Mythen rund um das Thema “Zweithund”

Mythen rund um das Thema “Zweithund”

Ob auf der Hun­dewiese oder hier über den Blog — immer wieder begeg­nen mir Fra­gen rund um das Thema “Zwei­thund”. Und dabei wird oft deut­lich, dass sich in der Hun­dewelt schein­bar einige Mythen rund um dieses Thema ver­bre­itet haben. Oft werde ich gefragt, wie aufwendig ein zweiter Hund wirk­lich ist. Ich kann zwar nicht für alle sprechen, doch ich kann berichten und erzählen, wie das bei uns so läuft und das ein oder andere Gerücht aus der Welt räumen.

Ist der erste Hund gut erzogen, erzieht sich der zweite so mit. Der guckt sich das alles beim Älteren ab.”

Nö. Kann ich defin­i­tiv nicht bestäti­gen. Queen ist wirk­lich ein gut erzo­gener Hund. Sie ist lieb, verträglich, hört aufs erste Wort und muss meist nicht mal ange­sprochen wer­den. Sie läuft nicht weit von mir weg, rennt nicht zu anderen Hun­den und kommt von allein zu mir, wenn uns jemand ent­ge­gen kommt.

Dass es mit Püppi genauso wort­los funk­tion­iert,  kann ich nicht behaupten. Püppi hat kein Prob­lem damit auch mal 50 m weit übers Feld zu ren­nen oder mal ein­fach in den ein oder anderen Weg abzu­biegen, falls der aus ihrer Sicht inter­es­san­ter scheint. Püppi ist dur­chaus abruf­bar, doch sie ori­en­tiert sich bei weitem nicht so sehr an mir wie Queen es tut. Sie hört eben­falls auf meine Sig­nale, doch ich muss sie oft ansprechen.

Abgeguckt hat sie sich dafür Queens Flausen im Kopf. Queen macht auch gerne mal Quatsch und all diese Dinge hat Püppi bin­nen kurzer Zeit auch gemacht. So springt Queen zum Beispiel plöt­zlich auf, geht zur Spielzeugk­iste und schleud­ert und schüt­telt alles durch die Gegend, was ihr vor die Pfoten kommt. Auch herum­liegende Kissen oder Decken sind dann nicht sicher. Lässt man Queen alleine, obwohl sie vorher nicht mehr beschäftigt wurde, deko­ri­ert sie um. Alle Kör­bchen lan­den auf einem Haufen, der Tep­pich wird vor die Tür geschoben und alle Kissen, Decken und Handtücher wer­den wild verteilt. Püppi macht es genauso.

Also ja, die schauen sich schon einiges ab, aber meist nicht das, was man sich wünscht 🙂

Ob du nun mit einem oder zwei Hunden raus gehst, wo ist da der Unterschied?”

Ich finde, da ist ein sehr großer Unter­schied. Es gibt tausend inter­es­sante Stellen, die alle beschnup­pert und genau inspiziert wer­den müssen. Doch wenn der eine nach links läuft, rennt der andere nach rechts. Der eine läuft vor, der andere schnup­pert 15 Meter hin­ter einem und trödelt herum. Ich bin wirk­lich kein Fan von der Benutzung eines Smart­phones während der Hun­derunde, doch man nimmt es ja doch mit. Es kann ja immer mal etwas sein. Ein Hund kön­nte sich ver­let­zen oder man kön­nte den Schlüs­sel vergessen haben. Und während man mit einem Hund doch mal ein Auge zuge­drückt hat und schnell eine Nachricht beant­wortet oder gar ein Gespräch angenomen hat, ist nun nicht mehr daran zu denken. Während der eine nach links rennt und der andere noch hin­ter rechte im Gebüsch stöbert, kann man weder auf Nachrichten antworten noch telefonieren.

