Allgemein, Gesundheit

Nein, ich mag keine Kettenhalsbänder

Ein Hun­de­platz. Train­ingstunde der Schäfer­hunde. Der ein­jährige Rüde erfüllt nicht die hohen Erwartun­gen seines Besitzers. Eine Minute lang lässt er seinen Hund an seinem Ket­ten­hals­band in der Luft hän­gen. Der Hund bekommt Panik. Bewusst­loskeit tritt ein. Der Hal­ter lässt ihn hin­unter. Vier Stun­den nach dem Vor­fall. Unsicher­heit tritt ein. Der Hund begin­nt im Kreis zu laufen. Wenige Minuten später ist der Rüde tot.

Erst gestern fuhr eine Frau mit ihrem Ter­ri­er am Rad, während der Hund wie ein ver­rück­ter zog. Er trug ein Ket­ten­hals­band, welch­es als sog. Würg­er eingestellt war.

Ich bin mir dur­chaus bewusst, dass das hier extreme Sit­u­a­tio­nen sind und man ein Ket­ten­hals­band nicht zwangsläu­fig als Würg­er ver­wen­den muss. Ich weiß auch, dass man auch mit einem Leder­hals­band ein Hund erwür­gen kön­nte. Und ja, Ket­ten­hals­bän­der sind bei gewis­sen Prü­fun­gen sog­ar Vorschrift.

Warum schreibe ich diesen Artikel überhaupt?

Als ich Queen von der Züch­terin abholte, trug sie ein Ket­ten­hals­band. Auf meine Frage hin, warum all ihre Hunde diese Hals­bän­der tra­gen würde, antwortete sie “Schäfer­hunde müssen Ket­ten­hals­bän­der tra­gen, son­st geht die Hal­skrause kaputt.”

Von mir bekam Queen ein Nylon­hals­band. Sie war noch klein und ich wollte nicht unendlich viel Geld für ein Hals­band aus­geben, welch­es sie nur wenige Wochen tra­gen würde.Mittlerweile hat sie wirk­lich viele Hals­bän­der aus unter­schiedlichen Mate­ri­alen. Ihre Hal­skrause sieht wie erwartet gesund und weich aus.

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Auf mich wirk­te das Ket­ten­hals­band befremdlich. Es wirkt kalt und hart. Nichts, was ich selb­st gerne um meinen Hals hätte.

Über­all sieht man Hunde unter­schiedlich­er Rassen mit Ket­ten­hals­bän­dern. Teil­weise als Würg­er eingestellt, teil­weise ist der Kara­bin­er in den Rin­gen einge­hakt, sodass sich das Hals­band nicht zuziehen kann.

Das Hals­band als Würg­er zu benutzen, ist mit dem Tier­schutz in kein­er Weise vere­in­bar. Ich glaube, da ist jede Diskus­sion depla­tiziert und über­flüs­sig. § 3 Tier­SchG stellt dies eben­falls klar.

Doch wie sieht es aus, wenn der Karabiner in den großen Ringen eingehakt wird und sich das Halsband nicht zuziehen kann?

Sucht man bei Google nach Erfahrungs­bericht­en über Ket­ten­hals­bän­der, so find­et man immer wieder fol­gende Zitate:

Ein Ket­ten­hals­band ist nicht schlimm. Man muss es nur richtig ein­set­zen.”

Der Hund muss ja nicht ziehen. Dann tut er sich auch nicht weh.”

Ein erwach­sen­er Hund kann ruhig ein Ket­ten­hals­band tra­gen.”

Mit einem Ket­ten­hals­band ist mein Hund gelehriger und reagiert schneller auf Kom­man­dos.”

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Aus­führliche Berichte von Tierärzten und ver­gle­ich­bar aus­ge­bilde­ten Per­so­n­en fand ich nicht. Daher machte ich mich selb­st auf den Weg und suchte das Gespräch mit meinem Tier­arzt.

