Ein Leben als Influencer — vom großen Reichtum und anderen Irrtümern

In dieser Woche ist das Wort Pet­flu­encer in aller Munde. Kein Wun­der, denn am ver­gan­genen Son­ntag wur­den in Köln erst­ma­lig die Ger­man Pet­flu­encer Awards vergeben. In der Kat­e­gorie Blog des Jahres waren wir unter den vier Final­is­ten und mithin nominiert für den Award. Über den Tag habe ich in einem Artikel berichtet. Wer möchte kann HIER noch ein­mal nach­le­sen, wie wir das Event erlebt haben.

Auf Insta­gram, Face­book und Co. stolpert man seit­dem immer wieder über Fotos der Gewin­ner und über Artikel zu diesem Event. Auch Bild berichtete und vor eini­gen Tagen sendete RTL Explo­siv einen Beitrag über die Ver­lei­hung am Son­ntag. Und genau dieser Beitrag ist heut­ed­er Anstoß zu diesen Artikel.

Ich möchte mich nicht so weit aus dem Fen­ster lehnen und ihn als “schlecht recher­chiert” beze­ich­nen, doch ich gehe so weit und beti­tel ihn als “ein­seit­ige Darstel­lung”. Der gesamte Beitrag drehte sich lediglich um eins: das Finanzielle. Als Außen­ste­hen­der bekam man sehr schnell den Ein­druck, dass es uns lediglich darum gehen würde. Ein paar Schnapp­schüsse neben­bei ein­fach mal eben bei Insta­gram hochladen und schon fließt die Kohle. Ich sehe vor meinem geisti­gen Auge schon die jun­gen Mädels vor dem TV sitzen — ihr Katze musternd — wie sie anschließend den dreiun­dachtzig­sten Account “Miezis­life” ins Leben rufen. Schnell zwölf Handy­bilder hochladen und sich wun­dern, warum noch keine Koop­er­a­tion ange­fragt wurde…

Ich kann dur­chaus nachvol­lziehen, dass man als Außen­ste­hen­der abso­lut keine Ahnung davon hat, wieviel Arbeit in einem Blog oder Insta­gra­mac­count steckt. Die Fotos sind nicht mal eben gemacht und ein Blog­a­r­tikel schreibt sich nicht zwis­chen Tür und Angel. In einem Artikel steck­en je nach Aufwand zwis­chen zwei und fünf Stun­den. Wer als Influ­encer arbeit­en möchte, muss Con­tent liefern, immer up to date sein, sich ver­net­zen und immer wieder für Unter­hal­tung sor­gen. Mal eben neben­bei das schnell ver­di­ente Geld? Auf keinen Fall. Und selb­st wenn man gute Fotos oder kreative Blog­a­r­tikel hat, dann bedeutet das noch lange nicht, dass es automa­tisch läuft. Man muss stets dafür sor­gen, gese­hen zu wer­den und die Gefahr zwis­chen all den anderen unter zu gehen ist immer da.

Auf ein Pferd aufzus­prin­gen, weil es vielle­icht ver­lock­end wirkt, macht keinen Sinn. Wenn man keine eigene Nis­che find­et, in der man sich posi­tion­ieren kann, dann kann man es direkt lassen. Ich bin froh, dass ich mit meinen Artikeln zum The­ma Recht & Hund meine Nis­che gefun­den habe. Natür­lich schreibe ich auch zu zahlre­ichen anderen The­men, weil Gericht­surteile sind jet­zt auch nicht unendlich span­nend, aber immer­hin habe ich einen Bere­ich, in dem ich mich einord­nen kann und genau das braucht man auch.

Ich muss zugeben, es dur­chaus selt­sam zu find­en, als Influ­encer oder Pet­flu­encer beze­ich­net zu wer­den, denn lei­der ist dieser Begriff oft sehr neg­a­tiv behaftet. Viele Leute denken, man würde Pro­duk­te in die Kam­era hal­ten und den ganzen Tag nur Pakete aus­pack­en und seinen Hund stre­icheln. Die Zeit, die tat­säch­lich dahin­ter­steckt, sieht man nur, wenn man ein­mal hin­ter die Kulis­sen blick­en kon­nte. Influ­encer? Was ist das über­haupt? Blog­ger? Was machen die denn den ganzen Tag?