Und wenn man nicht möchte, dass seine Arme num 10 cm länger wer­den, dann soll­ten beide Hunde abso­lut leinen­führig sein, wenn man mit zwei Hun­den gle­ichzeitig an der Leine geht. Plöt­zliches brem­sen oder plöt­zlich nach links ziehen kann da schon mal das ein oder andere Leinen­chaos verur­sachen und endet im puren Stress. Ich habe das Thema am Anfang nicht allzu ernst genom­men. Haupt­sache sie ziehen nicht, war mein großes Ziel. Doch wenn man mit bei­den Hun­den an der Leine geht, dann ist ein plöt­zliches hier und da schnup­pern wirk­lich anstren­gend. Daher nehme ich das mit­tler­weile schon etwas genauer, nehme beide kurz wenn ich alleine mit ihnen raus gehe und gehe auf direk­tem Wege dor­thin, wo sie frei laufen können.

Man kann sich auch mit zwei Hunden gleichzeitig beschäftigen.”

Kann man. Klar. Dazu müssen aber auch einige Vorauset­zun­gen erfüllt sein und nicht auf alle hat man einen Einfluss.

Natür­lich kann man sich mit zwei Hun­den auf eine Wiese stellen und einen Ball wer­fen. Aber in meinen Augen kann man das höch­stens als Bespaßung, nicht aber als Beschäf­ti­gung beze­ich­nen. Unter art­gerechter Beschäf­ti­gung ver­stehe ich Kopf– und Nase­nar­beit, struk­turi­ertes Apportieren, Such­spiele und ähnliches.

Nehmen wir also mal den Klas­siker für Unter­wegs: wir ver­stecken Leck­erlis und lassen die Hunde suchen. Sollte man einiger­maßen struk­turi­ert vorge­hen wollen, so soll­ten beide Hunde das Sig­nal­wort “bleib” beherrschen und getrennt abruf­bar sein. Und glaubt mir, das ist wirk­lich nicht so ein­fach. Ich habe mehrere Wochen gebraucht bis ich beide Hunde getrennt abrufen kon­nte. Beide müssen also mit Frus­tra­tion umge­hen kön­nen und auch gel­ernt haben zu warten, während der andere “arbeiten” darf.

Zwei Hunde gle­ichzeitig zu beschäfti­gen erfordert Struk­tur und Übung.

Eine weit­ere und vielle­icht sogar wichtigere Voraus­set­zung ist, dass beide Hunde auch für diese Beschäf­ti­gung gemacht sind. Schäfer­hunde haben beim Agility nichts zu suchen. Sie sind vom Kör­per­bau her über­haupt nicht gemacht für diesen Sport und soll­ten diesen auch nicht ausüben. Queen geht gerne trailen und ist für jedes Such­spiel zu haben. Püppi mag Agility, Dog­Dance und ZOS.

Nun kann man natür­lich sagen, dass ich vorher hätte wis­sen kön­nen. Hab ich auch 🙂 Den­noch kann man auch zwei Hunde gle­icher Rasse haben und beide haben völ­lig unter­schiedliche Inter­essen und Veranlagerungen.

Man sollte also bedenken, dass man unter Umstän­den die Hunde auf kom­plett unter­schiedliche Weise beschäfti­gen muss.

Zwei Hunde bedeuten dop­pelt so viel Zeit und eine genaue Struk­tur. Natür­lich bedeuten zwei Hunde auch dop­pelt so viel Spaß, Freude und dop­pelt so viel Liebe im Haus. Ich möchte weder das Bärchen noch den Pupo­nauten mis­sen, doch ich finde, dass die vie­len Mythen rund um das Thema Zweti­hund gefährlich sein kön­nen. “Der zweite läuft so mit” kön­nte dazu führen, dass einem die Real­ität einen Ham­mer vor den Kopf haut. Würde ich nicht von Zuhause aus arbeiten, dann hätte ich keinen zweiten Hund in mein Leben geholt. Der Trend geht zum Zwei­thund, keine Frage und ich kann das super gut verstehen.

