Allgemein, Erziehung

Meine Tips zur Leinenführigkeit und zum Freilauf

Wie die Über­schrift ver­rät, soll sich dieser Artikel um meine Tips zur Leinen­führigkeit drehen. Ich nehme es gle­ich mal vor­weg: Ich habe noch nie mit Queen oder Püp­pi Leinen­führigkeit trainiert. Warum ich dann diesen Artikel schreibe? Das liegt zum einen daran, dass ich vor eini­gen Tagen eine Sto­ry auf meinem Insta­gram­pro­fil gepostet habe, in der Queen ohne Leine und ohne Kom­man­do entspan­nt neben mir läuft. Zu dieser Sto­ry habe ich viele Nachricht­en bekom­men, in denen ihr von mir wis­sen woll­tet, wie ich das trainiert habe. Und obwohl ich tat­säch­lich noch nie klas­sis­ches Leinen­führigkeit­strain­ing gemacht habe, habe ich den­noch ein paar Erfahrun­gen mit diesem The­ma gesam­melt und ein paar all­ge­meine Tips für euch, die ich gern ver­rate.

Vor­ab natür­lich wie immer: Ich bin keine Hun­de­trainer­in. Alles, was ihr gle­ich lesen werdet, basiert auf meinen Erfahrun­gen und meinem Bauchge­fühl. Das mag auch bei anderen Hun­den zutr­e­f­fen, aber hat natür­lich keine All­ge­me­ingültigkeit.

Das klassische Leinenführigkeitstraining

Ich muss zugeben, Leinen­führigkeit ist für mich ein total neg­a­tiv behafteter Begriff. Eigentlich Quatsch, aber ich verbinde ihn mit diesem typ­is­chen Train­ingstips. “Wenn dein Hund an der Leine zieht, dann bleibt ste­hen” oder bess­er noch “… wech­sle die Rich­tung.” Train­ing muss in meinen Augen IMMER und das meine ich wirk­lich so, Spaß machen. Uneingeschränkt. Denn wenn der Men­sch keine Lust auf das Train­ing hat, dann überträgt sich das auf den Hund und dann kann man es auch gle­ich lassen. Und ganz ehrlich: auf hun­dert Rich­tungswech­sel und fün­fzig Stop and Goes habe ich keine Lust. Ich finde das — sor­ry schon ein­mal vor­ab an alle Hun­de­train­er — auch völ­lig lebens­fremd und in meinen Augen nur eine “Behand­lung der Symp­tome” aber nicht der Ursache.

Eine gute Bindung als Basis

Leinen­führigkeit gehört genau wie zum Beispiel der Rück­ruf zur Grun­derziehung. Die Grun­derziehung wird oft als Basis beze­ich­net. Das kann man machen und ist sich­er nicht falsch. Ich hinge­gen würde etwas anderes als Basis beze­ich­nen, um alles aus einem anderen Blick­winkel betra­cht­en zu kön­nen. Die Basis ist für mich eine gesunde Bindung zwis­chen Men­sch und Hund. Die Bindung ist der Schlüs­sel. Die ver­schiede­nen Ele­mente im Rah­men der Erziehung sind wie Säulen, die auf der Basis “gesunde Bindung” aufge­baut wer­den. Ohne eine solide Bindung als Fun­da­ment kön­nen die ver­schiede­nen Säulen nicht hal­ten.

