­phie kör­per­lich und / oder geistig über­fordert, haben die Richter die Möglichkeit, empfind­lich hohe Punk­tzahlen abzuziehen. Lei­der habe ich schon selb­st gese­hen, dass dies ein­mal offen­sichtlich nicht der Fall gewe­sen ist, aber ich hoffe doch, dass in der Regel von dieser Option Gebrauch gemacht wird.

Ein Hund mit HD kann ein wun­der­barer Tänz­er sein, solange man nicht von ihm ver­langt auf den Hin­terp­foten zu laufen. Ein Hund mit einem Rück­en­lei­den sollte keine Rolle machen und keine engen Drehun­gen. Es gibt zahlre­iche Tricks und für jeden ist etwas dabei.

Daher sollte man sich vor dem Üben eines neuen Tricks immer fra­gen: Ist mein Hund kör­per­lich in der Lage den Trick zu erler­nen? Muss er gegeben­falls vor­ab Muske­latur auf­bauen?

Solange der Spaß im Vorder­grund ste­ht und der per­sön­liche Ergeiz niemals zulas­ten des Hun­des geht, ste­ht ein­er gemein­samen Chore­o­gra­phie nichts mehr im Weg 🙂

Das Training

Grund­sät­zlich lehne ich jede Form der kör­per­lichen Ein­wirkung auf den Hund ab. Ich arbeite auss­chließlich über pos­tive Bestärkung, denn wir wollen ja alle einen motivierten Hund, der mit Freude arbeit­et. Kör­per­liche Ein­wirkun­gen zer­stören die Bindung zum Hund, verun­sich­ern unsere Vier­beiner und haben im Hun­de­train­ing nichts zu suchen.

Alles kann, nichts muss.”

Ein oft ver­wen­detes Sprich­wort, welch­es super zum Dog­Dance passt. Kein Hund muss etwas bes­timmtes erler­nen. Klappt ein Trick, ist es toll. Klappt er auch nach vie­len Übung­sein­heiten nicht und fühlt sich der Hund sichtlich unwohl, dann sollte man es gut sein lassen und einen anderen Trick erler­nen.

So ging es uns mit der Rolle. Auch nach vie­len Ein­heiten klappte es ein­fach nicht und Püp­pi wurde unsich­er und wirk­te bedrückt. Ich habe den Trick nun auf Eis gelegt und werde es nochmal in eini­gen Wochen oder Monat­en ver­suchen. Klappt es auch dann nicht, lernt sie diesen Trick eben nicht. Kein Prob­lem. Es gibt ja genug andere Tricks 🙂

Ich arbeite mit einem Click­er. Für mich war das zunächst unge­wohnt, doch ich habe sehr schnell Zugang gefun­den und möchte nun nicht mehr drauf verzicht­en. Ich kann jedem, der mit dem Dog­Dance anfan­gen möchte, nur ans Herz leg­en von Anfang an zu click­ern. Das macht vieles ein­fach­er.

Ganz grund­sät­zlich: Das gewün­schte Ver­hal­ten wird mit einem Click markiert und kündigt so die Beloh­nung an. Man kann also viel präzis­er arbeit­en und viel genauer bestärken als man es ver­bal kann. Zudem hat der Click­er den Vorteil, dass er emo­tion­s­los ist. Wir Men­schen kön­nen vor unseren Hun­den unsere Emo­tio­nen niemals ver­stecken, sodass sich zum Beispiel Ungeduld in unser­er Stimme neg­a­tiv auf das Train­ing auswirken würde.

Wir starten unser Train­ing immer mit den Worten “Los geht’s” und been­den es mit dem Wort “Schluss”. So weiß Püp­pi genau, dass sie nun an der Rei­he ist.

Das Wort “nein” ver­wende ich nicht. Sollte ein Trick nicht klap­pen, kom­men­tiere ich den Mis­ser­folg mit “schade”. Dies entspricht unge­fähr dem Wort “kalt” beim Topf­schla­gen. Es sig­nalis­ert dem Hund, dass er auf dem falschen Weg ist.