Doch es ist nicht so ein­fach wie es vielle­icht in den niedlichen Insta­gram Accounts aussieht.Und ich finde es auch nicht richtig, wenn man immer nur zeigt und erzählt wie toll doch alles ist. Natür­lich ist es traumhaft schön, wenn man zwei Hunde hat, die sich ver­ste­hen und mit denen man so viel Spaß haben kann. Doch es bedeutet viel Zeit und viel Arbeit. Immer nur die heile und per­fekte Welt zu zeigen, ver­mit­telt anderen den Ein­druck, als würde das alles mit links laufen. Ein zweiter Hund kommt dazu und plöt­zlich ist alles anders. Und wer muss es aus­baden? Die Hunde. Der erste, der vielle­icht zurück­stecken muss. Und / oder der zweite, der vielle­icht wieder abgegeben wird.

Zwei ren­nende und spie­lende Hunde auf der Wiese ist nur eine Momen­tauf­nahme. Es steckt viel Arbeit dahin­ter beide Hunde so frei ren­nen lassen zu können.

Zwei knud­del­nde Hunde im gle­ichen Kör­bchen ist niedlich anzuse­hen, doch erfordert auch eine zeit­in­ten­sive Aus­las­tung, dass beide Hunde so entspannt Zuhause sind.

Flauschige kleine Welpen knab­bern liebevoll am Ohr des Großen ist putzig und süß, doch erfordert eine per­fekte Sozial­isierung und Erziehung des ersten Hundes.

Und den­noch. Was ist besser als ein Hund? Genau. Zwei Hunde 🙂

Wer mehr zu diesem Thema lesen möchte, findet weit­ere Erfahrun­gen und Infos in meinem Artikel mit dem Titel “7 Voraus­set­zun­gen für einen zweiten Hund”.

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Posted on: 5. November 2017Sabrina

9 Gedanken zu „Mythen rund um das Thema “Zweithund”

  1. Ich kann alles was du im obi­gen Beitrag geschrieben
    hast, total bestätigen.
    Aber bei der Aufzäh­lung der Vorteile von zwei Hunden,
    fehlt etwas. Es fällt entsch­ieden leichter, ZWEI Hunde allein zu Hause zu lassen. Es gibt Sit­u­a­tio­nen wo sie nicht mit kön­nen oder wo man auch mal ohne Hund hin möchte.
    Aber EINEN Hund alleine lassen, macht ein schlechtes Gewis­sen und tötet jeden Spaß.

    1. Da hast du wirk­lich recht. Zwei hunde alleine zu lassen fällt mir auch deut­lich leichter. Obwohl ich hier schon oft eine Kam­era hingestellt hab, denn die bei­den nutzen oft die gele­gen­heit und zocken hier so richtig quer durch die Bude. Die machen viel Quatsch wenn sie alleine sind. Nichts kaputt, gott sei Dank. Sie spie­len viel. Aber zur RUhe kom­men sie nicht, wenn sie alleine sind. Sobald sie etwas hören ren­nen sie zur Tür. Das hat Queen alleine nciht gemacht.

  2. Ich über­lege seit 4 Wochen ob ja oder nein.
    Meinen Mann müßte ich auch noch überrrden.
    Vom Ver­stand her nein, aber es wäre ein Notfall.
    Der Eurasier­rüde ist 4 Jahre alt, wie unser ELO.
    Haken: Sein Frauchen ist gestor­ben und Her­rchen kommt mit ihm nicht klar. Außer­dem ist er lei­der ein Leinen­hund weil er jagt. Mein Herz
    weint!

    1. Ich bin auch schon oft auf Hunde in Not getrof­fen und habe über­legt. Doch wenn der Kopf schon nein sagt, dann bringt es auch nichts. Du wirst immer wieder Hunde tre­f­fen, die ein neues Zuhause suchen. Du kannst nicht alle aufnehmen und wenn dein Ver­stand schon dage­gen ist, dann bringt es nichts.

