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[Mantrailing — so funktioniert der beliebte Hundesport.]

Dieser Artikel soll einen Ein­blick ins Mantrail­ing geben. Wir erzählen euch, wie man die beliebte Hun­de­sportart auf­baut und wie das Trailen eigentlich funk­tion­iert. Dieser Artikel erset­zt allerd­ings keinen Kurs, son­dern dient lediglich als Blick hin­ter die Kulis­sen.

Vor unge­fähr zwei Jahr haben Queen und ich mit dem Mantrail­ing ange­fan­gen. Von Anfang an hat es uns bei­den eine Menge Spaß bere­it­et und ich bin froh, eine Hun­de­sport gefun­den zu haben, der genau zu Queen passt. Daher möchte ich euch heute erzählen, was genau hin­ter dem Mantrail­ing steckt, wie man das Train­ing auf­baut und auf welchem Stand wir aktuell sind.

Beim Mantrail­ing geht es darum, dass der Hund anhand des indi­vidu­ellen Duft des Men­schen seine Spur ver­fol­gt. Viele ver­wech­seln das Trailen mit dem Fährten. Das liegt vor allem daran, dass bezüglich des Fährtens der weit ver­bre­it­ete Irrtum beste­ht, der Hund würde der Spur des Men­schen fol­gen. Dem ist aber nicht so, denn beim Fährten ver­fol­gt der Hund lediglich dem Geruch der Boden­ver­let­zung. Dadurch, dass die Fährte gestampft wird, wird die Gras­narbe des Bodens ver­let­zt. Der Boden riecht an diesen Stellen anders und genau dieser Spur fol­gt der Hund beim Fährten. Nicht dem Geruch des Men­schen — diese Arbeit macht das Trailen aus.

Vielfach wird behauptet, wer Trailen könne, kann auch Fährten. Doch wer Fährten kann, kann noch lange nicht Trailen. Kann ich so unter­schreiben, denn Queen kam vom Fährten zum Trailen und wir haben schnell fest­gestellt, dass es eine völ­lig andere Art zu Arbeit­en ist.

Das Trailen kann man sich wie folgt vorstellen:

Jed­er Men­sch ver­liert bei jed­er Bewe­gung Duft­stoffe. Vorstellen kann man sich das beson­ders gut mit einem Ruck­sack. Der Men­sch trägt einen Ruck­sack mit ganz vie­len Duft­stof­fen. Bei jedem Schritt fall­en die Duft­stoffe her­aus und rieseln ganz ganz langsam wie Schneeflock­en zu Boden. Nach ca. 2 Stun­den kom­men die Flock­en am Boden an. Vorher schweben sie ganz langsam herunter. Kommt ein Auto an dem Men­schen vor­bei, so fliegen die Duft­stoffe im Sog des vor­bei fahren­den Autos zur Seite. Genau das passiert auch, wenn es windig ist.

So nimmt der Hund unsere Geruchsspur wahr. Das ist auch der Grund dafür, dass der Hund beim Trailen mit erhobe­nen Kopfes sucht und nicht wie beim Fährten die Nase am Boden hat. Es kann auch sein, dass der Hund auf der anderen Straßen­seite läuft oder im Wald mal quer durch läuft — je nach­dem wie der Wind ste­ht und wie die Geruchsstoffe sich in der Luft verteilt haben.

Und so startet man mit dem Mantrailing:

Wir haben vom ersten Tag an mit unser­er Trailin­gaus­rüs­tung gear­beit­et. Das Geschirr benutzen wir auss­chließlich beim Mantrail­ing, sodass Queen mit­tler­weile genau weiß, worum es geht, wenn ich ihr das Geschirr anziehe. Zudem benutze ich eine 7m Fet­tled­er­leine. Fet­tled­er­leinen liegen beim Trailen viel bess­er in der Hand als Bio­thane. Man hält die Leine übri­gens immer mit bei­den Hän­den fest. In der einen hält man die aufgewick­elte Leine, in der anderen lässt man die Leine vor- und zurück­gleit­en.

Beim ersten Trail, ste­ht das “Opfer” noch neben dem Hund. In ein­er Baum­woll­tasche liegt der sog. Geruch­sträger. Die Per­son, die das Opfer spielt, legt in die Tasche ein Klei­dungsstück, welch­es an dem Tag schon getra­gen wurde. Gern genom­men wer­den Klei­dungsstücke, die auf der Haut liegen. Ein Top oder ein Schal zum Beispiel.