Ein Ket­ten­hals­band gehört nicht um den Hals eines Hun­des. Das Hals­band beste­ht aus kleinen oder großen Gliedern. Im Gegen­satz zu einem nor­malen Hals­band aus Led­er bzw. Nylon hat ein Ket­ten­hals­band keine glat­te Ober­fläche. Die einzel­nen Glieder führen zwangsläu­fig dazu, dass die Ober­fläche buck­e­lig ist und kleine Knubbel enthält. Sollte der Hund nun an der Leine ziehen, so bohren sich diese Knubbel in den Hals. Je nach­dem wo die Knubbel sich ger­ade befind­en, kön­nte zum Beispiel die Luftröhre einge­drückt wer­den. Und selb­st wenn ein Hund leinen­führig ist, so kann es immer passieren, dass der Hund sich zum Beispiel erschreckt und in die Leine springt. Der Kehlkopf und die Luftröhre liegen ungeschützt in der unteren Halspar­tie. Meine Hunde wür­den niemals ein Ket­ten­hals­band tra­gen. Was ich nicht selb­st um meinen Hals haben möchte, das bekommt auch mein Hund nicht um.”

Neben möglichen Ver­let­zun­gen kann es auch zu viel­erei Fehlverknüp­fun­gen kom­men. Der Hund sieht einen Art­genpssen, zieht ein wenig in die Rich­tung ung ver­spürt ein schmerzhaften Druck am Hals. Hier­durch kön­nte er einen anderen Hund mit Schmerzen in Verbindung brin­gen und diese Begeg­nun­gen neg­a­tiv bew­erten.

Ein Kettenhalsband kann also zu schwerwiegenden Verletzungen führen und zwar selbst dann, wenn der Grund grundsätzlich leinenführig ist und man den Karabiner in den Ringen einhakt.

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Ich weiß schon jet­zt, dass ich zahlre­iche Mails bekomme, in denen Hun­debe­sitzer das Ver­wen­den eines Ket­ten­hals­bands recht­fer­ti­gen wer­den. Mir ist klar, welche Kom­mentare ich im Laufe des Tages vorfind­en wer­den.

Doch ich werde mich beruhigt zurück­lehnen. Ich habe mich bei einem Tier­arzt erkundigt und weiß nun, welche Risiken mit einem Ket­ten­hals­band zusam­men­hän­gen. Bevor ihr mir also wut­ge­ladene Nachricht­en und Kom­mentare hin­ter­lasst, steckt eure Energie doch lieber in eine Fahrt zum näch­sten Tier­markt und kauft eurem Hund ein art­gerecht­es Hals­band. Informiert euch lieber bei eurem Tier­arzt und nicht bei irgendwelchen Hin­ter­hofzüchtern.

Eisenketten gehören auf die Baustelle, als Verschluss um ein Tor und von mir aus auch in den Kofferraum einer Domina. Aber Kettenhalsbänder gehören nicht um den Hals eines Hundes.

Nachtrag

Nach der Veröf­fentlichung dieses Artikels erre­icht­en mich zahlre­iche Mails und Kom­mentare. Zwei sind mir beson­ders im Gedächt­nis geblieben. Da sie diesen Beitrag bere­ich­ern, möchte ich sie euch — natür­lich nach Rück­sprache mit den jew­eili­gen Per­so­n­en — nicht voren­thal­ten.

Manuela Vogt schrieb:

Manch­mal lernt man Men­schen ken­nen. Du hast das Gefühl, es sind tolle Leute, sche­inst mit denen auf ein­er Wellen­länge. Und dann kommt ihr Hund um die Ecke — mit Ket­ten­hals­band. Und du weißt, du hast dich getäuscht, weil kein nor­mal bzw. etwas weit­er als nor­mal denk­ender Men­sch seinem Hund sowas umle­gen würde.

(…)