  3. Ohja, der Zwei­thund guckt sich einiges ab — aber lei­der wirk­lich nicht immer das, was man möchte. Während meine Motte glück­licher­weise meis­tens brav neben mir läuft zieht unsere kleine Fine gerne mal was das Zeug hält.
    Im Freilauf dann das genaue Gegen­teil. Die Große rennt wie irre auf und ab, tobt, spielt und wirbelt alles um. Die Kleine bleibt ein­fach ganz entspannt bei meiner Mut­ter und schnup­pert mal hier und mal da.
    Was die bei­den aber gemein­sam haben? Fine hat sich die Schlafge­wohn­heiten von Motte abgeguckt, das soge­nan­nte “Leonberger-Yoga” beherrscht die Cavalier-Dame per­fekt. Ste­hen wir zu viert an der Straße und Motte bleibt ste­hen, so kann man Fine nur schwer dazu überre­den sich hinzuset­zen. Sitzt Motte jedoch ist das alles ein Kinderspiel.

    Nein, ein zweiter Hund läuft nicht ein­fach neben­her. Und nein, der Ersthund übern­immt nicht die Erziehung.
    Aber die Liebe für beide Hunde und von bei­den Hun­den… Ja, da stim­men alle Vorurteile <3 

    Ganz liebe Grüße,
    Nadine mit Motte

  4. Bei mir ist es tat­säch­lich ein wenig anders. Ich finde zwei Hunde auch total toll und würde immer wieder zwei nehmen. Die Kosten haben sich natür­lich ver­dop­pelt, aber der Zeitaufwand nicht. Ich finde es wirk­lich egal, ob ich mit zwei Hun­den oder einem Hund draußen bin. Ich tele­foniere eh nicht beim Gassi und meine zwei sind ein richtig tolles Team. Wenn wir keinen anderen Hund tre­f­fen, spie­len die zwei miteinan­der. Tre­f­fen wir andere Hunde spielt Cookie mit den anderen Hun­den und Chucks geht seinem Hobby, dem Zeitungsle­sen, nach. Ich beobachte beide. Es sind nie beide gle­ichzeitig ver­schollen oder so. Cookie hört bisher immer auf den Rück­ruf und Chucks nur, wenn er nicht ger­ade einen delikaten Kuh­fladen gefun­den hat (also auch meistens).
    Ein Ersthund übern­immt allerd­ings wirk­lich nicht die Erziehung. Dafür ist es ja auch nicht ver­ant­wortlich. Das ist meine Auf­gabe. Was allerd­ings super war, war, dass meine Cookie gle­ich mit kam, wenn ich Chucks gerufen habe. Per­fekt. Alles andere musste ich ihr auch bei brin­gen. Vor allem sind die Charak­tere ja auch unter­schiedlich und nur, weil der eine das kann, kann es der andere noch lange nicht.
    Neben­her sollte ein Hund nie laufen, egal, ob der erste oder der fün­fte. Jedes Indi­viduum braucht seine Stre­ichelein­heiten, seine Pflege, seine Liebe, sein ggf. indi­vidu­elles Fut­ter, seinen Tier­arztbe­such usw.
    Ein zweiter/ dritter/ vierter/ fün­fter Hund ver­di­ent immer genauso viel Aufmerk­samkeit wie der erste Hund und es muss sich, wie du Sab­rina ja auch sagst, sehr wohl über­legt wer­den, ob man dem gerecht wer­den kann oder nicht!

  5. Wir bekom­men im Feb­ruar einen Welpen und ich bin schon sehr ges­pannt wie sich das mit zwei Hun­den dann entwickelt.
    Bis vor kurzem hat­ten wir einen Pflege­hund und das war schon eine Menge Arbeit (was aber eher an den vie­len Baustellen der Kleinen lag). Aber da hat unser Rüde bei der Erziehung schon ein biss­chen mit­ge­holfen. Wohl eher aus Eigen­nutzen. Die Kleine hat wegen allem gebellt, was ihn wohl auch gestört hat. Und wenn ich nicht direkt daneben stand hat er sie zurecht gewiesen. Außer­dem hat er sie ver­petzt wenn sie auf die Couch rauf ist, was auch recht prak­tisch war, weil ich sie dann gle­ich wieder runter schicken konnte.
    Liebe Grüße,
    Julia und Odin

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