Einen Trick bzw. das Erler­nen einen Tricks kann man sich vorstellen wie eine Leit­er. Ist man ganz oben ange­langt, hat der Hund den Trick erlernt. Jede Sprosse entspricht einem Train­ingss­chritt. Es ist nicht möglich eine Sprosse auszu­lassen, um nach oben zu gelan­gen. Erst wenn man sich­er auf ein­er Sprosse ste­ht, kann man die näch­ste in Angriff nehmen. Das Tem­po bes­timmt der Hund. Klappt etwas nicht, geht man ein­fach eine Sprosse zurück.

Allgemein gelten beim Training drei Regeln:

  1. der Hund ist immer der Held, d.h. die Auf­gaben dür­fen nur schw­er sein, dass er sie auch meis­tern kann — ich set­ze das prak­tisch so um, dass ich nach zwei Fehlver­suchen sich­er gehe, dass Püp­pi es beim drit­ten Mal schafft, in dem ich ihr Hil­festel­lung gebe
  2. erst, wenn der Hund mind. 8 von 10 Ver­suche schafft, gehe ich den näch­sten Train­ingss­chritt
  3. ich höre immer dann auf, wenn alles super klappt und beende das Train­ing nie mit einem Mis­ser­folg

Vom Trick bis zur fertigen Choreographie werden insgesamt fünf Stufen durchlaufen.

Im ersten Schritt wird der neue Trick geübt.

Schritt 1

Beim Erler­nen eines neuen Tricks ver­wende ich grund­sät­zlich keine Handze­ichen. Hunde acht­en sehr schnell auf unsere Kör­per­sprache, was im Prinzip super, doch beim Dog­Dance kon­trapro­duk­tiv ist. Kann mein Hund zum Beispiel nur dann rück­wärts laufen, wenn ich auf ihn zuge­he, dann schränkt mich das beim Erstellen ein­er Chore­o­gra­phie enorm ein. Außer­dem reagiert ein Hund auch dann auf ein Wort, wenn ich zum Beispiel hin­ter ihm ste­he. Beim Dog­Dance gibt es so viele unter­schiedliche Tricks, dass ich zudem gar nicht wüsste, wie ich all diese Tricks mit unter­schiedlichen Handze­ichen verse­hen sollte.

Ich ver­suche also mich so neu­tral wie möglich zu bewe­gen und den Hund mith­ilfe ein­er Wand oder mith­ilfe von Stan­gen zur richti­gen Bewe­gung zu brin­gen. Ohne Click­er kön­nte ich nie auf diese Weise arbeit­en. Viele führen das Wortsig­nal erst dann ein, wenn der Hund den Trick schon erlernt hat. Das mache ich nicht. Sobald der Hund und ich in der Posi­tion ste­hen, dass der Trick aus­ge­führt wer­den kann, benutzt ich vonh Anfang an das Kom­man­do.

Ich ver­suche das mal anhand unseres aktuellen Tricks zu erk­lären:

Püp­pi lernt zur Zeit rück­wärts um mich herum zu gehen. Hierzu benutze ich eine Wand. Püp­pi sitzt in der Grund­stel­lung neben mir — also qua­si zwis­chen mir und der Wand, ich halte einen Keks in der linken Hand hin­ter meinen Rück­en. Viele Hunde gehen dann automa­tisch einen Schritt zurück. Das wird direkt geclick­ert und nach und nach kann man den Winkel so verän­dern, dass der Hund immer weit­er zurück gehen muss und schließlich kom­plett herum läuft.

Die Aus­gangslage ist für mich dann erre­icht, wenn sie neben mir sitzt und ich die Hand auf den Rück­en gelegt habt. Bere­its dann sage ich das Wortsig­nal “Fox” und zwar vom ersten Train­ingss­chritt an.

Wahrschein­lich kann man seinem Hund diesen Trick auch beib­rin­gen, in dem man ihn mit einem Keks in der Hand um den eige­nen Kör­per lockt. Allerd­ings habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Hunde nicht so bewusst arbeit­en, wenn der Keks direkt vor der Nase ist. Der Hund soll selb­st aus­pro­bieren und sich aktiv für eine Bewe­gung entschei­den. So ler­nen sie effek­tiver und schneller. Nicht jed­er Hund ist hier­für gemacht. Queen verun­sichert diese Train­ings­form sehr, sodass wir schnell an unsere Gren­zen gekom­men sind.