Begriffe wie Influ­encer und Blog­ger sind erst in den lezten Jahren ent­standen. Ver­ständlich also, wenn die Gen­er­a­tio­nen vor uns über­haupt nicht wis­sen, wie sie das einord­nen sollen. Und ganz ehrlich: manch­mal weiß ich selb­st nicht so richtig, was ich antworten soll, wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. Ich bin Volljuristin, die nicht mehr als Recht­san­wältin arbeit­et, son­dern “lediglich” rechtliche Texte für Onlinemagazine und Zeitschriften ver­fasst. Ich führe einen Onli­neshop für Hun­debe­darf­sar­tikel und arbeite als Blog­gern. Die wenig­sten kön­nen sich vorstellen, wie mein All­t­ag aussieht.

Juris­tis­che Artikel von mir in dem AGILA Mag­a­zin

Oft ist die Antwort nach meinem Beruf abhängig vom Alter und von der Offen­heit meines Gegenübers. Habt ihr schon ein­mal ver­sucht einem älteren Her­rn zu erk­lären, was ein Blog­ger eigentlich macht? Oder einem alten Stu­di­enkol­le­gen erk­lärt, warum man nicht in Kan­zlei XY ange­fan­gen ist? Oder ganz konkret in meinem Fall: Ver­sucht mal zu erk­lären, warum man zwei juris­tis­che Staat­sex­a­m­en bestanden hat ohne vor Gericht zu sehen.

Die Gen­er­a­tio­nen vor uns haben einen Beruf ergrif­f­en und diesen dann aus­geübt — in der Regel ihr gesamtes Leben. Arbeit ist zum Geld ver­di­enen da, Spaß und Freude kann man in der Freizeit haben. Oft gab es wenig bis gar keine Optio­nen und dann wurde eben gel­ernt, was sich ergab.

Heutzu­tage gibt es viel mehr Möglichkeit­en und einem ste­hen viel mehr Optio­nen zur Ver­fü­gung. Man sollte nicht die erst­beste ergreifen — das kann ich aus eigen­er Erfahrung sagen 🙂 Wo es vor eini­gen Jahrzehn­ten noch hieß “Haupt­sache einen Job, der dich ernährt” heißt es heute immer öfter “Haupt­sache glück­lich” und das ist auch gut so. Zahlre­iche Stu­di­en bele­gen, wie krank Unzufrieden­heit und Stress den Kör­p­er machen kann. Wir geben viel mehr auf uns acht und ganz ehrlich: Was gibt es denn besseres als glück­lich und gesund zu sein? Mich hat ein Kan­zlei­job nicht glück­lich gemacht. Das habe ich schnell gemerkt. Wie soll man sich in einem Job wohl fühlen, in den man über­haupt nicht passt. Ich sehe jünger aus als ich bin, trage lieber Jeans und Sneak­ers statt Hose­nanzug und Pumps. Meine Haare vernün­ftig zusam­men­binden kon­nte ich noch nie. Ich trage lieber Dis­neyshirts statt Blusen und manch­mal rede ich wie eine offene Hose. Ich bin so ziem­lich über­all tätowiert und habe keine Angst laut zu fluchen. Es ist egal, wie rum ich es gedreht habe, ich passte ein­fach nicht in die Welt der Juris­ten. Wie bei einem Puz­zlestück, was nicht passt, hätte man drück­en und schieben kön­nen. Doch es hätte nur in die Lücke gepasst, wenn man die Eck­en abge­brochen hätte.

Also warum nicht die Chance ergreifen und etwas machen, wofür man bren­nt? Worauf man Lust hat und bei dem man nicht jeden Son­ntag schlechte Laune bekommt, weil am näch­sten Tag gear­beit­et wer­den muss.

Und den­noch werde ich immer mal wieder gefragt, ob ich tat­säch­lich die Kan­zlei aufgegeben hätte, um “über meine Hunde zu schreiben.” Viele fra­gen auch gar nicht nach Grün­den, aber ihre Gesichter sprechen Bände — eine Mis­chung aus Unver­ständ­nis und großem Frageze­ichen. Und dabei sitze ich nicht auf der faulen Haut. Ich arbeite weit mehr als ein 9 to 5 Job mit sich brin­gen würde. Ich arbeite jeden Tag, starte unter der Woche um halb sieben und lege oft erst gegen 21 Uhr das Handy oder den Lap­top weg. Sam­stags sitze ich grund­sät­zlich bis nach dem Mit­tag an der Näh­mas­chine und weil Kun­den am Woch­enende die meiste Zeit haben, beant­worte ich unzäh­lige Mails — auch Son­ntags.

