Allgemein, Alltägliches

nur gucken — nicht anfassen

Wer Püp­pi ken­nt, weiß, dass sich die kleine Dame nicht von Frem­den anfassen lassen möchte. Sie ergreift die Flucht und falls sie nicht weg kann, knur­rt sie unter Umstän­den. Das Ganze geht so weit, dass wir bei einem Tier­arzt eine Schlinge benöti­gen, weil Püp­pi, wenn sie abso­lut nicht weg kann und ihr Knur­ren nichts bringt, auch schnap­pen würde.

Während ein 35 kg Schä­fi also beim Tier­arzt ste­ht und alles mit sich machen lässt, benötigt der 5 kg eine Schlinge, weil sie son­st alles tack­ert, was ihr vor die kleine Schnau­ze kommt. Gott sei Dank sehen unsere Tierärzte das sehr gelassen.

Als kön­nte sie kein­er Fliege etwas tun …

Queen war früher ähn­lich, doch bei Weit­em nicht so schlimm. Sie wollte sich zwar eben­falls nicht von Frem­den anfassen lassen und ergriff die Flucht, doch sie hat nie geknur­rt oder gar geschnappt. Mit­tler­weile ist sie deut­lich entspan­nter, geht zu jedem hin und lässt sich begeis­tert stre­icheln. Selb­st, wenn die Men­schen dies gar nicht beab­sichtigt haben, sodass es beim Warten an der Ampel schon zu unan­genehmen Sit­u­a­tio­nen kam. Vor Schäfer­hun­den haben viele Respekt und wenn dann ein etwas grob­mo­torisch­er Schä­fi sich seitlich vor einen stürzt um gestre­ichelt zu wer­den, dann freut sich nicht jed­er darüber.

Ich gehöre nicht zu den Hun­debe­sitzern, die ihren Hund mit auf­muntern­den Worten wie “Na geh doch mal Hal­lo sagen” zu den Men­schen schick­en. Daher sehe ich das mit Püp­pi sehr entspan­nt. Unsere Tierärzte akzep­tieren das Prob­lem und haben den nöti­gen Humor, um den Besuch nicht zu ein­er Unan­nehm­lichkeit wer­den zu lassen. Wenn Püp­pi die Men­schen öfter sieht, dann legt sie ihre Scheu ab. Unter Umstän­den wün­scht man sich diese dann zurück, denn wenn sie ein­mal ihre Angst und Unsicher­heit abgelegt hat, kann Püp­pi sehr dis­tan­z­los sein. Sie krabbelt unge­fragt auf den Schoß, riecht auch gerne mal genauer im Gesicht und scheut sich nicht hier­bei ihre warme kleine Minizunge einzuset­zen.

Wenn sie sich von frem­den Men­schen nicht anfassen lassen möchte, dann ist das eben so. Ihre Entschei­dung, die ich respek­tieren werde.

Aber es gibt auch Men­schen, die sehen das etwas völ­lig anders.

Da hätten wir zunächst den “Na, wen haben wir denn da” — Zweibeiner

Diese Form von Zweibein ist wirk­lich harm­los. Sie knien sich hin und streck­en verzweifelt ihre Hand nach Püp­pi aus, damit diese erst schnup­pern kann. Oft erken­nt man diese Kat­e­gorie Men­sch auch an Sätzen wie “Na du bist aber eine Hüb­sche” oder “Ja komm doch der lieben Kor­du­la mal Hal­lo sagen”.

Und was macht der Zwerg? Sie ignori­ert diese Zweibein­er mit aller Hart­näck­igkeit. Keine Chance. Lei­der sind Men­schen, die in diese Kat­e­gorie gehören, schüchterne Hunde meist nicht gewohnt und reagieren nahezu trau­rig auf Püp­pis Reak­tion. Nach eini­gen Ver­suchen geben sie geknickt auf.

Dann gibt es noch die Kopf — Klatscher

Die Kopf — Klatsch­er sind meist ältere Her­ren, die früher auch einen Hund hat­ten — in der Regel natür­lich einen Dack­el oder Jagdhund. Sie gehen direkt und entschlossen mit schnellen Schrit­ten auf fremde Hunde zu. Bevor Püp­pi reagieren kann, fol­gen schon die ersten Klatsch­er auf ihren Kopf begleit­et durch “Na du bist ja ein Fein­er”.

