Entschleunigung ?>

Entschleunigung

Laut Wikipedia wird mit Entschle­u­ni­gung umgangssprach­lich ein Ver­hal­ten beschrieben, aktiv der beru­flichen und pri­vaten „Beschle­u­ni­gung“ des Lebens ent­ge­gen­zus­teuern, d. h. wieder langsamer zu wer­den oder sogar zur Langsamkeit zurückzukehren.

Schnel­llebigkeit, Erfolg und Wet­tbe­werb scheinen den aktuellen Trend der Gesellschaft darzustellen. Alles muss “schneller” und “besser” sein, um “mehr” erre­ichen zu können.

Wir alle hän­gen mit drin. Um dem voll und ganz entkom­men zu kön­nen, bleibt nur der Ausstieg.

Eigentlich war es vorherse­hbar. Nur eine Frage der Zeit.

Dabei ist es gar nicht mal so, dass ich zu viel auf der Liste ste­hen habe. Kan­zlei, Shop und Blog lassen sich prima unter einen Hut brin­gen. Ich kann meine Zeit frei ein­teilen und möchte diesen Luxus nicht mehr missen.

Doch manch­mal ist es so, als würde man durch ein Schwimm­becken laufen. Man kann ohne Prob­leme ste­hen, das Wasser ist nicht allzu hoch. Und so läuft man durch das Wasser und plöt­zlich kommt von links ein Strudel, der einen schla­gar­tig nach rechts schleud­ert. Bevor man sich fan­gen kann, kommt von rechts der näch­ste Strudel und man schleud­ert zurück nach links. Den Boden unter den Füßen hat man längst ver­loren und so treibt man voran, bis der Strudel nach­lässt und man wieder laufen kann. Die näch­ste Runde beginnt. Zunächst glaubt man, man könne die Runde dieses Mal schaf­fen. Erin­nert sich an den Strudel von links, der einen aus der Bahn gewor­fen hat. Man macht einen Bogen um diese Stelle und kommt vor­bei. Doch die Runde ist noch lange nicht geschafft und uner­wartet zieht es einen plöt­zlich nach rechts.

Die Strudel kön­nen ganz unter­schiedlicher Natur sein. Mal sind es Sor­gen, wie man Man­dan­ten gewin­nen kann. Sor­gen, ob genug verkauft wird und das Geld am Ende reichen wird. Doch oft sind es Sor­gen um die Vier­beiner. Äng­ste, dass es Queens Gelenken schlechter gehen kön­nte. Äng­ste, dass Püppi nicht gesund sein kön­nte. Ich steigere mich in diese Gedanken so hinein, dass ich Humpeln und Wegknicken sehe, was weder der Arzt noch die Physio sehen.

Manch­mal reichen Gedanken wie “Es geht ihnen doch gut” ein­fach nicht aus. Manch­mal reicht es nicht zu sehen, dass alles in Ord­nung ist.

Ich weiß, mir und den Hun­den keinen Gefallen zu tun, doch so sehr man auch will, man kommt manch­mal ein­fach nicht aus seiner Haut heraus.

Die innere Unruhe schränkt mich ein wie eine dicke schwere Kugel, die an meinem Knöchen hängt…

Ich nutze das Wet­ter, um diesen Kreis­lauf zu durch­brechen. Aus­flüge in der Sonne sind für mich wie Pausen vom Alltag.

Erst gestern bin ich mit den bei­den Mäusen raus­ge­fahren. Ich habe mir Brötchen geschmiert und für die Hunde Leck­ereien eingepackt. Die Kam­era bliebt Zuhause, denn ich wollte ein­fach nur eine schöne große Runde gehen. Wir haben nie­man­den getrof­fen. Es war toten­still und wir waren ganz allein im Wald und am Kanal.

Das sind die Momente, die mir zeigen, dass es in Ord­nung ist. Dass es den bei­den gut geht und das ist das Wichtig­ste. Alles andere ergibt sich schon irgend­wie. Für alles andere kann man eine Lösung finden.

Und so liefen wir eine große Runde durch den Wald und noch ein ganzes Stück am Kanal ent­lang. Es ist her­rlich, sich schon ins trock­ene warme Gras set­zen zu kön­nen. Am Kanal machten wir eine Pause und fut­terten unser Mitgebrachtes.

Das sind Aus­flüge, an die ich mich noch in eini­gen Jahren erin­nern wer­den. Das sind Momente, die bleiben. Ich hab keine Lust mehr auf Tage, die man mor­gens schon ver­gisst. Hunde sind wahnsin­nig große Hil­fen, wenn es darum geht, die Zeit zu genießen. Manch­mal sind es die kleinen Dinge, die uns zurück holen. Manch­mal sind es Kleinigkeit, die uns erden.

Mit Entschleunigung wird umgangssprachlich ein Verhalten beschrieben, aktiv der beruflichen und privaten „Beschleunigung“ des Lebens entgegenzusteuern, d. h. wieder langsamer zu werden oder sogar zur Langsamkeit zurückzukehren.

Warum ich diesen Artikel über­haupt geschrieben habe?

Ich weiß es nicht.

Vielle­icht musste es ein­fach mal gesagt werden.

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2 thoughts on “Entschleunigung

  1. Mit dem Wort Entschle­u­ni­gen kon­nte ich bis vor 5 Wochen auch nichts anfan­gen, bis Cleo unsere 3 Jahre alte Hundedame aus dem Tier­schutz bei uns einge­zo­gen ist.
    Sie zeigt mir täglich was Entschle­u­ni­gen ist und das ist auch gut so. Manche Dinge brauchen ein­fach viel Zeit und die nehmen wir uns jetzt einfach.

  2. Das was Du beschreibst nenne ich “Qual­ity Time” und da ich lei­der im “Trott” einer Angestell­ten stecke, meine Tage jeden Tag gle­ich oder ähn­lich aussehne, sind mir die Zeit mit Hund, ohne Uhr am Handge­lenk ohne Ter­min­druck extrem wichtig.
    Ich entschle­undige dann auch, merke dass ich, wenn ich ein paar Meter unter­wegs bin, erst­mal instink­tiv tief seufze und dann auch gle­ich vom der Kör­per­hal­tung lock­erer werde.
    Ab da kann ich dann den Spazier­gang genießen und wenn ich darüber einen Blog­a­r­tikel schreibe, habe ich häu­fig Trä­nen in den Augen, weil mich solche Spaziergänge ziem­lich berühren, denn meist empfinde ich die gemein­same Zeit mit Lyko dann noch beson­ders und habe viel “Magic Moments.
    Lyko ist ja schon ein spezieller Charak­ter und die Gemein­same Zeit bindet uns extrem aneinan­der und man kann das fühle und das geht mir total ans Herz.
    Daran mußte ich denken, als ich deinen Artikel gele­sen habe.

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