Sollte man dem Hund eine Hil­festel­lung geben müssen, ist es zudem hil­fre­ich, wenn das Kom­mando vorher schon gefall­en ist, damit der Hund die Bewe­gung mit dem Wort und nicht mit der Hil­festel­lung verbindet. Das Wort wird zudem nur ein­mal gesagt. Oft hil­ft es schon, dem Hunde einige Sekun­den Zeit zu geben, aber das Wieder­holen des Wortes ist lediglich kon­trapro­duk­tiv.

Bis ein Trick erlernt ist, kann man von fol­gen­der Faus­regel aus­ge­hen:

10 bis 15 Trainingseinheiten über ca. 2 bis 3 Wochen mit je 20 Wiederholungen

Manch­es geht schneller, anderes braucht länger.

Sobald man an den Punkt ange­langt, an dem der Hund von den 20 Wieder­hol­un­gen pro Ein­heit mind. 10 direkt auf das Wortsig­nal hin fehler­frei aus­führt, wird nur noch dann geclickt. Das bedeutet, braucht der Hund ab dann eine Hil­festel­lung, erfol­gt kein Click mehr, son­dern eine ver­bale Bestä­ti­gung wie “Super” oder “Pri­ma”.

Schritt 2

Nun geht es darum, den Trick zu gen­er­al­isieren. Der Hund muss nun die Übung an unter­schiedlichen Orten und vor allem auch in unter­schiedlichen Abstän­den zum Zweibein­er aus­führen.

Das Train­ing läuft ähn­lich ab wie auf der ersten Stufe. Klappt der Trick direkt auf das Wortsig­nal erfol­gt der Click und die Beloh­nung. Benötigt der Hund Hil­fe, erfol­gt kein Click und der Hund wird ver­bal bestätigt.

Ganz wichtig ist die Verän­derung der eige­nen Posi­tion und der Abstand zum Hund. Nur, weil der Hund sich vor einem ver­beugt, bedeutet das noch lange nicht, dass er dies auch macht, wenn man hin­ter ihm ste­ht oder in ein­er Ent­fer­nung von zehn statt einem Meter.

Dis­tanz­train­ing ist wirk­lich anspruchsvoll. Oft kom­men die Hunde erst zu einem gelaufen und führen den Trick dann aus. Hier kann es hil­fre­ich sein, dass der Hund hin­ter ein­er Stange arbeit­et und man nach und nach den Abstand von sich und der Stange ver­größert. Führt der Hund das Kom­mando aus, brin­gen wir ihm das Leck­erli. Es wird nicht gewor­fen, weil der Hund ler­nen soll, ruhig hin­ter der Stange zu arbeit­en.

Cav­aletti — Stan­gen eignen sich super für das Dis­tanz­train­ing

Schritt 3

Im drit­ten Schritt find­et das Vok­a­bel­train­ing statt. Hier lernt der Hund die unter­schiedlichen Kom­man­dos zu unter­schei­den. Einen Click und das damit ver­bun­dene Fut­ter gibt es nur, wenn der Hund direkt den richti­gen Trick auf das Wortsig­nal hin aus­führt. Benötigt er Hil­fe, wird er lediglich ver­bal belohnt. Dies klingt vielle­icht komisch oder befremdlich, hat aber dur­chaus viel Sinn. Die Hunde ler­nen wahnsin­nig schnell uns zu trainieren, so auch Püp­pi. Schnell ler­nen sie, dass sie auch für “weniger” die tolle Beloh­nung bekom­men. Und da wir uns weit­er entwick­eln wollen, wenn der Hund es sich­er ver­standen hat, wollen wir auch, dass er es richtig aus­führt und nicht ver­sucht mit weniger an den Keks zu kom­men. Auch bei Links– und Rechts­drehun­gen kann hier schnell Ver­wirrung ein­treten. Dreht der Hund sich zum Beispiel falsch herum und man gibt ihm Hil­festel­lung und belohnt zusät­zlich mit einem Click, lernt er unter Umstän­den, dass er sich erst so und anschließend anders herum drehen soll und verbindet dies mit dem Wort.