Püp­pi reagiert wie sie reagieren muss und nutzt die erste Gele­gen­heit, um die Flucht zu ergreifen. “Ihr Hund ist wohl etwas stur, was?” Jede Form von Erk­lärung wären hier über­flüs­sig, da einem geballte 100 Jahre “Hun­der­erfahrung” gegenüber ste­hen, gegen die man nicht anre­den sollte. Da auch diese Zweibein­er eher harm­los sind, kön­nen wir ganz gut mit ihnen leben.

Natürlich nicht zu vergessen sind die Starrer

Etwas schwieriger wird es da schon bei den Star­rern. Sie guck­en Püp­pi nicht nur direkt in die Augen, son­dern gehen  auch noch leicht gebeugt auf sie zu. Kurz gesagt: Leute, die über­haupt keine Ahnung von Hun­den haben. “Naaaaaaaaa. Wer bist denn duu­u­u­u­uu?”

Alles klar. Alarm­stufe rot. Püp­pi will weg und kom­men­tiert diese Form des auf sie zu Gehens auch direkt mit einem laut­en Knur­ren. Meis­tens trifft man diese Ahnungslosen nicht auf Hun­de­streck­en, da es sich hier eigentlich nie um Men­schen han­delt, sie selb­st einen Hund haben. In der Regel trifft man diese Zweibein­er in der Stadt. Am besten noch, während man vor einem Geschäft ste­ht und wartet. Also so, dass eine Mauer oder ein Fen­ster direkt hin­ter einem ist und der Hund nicht weg kann. Angeleint kommt so ein Ver­hal­ten natür­lich beson­ders gut an.

Püp­pi reagiert auch hier nicht beson­ders über­raschend. Wenn sie kann weicht sie aus, wenn sie nicht wegkommt, knur­rt sie und das für ihre Größe erstaunlich tief und dunkel. “Ihr Hund ist ja aggres­siv.” Das Klis­chee ist erfüllt. Ein winzig klein­er Taschen­hund, der arme Pas­san­ten anknur­rt. Fehlt wohl nur noch die pinke Hand­tasche, in der ich Püp­pi in ein­er solchen Sit­u­a­tion ver­stauen sollte.

Ich würde mir wün­schen, dass die Men­schen ein­fach ein wenig mehr Rück­sicht nehmen. Ob Hun­de­hal­ter oder nicht, wir alle leben im All­t­ag mit Hun­den zusam­men, selb­st wenn diese Form des Zusam­men­lebens nur auf der Straße in ein­er Zufalls­begeg­nung liegt.

Bitte, bedrängt die Hunde nicht, son­dern lasst ihnen den Raum, den sie brauchen. Fasst sie nicht ein­fach unge­fragt an und habt Ver­ständ­nis für die Geschichte eines Vier­bein­ers. Seit nicht ent­täuscht, wenn der Hund sich nicht von euch stre­icheln lässt. Star­rt den Hun­den nicht in die Augen und beugt euch nicht vor, son­dern kni­et euch zu dem Hund herunter. Lasst an euch schnup­pern und wenn der Hund nicht möchte, dann bitte akzep­tiert diese Entschei­dung. Denn Hunde haben ein Recht darauf, eigene Entschei­dun­gen tre­f­fen zu kön­nen. Und wenn sie sich nicht von Frem­den knud­deln lassen wollen, dann ist höch­stens schade, aber nichts, was geän­dert wer­den muss.