Damit man dem Hund zeigt, dass dieser Beu­tel inter­es­sant und wichtig ist, wedelt “das Opfer” mit dem Beu­tel vor dem Hund, um die Aufmerk­samkeit des Hun­des einz­u­fan­gen. Ca. 2m vor dem Hund wird der Beu­tel auf den Boden gelegt. “Das Opfer” geht nun einige Schritte von dem Hund weg. Zu Beginn reichen auch ca. 10 Meter. “Das Opfer” stellt sich dann außer Sichtweite hin­ter einen Busch oder eine Hauswand. Bevor man startet, wird die Leine vom Hals­band an das Geschirr gemacht. So weiß der Hund genau, dass die Arbeit begin­nt. Nun geht man mit seinem Hund los. Wichtig ist, dass der Hund zumin­d­est den Beu­tel mit der Nase berührt. Das passiert meist völ­lig alleine, denn “das Opfer” hat den Beu­tel zunächst inter­es­sant gemacht und dann vor den Hund abgelegt. Die meis­ten Hunde gehen also automa­tisch zu dem Beu­tel. Das sollte mit einem Lob bestätigt wer­den. Sobald der Hund zumin­d­est kurz am Beu­tel war, kann man schon jet­zt das Wort “Trail” sagen. Queen ging anschließend völ­lig selb­st­ständig einige Schritte weit­er. Hin­ter dem Busch stand “das Opfer” mit ein­er klein­er Tup­per­dose mit Fut­ter für den Hund. Wichtig ist, dass “das Opfer” den Hund nicht lockt. Doch sollte eine Per­son mit ein­er Dose Leck­ereien hin­ter einem Baum hock­en, so wer­den die meis­ten Hunde zumin­d­est einen Blick riskieren. Mit Lob habe ich Queen ermutigt hinzuge­hen. An dem “Opfer” angekom­men, hält diese dem Hund die Dose hin, sodass er Fressen darf. Gle­ichzeit­ig lobt der Hun­de­führer seinen Vier­bein­er. Und so hat­ten wir bere­its den ersten kleinen Trail been­det. Die Leine wird wieder am Hals­band befes­tigt.

Direkt im Anschluss haben wir noch zwei weit­ere kurze Trails gemacht. Genau nach dem gle­ichen Muster.

Ich hat­te ehrlich gesagt nicht das Gefühl, dass Queen wusste, was sie tat. Ich war mir sich­er, sie würde lediglich dem Weg fol­gen, als würde sie denken, wir gehen spazieren.

Die Trainer­in schlug vor, Queen nun erst ein­mal ins Auto zu brin­gen. “Lass sie mal drüber nach­denken.”

Ich war skep­tisch, doch nun war ich an der Rei­he “das Opfer” zu spie­len. Nach ein­er hal­ben Stunde war Queen erneut an der Rei­he und sie schien tat­säch­lich ver­ar­beit­et zu haben worum es ging.

Gezielt ging sie zum Beu­tel und schien tat­säch­lich nach der Per­son zu suchen. Es klappte schon sehr gut und ich war begeis­tert.

Nach und nach wurde es schwieriger. Bere­its beim zweit­en Ter­min haben wir sie direkt in dem Beu­tel riechen lassen. Hier­bei ist es wichtig, dass der Hund einige Sekun­den die Nase im Beu­tel hat. Anhand der Rip­pen sieht man, ob der Hund atmet oder die Luft anhält. Atmet er ein bis zwei mal, dann hat er den Geruch aufgenom­men.

Die Streck­en wur­den länger und “das Opfer” stand nicht mehr neben uns, son­dern saß bere­its im Ver­steck, als Queen aus dem Auto kam. Die Trails wur­den kom­plex­er. “Das Opfer” saß nicht mehr direkt am Weg, son­dern auch mal im Unter­holz. Schwierig sind vor allem Kreuzun­gen. Viele Hunde bleiben ste­hen und streck­en die Nase in die Luft. Queen hat sich die Tak­tik angewöh­nt, ein­mal im Kreis zu laufen, wie ein Pferd beim Longieren. Anschließend biegt sie in die Straße ein, aus der sie den Geruch wahrn­immt.

Wichtig ist, dass man dem Hund aus­re­ichend Leine gibt. Queen läuft in der Regel vier bis fünf Meter vor mir. Die Leine ist auf Span­nung, aber nicht zu sehr. Man muss sich in jedem Fall angewöh­nen, seinem Hund zu ver­trauen. Mir fiel das unbe­wusst schw­er. Bog Queen falsch ab, wurde ich instink­tiv langsamer. Das ist aber völ­lig falsch, denn der Hund wird von alleine merken, dass er falsch ist und umdrehen. Es stärkt die Bindung, wenn man seinem Hund das Gefühl ver­mit­telt, dass man ihm ver­trauen würde. An schwieri­gen Stellen ist Queen zu Beginn unsich­er gewe­sen und ein­fach ste­hen geblieben. Ich habe das aus­sitzen, bzw. “ausste­hen” müssen und gewartet, bis sie von alleine weit­er lief. Das sind entschei­dende Momente, die den Hund weit­er brin­gen.