Eine ehe­ma­lige Kol­le­gin hat mir mal von dem trau­ri­gen Ende ihres Pflege­hun­des erzählt. Die Hündin trug immer ein Ket­ten­hals­band. Irgend­wann saß sie mit Leuten zusam­men und die Hunde spiel­ten in einiger Ent­fer­nung miteinan­der. Plöt­zlich sah sie, wie ihre Hündin am Boden lag und sie mit leerem Blick ansah. Über ihr der Hun­dekumpel, der sie am Hals gepackt zu haben schien und seinen Kopf hin und her riss. Sie reagierten sofort, denn sie dacht­en, dieser beißt ger­ade die Hündin tot. Sie ver­sucht­en ihn weg zu ziehen, schrien ihn voller Panik an und schlu­gen hil­f­los auf ihn ein. Zu spät erkan­nten sie, dass er sein­er Hun­de­fre­undin niemals etwas tun wollte. Er ist im Spiel mit einem Zahn in ihrem Ket­ten­würg­er hän­gen geblieben und kon­nte sich nicht allein befreien. Die kleine Mali­noishündin ist nicht ein­mal zwei Jahre alt gewor­den. Die Geschichte ist wahr und ich erzäh­le sie zumin­d­est allen, die ich näher kenne und bei denen ich sehe, dass sie auch diese Ket­ten­hals­bän­der ver­wen­den. Aber selb­st das bewegt diese Men­schen nicht dazu, diese Scheiß-Dinger abzu­machen.”

Ker­stin Son­neborn schrieb:

Wir haben mal in der Hun­de­schule den Test gemacht. Klar sind wir Men­schen am Hals empfind­lich­er als unsere Hunde. Aber schon wenn die Leine noch nicht richtig auf Span­nung ist, spürt man das Hals­band schon deut­lich. Ket­ten­hals­bän­der mit groben Gliedern waren da schon sehr unan­genehm, die mit den feinen Gliedern erst wenn Zug auf die Leine kam. Ich war aber auch sehr darüber über­rascht, dass zwis­chen einen feingegliederten Hals­band und einem nor­malen Hals­band so ein großer Unter­schied vom Gefühl ist. Das Hals­band mit großer Gliederung war ins­ge­samt sehr unan­genehm und bei leichter Leinen­be­we­gung spürte man deut­lich die Glieder. Das auszupro­bieren lohnt sich.

9 Comments on “Nein, ich mag keine Kettenhalsbänder

  1. Toller Artikel und ich bin da ganz auf dein­er Seite. Egal ob großer oder klein­er, ein­fach oder “schwieriger” Hund — ein L
    Ket­ten­hals­band ist kein Hals­band, an welch­es eine Leine gehört!
    Jack hat zwar eins, jedoch ist daran nur seine petfindu Marke ange­bracht. Das “Ket­ten­hals­band” haben wir nur, weil die schnell überzus­treifen geht. Was prak­tisch ist wenn wir an Orten sind, wo er sich nicht ausken­nt aber frei laufen darf. Allerd­ings trägt er das auss­chließlich zusät­zlich zum nor­malen Nylon­hals­band. Es dient nur dem Fall, falls er mal ver­loren geht, wegen der Marke. Niemals würde ich meine Leine an einem Würg­er um den Hals meines Hun­des anbrin­gen! Denn dadurch kön­nen, wie du schon sagtest, Fehlverknüp­fun­gen entste­hen. Gar nicht gut!

  2. Bei uns im THS Train­ing tra­gen viele Hunde Ket­ten­hals­bän­der — Bei Emme­ly klappt es auch ohne — da ist die Argu­men­ta­tion aber auch, dass der Hund am Hals­band dann schon weiß, dass Arbeit­en ange­sagt ist..Schmale Para­cord Hals­bän­der oder auch andere Hals­bän­der tun aber auch weh, wenn der Hund richtig zieht. Wenn ich danach gehen würde, was ich mir um den Hals tun würde — würde Emme­ly nichts tra­gen. Aber das wäre zu unsich­er — also trägt sie welche.. Und ein biss­chen muss man auch sehen, dass Hunde das nicht auf nack­ter Haut tra­gen (wobei ich ein­se­he, dass Hunde wie Wind­hunde oder Dal­matin­er — also mit kurzem Fell und ohne Unter­wolle — das natür­lich mehr spüren, wie mein Fell­monster).
    Liebe Grüße
    Lizzy und das Indi­an­er­mäd­chen

  3. Ich stimme euch voll und ganz zu. Ich würde nie ein Ket­ten­hals­band ver­wen­den. Schön, dass das jet­zt auch ein­mal von einem Tier­arzt gesagt wurde. Das schlimme sind ja immer diese Aus­sagen “da lernt er wenig­stens, dass er nicht zu ziehen hat…” “das tut dem nicht weh, son­st würde er ja nicht ziehen…” ahh­h­hh.
    Wir waren mal bei einem “Hun­de­train­er” und der wollte Tim­my auch mit hän­gen am Ket­ten­hals­band trainieren und so Tim­mys Willen brechen… Der Typ hat mit­tler­weile zum Glück Hun­de­hal­te­ver­bot…

    Ich hoffe, dein Artikel weckt so manchen auf.