Schritt 4

Nun wer­den die ersten Tricks kom­biniert und kleine Sequen­zen wird aufge­baut.

An dieser Stelle ist es wichtig, dass nicht mehr nach jedem richtig aus­ge­führten Trick ein Click ertönt. Nach einem Click muss es zu ein­er Beloh­nung kom­men und dies würde uns hier nur aufhal­ten. Wo wäre son­st der Unter­schied zur drit­ten Stufe? 🙂

Damit der Hund aber den­noch weiß auf dem richti­gen Weg zu sein, bauen wir nun ein weit­eres Wort auf, welch­es dem “Warm” beim Topf­schla­gen entspricht. Ich ver­wende hier das Sig­nal “Yes”. Es ist kurz genug und kommt im All­tag nicht vor. Dieses Wort wird wie ein Click­er kon­di­tion­iert.

Klappt die Sequenz von vorn bis hin­ter super, erfol­gt der Jack­pot. Dies ist eine ganz beson­dere Beloh­nung wie zum Beispiel Fleis­chwurst oder Käse, etwas, dass der Hund son­st nicht bekommt. So schaf­fen wir es, dass unser Hund über mehrere Tricks hin­weg motiviert arbeit­et. Für Spielver­rückte unter uns, kann auch ein Ball der Jack­pot sein.

Das Jack­pot­train­ing läuft wie fol­gt ab:

Der Jack­pot ste­ht oder liegt am Rand. Der Hund wird hin­se­hen. Wir warten also bis er zu uns sieht, sagen “Yes” und belohnen ihn. Erst, wenn der Jack­pot unin­ter­es­sant ist, darf der Hund ihn haben. Entschei­dend ist, dass der Hund sich nicht alleine bedi­enen kann. Der Jack­pot kann sich also zum Beispiel in ein­er Dose befind­en. Fällt dem Hund das arbeit­en schw­er, hil­ft ein größer­er Abstand zum Jack­pot. Der Hund wird ler­nen, dass wir die Kon­trolle über den Jack­pot haben und er nur über uns an diesen gelangt.

Mith­ilfe des Bestä­ti­gungswortes und dem Jack­pot lässt sich die Moti­va­tion hochhal­ten und wir begin­nen mit unser­er ersten Sequenz. Diese wird immer von hin­ter aufge­baut. Wir fan­gen also mit dem let­zten Trick an. Wird dieser fehler­frei aus­ge­führt, bekommt der Hund den Jack­pot und bei der näch­sten Wieder­hol­ung kommt ein Trick davor. Wird dieser richtig aus­ge­führt, erfol­gt das Bestä­ti­gungswort und das Wortsig­nal für den näch­sten Trick. Wird auch dieser richtig aus­ge­führt, gibt es erneut den Jack­pot.

Schritt 5

Der let­zte Schritt ist die Chore­o­gra­phie. Hier­bei wer­den ver­schiedene Sequen­zen zusam­menge­fügt. Dies erfol­gt genau­so wie das Zusamm­set­zen ein­er Sequenz in Schritt 4 und wird genau­so trainiert. Man geht auch hier von hin­ten nach vorne vor und belohnt genau wie auf Stufe 4.

Das Targettraining

Tar­get kommt aus dem Englis­chen und bedeutet Ziel. Die Arbeit mit einem Tar­get ist im Dog­Dance unverzicht­bar und zahlt sich schnell aus.

Wir alle ken­nen den sog. Tar­get­stab, oft ver­bun­den mit einem Click­er. Hier­bei kann ein Stab — fast wie eine Art Antenne — aus dem Gerät her­aus­ge­zo­gen wer­den. Am Ende des Stabes befind­et sich eine kleine Kugel. Ziel ist es, dass der Hund die Kugel mit der Nase berührt.

