Allgemein, Recht und Hund

Können Tierarztkosten unverhältnismäßig hoch sein?

In Nieder­sachen rück­te der Polizei­hund “Chuck” zu seinem täglichen Spazier­gang aus. Die Ehe­frau des Polizeibeamten ging mit dem Hund “Gas­si”.

Hier­bei wit­terte der Hund den 14 Jahre alten Kater des Nach­barn. Er sprang über die Mauer zu Nach­bars Grund­stück und biss den Kater. “Tiger” erlitt schwere Ver­let­zun­gen, u.a. eine Rip­pen­frak­tur sowie eine Öff­nung der Bauchdecke mit Aus­tritt von Darm­schlin­gen.

In ein­er Tierklinik wurde “Tiger” mit mehreren Oper­a­tio­nen das Leben gerettet.

Die Tier­arztkosten beliefen sich ins­ge­samt auf mehr als 4.000,00 EUR.

Das beklagte Land Nieder­sachen zahlte nur die Hälfte der Kosten und führte als Argu­ment an, die Kosten seien im Hin­blick auf den Wert und das Alter des Katers zu hoch und damit unver­hält­nis­mäßig.

Das Landgericht Hildesheim sprach dem Kläger — genau wie das Amts­gericht Gifhorn in erster Instanz — den vollen Schadenser­satz zu und wieß die Beru­fung des beklagten Lan­des zurück.

Zur Begrün­dung trug das Gericht vor, dass sich eine streng wirtschaftliche Betra­ch­tungsweise ver­bi­ete. Im Fall der Ver­let­zung eines Tieres gel­ten auf­grund der her­aus­ge­hobe­nen Anerken­nung des Tier­schutzes die Tier­arztkosten nicht bere­its dann als unver­hält­nis­mäßig, wenn sie den Wert des Tieres über­steigen. Der Schädi­ger trägt das Risiko, dass die Behand­lungskosten vor­ab nicht genau bes­timmt wer­den kön­nen.

Die Klägerin müsse sich auch kein Mitver­schulden ent­ge­gen­hal­ten lassen. Der Kater befand sich in dem Moment des Angriffs auf dem Grundsstück der Klägerin und musste daher mit einem Angriff durch den vier­beini­gen Nach­barn nicht rech­nen.

Gericht:
Landgericht Hildesheim, Urteil vom 10.02.2017 — 7 S 144/16

3 Comments on “Können Tierarztkosten unverhältnismäßig hoch sein?

  1. Da wäre sog­ar ein Schmerzens­geld ange­bracht und eine Leinenpflicht außer­halb des Ein­satzes! Warum ist denn ger­ade ein Polizei­hund nicht abruf­bar? Sollte nicht ger­ade der Vor­bild sein? Unver­schämtheit da über­haupt gegen die Rech­nung vorzuge­hen! Ein Tier ist ver­dammt nochmal keine Sache! Ein Men­sch ist ein Tier! Warum sollen andere Tiere anders behan­delt wer­den! Abge­se­hen davon, bekommt ein Verge­waltiger eine mildere Strafe je älter sein Opfer ist? Und ein Dieb, je älter das gestoh­lene Gemälde ist? Gehts noch? Diese Idee als solch­es ist so absurd und schreck­lich? Müssen wir unsere alten Leute dann auch nicht mehr mit so teuren Medika­menten behan­deln? Ein­schläfern wäre doch schließlich bil­liger! Und noch gün­stiger wäre ein har­ter Schlag auf den Hin­terkopf! (natür­lich Sarkasmus)Was sind denn das für Gedanken? Und was für Leute die eine solche Klage und eine solche Argu­men­ta­tion vor­brin­gen? Krank! Ein­fach krank! 😡😡😡

    1. Auch Polizei­hunde sind keine Robot­er.
      Ich weiß ger­ade nicht, wo du die Angaben hern­immst, dass Diebe härter bestraft wer­den, je älter das Gemälde ist oder dass ein Verge­waltiger eine mildere Strafe bekommt, wenn das Opfer älter is? Ich arbeite ja selb­st als Recht­san­wältin und das hab ich noch nie gehört.
      Lei­der ist es ja tat­säch­lich so, dass ältere Men­schen nicht die gle­iche medi­zinis­che Ver­sorgung bekom­menh wie junge Men­schen…

  2. Hal­lo Sab­ri­na,
    ich habe mich über Tier­arztkosten auch schon ärg­ern müssen. Blut­be­fund € 200,00 / Kas­tri­eren € 500,00 und für Medika­mente oder Imp­fun­gen haben wir auch schon viel bezahlt. Lady hat­te mit 4 Monat­en begonnen mit der recht­en Schul­ter zu hinck­en, etliche Rönt­gen­ter­mine, Bluf­be­fund, Medika­mente, etc. nichts hat geholfen und kein­er kon­nte mir sagen was mein­er Hündin fehlt. Ich war verzweifelt, das Geld war weg und Lady hat­te immer noch Schmerzen. Gott­sei­Dank verg­ing es nach der 1. Läu­figkeit wie ein Wun­der von alleine. Ganz schön depremierend. LG Claudia&Lady

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.