Nur gucken — Nicht anfassen!

Nur gucken — Nicht anfassen!

Dies ist ein Beitrag, den ich stel­lvertre­tend für Queen schreibe. Denn ich bin mir sicher, dass sie diese Zeilen auf jeden Fall ver­fasst hätte, wenn sie sich mit­teilen könnte …

Wer Queen kennt und / oder unseren Blog ver­folgt, der weiß bere­its, dass Queen Frem­den gegenüber skep­tisch ist. Sie ist weder agres­siv noch laut. Sie ist ganz ruhig und beobachtet. Wenn jemand sie anfassen möchte, dann will sie weg. Sie braucht ein­fach ihre Zeit, um mit den Men­schen “warm zu werden”.

Natür­lich haben wir auch schon Zweibeiner getrof­fen, die Queen direkt mochte. Das waren Men­schen, die nicht nur ganz all­ge­mein Hunde mochten, son­dern auch Queen. Aber kennt ihr auch diejeni­gen, die aus Höflichkeit euren Hund stre­icheln und begrüßen, obwohl sie sich über­haupt nicht für euren Vier­beiner inter­essieren? Solche Men­schen erkennt Queen aus weiter Ent­fer­nung und geht ihnen immer aus dem Weg. Manch­mal tre­f­fen wir andere Hun­debe­sitzer, die Queen gerne begrüßen wür­den. In der Regel inter­essiert sie sich aber nur für den anderen Hund und ignori­ert jede Form der Begrüßung.

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Queen war schon immer skep­tisch. Zu Beginn hab ich noch ver­sucht ihr die Scheu zu nehmen. Ich habe beruhi­gend auf sie ein­gere­det, eben diese typ­is­chen “Na komm doch mal gucken wer hier ist” — Sätze. Aber Queen ist entweder weiter gelaufen oder hat sich hin­ter mir versteckt.

Dann eben nicht. Mein Hund darf eigene Entschei­dun­gen tre­f­fen und wenn sie sich nicht anfassen lassen will, dann ist das so. Ihre Entscheidung.

Aber es gibt auch Men­schen, die sehen das etwas völ­lig anders.

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Da hätten wir zunächst den “Na, wen haben wir denn da” — Zweibeiner

Diese Form von Zweibein ist wirk­lich harm­los. Sie knien sich hin und strecken verzweifelt ihre Hand nach Queen aus, damit diese erst schnup­pern kann. Oft erkennt man diese Kat­e­gorie Men­sch auch an Sätzen wie “Na du bist aber eine Hüb­sche” oder “Ja komm doch der lieben Kor­dula mal Hallo sagen”.

Und was macht Queen? Sie ignori­ert diese Zweibeiner mit aller Hart­näck­igkeit. Keine Chance… Lei­der sind Men­schen, die in diese Kat­e­gorie gehören, schüchterne Hunde meist nicht gewohnt und reagieren nahezu trau­rig auf Queens Reak­tion. Nach eini­gen Ver­suchen geben sie geknickt auf. Meis­tens haben sie aber Ver­ständ­nis, sobald ich ein wenig über Queens Leben (vor allem die ersten paar Wochen) erzähle, sodass  die Welt wieder in Ord­nung ist.

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Dann gibt es noch die Kopf — Klatscher

Die Kopf — Klatscher sind meist ältere Her­ren, die früher auch einen Hund hat­ten — in der Regel natür­lich einen Dackel oder Jagdhund. Sie gehen direkt und entschlossen mit schnellen Schrit­ten auf Queen zu. Bevor sie reagieren kann, fol­gen schon die ersten Klatscher auf ihren Kopf begleitet durch “Na du bist ja ein Feiner”.

Queen reagiert wie sie reagieren muss und nutzt die erste Gele­gen­heit, um die Flucht zu ergreifen. “Ihr Hund ist wohl etwas stur, was?” Jede Form von Erk­lärung wären hier über­flüs­sig, da einem geballte 100 Jahre Hun­der­erfahrung gegenüber ste­hen, gegen die man sowieso keine Chance hat. Da auch diese Zweibeiner eher harm­los sind, kön­nen wir ganz gut mit ihnen leben.

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Natürlich nicht zu vergessen sind die Starrer

Etwas schwieriger wird es da schon bei den Star­rern. Sie gucken Queen nicht nur direkt in die Augen, son­dern gehen  auch noch leicht gebeugt auf sie zu. Kurz gesagt: Leute, die über­haupt keine Ahnung von Hun­den haben. “Naaaaaaaaa. Wer bist denn duuuuuuu?”