Bei diversen Tricks kann der Tar­get als Hil­femit­tel benutzt wer­den.

Ger­ade als Ein­stieg eignet sich die Arbeit mit einem Tar­get sehr gut. Hier kön­nen sowohl Men­sch und Hund ler­nen. Alle, die noch nicht so fit im Click­ern sind, kön­nen hier das kor­rekte Tim­ing üben. Die Hunde verin­ner­lichen die Bedeu­tung des Click­er und ler­nen dem Tar­get zu fol­gen.

Es gibt zahlre­iche ver­schiedene Tar­gets

Der Stab

Hier­bei wird dem Hund der Tar­get­stab gezeigt und bei Bedarf leicht bewegt. Es geht darum, die Neugierde des Hun­des zu weck­en, damit dieser auf den Tar­get zuge­ht und im besten Fall mit Inter­esse daran schnup­pern möchte. Berührt der Hund mit der Nase die Kugel am Ende des Tagets wird geclickt und belohnt. Der Hund wird schnell ver­ste­hen, worum es geht und so kann man direkt anfan­gen, den Tar­get mal nach links und mal nach rechts zu hal­ten. Ziel ist es, dass der Hund dem Stab fol­gt und die Kugel mit der Nase berührt.

Die Hand

Auch unsere Hand eignet sich als Tar­get. Ähn­lich wie beim Stab, soll der Hund mit sein­er Nase unsere Hand­fläche berühren. Nach und nach wird der Click immer weit­er hin­aus­gezögert, damit der Hund einen Moment mit der Nase an unser­er Hand “kleben” bleibt. Sollte das Hin­auszögern des Clicks nicht den gewün­schten Effekt haben, kann man auch neben seinem Hund her­laufen. Immer wieder bieten wir ihm die Hand als Tar­get an und lassen die Beloh­nung hier­bei in die Tar­get­h­and fall­en.

Pfotentarget

Ein Pfo­ten­tar­get soll mit der Pfote berührt wer­den. Hierzu eignet sich eine nor­male Fliegen­klatsche. Das Train­ing ver­läuft genau wie bei den anderen Tar­gets.

Bodentarget

Ein Boden­tar­get ist ein Ziel auf dem Boden. Viele ver­wen­den hier­bei einen kleinen Stab, den sie in den Boden drück­en. Auf­grund der Ver­let­zungs­ge­fahr, ver­wende ich einen kleinen Deck­el ein­er Dose. Der Hund muss den Boden­tar­get je nach eige­nen Wün­schen mit der Nase oder den Pfoten berühren. Ich habe mich für die Nase entsch­ieden, weil ich das Gefühl habe, Püp­pi arbeit­et so genauer.

Zur Zeit benutzen wir den Boden­tar­get, weil Püp­pi lernt, durch meine Arme zu sprin­gen. Hierzu lege ich den Tar­get auf den Boden. Püp­pi ste­ht in einem Abstand von ca. vier Metern von dem Tar­get ent­fernt. Ich ste­he in der Mitte. Nun bilde ich mit meinen Armen einen Kreis, zunächst nah am Boden, später immer höher. So lernt sie durch meine Arme hin­druch zu sprin­gen. Zu Beginn kann man auch die Beloh­nung direkt auf das Tar­get leg­en. Hier­bei sollte man wach­sam sein und im richti­gen Moment click­en.

Look — Target

Beim Look — Tar­get geht es darum, den Blick des Hun­des einz­u­fan­gen. Der Hund berührt also den Look — Tar­get nicht, son­dern schaut ihn nur an. Dies ist sehr hil­fre­ich, wenn es um ver­schiede­nen Fuß­po­si­tio­nen geht. Als Look — Tar­get ver­wen­den viele ihren Han­drücken. Für mich ist das Look — Tar­get beson­ders wichtig, weil Püp­pi sehr klein ist und ich sie so von oben “steuern” kann und mich nicht immer bück­en muss. Das hat nichts mit Faul­heit zu tun. Ich möchte Püp­pi nicht mit mein­er Kör­per­sprache verun­sich­ern und von Anfang an in der richti­gen Posi­tion trainieren.

