Gastbeitrag von Sören Emmzwoaka: First Shit ?>

Gastbeitrag von Sören Emmzwoaka: First Shit

Heute habe ich wieder eine neue Kurzgeschichte von Sören für euch 🙂

Es ist ja nicht so, als müsste der Hund nur ein Mal am Tag das tun, wofür Leonardo da Vinci den Kot­beu­tel erfun­den hat. Seine dies­bezüglichen Ter­mine ste­hen ähn­lich humor­los im Kalen­der wie die geset­zlichen Feiertage — mit dem kleinen Unter­schied, dass es davon nicht 1.095 (in Worten: ein­tausend­fün­fund­ne­un­zig) pro Jahr gibt und sogar Aller­heili­gen und der Refor­ma­tion­stag‎ den Anstand haben, nicht auf den gle­ichen Tag zu fallen. Aufmerk­samen Hobby-Mathematikern vom Kaliber da Vin­cis wird aufge­fallen sein, dass ich drei Haufen pro Tag ver­an­schlagt habe. Da ich nicht nachzählen und über Geschlechter-, Rassen– und Größen­gren­zen hin­weg ver­all­ge­mein­ern will, bleibt mir nichts anderes übrig, als zu schätzen. Meine Aus­gangs­these lautet “Vier­stel­lig ist jeder Vier­beiner”. Ich wage zu behaupten, dass sich Durch­fall und Ver­stop­fung über das Jahr gese­hen aus­gle­ichen und sich Rüden häu­figer erle­ichtern als Hündin­nen. Moritz jeden­falls markiert sein Revier nicht nur auf die “kleine” Tour, son­dern macht ein “großes Geschäft” aus dem Ver­such, die Maulwurfhügel in Gewicht, Höhe und Umfang zu übertr­e­f­fen. Manch­mal klappt das auch und dann brauche ich für die Entsorgung drei Kot­beu­tel und eine Erdaushub-Genehmigung des Grünflächenamtes. 

Mor­gens ist der Haufen beson­ders groß. Ich nenne ihn “First Shit”. Ein “First Shit” findet erfahrungs­gemäß fün­fzehn Minuten, nach­dem der Wecker gek­lin­gelt hat, statt. In dieser Vier­tel­stunde muss Her­rchen alles schaf­fen, was notwendig ist, um gepflegt, gek­lei­det und kof­feiniert auf der Arbeit zu erscheinen. Für tausend Bürsten­striche durch das wal­lende Haar bleibt da keine Zeit, aber drei Minuten Zäh­neputzen müssen sein und auch zwei zueinan­der passende Socken kann man in dieser Zeit her­aus­suchen. Bei mir endet die mor­gendliche Selb­stop­ti­mierung mit dem Anziehen der Schuhe. Manch­mal ver­halte ich mich, wie es einem erwach­se­nen Men­schen gebührt, und wähle die dreck­i­gen, wasserdichten, rutschfesten Hunde-Schuhe, an anderen Tage “zocke” ich und schlüpfe in die Treter, die ich auch auf der Arbeit zu tra­gen gedenke. Besten­falls erspart mir das einen Schuh­wech­sel und bringt mir eine Minute Zeit­gewinn. Die Tak­tik kann aber auch in die Hose gehen — beziehungsweise unter den Schuh. Im mor­gendlichen Däm­mer­licht tritt man näm­lich leichter in einen Hun­de­haufen als afghanis­che Dorf­be­wohner auf die Über­reste von IS-Kämpfern, nach­dem dem US-Militär mal wieder die größte nicht-atomare Bombe aus dem Flugzeug gefallen ist. Da mir für eine Reini­gung des Schuhs in der Hek­tik die Zeit fehlt, stelle ich den Treter ein­fach auf die Ter­rasse, wo er hof­fentlich schon etwas aus­müf­felt, bevor ich ihn am Abend (als hätte man im Feier­abend nichts Besseres zu tun) sauber­schrubbe. Sel­ten bin ich dankbarer für Einmal-Handschuhe aus Plas­tik und die Möglichkeit, zwei davon übereinanderzuziehen.

Püppi

Was ich am “First Shit” beson­ders schätze, ist seine Blind­heit für den Kon­to­stand der betrof­fe­nen Hun­debe­sitzer. Meinem nor­malver­di­enen­den Nach­barn sehe ich auf der mor­gendlichen Runde genau an, dass er lieber Lot­to­gewin­ner oder Spiel­er­frau wäre, um sich den “First Shit” zu ers­paren. Doch das ist ein Denk­fehler: Auch Men­schen, die — je nach sex­ueller Präferenz — von der Lot­tofee oder vom Mit­tel­stürmer geküsst wer­den, kom­men am “First Shit” nicht vor­bei. Vielle­icht steht er erst um 10 Uhr an, wenn man es schafft, den Hund auf Langschläferei umzupro­gramieren, was bei Phänome­nen wie Vogel­gezwitscher und Son­nen­licht ohne­hin schwierig wird. Und vielle­icht fehlt auch der acht­stündige Büro­job, der auf den “First Shit” folgt. Aber im Wesentlichen bewahrheitet sich der alte Sponti-Spruch, wonach auch “die da oben” zum Kacken auf’s Klo müssen — oder in diesem Falle: mit dem Hund vor die Tür. Ich bin der fes­ten Überzeu­gung, dass nur der­jenige am “First Shit” vor­beikommt, der sich von seinem Hun­de­sit­ter wecken lässt. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich kann nicht behaupten, dass mein Stress mit dem “First Shit” auf Moritz abfärbt. Das ist auch gut so, denn Stress schlägt Hun­den auf den Darm, was die Dauer des “First Shits” vielle­icht verkürzt, aber einen Sec­ond, Third, Fourth, Fifth, Sixth, Sev­enth und “Eighth Shit” nach sich zieht, womit man sich beim Hun­de­sit­ter nicht mal mit einer Pack­ung “After Eight” gebührend entschuldigen kann. Für Moritz ist der “First Shit” der einzige Spazier­gang, dessen Länge er selbst bes­timmt. Bevor er sich erle­ichtert hat, drehen wir nicht um. Also macht sich Moritz einen Spaß daraus, möglichst lange einzuhal­ten. Da er am anderen Ende der Leine einen ehe­ma­li­gen Marathon­läufer findet, geht er davon aus, dass wir mor­gens zur Not auch 42,195 Kilo­me­ter absolvieren wür­den. Ander­er­seits käme man nicht auf 1.095 Hun­de­haufen pro Jahr, wenn Bewe­gung nicht auch die Ver­dau­ung anre­gen würde. Die Darmtätigkeit des Hun­des ist Fluch und Segen zugleich.

 

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Vie­len Dank an Sören für diese Kurzgeschichte. 
 
 
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