Alles klar. Alarm­stufe rot. Queen will weg. Meis­tens trifft man diese Ahnungslosen nicht auf Hun­de­strecken, da es sich hier eigentlich nie um Men­schen han­delt, sie selbst einen Hund haben. In der Regel trifft man diese Zweibeiner in der Stadt. Am besten noch, während man vor einem Geschäft steht und wartet. Also so, dass eine Mauer oder ein Fen­ster direkt hin­ter einem ist und der Hund nicht weg kann. Angeleint kommt so ein Ver­hal­ten natür­lich beson­ders gut an.

Queen reagiert auch hier nicht beson­ders über­raschend. Wenn sie kann weicht sie aus, wenn sie nicht wegkommt, bellt sie den doch etwas dro­hend wirk­enden Zweibeiner ein­fach an. “Ihr Hund ist ja aggres­siv. Was machen sie denn mit dieser Kampf­mas­chine in der Stadt?” Das Klis­chee ist erfüllt. Ein Deutscher Schäfer­hund bellt einen armen Pas­san­ten an. Da hat er doch in seiner nächten Wasser­gym­nas­tik — Stunde wieder etwas zu berichten und kann gle­ich dazu beitragem, dass der Ruf aller Schä­fis noch weiter bergab geht.

Mich wun­dert es nicht, dass Queen scheu oder skep­tisch ist. Sie ist in einem Zwinger aufgewach­sen unter — sagen wir es mal vorischtig — nicht ganz per­fek­ten Bedin­gun­gen. Außer­dem ist der Schäfer­hund von Natur aus eher skep­tisch und vor­sichtig eingestellt.

In der Regel kom­men wir super zurecht. Queen geht zu den Men­schen, zu denen sie gehen möchte. Sie begrüßt sie, wenn sie soweit ist. Nur manch­mal trifft man eben Zweibeiner aus den oben genan­nten Kat­e­gorien und das ist wirk­lich keine schöne Sit­u­a­tion. Ich würde mir wün­schen, dass die Men­schen ein­fach ein wenig mehr Rück­sicht nehmen. Ob Hun­de­hal­ter oder nicht, wir alle leben im All­tag mit Hun­den zusam­men, selbst wenn diese Form des Zusam­men­lebens nur auf der Straße in einer Zufalls­begeg­nung liegt.

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Bitte, bedrängt die Hunde nicht, son­dern lasst ihnen den Raum, den sie brauchen. Fasst sie nicht ein­fach unge­fragt an und habt Ver­ständ­nis für die Geschichte eines Vier­bein­ers. Seit nicht ent­täuscht, wenn Queen sich nicht beim ersten Tre­f­fen von euch stre­icheln lässt. Sie kommt schon irgend­wann zu euch. Starrt den Hun­den nicht in die Augen und beugt euch nicht vor, son­dern kniet euch zu dem Hund herunter. Lasst an euch schnup­pern und wenn der Hund nicht möchte, dann bitte akzep­tiert diese Entschei­dung. Denn Hunde haben ein Recht darauf, eigene Entschei­dun­gen tre­f­fen zu kön­nen. Und wenn sie sich nicht von Frem­den knud­deln lassen wollen, dann ist höch­stens schade, aber nichts, was geän­dert wer­den muss.

Nur gucken — nicht anfassen 🙂

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Posted on: 19. September 2015Sabrina

14 Gedanken zu „Nur gucken — Nicht anfassen!

  1. Ich kann dieses ange­tatsche von Hun­den nicht lei­den. Wenn ein Hund neugierig zu mir ankommt, wende ich ihm auch meine Aufmerk­samkeit zu. Hunde, die ich kenne, sind sowieso ein anderes Thema.
    Auf einen Hund ein­fach stur zuzuge­hen und diesen stre­icheln zu wollen, finde ich schon irgend­wie merk­würdig. Ich gehe ja auch nicht auf der Straße zu anderen Men­schen und fasse sie ein­fach an… 😀 

    Und wie sich dein Hund anderen Men­schen gegenüber ver­hält (wie oben geschrieben) ist ja total egal, solange euer Ver­hält­nis toll ist. 

    Liebe Grüße! 🙂

    1. Ja das denke ich auch. Ich fasse ja auch nicht ein­fach kleine Kinder an …
      Queen und ich kom­men per­fekt miteinan­der klar, daher seh ich da auch gar kein Problem

  2. Ich sehe das ganz genauso wie du, Sab­rina. Schöner Artikel! Zwar ist Moe ja eher der Hund, der jedem Men­schen nachrennt um geknud­delt zu wer­den, aber auch bei ihm gibt es Aus­nah­men: Vor allem draußen hat er Besseres zu tun, als gestre­ichelt zu werden.

