Allgemein, Alltägliches

Kleine Hund sind schlechter erzogen

Man nehme ein Fünkchen Selb­stkri­tik, dazu eine Prise Ehrlichkeit und mis­che dies mit einer Por­tion Humor und schon haben wir einen Artikel wie diesen.

Ich möchte aus­drück­lich nie­man­den ansprechen. Wenn sich den­noch jemand ange­sprochen fühlt, ist das nicht meine Absicht, nicht mein Problem 🙂

Kleine Hund sind schlecht erzogen.

Der ein oder andere wird nun mit dem Kopf nicken (ver­mut­lich eher die Frak­tion mit Labrador & Co.). Andere wer­den nun wahrschein­lich per­sön­lich belei­digt sein (hier ver­mutet ich mehr so die Kat­e­gorie Chi­wawa). Widerum andere wer­den sich vielle­icht amüsieren und mit einem Lächeln im Gesicht den Text lesen (hier ver­mut­lich die Kan­di­daten mit Dogge & Co.)

So nun fragt ihr euch sicher, worauf ich diese wilde These stütze.

Nun ja. Wer mich kennt weiß, dass die drei­jährige Schäfer­hündin Queen bei mir lebt. Queen ist — das kann ich dur­chaus behaupten — sehr gut erzo­gen. Sie ist leinen­führig, pöbelt nicht, kommt beim ersten Rufen, bleibt prob­lem­los allein, hat noch nie etwas kaputt gemacht und kann über­all mithin­genom­men werden.

Wer mich kennt weiß auch, dass seit eini­gen Wochen die mit­tler­weile 4 1/2 Monate alte Püppi bei uns wohnt. Püppi ist — auch das kann ich prob­lem­los behaupten — eher so die Kat­e­gorie “Ich tre­ffe meine eige­nen Entschei­dun­gen”. Sie ist einiger­maßen leinen­führig, pöbelt gerne, kommt nicht immer beim ersten Rück­ruf, bleibt nicht prob­lem­los alleine, hat schon einiges kaputt gemacht und kann noch nicht über­all mithin­genom­men werden.

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Warum also diese Unterschiede?

Klar. Püppi ist noch klein. Doch die meis­ten Aus­sagen bezüglich Queen trafen bere­its in Püp­pis Alter auf sie zu.

Woran liegt es also?

Ich kann es euch verraten:

An mir.

Aber betra­chten wir doch mal die zwei Punkte, bei denen der Unter­schied am deut­lich­sten herauskommt:

Die Leinenführigkeit

Es fängt doch schon bei der Def­i­n­i­tion an. Was ver­steht man also unter Leinen­führigkeit? Denke ich an Queen würde ich sagen, dass Leinen­führigkeit heißt, dass sie mit durch­hän­gen­der Leine links neben mir läuft. In der Junghun­de­gruppe bin ich gefragt wor­den, was ich bei Püppi als leinen­führig beze­ich­nen würde. Ohne nachzu­denken sagte ich: Naja, haupt­sache sie zieht nicht an der Leine.

Queen  muss leinen­führig sein. Ich muss mich auf sie ver­lassen kön­nen. Würde sie mit all ihrer Kraft ziehen, dann kön­nte ich die 36 kg in Aktion nicht hal­ten. Ich hätte schlichtweg keine Chance. Würde Queen hek­tisch vor und zurück laufen, würde mich das irre machen. Es wäre irgend­wie “unnatür­lich”. Würde sie schnell zwei Schritte nach vorn oder zur Seite machen, würde ich von der Leine mit­gris­sen werden.

Würde Püppi an der Leine ziehen, würde ich aller­höch­stens einen Druck am kleinen Fin­ger spüren. Sollte sie doch mal “aus der Reihe tanzen”, hätte ich keine Prob­leme. Ich würde nicht über die Straße gezo­gen wer­den. Sie ist wild und voller Energie. Dass sie mal ein Stück vor mir läuft, dann wieder neben mir, passt irgend­wie zu ihrer wilden und aufge­drehten Art. Ohne, dass ich aus dem Ryth­mus komme, kann sie auf­grund ihrer kleinen Beinchen auch mal zwei Schritte vor oder nach rechts gehen und ich merke es kaum.

Ich kann nicht für alle sprechen, stelle aber den­noch fol­gende These auf:

Hun­de­hal­ter von großen Hun­den nehmen das Thema Leinen­führigkeit ern­ster, weil sie wis­sen, dass sie sich zu 100% ver­lassen kön­nen müssen.

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Pöbelei

Bei der Pöbelei ver­hält es sich ähnlich.

Sollte Queen an der Leine pöbeln, bleibt mir nur die Lat­erne als let­zte Ret­tung, an die ich mich klam­mern kann, damit sie mich nicht umreißt.

Püppi ist noch klein. Sollte sie etwas oder jeman­den anbellen, klingt das so unfass­bar lustig, dass ich mich zusam­men­reißen muss um erzieherisch kor­rekt zu handeln.

