Gastbeitrag: Von Inseln mit Hunden und Dienstreisen ohne

Gastbeitrag: Von Inseln mit Hunden und Dienstreisen ohne

Wie kön­nte man den Mon­tag besser begin­nen als mit einem Lächeln auf dem Gesicht?

Von Inseln mit Hun­den und Dien­streisen ohne
 
Von Sören Emmzwoaka
 
Mein Hund Moritz gehört zu den drei Din­gen, die ich mit auf eine ein­same Insel nehmen würde. Ich bin mir sicher, dass mir die meis­ten Hun­debe­sitzer beipflichten wür­den ‎- bis auf die Hal­ter von vier Hun­den vielle­icht, denn die müssten vorher eine moralisch unmögliche Entschei­dung tre­f­fen und wür­den wohl eher den math­e­ma­tis­chen Beweis erbrin­gen, dass vier gle­ich drei ist, bevor sie einen Vier­beiner zurücklassen. 
 
Manch­mal sitze ich auf einer Insel und Moritz ist nicht da. Vielle­icht ist die Insel auch eher ein Hotelz­im­mer nach einem Sem­i­nar und der Grund meines Aufen­thalts ist kein Schiff­sunglück‎, son­dern eine Geschäft­sreise. Möglicher­weise bin ich auch nicht vom unendlichen Ozean umgeben und warte auf ret­tende Flugzeuge am Him­mel oder Boote am Hor­i­zont, son­dern befinde mich nur vier­hun­dert Meter vom Haupt­bahn­hof ent­fernt und der Zug fährt mich schon in 12 Stun­den zurück nach Hause. Trotz­dem: Es sind noch zwölf Stun­den ohne Moritz — mit unab­se­hbaren Folgen.
 
‎Es fängt schon damit an, dass ich ver­schlafen kön­nte, weil Moritz am näch­sten Mor­gen nicht parat steht, um mich zu wecken. Sicher, ich kön­nte mir einen Wecker stellen, aber wer garantiert mir, dass ich ohne die den Signal­ton rhyth­misch beglei­t­ende nasse Zunge in meinem Gesicht aufwache? Und selbst wenn ich aufwache: Was mache ich mit der ersparten Zeit, wenn ich nie­man­dem den Wasser­napf auf­füllen muss und keinem Hund den näch­st­gele­ge­nen Baum zeigen muss? Freilich kann man die Zeit beim Früh­stück totschla­gen, aber auch dort fehlt etwas: die Blicke aus zwei sehn­süchti­gen Augen auf mein Leber­wurst­brot. Wenn ich tat­säch­lich solche Blicke vom Nach­barstisch spüre, ist das nicht das­selbe. “Hol dir sel­ber was, es ist genug für alle da” zu einem Hotel­gast zu sagen, kommt einem gestren­gen “Nein” zum eige­nen Hund nicht gleich.
 
Auf der Rück­fahrt tickt der Best-friend-Countdown‎: Noch drei Stun­den, bis ich Moritz wieder­sehe, noch zwei, noch 60 Minuten, 30 Minuten, dann die Hiob­s­botschaft über eine Ver­spä­tung von zehn Minuten und ich ver­fluche die Bahn, weil ich weiß, was ich in zehn Minuten alles mit Moritz machen kön­nte: zweiein­halb Kilo­me­ter laufen zum Beispiel. Oder einen Spazier­gang mit Dar­mausleerziel. Oder ein lehrre­iches Ver­steck­spiel. Vor allem aber geht es darum, sich ein­fach zehn Minuten “früher” (zur Fahrplan-konformen Zeit) zu sehen. 
 
Wenn ich endlich zuhause ankomme‎, fällt die Begrüßung nicht nur dop­pelt stür­misch aus, wie man es bei einem ver­lore­nen Tag ver­muten kön­nte. Es ist eher so, als hätte ich Moritz ein ganzes Jahr nicht gese­hen. Es kön­nte aber auch eine per­fide Psycho-Manipulation sein: Ich habe wegen meiner beru­flichen Abwe­sen­heit ein schlechtes Gewis­sen und ver­suche das Ver­passte nachzu­holen. Moritz und ich gehen anderthalb Stun­den statt 45 Minuten joggen und er kriegt einen extra großen Kau­knochen. Es han­delt sich um eine Pantomime-Version von “Bitte verzeih mir, dass ich eine beru­fliche Verpflich­tung über dein Hun­de­wohl ‎gestellt habe. Ich weiß, dass das ver­di­ente Geld keine Entschuldigung ist, selbst wenn ich es umge­hend in Kau­knochen reinvestiere”.
 
Meine Fre­undin ver­hält sich ähn­lich, was sie jedoch nicht daran hin­dert, über meine Wiedergut­machung den Kopf zu schüt­teln. “Hier bricht nicht die Welt zusam­men, wenn du nicht da bist. Nur für den Fall, dass du es nicht wusstest: Moritz und ich waren gestern den ganzen Tag unter­wegs.” Ich glaube, in der Spaziergangs-und-Bespaßungs-Nettobilanz rech­nen sich meine Dien­streisen für Moritz.

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Posted on: 17. Oktober 2016Sabrina

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