Gastbeitrag: körpersprachlich führen ?>

Gastbeitrag: körpersprachlich führen

Kennt ihr schon Aida? 

Durch Zufall habe ich vor einiger Zeit ihre Seite auf Face­book ent­deckt. Noch ein größeres Zufall war, dass die hüb­sche Schäfi — Dame nur 400 Meter Luftlinie von meinen Eltern ent­fernt wohnt. 

Natür­lich haben wir uns direkt mit Aida und ihrem lieben Frauli getrof­fen. Seit­dem gehen wir regelmäßig zusam­men spazieren und ent­decken jedes Mal neue Gemein­samkeit von Aida und Queen. Die bei­den haben nur Quatsch im Kopf, wenn sie zusam­men sind. 

2016-03-29 12.22.40

Aida zog mit drei Jahren bei Ramona ein. Bis dahin durfte Aida fast auss­chließlich ohne Leine laufen. Ramona stand also vor dem Prob­lem, dass Aida erst ein­mal ler­nen musste, an der Leine geführt zu wer­den. Wenn Aida angeleint auf andere Hunde traf, bellte sie zunächst und zog auch an der Leine. Unan­geleint ist Aida unfass­bar lieb und will eigentlich nur spie­len. Den­noch wollte Ramona das Prob­lem natür­lich in den Griff bekom­men und ver­suchte zunächst Aida mit Leck­erlis abzu­lenken. Dann hörte sie von einem Sem­i­nar, in dem man lernt, seinen Hund lediglich mith­ilfe der eige­nen Kör­per­sprache zu führen. Bere­its nach weni­gen Train­ingsstun­den sah man deut­liche Erfolge. Ramonas Erzäh­lun­gen fand ich super span­nend, daher fand ich es umso besser, als sie ein­willigte, einen Gast­beitrag für mich zu schreiben. 

Nun möchte ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen:

Vor eini­gen Wochen erzählte mir eine Fre­undin von einem Work­shop für “Prob­lem — Hunde”. Da ich offen­sichtlich so einen besitze, musste ich nicht sehr lange über­legen, es zumin­d­est zu probieren.

Wer träumt denn nicht von einem Begleiter an seiner Seite, der ruhig und gelassen ist?

Andere Hunde wer­den von Weitem schon fix­iert und dann geht es los. Es wird gepö­belt was das Zeug hält, in die Leine gesprun­gen und ein ruhiges spazieren gehen ist nicht mehr möglich. Eine Hor­ror — Vorstel­lung eines jeden Hun­de­hal­ters? Genau so sieht es bei uns aus.
Dieser Work­shop soll dieses aber ändern.

2016-03-29 12.33.18

Ich war nicht sehr überzeugt davon, denn was haben wir nicht schon alles aus­pro­biert? Dann pro­bieren wir es jetzt halt mit Körpersprache.
Ja richtig gele­sen, Kör­per­sprache! Und damit ist nicht gemeint, den Hund anzuschreien oder end­lose Diskus­sio­nen mit ihm am Straßen­rand zuführen, son­dern Ruhe und Gelassen­heit auszus­trahlen. Wir fuhren also hin und machten bei der ersten Grup­pen­sitzung mit.

Zuerst stand Leinen­führigkeit auf dem Pro­gramm. Der Hund geht ein kleines Stück hin­ter uns mit lock­erer Leine. Beim Ver­such uns
zu über­holen wird er von uns block­iert. Das bedeutet nichts anderes als ihm den Weg abzuschnei­den, in dem man zum Beispiel das Bein leicht nach außen dreht oder sich direkt vor ihm in den Weg stellt. Man geht seinen Weg und fix­iert einen Punkt, den man erre­ichen möchte. Ich pro­bierte also mein Glück und siehe da, nach ein paar Run­den klappte es.

Zufrieden been­de­ten wir die erste Stunde und trainierten Zuhause genau so weiter.