    Liebe Grüße von uns!

    1. Ich habe sooo viele Kom­mentare und Mails bekom­men. “Deine Argu­mente überzeu­gen mich nicht. Ich benutzte das Hals­band weit­er.” Also wenn die Gesund­heit kein Argu­ment ist weiß ich es auch nicht 🙁

  4. Ket­ten­hals­bän­der… Man begeg­net ihnen über­all. Selb­st Fre­unde von mir hat­ten ihren Hun­den diese Hals­bän­der umgelegt. Mit­tler­weile haben sie alle weiche Hals­bän­der. Die meis­ten haben sie von mir geschenkt bekom­men. 🙂 Das war so aus Unwis­senheit und teil­weise aus alten Gewohn­heit­en. Wenn ich Sie darauf ange­sprochen habe, kam meis­tens die Antwort: “Stimmt, ist doof. Weg mit dem Teil.”
    Manch­mal reicht es mit den Leuten sach­lich zu reden und schon ist dem Hund geholfen, aber es gibt auch die unbelehrbaren, die einen dann als Nichtswiss­er anmeck­ern und sagen, dass ich ungeeignet bin, einen Hund zu führen, weil ich ja keinen Ahnung habe… Okeee… Mit solchen Leuten stre­ite ich mich dann nicht rum und mit einem geflüsterten “Tut mir leid” zum Hund gehe ich dann mein­er Wege. Ändern kann ich solche Men­schen nicht und so sehr es mich ärg­ert, die Polizei oder das Ord­nungsamt untern­immt in solchen Fällen rein gar nichts.

    Flauschige Grüße
    San­dra & Shi­va Wuschelmäd­chen

    1. Das sehe ich genau­so wie du. Ich habe unzäh­lige Nachricht­en bekom­men, dass meine Argu­mente nicht überzeu­gen wür­den 😀 Wenn die Gesund­heit nicht als Argu­ment reicht, dann weiß ich es auch nicht. Außer­dem han­delt es sich um Fak­ten, woran nun mal nie­mand etwas drehen kann. Daher ver­steh ich die Sturheit oft nicht. Teil­weise kam aber auch deut­lich her­aus, dass die Ver­wen­dung oft mit ein­er Bewquem­lichkeit zusam­men­hing: “Die lassen sich so leicht reini­gen”. Na super…

  5. Danke für den tollen Artikel!
    Nach einem erschreck­en­dem Erleb­nis habe ich beschlossen, ganz auf Hals­bän­der zu verzicht­en und meinen Hund nur noch am Geschirr zu führen. Ich habe mich damals beim Wan­dern ver­laufen und musste daher an ein­er Schnell­straße ent­lang gehen. Diese war durch eine ca. 1m hohe Beton­wand begren­zt. An ein­er Eng­stelle, an dem meine Hündin und ich nur einzeln weit­erge­hen kon­nten, kam es zu einem Missver­ständ­nis: Anstatt die Eng­stelle zu passieren sprang meine Hündin aus dem Stand über die Abgren­zungs­mauer auf die viel befahrene Schnell­straße. Dank dem Geschirr und der daran befes­tigten Leine kon­nte ich sie sofort wieder über die Mauer heben. Das war sich­er extrem unan­genehm für sie, allerd­ings hat sie den Zwis­chen­fall unbeschadet über­standen. Ich hätte mich niemals getraut, meinen Hund an einem Hals­band über diese Mauer zu heben und bin froh, dass sie in dem Moment das Geschirr trug. Anderen­falls hätte ich eben­falls auf die Straße sprin­gen müssen, um sie zu ret­ten…
    Die Hals­bän­der trägt sie nur noch zur “Steuer­marken­be­fes­ti­gung”, im Freilauf nehme ich ihr das Geschirr ab und möchte nicht, dass meine Hündin kom­plett “nackt” herum­läuft.

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