Eine gute Bindung entste­ht, wenn alles passt. Der Hund muss sich wohl fühlen und seinem Men­schen ver­trauen. Man muss also in den entschei­den­den Momenten die Zügel in die Hand nehmen, sodass der Hund lernt sich auf uns ver­lassen zu kön­nen. Das sind zum Beispiel die Momente, in denen fremde Hund auf deinen Hund zustür­men und er sich damit nicht wohl fühlt. Dann schir­men wir ab und küm­mern uns darum, damit er sich nicht unwohl fühlen muss. Das sind entschei­dene Momente, um eine gute Bindung aufzubauen. Art­gerechte Beschäf­ti­gung und gemein­sames Spie­len trägt eben­so zu ein­er Bindung bei. Ich habe von Anfang an ver­sucht, für Queen und Püp­pi in jedem Fall span­nen­der zu sein als die Umwelt. Sei es durch kleine Spielein­heit­en, durch gemein­sames Toben oder durch plöt­zlich­es Fliegen von Leck­erlis ins hohe Gras. Ich ver­suche für meine Hunde zu einem inter­es­san­ten Part­ner zu wer­den. Das ist mir schein­bar auch gar nicht so schlecht gelun­gen, denn Queen und Püp­pi wür­den bei­de zum Beispiel nie zu einem anderen Hund hin­laufen. Ich brauche hierzu auch gar nichts zu sagen und wir haben das auch nicht einzeln trainiert. Kom­men uns Fußgänger, Rad­fahrer oder Jog­ger ent­ge­gen, weichen bei­de unaufge­fordert an den Rand aus. Kom­men andere Hund, laufen bei­de zu mir und gehen hin­ter mir weit­er. Ohne, dass ich sie auf­fordern muss. Ich habe bei­den gezeigt, dass man Ent­ge­genk­om­menden auswe­icht. Da sich bei­de an mir ori­en­tieren, klappte es schon nach kurz­er Zeit auch ohne Worte. Dass sie bei einem ent­ge­genk­om­menden Hund hin­ter mir laufen, habe ich ihnen nicht bewusst beige­bracht. Dafür hat Queen sich entsch­ieden und Püp­pi hat es ihr nachgemacht.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hunde, die eine gute Bindung zu ihren Men­schen haben und sich im All­t­ag deut­lich an ihren Men­schen ori­en­tieren, von Haus aus öfter leinen­führig sind. Das lässt sich auch bei Queen super beobacht­en. Ich bin zwar span­nend, aber nicht so spanend wie der See. Wenn wir kurz vor dem Ufer sind, dann zieht sie an der Leine. Dann will sie dort hin. Unab­hängig davon, ob ich ihr eine Alter­na­tive wie zum Beispiel ihren Ball anbi­ete. Das Wass­er würde sie in jedem Fall vorziehen. In diesem Moment bin ich also nicht so span­nend wie das Wass­er und sie zieht. Nor­maler­weise laufen die bei­den neben mir. Schauen ab und an zu  mir hoch, ich ab und zu zu ihnen herunter. Doch auch Queen und Püp­pi ziehen manch­mal an der Leine. Bei Queen ist es das Wass­er, bei Püp­pi sind es ihre Fre­unde, bei denen sie mich kurz aus­blendet.

Unser Alltag

Ich benutze in der Regel kurze Leinen. Ger­ade mal 1m oder 1,2m lang. Ich möchte, dass die bei­den neben mir laufen und nicht vor mir. Ich möchte mit ihnen zusam­men gehen und nicht hin­ter ihnen her. Bei­de haben gel­ernt, dass sich das lohnt. Zwis­chen­durch spreche ich sie an und hole mir ihre Aufmerk­samkeit. Manch­mal gibt es auch ein­fach so und für sie uner­wartet ein Leck­er­li. Ein­fach nur um ihnen das Gefühl zu ver­mit­teln, dass es sich lohnt, bei mir zu laufen. Ich belohne ganz bewusst nicht den Moment, in dem sie mich anse­hen, weil ich möchte ihnen nicht das Gefühl geben, dass ich ein Fut­ter­automat bin, der Leck­erlis fall­en lässt, wenn man ihn ansieht. Da wir nur zwei Minuten bis zu den Feldern brauchen und die Leine dort auch abgemacht wird, ist die Zeitspanne, in denen sie an der kurzen Leine neben mir laufen, kurz. Für die 400 Meter finde ich solch kurze Leinen völ­lig aus­re­ichend. Wenn ich weiß, dass ich sie nicht ableinen kann, dann nehme ich län­gere Leinen und sie haben mehr Freiraum.

Ich bin davon überzeugt, dass eine gute Bindung der Schlüs­sel zu allem ist. Wer sich mit seinem Hund art­gerecht beschäftigt und für seinen Hund ein inter­es­san­ter Part­ner wird, der wird viele Prob­leme schnell in den Griff bekom­men. Wenn der Hund das Gefühl hat, dass sein Men­sch span­nend ist, dass es sich lohnt, in sein­er Nähe zu bleiben, ist dies der erste Schritt um Prob­leme wie das Ziehen an der Leine, aber auch andere Prob­leme wie der Rück­ruf oder das Jagen in den Griff zu bekom­men.

Ich will damit nicht sagen, dass Hunde, die an der Leine ziehen oder jagen, keine Bindung zu ihrem Men­schen haben. Richtig pas­sion­ierte Jäger kann man nur schlecht aus diesem Muster her­aus­holen. Ich rede nur davon, dass eine gute Bindung der Grund­stein ist und sich dadurch viele Prob­leme schnell lösen lassen. Größere Prob­leme, die ein gewiss­es Train­ing erfordern, sind ein­fach­er in den Griff zu bekom­men, wenn der Hund sich ohne­hin sehr gut an seinem Men­schen ori­en­tiert.

Hinzu kommt in unserem Fall, dass die bei­den sehr viel beschäftigt wer­den. Ich bin den ganzen Tag bei ihnen und wir gehen vier mal pro Tag nach draußen. Ich beschäftige mich viel mit ihnen, sowohl drin­nen als auch draußen. Sie sind sehr aus­geglichen und daher von Haus aus etwas ruhiger an der Leine. Wenn ich zum Beispiel mehrere Stun­den außer Haus bin und wir nach mein­er Rück­kehr direkt raus gehen, dann sind die bei­den auch deut­lich nervös­er und aufgeregter, was sich natür­lich auch auf die Leinen­führigkeit auswirken kann.

