Hunde auf dem Weihnachtsmarkt — Vertretbar oder menschlicher Egoismus?

Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr an Weihnachtsmärkte denkt?

Glüh­wein, leck­eres Essen und Süßkram? Oder denkt ihr an die vie­len hüb­schen selb­st­gemacht­en Dinge, die man wun­der­bar zu Wei­h­nacht­en ver­schenken kann? Vielle­icht geht es euch aber auch ähn­lich wie mir und ihr denkt an die vie­len Men­schen­massen, das Gedrän­gel und Betrunk­ene?

Ja ich muss es zugeben. Ich bin kein großer Fan von Wei­h­nachtsmärk­ten. In kleineren Städten bleibt man von den großen Men­schen­massen in der Regel ver­schont, doch bei uns in der Großs­tadt weiß man zu gewis­sen Uhrzeit­en nicht, wie man ger­adeaus laufen soll. Hütte an Hütte und auf­grund der vie­len Besuch­er wird man förm­lich durch den Gang mit­geschoben, ohne über­haupt einen Blick auf den Inhalt der Hüt­ten wer­fen zu kön­nen. An nahezu jed­er Ecke ste­hen Men­schen mit Glüh­wein oder Ess­barem in der Hoff­nung von nie­man­dem angrem­pelt zu wer­den.

Unabhängig von Ort und Zeit sieht man auf jedem Weihnachtsmarkt den ein oder anderen Vierbeiner. Doch gehört ein Hund wirklich auf den Weihnachtsmarkt?

Ein Hund trinkt kein Glüh­wein, wärmt sich nicht mit einem Kakao oder Tee. Die Leck­ereien eines Wei­h­nachts­mark­tes sind nicht für den Hun­dema­gen bes­timmt und die Verkaufs­fen­ster der Hüt­ten haben keine hun­de­fre­unde Höhe.

https://www.ndr.de/ratgeber/reise/osnabruecker_land/Weihnachtsmarkt-in-Osnabrueck-2019,weihnachtsmarktosnabrueck101.html

Also warum findet man immer wieder Vierbeiner auf den Weihnachtsmärkten?

Da gibt es sicher­lich diejeni­gen, die ihren Hund schlicht und ein­fach nicht alleine lassen kön­nen. Darunter sind vielle­icht auch einige Hun­debe­sitzer, die gern demon­stri­eren und mit stolz­er Brust erzählen, ihren Vier­bein­er über­all mit hin­nehmen zu kön­nen. An dieser Stelle frage ich mich oft, wer genau von diesem Umstand prof­i­tieren soll. Und diejeni­gen, die sich gerne mit ihrem Hund in der Öffentlichkeit zeigen. Sicher­lich haben viele Men­schen ihre Vier­bein­er auch ein­fach nur gerne bei sich.

Doch nehmen wir uns einen Moment Zeit und werden uns der Gefahren und der Situation bewusst, denen wir unsere Hunde dort ausetzen würden.

Laute Musik, Gelächter und Betrunk­ene — auf dem Wei­h­nachts­markt ist es laut. Hunde hören dif­feren­ziert­er als wir, also kann bere­its der Lärm an sich enor­men Stress aus­lösen.

Dann wären dort natür­lich noch die vie­len Gerüche. Wir kom­men dor­thin und riechen was? Genau: Essen. Ein Hund kommt dor­thin und riecht “nur” Essen? Eben nicht: Ein Hund riecht Pommes, Bratwurst, Glüh­wein, Kakao, Zuck­er­wat­te und Holzkohle… Auch hier nimmt ein Hund all diese Ein­drücke viel dif­feren­ziert­er wahr als wir. Diese Sit­u­a­tion wird nicht nur für einen Labrador zur Her­aus­forderung.

Ver­gan­ge­nes Jahr bin ich auf den Wei­h­nachts­markt gefahren. Hier in Osnabrück ist dort wirk­lich einiges los. Ich habe ver­sucht Fotos zu machen. Und zwar nicht nur ein­fach Fotos, son­dern Bilder aus der Sicht eines Hun­des. Mein Plan sah so aus, dass ich mich dort in die Men­schen­masse hocke und fotografiere, was ein Hund dort sehen würde. Jet­zt fragt ihr euch sich­er, wo diese Bilder sind? Nun ja, ich habe es nicht geschafft auch nur ein Foto zu machen. Entwed­er hat­te ich in der Masse nicht ein­mal mehr die Möglichkeit über­haupt ste­hen zu bleiben, ohne dass ich ein­fach weit­ergeschoben wurde oder ohne dass ich von meinen “Ver­fol­gern” darauf aufmerk­sam gemacht wurde, doch bitte ein­fach weit­erzu­laufen. Eine kleine Lücke bot sich dann doch. Ich hock­te mich hin, set­zt die Kam­era an und … man lief ein­fach in mich hinein. Die Men­schen haben mich gar nicht wahrgenom­men und rem­pel­ten mich hat. Ich hat­te nicht nur Angst um meine Kam­era, son­dern auch die Nase gestrichen voll und bin nach Hause gefahren. Was ich damit sagen will? Ver­sucht auch ohne Foto euch in die Lage und Per­spek­tive eures Hun­des hineinzu­ver­set­zen. Ich kann aus eigen­er Erfahrung sagen, dass man nichts als Beine sieht und dass das wirk­lich ein bek­lem­mendes Gefühl ist. Und nun treiben wir den Gedanken ein­mal auf die Spitze. Unab­hängig davon in welche Rich­tung der Hund sieht, das einzige, was er wahrn­immt sind Beine — und zwar direkt an seinem Kör­p­er. Er kann nicht vor und nicht zurück und ihm wird schließlich noch von einem unaufmerk­samen Men­schen auf die Pfote getreten. Es würde wohl nie­man­den von uns wun­dern, wenn dieser Hund zuschnap­pen würde. Den­noch hät­ten wir einen “gefährlichen Hund” mit auf den Wei­h­nachts­markt genom­men und ste­hen erst ein­mal mit dem Rück­en zur Wand.

