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Jeder Welpe hat ein Recht auf seine Welpenzeit

Welpenkurs, Junghun­de­gruppe, Obe­di­ence und Deck­en­train­ing.

Das sind nur wenige Punk­te auf dem wöchentlichen Plan viel­er Welpen.

Prob­lemhunde” sind immer häu­figer ein The­ma, selb­st im TVPro­gramm stößt man auf Hun­de­train­er, die Prob­leme “weg­trainieren”. Die Gesellschaft strebt nach Per­fek­tion. Man misst sich mit anderen und definiert sich über erre­ichte Ziele. Unser All­t­ag ist geprägt von Schnel­llebigkeit, Erfol­gs­druck und Konkur­ren­z­denken.

Im Inter­net geht es weit­er. Ver­steckt hin­ter den Tas­ten des Lap­tops lässt sich leicht eine Welt auf­bauen, die mit der Real­ität nichts mehr zu tun hat. “Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt” hat schließlich schon Pip­i­langstrumpf gesagt.

Ken­nt ihr nicht den einen Trick­dog? Der kon­nte mit 4 Monat­en schon 10 Tricks.”

Erin­nert ihr euch an den Aussie? Der kon­nte mit vier Monat­en schon per­fekt “Bei Fuß” laufen”.”

Ein Träum­chen oder?

Wenn ich mich hier im Inter­net oder in der Hun­de­schule umse­he, dann sehe ich ganz oft Hun­de­hal­ter, die ihren Welpen und Junghund vor Auf­gaben stellen, die in mir immer wieder ein bes­timmtes Bild aus­lösen:

Vor meinem geisti­gen Auge sehe ich kleine japanis­che Schüler in Schu­lu­ni­form, die per­fekt ger­ade auf ihrem Stuhl sitzen, still und aufmerk­sam. Die nach­mit­tags vor dem Klavier sitzen oder Geige ler­nen. Kleine Minierwach­sene in Hemd und Pol­lun­der.

Das ist trau­rig.

Das fest­ge­set­zte Ziel vor Augen, der ständi­ge Blick zur Seite auf die anderen und das Bedürf­nis, etwas ganz beson­deres zu sein, bringt viele Hun­de­hal­ter dazu aus ihrem Welpen einen japanis­chen Minierwach­se­nen zu machen.

Muss ein Welpe mit vier Monat­en wie an der Schnur gezo­gen “Bei Fuß” gehen kön­nen?

Muss ein Junghund mit fünf Monat­en schon 10 Tricks kön­nen?

Und muss ein Welpe mit vier Monat­en zuver­läs­sig auf der Decke liegen bleiben, während wir kochen und anschließend essen? Auch, wenn Besuch kommt und erst recht, wenn wir in unserem sowieso schon stres­si­gen Leben ger­ade beson­ders gestresst sind?

Mit­ten im Zah­n­wech­sel wird alles weg­geräumt, damit der Hund auf nichts herumkauen kann. Alter­na­tiv­en wie gekühlte Möhren? Nö.

Jeder Welpe hat ein Recht auf seine Welpenzeit.

Jed­er Welpe hat ein Recht darauf Quatsch zu machen und die Welt zu erkun­den. Er hat ein Recht darauf unbeschw­ert groß zu wer­den ohne ständig Leis­tun­gen erbrin­gen zu müssen.

Schließlich haben auch wir die Möglichkeit bekom­men, im Kinder­garten los­gelöst zu spie­len und uns frei zu entwick­eln. Wir sind auch nicht mit drei Jahren in die Schule gekom­men und das war auch gut so.

Ich habe mich bei Püp­pi ganz bewusst dazu entsch­ieden, sie bis sie ein Jahr gewor­den ist, ein­fach nur Welpe bzw. Junghund sein zu lassen.

Nur der Rück­ruf war mir wichtig, weil ich wollte, dass sie sich draußen frei bewe­gen kann. Sitz und Platz ergab sich im All­t­ag. Wir haben wed­er Deck­en­train­ing, noch Leinen­führigkeit noch Tricks oder son­st etwas geübt.

Vieles ergab sich im All­t­ag. Sie hat sich von allein an mir ori­en­tiert. Leinen­führigkeit­strain­ing war nie notwendig.

Sie hat von allein die Vorzüge ihres Kör­bchens ent­deckt.

Wollte sie bel­lend über die Hun­dewiese ren­nen, dann kon­nte sie das tun. Sie hat sehr schnell alleine gemerkt, dass es gar nicht notwendig ist, vor Aufregerung und Unsicher­heit zu bellen.

Ich wollte, dass sie sich so frei wie möglich entwick­eln kann. Ich wollte wed­er sie noch ihren Charak­ter for­men. Kurz bevor sie ein Jahr wurde haben wir mit dem Agili­ty ange­fan­gen, um schon mal austesten zu kön­nen, ob es ihr liegt.

Statt “Bei Fuß” zu üben, haben wir den Wald erkun­det. Statt Deck­en­train­ing haben wir Fan­gen gespielt und statt Tricks zu üben, hat Queen Püp­pi die Welt gezeigt.

Sich­er lässt sich auch bei­des verbinden, doch soll­ten wir wirk­lich unsere Welpen zu Minierwach­se­nen mit Hemd und Pol­lun­der machen?

Jed­er Welpe hat ein Recht auf seine Welpen­zeit. Sie ist so kurz und es bleibt noch genug Zeit zum Ler­nen.

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