Was ich nun eigentlich sagen wollte:

Ich bin der Mei­n­ung, dass diese typ­is­chen Leinen­führigkeit­sein­heit­en wie Rich­tungswech­sel oder auch das klas­siche Ste­hen­bleiben, nicht die Lösung sein kön­nen. Mein Bauchge­fühl sagt mir, dass das lediglich eine Symp­tombe­hand­lung ist und keine Arbeit an der Wurzel des Prob­lems. Leinen­führigkeit ist sel­ten ein isoliertes The­ma, welch­es man nur für sich betra­cht­en kann.

Daher meine Tips:

Macht euch inter­es­sant. Ver­mit­telt eurem Hund das Gefühl, dass es sich lohnt, bei euch zu bleiben. Und ganz ehrlich: Wer die Zeit mit seinem Hund liebt, der beschäftigt sich ohne­hin gerne mit ihm. Belohnt nicht jedes Hin­auf­schauen zu euch, denn dann werdet ihr ganz schnell zu einem Fut­ter­auto­mat­en für den Hund. Und sowieso: Ständi­ger Blick­kon­takt ist vielle­icht auf dem Hun­de­platz hüb­sch anzuse­hen, aber im All­t­ag soll man die gemein­same Zeit genießen und gemein­sam Aben­teuer erleben. Wenn euer Hund entspan­nt neben euch läuft, dann ist das The­ma Leinen­führigkeit mehr als nur in den Griff bekom­men. Ständig Anstar­ren und ein Laufen wie an der Schnur gezo­gen ist nicht notwendig und in meinen Augen völ­lig über­trieben. Ein Hund ist ein Lebe­we­sen und kein Sport­gerät.

Macht euch interessant. Zeigt eurem Hund, dass es sich lohnt bei euch zu laufen. Aber bettelt nicht um seine Aufmerksamkeit.

Wie habt ihr die Leinen­führigkeit trainiert? Was sind eure Tips?

One Commnet on “Meine Tips zur Leinenführigkeit und zum Freilauf

  1. Hal­lo Sab­ri­na! 🙂
    Eine gute Bindung ist wichtig – defin­i­tiv! Das ste­ht ganz außer Frage, ist allerd­ings auch mein­er Mei­n­ung nach nicht die Lösung für alles.
    Yari z.B. liebt mich abgöt­tisch – er ist (ganz typ­isch Aussie) ein Ein-Mann-Hund, bzw. in diesem Fall ein Ein-Frau-Hund und lässt alles und jeden für mich links liegen.
    Er ist aber auch ein „nervös­es Hemd“ und ein sehr unruhiger Vertreter sein­er Art, lässt sich schnell und von vielem aus dem Konzept brin­gen und ist generell schnell „drüber“.
    Die Leinen­führigkeit mit ihm klappt an sich sehr gut – eben durch seine (und meine) nervöse Art haben wir aber den­noch immer wieder damit zu tun und ich glaube zeitweise nicht, dass es jemals per­fekt sein wird, wie z.B. bei Yumo.
    Wir wohnen z.B. keine 800 Meter von einem schö­nen Wald ent­fer­nt, müssen aber zunächst etwa 100 Meter vom Haus aus an ein­er stark befahre­nen Straße ent­lang gehen, um dor­thin zu kom­men. Die ist laut, voll und stink­end und an diesen 100 Metern muss ich ihn mehrmals kor­rigieren und bin häu­fig dadurch (und durch den Krach) sel­ber auch gestresst, was ihn wiederum stresst – sobald wir in die Neben­straße abbiegen, klappt es sofort vii­i­iel bess­er.
    Ähn­lich ist es momen­tan mit anderen Hun­den – Yari hat sich NIIIIE für andere Hunde inter­essiert; jet­zt ist er am pubertieren (und wie) und jam­mert und heult und fiept regel­recht, wenn er andere Hunde sieht. Ganz schlimm ist es bei Hündin­nen. Da bin ich mir allerd­ings ziem­lich sich­er, dass wir das in ein paar Jahren/Monaten, wenn der Herr etwas älter ist, wieder in den Griff bekom­men. 😉 Die Hor­mone spie­len halt ver­rückt.
    Das heißt: ja; eine Bindung ist mit Sicher­heit enorm wichtig, wenn es um sämtliche Bere­iche des Train­ings geht. Aber manch­mal spie­len eben auch ganz andere Dinge mit rein, da kann die Bindung noch so gut sein.
    Liebe Grüße,
    Ali­na mit Yumo und Yari 🙂

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