Und natür­lich ver­di­ene ich auch Geld mit diesem Blog. Ich werde dies­bezüglich nicht ins Detail gehen, aber wenn ich Koop­er­a­tio­nen einge­he, d.h. Seit­en ver­linke, Pro­duk­te vorstelle, Gas­tar­tikel veröf­fentliche usw. dann ver­di­ene ich damit Geld. Warum auch nicht? Schließlich steckt viel Zeit in einem Artikel und selb­st, wenn jemand nur einen Gas­tar­tikel veröf­fentlichen möchte, so provi­tiert er doch von der Reich­weite, die ich mir aufge­baut habe.

Viele glauben, Koop­er­a­tio­nen kom­men automa­tisch und in Massen. Fir­men müssen erst ein­mal auf einen aufmerk­sam wer­den und der Mei­n­ung sein, dass man zu ihnen und dem Pro­dukt passt. Ich für meinen Teil schreibe eigentlich nie Fir­men an, son­dern werde in der Regel angeschrieben. Aus eigen­er Erfahrung mit Glück­shund weiß ich, wie anstren­gend es sein kann, wenn täglich Koop­er­a­tionsan­fra­gen im Post­fach lan­den. Kaum kommt ein neues Pro­dukt kom­men direkt Anfra­gen wie “Oh das neue Pro­dukt ist so cool. Darf ich es testen? Ich mache auch richtig coole Fotos und ver­linke dich.” Nach dem gefühlten achthun­dert­dreiund­siebzig­sten Mal ner­ven diese Art von Anfra­gen — da kann man sich nicht von frei sprechen.

Was ich eigentlich sagen wollte: Influ­encer zu sein ist zeit­in­ten­siv­er als man denkt. Wenn man Fuß fassen will, ist das mit ein­er Menge Arbeit und Fleiß ver­bun­den. Ich würde mir wün­schen, dass diese Tätigkeit in Deutsch­land ern­ster genom­men wer­den würde. Bevor man etwas in eine Schublade steckt, sollte man sich vielle­icht ein wenig Zeit nehmen und sich informieren. Wer möchte, kann gerne ein Prak­tikum bei mir machen und hier ein­mal beim Blog, im Shop und in der Social Media Welt hin­ter die Kulis­sen sehen 🙂

Und eine Sache darf man auf keinen Fall vergessen: Es gibt tausend Gründe einen Blog zu schreiben oder einen Insta­gram Account zu führen. Viele haben ein­fach Freude daran, Bilder von ihrem vier­beini­gen Liebling zu posten und sich mit anderen auszu­tauschen. Set­zt mal zehn frisch geback­ene Mut­tis an einen Tisch. Die haben immer etwas zu quatschen. Und so ist das unter Hun­de­men­schen auch — nur halt über das Inter­net. Und auch wenn das nun völ­lig dis­tanziert klingt. Das ist es nicht. Es sind schon richtig dicke Fre­und­schaften ent­standen und die ein oder anderen Blog­ger durfte ich auch schon live und in Farbe ken­nen ler­nen 🙂

Vor 4 Jahren habe ich auf Dietut­nichts ange­fan­gen über das Leben von Queen zu schreiben. Mir ging es darum, möglichst viel aus ihrem Leben festzuhal­ten. In mir schlum­merte schon immer das Bedürf­nis den schlecht­en Ruf des Deutschen Schäfer­hun­des in ein zeit­gemäßes Licht zu rück­en und der Blog bot hier ein­fach eine super Plat­tform. Als Püp­pi ein­zog kamen The­men rund um den Zwei­thund dazu und heute schreibe ich gerne auch im Bere­ich Gesund­heit, Erziehung und Beschäf­ti­gung. Der Blog spiegelt unseren All­t­ag und ich finde es ein­fach super, unser Erlebtes und meine Gedanken mit euch zu teilen. Der Blog ist so viel mehr als nur eine Möglichkeit, Geld zu ver­di­enen und als solch­es sollte das The­ma auch betra­chtet wer­den.

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