Der Look — Tar­get wird wie fol­gt trainiert:

Der Hund sitzt neben uns. Wir zeigen ihm unsere Hand­fläche, die er mit der Nase berühren wird (Hand­tar­get). Anschließend drehen wir unsere Hand um, sodass der Hund auf unseren Han­drücken schaut. Nun neben wir die Hand etwas an. Sobald der Hund sich in die Rich­tung der Hand reckt und hierzu Kör­perspan­nung auf­baut, erfol­gt der Click. So lernt der Hund Span­nung zu hal­ten und auf die Hand zu schauen. Hat er ver­standen, dass er den Han­drücken anschauen muss, begin­nen wir die Hand langsam zu bewe­gen. In der Regel dauert das Look — Train­ing lange. Aber es lohnt sich dabei zu bleiben, denn so kön­nen wir unseren Hund anschließend wie mit ein­er Fern­s­teuerung bewe­gen.

Fußarbeit

 Dass der Hund beim Dog­Dance “bei Fuß” laufen kann, ist nicht wegzu­denken. Anders als bei anderen Sportarten, gibt es hier jedoch ver­schiede­nen Möglichkeite und Posi­tio­nen. Der Hund läuft also nicht nur links, son­dern auch rechts neben dem Men­schen oder auch hin­ter ihm.

Die Fußar­beit lässt sich am ein­fach­sten mith­ilfe des Hand­tar­get, oder bei kleinen Hun­den mit dem Look — Tar­get trainieren. Hier­bei wird der Hund immer so dicht geführt, dass er das Bein berührt. Die Berührung hil­ft dem Hund, die neue Posi­tion zu erler­nen. Ist der Hund in der kor­rek­ten Posi­tion angekom­men, führt man mehrere Male hin­tere­inan­der das Train­ing mit einem Look — Tar­get durch. Der Hund bekommt also mehrere Male hin­tere­inan­der Fut­ter und erlebt die Posi­tion und den Kör­perkon­takt als pos­i­tiv. Er lernt so, dass es sich lohnt in dieser Posi­tion zu ver­weilen. Anschließend machen wir einen großen Schritt. Der Hund ver­liert seine “Fut­terquelle” und er lernt, dass er die Posi­tion nicht selb­st aufgeben darf.

Klappt die Posi­tion im Ste­hen, kön­nen die ersten kleinen Schritte gemacht wer­den. Hier­bei wird der Hund mit der Tar­get­h­and oder dem Look — Tar­get unter­stützt.

Nach und nach kann das Tar­get ver­schwinden.

Zwei Dinge soll­ten bei der Fußar­beit immer berück­sichtigt wer­den:

Die Fußar­beit ist men­tal sehr anstren­gend, sodass die Sit­u­a­tion immer wieder aufge­lock­ert wer­den muss. Fußar­beit ist wie ein Trick zu behan­deln, genau­so aufzubauen und zu trainieren. Dem­nach sollte es für jede unter­schiedliche Fußar­beit ein eigenes Wortsig­nal geben.

In unserem Fall trainieren wir die Fußar­beit ohne Kör­perkon­takt, weil Püp­pi hier­für schlicht zu klein ist. Mir genügt, wenn sie sauber neben mir läuft und mich ansieht. Dadurch, dass wir mit dem Look — Tar­get arbeit­en, ver­fügt Püp­pi über aus­re­ichend Kör­perspan­nung, sodass es aussieht als wür­den ihre kleine Vorderp­foten im Wech­sel nach vorne “fliegen”, ähn­lich wie es die Schäfer­hunde bei der Unterord­nung machen.

Unser erster Trick

Das Verbeugen

Zunächst fand ich es schwierig ein passendes Wortsig­nal für diesen Trick zu find­en. “Diener” fand ich irgendie blöd und zu neg­a­tiv behaftet. Ich habe mich schließlich für das spanis­che “chapó” entsch­ieden.

Den Trick baut ihr wie folgt auf:

Sollte euer Hund bere­its den Tar­get­stab ken­nen, kön­nt ihr diesen für den Trick nutzen.