Es sind erst ein paar Wochen ver­gan­gen, aber die Spaziergänge sind entspan­nter. Ziehen an der Leine gehört in den meis­ten Fällen schon der Ver­gan­gen­heit an. Wir haben in den let­zten Wochen an allen unseren Prob­le­men gear­beitet, nach­dem die Trainer mir sagten, was ich machen soll und wie ich richtig reagiere. Und was soll ich sagen? Ich glaube ich habe eine Lösung gefun­den und bin sehr zuver­sichtlich, dass die Prob­leme in abse­hbarer Zeit der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Was habe ich denn grundle­gend verän­dert? Nicht viel, aber anscheinend alles, was die Prob­leme her­vorgerufen hat. Meine innere Ein­stel­lung und damit automa­tisch meine Kör­per­sprache. Ich sage meinen Hund “ich regel alles für dich, ich beschütze dich”. Und warum auch immer, es funk­tion­iert . Wir haben bis jetzt große Erfolge erzielte und täglich merke ich wie sich mein Hund zum Pos­i­tiven verän­dert. Sie ver­traut mir, weil sie jetzt weiß, sie kann sich auf mich verlassen.

2016-03-29 12.24.38

Oft sind es Kleinigkeiten die zu einem bes­timmten Ver­hal­ten führen. Einge­fahrene Routen, die wir immer wieder gehen, die aber auch immer das Fehlver­hal­ten bestärken. Ich hatte früher einen kleinen unverträglichen Hund, der in meinem Bei­sein fast tot gebis­sen wurde. Dieses Erleb­nis hat sich so einge­brannt, dass ich bei Hun­de­begeg­nun­gen immer Angst hatte. Diese Angst hat sich natür­lich auf meinen Hund über­tra­gen und was macht ein Hund, der diese Angst spürt? Genau. Er merkt, dass er diese Sit­u­a­tion regeln muss, weil sein Men­sch nicht dazu in der Lage ist. Also reagiert er so. Ein Teufel­skreis beginnt und steigert sich von Mal zu Mal.

Wenn dieser Kreis aber erst ein­mal durch­brochen ist, scheint es zumin­d­est in unserem Fall fast ein Kinder­spiel zusein. Ich sehe von Weitem einen anderen Hund und nehme meine Hündin auf die ent­ge­genge­set­zte Seite, so dass ich zwis­chen ihr und dem Hund bin. Die Leine ist locker und ich bin ruhig aber bes­timmt “Ich schaffe das, ich regel das”. Dadurch strahle ich Sou­veränität und Gelassen­heit aus und mein Hund spürt das. Sie spürt, dass sie nichts für uns regeln muss, also bleibt sie gelassen. Vielle­icht glaubt ihr das Ganze nicht und könnt es nicht nachvol­lziehen und das kann ich ver­ste­hen. Würde ich dieses jetzt ger­ade nicht selbst erleben, ich würde es auch nicht glauben. Aber es funktioniert.

2016-03-29 12.22.43

Habt Ihr ger­ade einen Spiegel in der Nähe? Dann stellt euch mal davor. Schau dich an, wenn du dir im Innern sagst wovor du Angst hast und ver­gle­iche das mit dem Spiegel­bild, wenn du dir sagst du schaffst das. Du stehst ger­ade und dein Blick ist nach vorne gerichtet. Du wirkst im zweiten Bild sou­verän und ver­trauenswürdig, oder? Genau diese Bildet sieht dein Hund. Ich musste mich verän­dern, damit sich mein Hund verän­dern kann. Beson­ders schön ist, dass nicht nur ich diese Verän­derung sehe, son­dern alle Leute, die mit mir und meinen Hund zutun haben und miter­lebt haben, wie unsere Spaziergänge vorher aus­sa­hen und wie sie jetzt sind und von Erfolg zu Erfolg werde ich ruhiger und souveräner.

