Laufen und laufen lassen

Loslassen, aus der Hand geben und sich zurück­lehnen sind alles Dinge, die mir super schw­er fall­en. Ich bin eher der Typ fürs sel­ber machen, hab immer ein Auge drauf und wenn ich mich zurück­lehne, füh­le ich mich, als würde ich hin­ten über kip­pen. Es gibt sich­er Men­schen, die diese Eigen­schaft als Kon­trol­lzwang beze­ich­nen wür­den und obwohl ich dieses Wort als extrem und bedin­gungs­los empfinde, fällt dieses Ver­hal­ten vielle­icht sog­ar tat­säch­lich in diese Kat­e­gorie. Vielle­icht nicht in allen Bere­ichen, aber in manchen.

Auch Queen und Püp­pi gehören zu dem Bere­ich meines Lebens, den ich ungerne aus der Hand gebe. Eigentlich mache ich alles selb­st. Ich gehe raus, über­lege wann sie wie beschäftigt wer­den kön­nen und mache auch das dann auch selb­st. Ich füt­tere selb­st und bes­timmte was es wann zu fressen gibt. Ich gebe ungern die Leine aus Hand, bekomme Herzrasen, wenn jemand für Queen einen Ball wirft und hätte keine ruhige Minute, wenn die Hunde ohne mich unter­wegs wären.

Warum das so ist?

Queen hat ED — das wisst ihr alle. Ich möchte, dass sie möglichst lange keine Prob­leme damit bekommt und daher habe ich ein beson­deres Auge auf sie. Es ist ein schmaler Grad, dessen bin ich mir bewusst. Auf der einen Seite ist es ein Hund, der über Wiesen ren­nen, ihr Spielzeug suchen und das Leben genießen soll. Auf der anderen Seite kann ein falsch­er Tritt in ein Hasen­loch weitaus mehr Kon­se­quen­zen haben als bei einem gesun­den Gelenk. Was ist zu viel und was ist zu wenig? Eine Frage, die mich dauer­haft beschäftigt und bei der ich immer noch keine Lösung gefun­den habe. “Ein Hund weiß, was ihm gut tut” mag auf viele Hunde zutr­e­f­fen, doch Queen hat nun schon mehrfach bewiesen, dass sie nicht in diese Kat­e­gorie fällt 🙂

Wenn man Queen im All­t­ag erlebt, merkt man die ED nicht. Sie ste­ht prob­lem­los auf, lahmt auch im Trab nicht, hat keine Entzün­dung im Gelenk, ist gut bemuskelt und zeigt keine Anze­ichen von Schmerzen. Und doch ist der Gedanke immer da — wie eine dun­kle Wolke, die immer über einem schwebt.

Es verge­ht kein Spazier­gang, an dem ich nicht daran denke.

Zur Zeit geht es ihr sehr gut. Sie ist die erste an der Tür, wenn es raus­ge­ht. Sie möchte die größten Run­den drehen, stöbert und tobt durchs Leben. Mit Col­lag­ile Dog und unserem Hanf — Öl haben wir eine tolle Kom­bi­na­tion gefun­den, die Queen richtig gut zu tun scheint. Es ist nicht so, dass es ihr vor dem Hanf — Öl schlecht ging, doch wenn ich es mit der aktuellen Sit­u­a­tion ver­gle­iche, dann ist sie deut­lich aktiv­er und schneller unter­wegs.

Sie läuft.

Und ich kann sie endlich laufen lassen.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau woran es liegt. Dass es ihr aktuell so gut geht und die ED uns keine Prob­leme bere­it­et, ist sicher­lich ein Aspekt. Vielle­icht ist auch Jan ein Grund, denn er gibt sich unglaublich viel Mühe mit den Mädels, beschäftigt sich viel mit ihnen und ver­sucht, meine “Regeln” eben­falls einzuhal­ten. Er nimmt meine Sor­gen ernst ohne sie zu bestärken. Ich weiß, dass er auf Queen und Püp­pi immer sehr gut auf­passen würde. Vielle­icht, weil er ahnt, was ich mit ihm mache, wenn den Mädels unter sein­er Auf­sicht etwas passiert 😀

Langsam und vor­sichtig schaffe ich, Queen laufen zu lassen. Ich habe sie deut­lich weniger an der Leine und lasse sie auch über die Wiesen ren­nen, wenn sie das möchte. Und bevor mich die Sor­gen ein­holen, habe ich kurze Momente, in denen ich den Anblick ein­er fröh­lichen, durch die Welt toben­den Queen genießen kann. Diese Momente wer­den immer länger und so hoffe ich, dass diese Entwick­lung noch weit­er geht und ich dem­nächst auf der ein oder anderen Runde die Sor­gen ganz Zuhause lassen kann.

Ich habe es schon mehrfach geschafft, Jan mit Queen & Püp­pi in den Garten zu lassen ohne am Fen­ster zu ste­hen. Püp­pi war auch schon ganz alleine mit mein­er Fre­undin Christin und ihrem Bar­ney spazieren. Für mich sind das ziem­lich große Schritte, die bis vor einem Jahr undenkbar gewe­sen sind.

Doch ich weiß, dass ich am Ball bleiben muss. Ich weiß, dass ich noch weit­er loslassen muss. Nicht nur für mich, son­dern vor allem für Queen. Sie ist ein so sen­si­bler Hund, die meine Sor­gen sofort spürt und ich merke, wie sie sich selb­st zurück­n­immt, wenn mich die Gedanken um ihre Gesund­heit wieder einge­holt haben. Dass sie in solchen Augen­blick­en ganz nah bei mir läuft, ist faszinierend und beängsti­gend zugle­ich. Sie kann meine Sorge nicht ver­ste­hen und spürt nur das etwas nicht in Ord­nung ist. Das ist nicht fair — ich weiß das.

Doch ich bin auf einem guten Weg und wer weiß, vielle­icht schaffe ich es ja schon bald, Jan mit Queen & Püp­pi alleine loszuschick­en. Und vielle­icht sitze ich dabei nicht am Fen­ster und warte auf ihre Rück­kehr. Zumin­d­est nicht mehr nach dem drit­ten mal 😀

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One thought on “Laufen und laufen lassen

  1. Hi, ich kann das mit dem Kon­trol­lzwang sehr gut ver­ste­hen. Denn ich habe zwei Bea­gle zu Hause. Die eine ist schon ne Oma und hört immer­hin seit dem 7 Leben­s­jahr. Nur im Dun­klen braucht sie Hil­fe. Dann habe ich noch einen 1 jähri­gen Rack­er. Der hat sicher­lich von gehor­sam gehört…doch nur zu Hause. Nie mals draußen. Aufmerk­samkeit für Her­rchen und Frauchen wie Stück Brot. Da ist nicht viel mit vertrauen…denn wir hat­ten es schon ein paar mal probiert….zack was sie erst mal für 10 schlicht weg….

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