In diesem Sinne: Nur guck­en — nicht anfassen 🙂

6 Comments on “nur gucken — nicht anfassen

  1. Hi Sab­ri­na, ich finde mich am ehesten in der ersten Sit­u­a­tion, allerd­ings habe ich meis­tens das Glück, dass selb­st Hunde, die da son­st nicht tun, zu mir komme und min­destens am mit schnup­pern. Zum Teil darf ich sie zum Erstaunen der Besitzer auch stre­icheln. Ich bin aber auch nicht ent­täuscht, wenn es nicht klappt, dann eben das näch­ste mal 😃 dem let­zten Men­schen würde ich allerd­ings auf den Kopf zu sagen, dass mein Hund nicht aggres­siv ist, son­dern er ein­fach keine Ahnung von Hun­den hat und sich über die Reak­tion dann nicht zu wun­dern braucht

  2. Haben wir hier auch, also das Klis­chee vom kleinen Hund der motzt und meck­ert. Sollen die Leute halt ein­fach weg bleiben, dann ist alles gut.
    Und als Gegen­pol dann natür­lich den 65kg Leon­berg­er, die liebend gern geflauscht wird.

    Ich würd die rosa Hand­tasche unbe­d­ingt mit­nehmen. Aber eher, um besagte Tus­si­tasche der drit­ten Sorte von „Stre­ich­lern“ über den Kopf zu stülpen. Leben ja eh in ihrer eige­nen Welt 😉

    Liebe Grüße,
    Nadine mit Motte

  3. Tre­f­fend zusam­menge­fasst!
    Das Gefühl, dass der Hund ein All­ge­meingut scheint und man ihn mind. ein­mal Antatschen darf als fremde Per­son im Vor­beige­hen oder ihn lock­en darf, ist in Berlin lei­der Gang und gebe und das nicht nur bei „süßen Klein­hun­den“.
    Meine Dame, dt. Schäfer­hund- wahrschein­lich Huskymix (Schä­fi kommt aber voll durch), kommt aus dem Tier­schutz aus Rumänien und hat 3 Jahre gebraucht um wirk­lich bei uns anzukom­men, davor war sie sehr ängstlich, schreck­haft und hat­te null Ver­trauen bis hin zur panis­chen Angst vor frem­den Men­schen.
    Sie hat als Welpe wohl sehr schlechte Erfahrun­gen machen müssen mit Men­schen. 😦
    Lei­der sieht sie sehr hüb­sch und zart aus, so das viele Men­schen sie eher als niedlich empfind­en…
    Da stelle man sich mal vor, dass wir mit ihr S-Bahn-Fahren üben woll­ten nur 2 Sta­tio­nen und ich sie halb unter den Sitz zwis­chen meinen Beinen geschoben habe und sie kom­men­tar­los von einem völ­lig unbekan­nten im Vor­beige­hen auf den Kopf betatscht wurde.
    Für den Hund völ­lig unan­genehm und eine schlimme Sit­u­a­tion, weil eh schon gestresst und für mich voll inakzept­abel, weil zwis­chen meinen Beinen!
    Und am Ende ist man dann Schuld, wenn der Hund zubeisst?!
    Glück­licher­weise hat meine nicht die Ver­an­la­gung zu Schnap­pen aber dafür ich!
    Ich haue eine unge­betene Hand schon mal weg oder werde sehr „stuten­bis­sig“.
    Mit „nett“ kommt man lei­der nicht mehr weit, das musste ich in meinen 4 Jahren ler­nen, als Hun­debe­sitzer.
    Mit­tler­weile kom­men mir nur noch 3 Wörter über die Lip­pen, wenn mal wieder ein Kom­men­tar wie dieser kommt: „die ist aber nicht lieb“ meine Antwort: „hat kein­er gesagt“
    So ein Blog wie dieser ist echt auf­bauend, weil man merkt man ist nicht alleine mit solchen Sit­u­a­tio­nen und sein­er Ein­stel­lung.