Ich hätte nie gedacht, dass dieser Work­shop so etwas bewirken kann und bin so unendlich glück­lich, es pro­biert zu haben und endlich einen Weg für ein entspan­ntes Zusam­men­leben gefun­den zu haben. Für mich und meine Hündin ist es die per­fekte Lösung.

 

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+

7 thoughts on “Gastbeitrag: körpersprachlich führen

    1. Der wird in einer Hun­de­schule in Hal­tern am See (NRW) ange­boten. Die Trainerin ist unter Ruhrpott –Pfoten bekannt.

  1. Hallo Ramona!
    Gerne würde ich glauben, dass das bei Euch so klappt.
    Aber: warum schaffe ich es dann nicht, meinen 30 kg Hund auf der richti­gen Seite von mir zu hal­ten, wenn auf der anderen Seite ein Hund vor­bei gehen will — mit Abstand natürlich 🙂
    Mein Svipp zieht so in Rich­tung Hund, dass es mir unmöglich ist zwis­chen den bei­den zu bleiben.
    Da falle ich höch­stens über den meinen.
    Irgend­wie krieg ich das nicht hin. Schade, schade, schade, dass es mir auf Grund der Ent­fer­nung unmöglich ist an einem solchen Work­shop in Hal­tern teilzunehmen. Hier in Schwe­den auf dem Land ist das nicht so aus­geprägt mit den Hun­de­schulen, sodass ich da auf mich gestellt bin. Deshalb bin ich für jeden Rat dankbar. Vielle­icht gibt es da ja einen beson­deren Kniff, den ich nicht kenne?
    Ich möchte aber auf jeden Fall nicht ver­säu­men Dir mitzuteilen, dass Du mit meinen grössten Respekt dafür hast einen 3-jährgen Schäfer­hund zu übernehmen. Ihr seht aus, als seid Ihr ein tolles Ges­pann! Super!
    Her­zlichst Heike

    1. Also mir ist es am Anfang auch sehr schwer gefallen,weil wenn der Hund erst ein­mal vor einem ist, ist die Leine schon ges­pannt und genau das soll ja nicht der Fall sein. Ich mache es bei ihren “Erzfein­den” so ‚dass ist nicht an ihnen vor­bei gehe son­dern sie an mir vor­bei gehen.
      Ich sehe den Hund am besten noch bevor Aida ihn sieht , mache sie auf mich auf Merk­sam und lasse sie sich hin­set­zen, dann stelle ich mich ger­ade vor ihr und block­iere ihren Blick auf den anderen Hund. Mit dieser Geste wird dem Hund wieder die nötige Sicher­heit ver­mit­telt denn du regelst es für ihn. Nach und nach wird der Hund ruhiger und dann wird es ihm auch irgend­wann egal sein wenn ein andere Hund vor­bei geht.
      Ist der Hund vor­bei wird unser Weg fortgesetzt. 

      Ich bin keine Trainerin aber so klappt es bei mir 🙂

      1. Danke, Ramona!

        Okay, das kann ich mir vorstellen: wenn der Hund sitzt, kommt er nicht so leicht an mir vorbei.
        Bei uns heisst das dann zwar nicht, dass er nicht ver­suchen wird an mir vor­bei zu gucken (sein 2. Vor­name ist “Neugier”), aber dann kann ich ihn sicher doch leichter ein­schränken. Ich werde das auf jeden Fall versuchen!

        Vie­len Dank dafür,
        liebe Grüsse aus dem hohen Norden 🙂

        1. Er wird auf jeden Fall ver­suchen an dir vor­bei zu kommen,aber du hast es leichter ihn mit deinem Kör­per zu block­ieren weil du kein Wet­tren­nen mit ihm hast und ihn so leichter kon­trol­lieren kannst. Und nach und nach kann man das dann “steigern” bis er ohne ziehen an den andren Hun­dem vor­bei läuft 🙂
          Viele Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.