Bellt Queen an der Tür, kann es schon mal sein, dass der DHL — Mann mir das Paket nur durch den Türspalt in den Haus­flur wirft.

Wufft Püppi klingt das nicht ger­ade beängstigend.

Hast du einen pöbel­nden großen Hund an der Leine, so schauen die Leute dich an, als würde man mit einem Löwen spazieren gehen. Eine Mis­chung aus Ver­ach­tung und Unver­ständ­nis springt einem entgegen.

Pöbelt ein kleiner Hund, bleiben die Leute belustigt ste­hen und reden fröh­lich auf das bel­lende Tier ein.

Auch hier kann ich nicht für alle sprechen, stelle aber den­noch wieder fol­gende These auf:

Hunter­hal­ter von großen Hun­den haben viel größere Prob­leme, wenn ihr Hund pöbelt und arbeiten daher kon­se­quenter an diesem Problem.

Trotz der ordentlichen Por­tion Humor in diesem Artikel, so steckt doch auch ein Funken Wahrheit mit drin. Kleine Hunde gehören genauso erzo­gen wie große Hunde auch. Ich denke, da sind wir uns allein einig. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten, dass es viel schwiergier ist, einen kleinen Hund zu erziehen. Man muss sich selbst immer wieder zur Kon­se­quenz ermah­nen und ich möchte nicht wis­sen, in wie vie­len Sit­u­a­tio­nen mir gar nicht aufge­fallen ist, wieviel ich mal wieder hab durchge­hen lassen.

 

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9 Comments on “Kleine Hund sind schlechter erzogen

  1. Ich stimme die voll und ganz zu!
    Vor allem was die Leinen­pö­belei angeht, wurde mir let­ztens auch wieder vor Augen geführt, wie Aussen­ste­hende reagieren..
    Wir waren in der Stadt und gin­gen an einer Bushal­testelle vor­bei. Ich hatte gar nicht gese­hen, dass da eine Frau mit Chi­uahua war. Der ging aber sofort in die Leine und kläffte Yumo an.
    Da Yumo momen­tan eh so pubertär ist und gerne zurück Pöbelt, ging er also auch gle­ich in die Leine und meck­erte los.
    Selt­samer­weise wur­den nur wir ver­ständ­nis­los ange­se­hen. Als hät­ten wir den schlimm­sten Hund der Welt dabei. Dass aber in Wirk­lichkeit der andere Hund anf­ing, hat keinen interessiert.
    Über­haupt wer­den wir grund­sät­zlich fast auss­chließlich von kleinen Hun­den ange­bellt. Die großen hören da meist besser…

    Liebe Grüße

  2. Zu diesem Thema fällt mir nur die so häu­fig emp­foh­lene Trainerin aus dem Dorf ein die mir sagte; “Eine Welpen­gruppe für kleine Hunde haben wir nicht, nur eine Klein­hun­derunde, aber da wird eher gespielt. Auf Erziehung wird ja bei den Kleinen nicht so viel Wert gelegt.” Da hab ich ver­dat­tert eingehangen.
    Ich find es schreck­lich, wenn Kleinhunde-Besitzer ihrem Hünd­chen alles durchge­hen lassen, nur weil die so niedlich und so klein sind. Ich ver­suche Teddy so gut wie möglich kon­se­quent zu erziehen, auch wenn ich da natür­lich auf andere Dinge mehr achte als bei einem anderen oder großen Hund. Aber ich denke das kommt sowieso auf den Charak­ter des Hun­des und die Lebenssi­t­u­a­tion des Hal­ters an.

