Hund beißt Kater tot — Einstufung als gefährlich ?>

Hund beißt Kater tot — Einstufung als gefährlich

Vor weni­gen Tagen entsch­ied das Ver­wal­tungs­gericht Osnabrück über einen tragis­chen Fall.

Im Novem­ber ver­gan­genen Jahres tötete eine Rot­tweil­er­hündin die Katze des Nach­barn auf dessen Grund­stück durch einen Biss in den Nacken. Daraufhin wurde der Hund durch den Land­kreis Osnabrück als gefährlich eingestuft.

Die Hun­de­hal­terin ver­suchte sich mit einem Eilantrag gegen die Fest­stel­lung der Gefährlichkeit ihres Hun­des zu wehren.

Der Eilantrag wurde abgelehnt.

Der Land­kreis habe laut Gericht zu Recht die Gefährlichkeit des Hündin nach dem Nieder­säch­sis­chen Gesetz über das Hal­ten von Hun­den (NHundG) festgestellt.

Bere­its bei einem begrün­de­teten Ver­dacht der Gefährlichkeit sei ein Hund als tat­säch­lich gefährlich zu behandeln.

Unstre­itig ist, dass die Hündin im ver­gan­genen Jahr die Katze des Nach­barn getötet hat. Allein dieser Umstand genüge für die Fest­stel­lung der Gefährlichkeit.

Die Hun­de­hal­terin trug vor, ihre Hündin sei zuvor von der Katze attack­iert worde und weil ihre Hündin nicht aus dem Garten fliehen kon­nte, habe sie zuge­bis­sen. Es würde sich also um völ­lig nor­males Abwehrver­hal­ten handeln.

Dem fol­gte das Gericht nicht. Der ange­bliche Angriff der Katze sei weder bewiesen noch auf­grund der erhe­blichen Größen– und Kräf­te­un­ter­schiede plausibel.

Die Hündin habe wohl auf­grund ihres Jagdtriebes die Katze gejagt, in die Enge getrieben und getötet. Selbst, wenn die Katze sich der Hündin in einer Art Angriff­shal­tung ent­ge­gen gestellt habe, ließe sich kein natür­lichees Abwehrver­hal­ten begründen.

Die Hündin sei auf ein fremdes Grund­stück ger­annt und deshab aus der Sicht der Katze als “Ein­drin­gling” einzustufen. Ein berechtigtes Abwehrver­hal­ten sei also nur zugun­sten der Katze anzunehmen.

Der Beschluss (Az. 6 B 8/17) ist noch nicht rechtskräftig.

Ver­wal­tungs­gericht Osnabrück, Beschluss vom 10.03.2017 — 6 B 8/17

 

Eigener Kom­men­tar:

Ich muss zugeben, diesen Beschluss und das gesamte Ver­fahren mit großem Inter­esse ver­folgt zu haben. Ich wohne in dieser Stadt und würde mir diese Siu­a­tion wider­fahren, so würde ich vor den gle­ichen Per­so­nen stehen. 

Ich glaube, ich muss hier nie­man­den sagen, wie schnell so etwas passieren kann. 

Der Beschluss ist dem Grund­satz und dem Ergeb­nis nach für mich nachvollziehbar. 

Allerd­ings kann ich dem Gericht nicht in allen Punk­ten zustimmen. 

Zum einen gehe ich nicht davon aus, dass ein Abwehrver­hal­ten, was rein auf Instinken beruht, an das eigene Ter­re­to­rium gebun­den ist. Ich glaube nicht, dass nur dem Tier das Recht zur Abwehr zuzus­prechen ist, welches nicht als “Ein­dringlich” auf ein fremdes Grund­stück kommt. Zwar weiß nie­mand, ob die Katze tat­säch­lich ange­grif­fen hat (und es lässt sich ohne­hin nicht beweisen), aber sollte dies der Fall gewe­sen sein, so ist ein Abwehrver­hal­ten des Hun­des in meinen Augen nachvollziehbar. 