Die Trainer­in hat mir für mein eigenes Train­ing einige Male nicht ver­rat­en wo “das Opfer” ist. Sie lief hin­ter uns her und gab kleine Anweisun­gen was zum Beispiel die Länge der Leine bet­rifft. An Kreuzun­gen sollte man seinen Hund näm­lich etwas “ein­fan­gen” und den Abstand ver­ringern um gegebe­nen­falls bei ein­er Gefahren­si­t­u­a­tion ein­greifen zu kön­nen. Mir hat es geholfen nicht zu wis­sen, wo sich das Opfer befind­et, da ich mich auf Queen ver­lassen musste und das war irgend­wie wirk­lich schön.

Irgend­wann hat Queen auch sich kreuzende Spuren gemeis­tert und die Trails lagen mehrere Stun­den. Heute sind wir so weit, dass wir auch in der vollen Osnabrück­er Innen­stand trailen kön­nen und Queen sich von nichts ablenken lässt. Sie find­et zuver­läs­sig das “Opfer”, auch, wenn der Trail mehrfach an der gle­ichen Stelle vor­beikommt und auch, wenn er schon mehrere Stun­den vor ihrem Ein­satz gelaufen wurde.

Der aktuelle Stand

Ich will ehrlich sein: Wir gehen nicht mehr zum Kurs. Das liegt zum einen daran, dass es mit zwei Hun­den echt kom­pliziert ist. Wir haben das Alleine bleiben mit Püp­pi eher sel­ten geübt, sodass sie immer mit zum Trailen kam, weil sie nicht gut ohne Queen alleine bleiben kann. Sie lag im Auto und kam her­aus, wenn Queen Pause hat­te. Das Prob­lem sind heiße Tage und klir­rende Kälte. Bei bei­den extremen Tem­per­a­turen will man seine Hunde nicht im Auto lassen. Auch für Queen ist es nicht schön, wenn sie 10 Minuten Höch­stleis­tung bringt und dann mit war­men Muskeln ins kalte Auto muss.

Zudem fand ich den Kurs rel­a­tiv teuer im Ver­gle­ich zu der Zeit, in der der Hund gear­beit­et hat. Von zwei Stun­den Kurs mit ins­ge­samt 3 Teil­nehmern hat Queen vielle­icht 20 Minuten gear­beit­et.

Mit­tler­weile gehen wir für uns Trailen. Jan geht mit Püp­pi vor und Queen fol­gt entwed­er ihm oder Püp­pi. Soll sie ihm fol­gen, nehmen wir ein T-Shirt als Geruch­sträger. Soll sie sich auf Püp­pi konzen­tri­eren, dann lege ich Haare aus ihrer Bürste in den Beu­tel. Bei­des klappt super.

In der Regel gehen wir drei Trails mit kurzen Pause. Die Trails sind in der Regel ca. 1 bis 1,5 km lang. Manch­mal auch mehr, dann kürzen wir aber die Anzahl auf 2 Trails. Anschließend ist Queen abso­lut k.o. und schläft tief und fest für mehrere Stun­den.

Mantrail­ing hat unzäh­lige Vorteile: Man kann es über­all und jed­erzeit machen, es ist gelenkscho­nend und gle­ichzeit­ig anstren­gend. Man braucht keine Sport­geräte, son­dern nur eine zweite Per­son. Unsichere Hunde gewin­nen Sicher­heit und wer­den selb­st­be­wusster. Hochge­drehte Hunde wer­den ruhiger und ler­nen konzen­tri­ert zu arbeit­en.

Wir kön­nen jedem empfehlen, das Mantrail­ing ein­mal auszupro­bieren. Macht es nicht alleine, son­dern besucht eine Hun­de­schule oder einen Kurs, weil ger­ade wir Men­schen wirk­lich viel ler­nen müssen, was den Abstand, die Span­nung der Leine und das Ver­trauen zum Hund bet­rifft. Ein­mal verin­ner­licht, kann man auch für sich trailen gehen und hat damit eine tolle Möglichkeit, seinen Vier­bein­er spon­tan, über­all und jed­erzeit art­gerecht aus­las­ten zu kön­nen.

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2 thoughts on “[Mantrailing — so funktioniert der beliebte Hundesport.]

  1. Das Lieblingsrudel says:

    Toller Artikel! Ich über­lege schon länger, mit mein­er Püp­pi mal trailen zu gehen. Scheint doch gar nicht so schw­er zu sein, das wer­den wir jet­zt echt mal in Angriff nehmen. Vie­len Dank für die Inspi­ra­tion! ❤️

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