    1. Eine solche Erfahrung braucht man wirk­lich nicht. Ich frage mich, was diesen Men­schen im Kopf vorge­ht. Immer­hin durch­drin­gen sie nicht nur die Pri­vat­sphäre von deinem Hund son­dern ja auch von dir. Unglaublich…

  4. Einen Hund unge­fragt anfassen ist ein No-Go und wir haben es bish­er auch immer erfol­gre­ich unterbinden kön­nen. Wir haben einen Schäfer­­hund-/Husky-Mis­­ch­ling der zwar wed­er schnappt noch knur­rt, ihm Unbekan­nten aber oft auswe­icht wenn sie ihn anfassen wollen. Auch ein Hund hat Rechte und zu diesen gehört es, selb­st entschei­den zu dür­fen, von wem er sich anfassen lässt und von wem nicht (Aus­nahme Tier­arzt). Wer­den wir gefragt, sagen wir, dass das unser Hund selb­st entschei­det. Entwed­er hat sich die Sache dann von selb­st erledigt oder wir wer­den gefragt, wie er seine Entschei­dung zeigt. In diesem Fall erk­lären wir es dann gerne.
    Wir haben aber auch schon erlebt, dass Müt­ter ihre Kinder mit den Worten „der beißt“ wegge­zo­gen haben, obwohl sie unseren Hund nicht ken­nen und auch noch 5 Meter ent­fer­nt waren. Das ist unseres Eracht­ens auch kein richtiges Ver­hal­ten.
    Vor eini­gen Monat­en hat­te ein Mann sich nur knapp einen Meter neben unserem Hund (hat­te an einem Gebüsch geschnüf­felt) platziert und ihn mit nach vorne gebeugtem Oberkör­p­er anges­tar­rt. Bewusst hat­te ich nicht sofort reagiert. Erst als Tel­mo sich aufge­baut und sein­er­seits den Mann mit gesträubtem Nack­en­fell fix­iert hat­te, hat­te ich gefragt was das Anstar­ren solle und ob ich ihm helfen könne. Seine Antwort: „ Ich passe auf dass ihr Hund nicht „die ganze Straße vollscheißt“. Meine Reak­tion war nicht sehr fre­undlich.
    Grund­sät­zlich hapert es bei vie­len Men­schen, auch Hun­de­hal­tern, am jeglichem Wis­sen im Umgang mit Hun­den und Ver­hal­ten von Hun­den (das neueste Handy kön­nen aber schon 6-Jährige per­fekt bedi­enen). Hunde sollen sich von jedem Men­schen anfassen lassen, mit jedem anderen Hund voller Begeis­terung spie­len und jede Form von Bedrän­gen, egal ob durch Men­sch oder Tier, kla­g­los erdulden. Knur­ren sie, sind sie aggres­siv (Knur­ren ist aber ein Deeskala­tion­ssig­nal), haben sie kein Inter­esse am Spiel mit Artgenossen und wehren sie vielle­icht auch noch ab, sind sie ange­blich nicht sozial­isiert.
    Viele Beißvor­fälle kön­nten ver­mieden wer­den wenn die Men­schen begreifen wür­den, dass sich ein echter Hund anders ver­hält als ein Stoffti­er.
    Her­zliche Grüße vom Rhein, Christoph

  5. Zuerst habe ich gedacht du schreib­st über meine Gioia 😉 Kampfgewicht 7kg 😀 Sie möchte defin­i­tiv auch nicht ange­fasst wer­den und kann das sehr laut und deut­lich mit­teilen. Und auch das mit dem Ver­trauen stimmt..ist sie erst ein­mal aufge­taut kanns sehr stür­misch zu und her gehen und das mit Vor­liebe auch mit nass­er Zunge 😀 Dann gibt’s kein hal­ten mehr..aber das sind dann wirk­lich Per­so­n­en die sie sehr gut ken­nt. Son­st kann sie echt gut darauf verzichten..das mussten wir erst ler­nen, dass sie da unsere Unter­stützung braucht. Das Gle­iche ist bei ihr auch mit frem­den Hunden..da möchte sie grund­sät­zlich keinen Kontakt..und wenn, dann braucht sie Zeit. So genan­nte Tut-Nixe sind für uns nach wie vor sehr stres­sige Situationen..7kg Hund kön­nen sehr laut wer­den; nur inter­essiert das solche Hunde eher selten..sie ist eine liebe Hündin und kom­mu­niziert super. Aber sie ist eben auch sehr klar was geht und was nicht 😀 und das hat nichts mit kleinem uner­zo­gen­em Hund zu tun..sondern mit Charak­ter und Erfahrun­gen die sie gemacht hat. Völ­lig ok. ❤

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.