Vor allem jedoch teile ich nicht das Argu­ment bzgl. der unter­schiedlichen Größen– und Kräftev­er­hält­nisse. Auch kleinere und damit kör­per­liche unter­legene Tiere kön­nen angreifen. Ein solches Ver­hal­ten als “nicht plau­si­bel” zu betiteln ist lebensfremd. 

Zusam­men­fassend ein dem Ergeb­nis nach nachvol­lziehbarer Beschluss. Wen­ngle­ich ich immer vor Augen habe, dass dieser Hund nun den Rest seines Lebens einen Maulkorb tra­gen wird und an einer kurzen Leine zu führen ist. Ist das noch art­gerecht? Wohl kaum…

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9 thoughts on “Hund beißt Kater tot — Einstufung als gefährlich

  1. Diese Entschei­dun­gen sind soooooo schwer. Aus Sicht der Hun­de­hal­terin natür­lich ein totaler Worst Case, für die Katzen­hal­terin eine Genug­tu­ung. Ist der Hund nun wirk­lich so gefährlich, wenn er eine Katze jagt? Welcher Hund rennt nicht mal einer Katze hin­ter­her? Deshalb ist er noch lang nicht gefährlich. Okay, der Biss in den Nacken ist natür­lich fies und für die Katze fatal, aber ein Rotti hat nun mal eine ordentliche Beißkraft. Hätte ein Ter­rier zuge­bis­sen, wäre dieser sicher nicht als gefährlich eingestuft wor­den, weil dieser die Katze nur unter erhe­blicher Mühe hätte töten kön­nen. Die wehrt sich ja und hat die gle­iche Gewicht­sklasse. Ein­er­seits hat das Gericht ja Recht, ander­er­seits ist es sooo schade für den Hund.

    1. Das sehe ich genauso wie du. Fraglich bleibt natür­lich tat­säch­lich, wie das Gericht bei einer anderen Rasse entsch­ieden hätte…
      Ich frage mich auc ganz all­ge­mein, ob ein maulkorb und eine 1m Leine tat­säch­lich die Lösung für das Prob­lem sein könne. Art­gerecht ist es jeden­falls nicht

  2. Tiere untere­inan­der kön­nen sehr grausam sein, das sollte aber jedem bekannt sein. Das ein Rotti nun mal kein “Taschen­hund” ist und er grund­sät­zlich auch eine kleine “Waffe” ist, darauf muss man auch rechnen.
    Schafft man sich gedanken­los diese Rasse an, muss man auch
    einige Prob­le­men einbeziehen.

    1. Das ist doch Blödsinn. Ein Rot­tweiler ist doch keine Waffe! Das ist absolutes lebens­fremd. Kein Hund ist von Natur aus “böse”.

    2. Das ist doch total welt­fremd. Auch ein kleiner “Hand­taschen­hund” wie du es nennst kann einen Katze tot beißen. Nur weil ein Rotti nicht klein ist heißt das noch lange nicht, das er eine Waffe ist.
      Sorry, aber da fehlen mir echt die Worte.

  3. Wenn man das so liest kann mans kaum glauben! Wird da kein Gutachter oder so ange­hört? Da ver­sucht doch ein Blinder Far­ben zu erk­lären und machen ein Urteil draus??

    Wenn diese Art der Recht­sprechung auf auf Men­schen zutr­e­f­fen würde dann gut Nacht^^

    Aber mal sehen was da rauskommt. Ich wün­sche euch aber vor allem der betrof­fe­nen Hun­de­hal­terin alles gute und viel Glück!!!

    Bernd

  4. Wer zu dumm ist und seinen Köter nicht an die Leine nimmt, bzw. zulässt, dass dieser fremde Katzen jagt, der taugt nicht als Hun­de­hal­ter und muss sich auch damit abfinden, wenn das Tier eingeschläfert wird.
    Die Katze hätte auch ein Kind sein können!
    Solche “Hun­de­hal­terin­nen” sind genau schuld daran, dass über­haupt solche Ras­selis­ten einge­führt wurden.

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