  3. Liebe Sab­rina,
    ich lese hier nun schon eine ganze Weile still mit, aber nun kom­men­tiere ich doch auch mal.
    Ich sel­ber habe eine kleine Bolonkahündin mit einem Gewicht von 2,5kg also ein sehr kleiner Hund.
    Meine Maus ist bald 2 Jahre alt und ich würde sagen sie ist gut erzo­gen (in zwei Wochen machen wir den Hund­führerschein und ich habe keine Bedenken, dass wir diesen beste­hen, ist sie ohne jetzt angeben zu wollen doch eine der besten Hunde in der Gruppe was die Übun­gen angeht).
    Aber ich muss dir in gewis­sen Punk­ten irgendwo recht geben.
    Ja ich bin mit meinem kleinen Hund viel tol­er­an­ter als ich es mit einem großen wäre.
    Sie läuft für mich anständig an der Leine, allerd­ings akzep­tiere ich hier natür­lich auch, dass sie mal einen Schritt nach rechts oder links macht. Warum? Weil es nicht stört.
    Liege ich auf der Couch kommt es vor, dass sie mich als Tram­polin benutzt. Das würde ich bei einem großen Hund nicht dulden, ein­fach weil der mir zu schwer wäre, aber bei ihr stört es mich nicht, son­dern ich finde es lustig.
    Und so gibt es natür­lich Unter­schiede, aber hier ist auch die Frage was ist mein Maßstab? Durch ihr geringes Gewicht und Größe sind einige Dinge mir ein­fach nicht wichtig. Und ich achte deshalb nicht darauf. Ich denke das ist nor­mal. Wenn man keinen “Druck” dahin­ter hat (also z.B. die Angst den Hund nicht hal­ten zu könnnen) ist ein­fach auch die Motivi­a­tion geringer und ich bin toleranter.
    Allerd­ings meine ich damit nicht, dass sie pöbelt, oder sich sonst wie daneben ben­immt. Das würde ich auch bei ihr nicht gut finden.
    Was in dem Artikel nicht beschrieben wird, ist das Prob­lem was die meis­ten Klein­hun­debe­sitzer wohl ken­nen. Die Umwelt verzieht den Hund. Ich habe es aufgegeben meinem Hund beib­rin­gen zu wollen, dass sie nicht an anderen Men­schen hochsprin­gen soll. Warum? Weil wirk­lich beinahe jeder sich run­ter­beugt, sie stre­ichelt und das Ganze total niedlich findet. Da kann ich dann viel sagen, mein Hund hat bekom­men was er wollte und wurde in seinem Ver­hal­ten bestärkt. Ich rufe meinen Hund zurück, dass er nicht zu anderen hingeht, wie oft passiert es mir, dass diese Leute sich klein machen und meinen Hund zu sich locken, obwohl sie bemerken, dass ich sie gerufen habe. Oder ich sie hab absitzen lassen.
    Ich denke es ist immer die Frage, wieviel Erziehung benötige ich über­haupt? Erziehung nur der Erziehung wegen brauche ich nicht, aber Erziehung um meinen All­tag mit Hund angenehm zu gestal­ten, die dur­chaus. Hier ist es allerd­ings mit einem kleinen Hund dur­chaus schwieriger meiner Erfahrung nach wie mit den großen. Nicht weil sie düm­mer sind, son­dern weil man sel­ber inkon­se­quenter ist und weil die Umwelt den Hund ganz anders wahrnimmt.
    (Ich kann gut ver­gle­ichen, der Hund der vorher bei mir gelebt hat war ein Rottweiler)

    Liebe Grüße
    Miriam

    1. Ich sehe das ganz genauso wie du. Mir ist Erziehung aus dem Grund wichtig, weil ich meinen Hun­den nur so die Frei­heit bieten kann, die sie für eine art­gerechte Hal­tung brauchen.
      Ich lasse Püppi zwar das ein oder andere durchge­hen, aber den­noch habe ich das Ziel klar auf Augen. In der Hun­de­schule wer­den wir stets gelobt, weil sie schon so leinen­führig ist und schon aus dem Spiel abgerufen wer­den kann.
      Das Prob­lem mit dem Ansprin­gen kenne ich auch. Ich habe das dieses Mal nicht the­ma­tisiert, wiel ich mal einen seper­aten Beitrag dazu ver­fasst habe. Manche Men­schen merken ein­fach nicht, wie schwer sie einem die Erziehung machen.
      Vie­len Dank für deinen aus­führlichen Kommentar

  4. Als Kurzhaar Col­lie hal­terin habe gle­iche Erfahrun­gen gemacht, trau­riger Höhep­unkt war bis jetzt ” Ich nenne ihm, Sparky der hört für kein 10 Meter”, ist einen Chi­huahua mis­chling der fröh­lich ohne Leine durch den Park rennt, alles pen­i­tri­ert was zwei oder vier Beinen hat, sich nicht abrufen lässt und ob Sparky einge­fan­gen wer­den kann ist davon abhängig ob der andere Hun­de­hal­ter ste­hen bleibt oder nicht, übri­gens liegt diese Park neben einen zweis­purige Straße wo auch einen strassen­bahn fährt.

  5. Also ich stimme dir teil­weise zu. Leinen­führigkeit — ja, defin­i­tiv! Aber bei anderen Din­gen war ich von Anfang an dop­pelt und dreifach streng bei unserem Zwerg. Das liegt zum einen daran, dass ich ein­fach ein sehr kon­se­quenter Men­sch bin [von meiner Mut­ter gerne hartherzig genannt wenn’s um Buddy geht ?] zum anderen war Buddy aber auch ein echter Teufel als Welpe, der sich nur mit mir angelegt hat. Nix mit klein und süß ? Diese 1800g haben mich regel­recht attack­iert! Heute bin ich aber froh darüber, denn Grund ihn wegen seiner Größe zu ver­hätscheln gab es nicht. ?

    Lieb­ste Grüße!

  6. Hallo
    ich habe hier alles gele­sen was man über Hunde lesen kon­nte. Wir sind sein 8 Jahren die herrschen unseres mops es Oskar . Der kleine Teufel ist ist in den let­zten Jahren viel ruhiger gewor­den . Dazu muss ich aber sagen er hat sich noch nie für andere Hunde ob grosse oder kleine hunde intressiert. Er ist ego­man­isch. liebevoll und nicht erzogen .
    Es fällt uns aber auch sehr schwer ihm nix abzuschlagen

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