Hierzu hält man den Stab knapp unter die Hun­de­schnauze, sodass der Hund die Kugel nicht sehen kann. Um nun an die Kugel gelan­gen zu kön­nem muss er seinen Kopf in die Rich­tung des Stabes führen.

Dies kann man einige Male wieder­holen, sodass der Hund den Ansatz — Kopf wird nach unten geführt — verin­ner­licht.

Anschließend stellen wir uns vor den ste­hen­den Hund und führen den Tar­get­stab zu sein­er Nase. Berührt er die Kugel, erfol­gt der Click. Nach und nach wird der Stab immer ein Stück weit­er nach unten in Rich­tung Vorderp­foten geführt.

Der Hund wird nun automa­tisch mit dem Vorderkör­per nach unten gehen.

Erfol­gt dies schon in Form eines Dieners, wird geclickt und belohnt.

Legt sich der Hund kom­plett hin, gehen wir einen Schritt zurück und fordern den Hund auf, aufzuste­hen. Begleit­et von einem “schade” erfol­gt der näch­ste Ver­such.

Diese Vari­ante hat den Vorteil, dass man schon vor dem Hund ste­ht. Set­zt man sich zunächst vor den Hund und führt seinen Oberkör­per mit einem Keks in der Hand nach unten, haben wir das Prob­lem, dass wir uns selb­st einen zusät­zlichen Train­ingss­chritt ein­bauen: wir müssen uns wieder aufricht­en.

Ziel ist näm­lich, dass der Hund, egal ob er neben oder vor uns ste­ht, auf das Wortsig­nal hin den Trick aus­führt. Natür­lich ste­hen wir in dieser Sit­u­a­tion. Vie­len Hun­den fällt es schw­er, wenn sie einen Trick erler­nen, bei dem wir zunächst vor ihnen saßen und uns dann aufricht­en wollen. Das geht oft nur Schritt für Schritt mit einem krum­men Rück­en.

Mith­ilfe eines Tar­get­stabes erspraren wir uns diesen oft lan­gen Zwis­chen­schritt.

Fer­tig erlernt sieht das Ganze dann so aus:

Tanzt ihr auch mit eurem Hund? Mit welchen Tricks habt ihr ange­fan­gen?

3 Comments on “DogDance — vom ersten Trick zur Choreographie

  1. hal­lo Sabrina,das hast Du super erklärt.Habe nicht alles gewußt.Ich glaube Fro­do und ich sind mit Slalom und Schleife angefangen.Das war schon bevor wir zum Dog­dance gingen.Die Trainer­in hat das dann noch verfeinert.Du hast recht,Dogdance ist ein toller Sport und etwas,das nicht jed­er macht.
    Manch­mal allerd­ings auch von gewis­sen Leuten belächelt wird.Nur wir,die wir mit den Hun­den arbeiten,wissen, wie stark das Arbeit­en die Bindung zum Tier stärkt und das ist schön.

  2. Hal­lo Sab­ri­na,

    wow! Tolle und aus­führliche Erk­lärung. Manch­es mach ich gle­ich, manch­es anders. Der Click been­det bei mir kom­plett die Übung dann werfe ich oft das Leck­erchen. Das liegt aber daran, dass ich bei der Dis­tan­zarbeit Shi­va gerne aus der Posi­tion geschoben habe, wenn ich auf sie zuge­gan­gen bin. Also habe ich das Wer­fen begonnen. Der Jack­pot kommt unver­hofft als wahrer Leck­er­lie-Regen. Da kommt mit dem Ruf “Jack­pot!” eine ganze Hand voll geflo­gen und sie ist eifrig am Suchen.

    Ich werde aber deine Tipps auf jeden Fall aus­pro­bieren. Auch das ich das Wortkom­man­do zuerst ein­führe. Ich hab das immer nachträglich eingear­beit­et, aber ich komme auch aus dem Agi-Sport, da wird viel mehr angezeigt, bevor man ein Kom­man­do ver­wen­det. Der Hund verknüpft ja da die Kör­per­sprache sehr stark mit den Geräten.

    Flauschige Grüße
    San­dra & Shi­va

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