https://www.augsburger-allgemeine.de/themenwelten/leben-freizeit/Getuemmel-auf-dem-Weihnachtsmarkt-macht-Hunde-aggressiv-id23124336.html

Stellen wir uns zudem fol­gende Sit­u­a­tion vor: Wir ste­hen mit unserem Hund an einem Glüh­we­in­stand und haben vielle­icht eine Wand im Rück­en. Macht aus unser­er Sicht ja auch Sinn, denn so kön­nen keine Gefahren von hin­ten kom­men. Aus Hun­desicht han­delt es sich hier­bei jedoch um eine bedro­hte Sit­u­a­tion. Nehmen wir an, dass unsere Glüh­wein — Nach­barn ihre Kinder mitgenom­men haben, welche sich nun zu Tode lang­weilen. Es braucht nicht viel Fan­tasie um sich vorstellen zu kön­nen, dass der Hund schnell deren Aufmerk­samkeit weck­en wird. Vielle­icht star­ren sie den Hund  zunächst “nur” an (was an sich schon schlimm genug ist) oder gehen vielle­icht sog­ar mit aus­gestreck­ten Hän­den auf ihn zu. Diese Sit­u­a­tion wäre wohl nicht nur für Queen oder Püp­pi ein Prob­lem.

Es gibt viele Hunde die Schwierigkeit­en mit betrunk­e­nen Men­schen haben. Nicht nur der Geruch stellt eine Her­aus­forderung dar, son­dern auch die schein­bar unkon­trol­liert herum­laufend­en und selt­sam sprechen­den Men­schen.

Auch die auf einem Weihnachtsmarkt lauerndes Gefahren sind nicht zu unterschätzen:

Andere Men­schen kön­nten dem Vier­bein­er auf die Pfoten treten und in den Hund hinein­laufen. Größere Hun­den sind oft genau auf der Höhe der Hände, was gle­ichzeit­ig auch bedeutet, dass sie auf der Höhe von Zigaret­ten der Rauch­er sind. Auf dem Boden kön­nen Glasss­cher­ben liegen sowie Essen­reste. Außer­dem beste­ht die Gefahr, dass der Hund mit heißen Getränken über­schüt­tet wird, denn nahezu an jed­er Ecke ste­hen Men­schen mit Tassen und Gläsern. Ich unter­stelle hier nie­man­dem eine böse Absicht, aber wie schnell man auf einem Wei­h­nachts­markt angerem­pelt wird und das heiße Getränke über­schwappt, kann sich jed­er vorstellen.

So soll­ten Hunde den Win­ter ver­brin­gen 🙂

Ein Weihnachtsmarkt kann also durchaus gefährlich sein und einen Hund in extremen Stress versetzen.

Ich würde nicht soweit gehen und sagen, dass man mit seinem Vier­bein­er über­haupt nicht auf den Wei­h­nachts­markt gehen sollte. Wenn ich an die Heimat denke — ein Wei­h­nachts­markt mit rund 20 Hüt­ten und bre­it­en Gän­gen — kön­nte ich mir dur­chaus vorstellen, dass es zu bes­timmten Zeit­en leer genug ist, um mit einem Hund hinüber schlen­dern zu kön­nen. Den­noch würde ich es wahrschein­lich eher nicht machen. Schon alleine die Gerüche sind für einen Hund eine Her­aus­forderung. Zudem gehöre ich ohne­hin eher zu den Men­schen, die sich die Frage stellen: Will ich meinen Hund ein­fach nur mit­nehmen oder hat er tat­säch­lich etwas von dem Aus­flug. Wenn ich der Ansicht bin, dass Queen oder Püp­pi von ein­er bes­timmten Aktiv­ität nichts haben, nehme ich sie nicht mit. Ein Hund muss auch mal alleine bleiben kön­nen und in vie­len Sit­u­a­tio­nen ist sein Kör­bchen oder das Sofa sich­er der geeignetere Platz für einen Vier­bein­er.

Sollte man seinen Vier­bein­er mit­nehmen, dann sollte man diesen genau beobacht­en. Zeigt er Stesssymp­tome wie eine einge­zo­gene Rute, angelegte Ohren, geduck­te Hal­tung, Gäh­nen oder Zün­geln ist das ein ein­deutiger Aus­druck für Stress und man sollte die näch­ste Möglichkeit nutzen, um den Ort zu ver­lassen.

Nur bitte nehmt euren Hund nicht mit, weil ein Hund sowas kön­nen muss. Nutzt den Wei­h­nachts­markt nicht als Train­ing­sort, denn sind wir mal ehrlich: Kein Hund muss über einen Wei­h­nachts­markt laufen kön­nen. Hunde müssen auch mal alleine bleiben kön­nen und falls hier das Prob­lem beste­ht, dann steckt eure Energie lieber in ein gezieltes Train­ing, damit euer Hund entspan­nt alleine bleibt, statt ihn mit auf den Wei­h­nachts­markt zu nehmen.

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