Allgemein, Alltägliches

Gastbeitrag: Rechtfertigen Kletten den Einsatz von Atombomben?

Sören Emmz­woaka (Autor von „Aus dem Leben eines Rüden“ ) wird das ja wohl noch fra­gen dürfen!

Wenn ich für jede Klette, die ich dem Fell meines Hun­des Moritz abgerun­gen habe, eine Türkische Lira bekom­men hätte, wäre ich jetzt Türkiye-Billionär und kön­nte mir immer noch nichts davon kaufen. Wenn ich Vor­sitzen­der des Duden­ver­lags wäre, hätte ich Bart längst umbe­nannt in Klet­ten­fang. Und wenn ich nicht davor zurückschrecken würde, Wörter mit sich selbst zu erk­lären, würde ich sagen: Die Klet­ten hän­gen an meinem Hund wie die Kletten.

Ich hasse Klet­ten. In der Bun­desliga der Arschloch­pflanzen ste­hen sie unange­fochten auf Platz eins. Dage­gen hat die Brennnes­sel keine Chance. Ihr hat die Evo­lu­tion wenig­stens die Eigen­schaft mit­gegeben, zu Tee ver­ar­beitet wer­den zu kön­nen. Außer­dem machen sie die drei aufeinan­der fol­gen­den “n” sym­pa­thisch und beson­ders. Eine Beson­der­heit ist die Klette schon wegen ihr All­ge­gen­wär­tigkeit nicht. Ich müsste mit Moritz auf den Mars auswe­ichen, um Klet­ten zu umgehen.

Ger­ade habe ich unter­be­wusst übri­gens ein­mal “Zecken” statt “Klet­ten” geschrieben, was der gute Freud mal analysieren sollte. Oder nehmen wir besser Elis­a­beth Kübler-Ross. Die wusste, dass nach dem Zorn irgend­wann die Akzep­tanz ein­tritt und zwar in Form der Erken­nt­nis: Ich komme nicht umhin, dem Hund die Klet­ten zu ent­fer­nen. Also opfere ich nach unserem 45-minütigen Spazier­gang meine wohlver­di­ente Kaf­feep­ause und ver­bringe in etwa die gle­iche Zeitspanne mit etwas, das dem Oper­a­tions­besteck nach zu urteilen als Käm­men durchge­hen kön­nte, dem Gesicht­saus­druck des Hun­des zufolge aber eher Tierquälerei ist.

Das Fell von Deutsch-Drahthaar Moritz ist nicht nur deutsch und drahtig, son­dern glück­licher­weise auch recht kurz. Solange die Klet­ten nur auf Beinen, Rücken und Bauch anhaften, lassen sie sich ganz leicht abziehen. Aber auch Moritz hat eine Schwach­stelle: Sein Bart, der aussieht, als habe man ihn einem finnis­chen Baum­fäller unter Gesicht­snarkose abgetrennt.

Ich habe den Ein­druck, dass man die Klet­ten je schwieriger ent­fer­nen kann, desto länger sie schon im Bart stecken. Feuchtigkeit – sei es nun Schlab­ber­wasser aus dem Napf oder Regen­wasser – verkom­pliziert die Anstren­gun­gen zur Klet­te­nent­fer­nung zusät­zlich. Auch der Hund selbst macht es nicht leichter: Zwar habe ich ihm die ersten Klet­ten schon per Hand ent­fernt, bevor er weiß, wie ihm geschieht. Aber spätestens, wenn ich den Kamm aus dem Schrank hole, gerät das Unter­fan­gen ins Stocken. Moritz legt sich auf die Seite, was einer ganzheitlichen Lösung des Prob­lems abträglich ist, denn so komme ich schließlich nur an 50 Prozent vom Hund. Außer­dem ent­fährt ihm ein herzzer­reißen­des Win­seln, wenn es bei der Behand­lung etwas ziept. Er übertreibt.

Es wäre doch schön, wenn es einen anderen Weg gäbe. Ich hatte bere­its die erfol­gsver­sprechende Idee, Moritz beizubrin­gen, rück­wärts über das Feld zu laufen. Dann wür­den die Klet­ten zum Großteil am kurzhaari­gen Gesäß anhaften, wovon ich sie prob­lem­los abziehen kön­nte. Nach­dem diese Umpol­ung jedoch miss­lun­gen ist, sehe ich nur noch eine einzige Alter­na­tive: Den Abwurf von Atom­bomben über Deutsch­land. Dann wäre wenig­stens mal für ein paar Jahre Ruhe. Obwohl: Die einzi­gen, die das über­leben wür­den, wären wahrschein­lich wieder die Kletten.

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Cover Aus dem Leben eines Rüden 
Vie­len Dank an Sören für diese Kurzgeschichte. 
 
 
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