    Ich bin sicher, dass ihr euren Weg gehen werdet und ich finde es super, dass du Queen so sein lässt, wie sie ist. Sie trifft ganz sicher die richti­gen Entschei­dun­gen, von wem und wann sie sich anfassen lassen will. 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

  3. Dieser Bericht hätte auch von mir sein kön­nen. Nur, dass Lilly direkt anfängt zu bellen, wenn ihr jemand zu nahe kommt oder ihr direkt in die Augen starrt. Ist Lilly ohne Leine, geht sie auch lieber weg. Wir ken­nen Lilly seit sie 4 Wochen alt war, haben sie aus­re­ichend sozial­isiert und trotz­dem mag sie keine frem­den Men­schen. Sie kommt mit ihnen klar, möchte sich aber selbst aus­suchen, ob sie näheren Kon­takt wün­scht oder eben nicht. Schlimm finde ich die Sorte Men­sch, die sich dann direkt per­sön­lich anger­if­fen fühlt. Nach dem Motto “Mich liebt jeder Hund und deiner wird das auch noch merken!”. *ähm* ja … eher nicht 😉

    Lieb­ste Grüße und ein schönes Wochenende

    1. Ja genau diese Men­schen kenne ich auch. Frei nach dem Motto “ich hab immer Hunde gehabt und jeder Hund will gestre­ichelt werden”
      Schlimm 🙂

  4. Was ein toller Post, ich finde gut dass du auf das Thema aufmerk­sam machst. Da ich Hunde sehr liebe aber lei­der keinen hal­ten kann (und mir das unglaublich schwer fällt) freue ich mich über jeden Wuffi den ich mal stre­icheln darf. Dabei frage ich aber immer vorher ob ich das auch darf und bedanke mich danach. Wenn ein Hund nicht von selbst zu mir kommt oder schüchtern ist find ich das auch gar nicht schlimm, denn jeder Hund hat respekt ver­di­ent. Ger­ade bei Hun­den mit schlim­mer Ver­gan­gen­heit muss man diese auch ver­ste­hen wenn der Hal­ter es erzählt. 🙂 bei Dis­tanz belei­digt zu sein und ne ganze Rasse zu verurteilen ist sowas von ätzend, kann ich gar nicht lei­den. Lieben Hun­de­fan­gruß an deine süße Queen und dich!

    1. Vie­len Dank für die lieben Worte.
      Wenn mich jemand fragt, ob er Queen stre­icheln kann, dann erk­läre ich, dass sie schüchtern ist, er gern sein Glück ver­suchen kann, aber wenn sie nicht will, dann will sie nicht
      Viele ver­ste­hen das, man redet kurz und Queen geht dann nach einem kurzem Moment doch mal schnuppern.
      Die ver­ständ­nisvollen Men­schen haben aber eine ganz andere Wirkung auf Queen. Sie geht in de Regel doch mal gucken.
      Diejeni­gen die sofort eingeschnappt sind und ihre “typ­isch Schäfer­hund” Sprüche aus­packen, wirken ganz anders auf Queen. Zu denen würd sie nie hingehen…
      Hunde sind eben doch ganz gute Menschenkenner 🙂
      Schlab­bernde Grüße von Queen 🙂

  5. Also, ich sehe es ganau wie Du, hätte aber niemals gedacht, dass die Men­schen auch auf Schäfer­hunde und auch Moe so dreist zuge­hen und sie anfassen wollen. Nein, da habe ich selbst mächti­gen Respekt, egal wie lieb die Hunde sein mögen. 

    Socke ist auch zurück­hal­tend und geht nicht auf die Men­schen zu, aber ich muss sagen, so richtig frech ange­fasst hat sie noch nie­mand. Mal ein Kind imZoogeschäft, aber dem haben wir gezeigt, wie es richtig geht…

    Viele erstaunte Grüße
    Sabine mit Socke

    1. Ich muss schon sagen, dass einem diese Sit­u­a­tion mit einen Schäfer­hund natür­lich nicht so oft passieren wie Hal­tern von Labradoren. Aber es kommt eben doch vor.
      Es gibt vor allem viele Rent­ner die früher auch einen Schäfer­hund hat­ten. Diejeni­gen sind meist in der Kat­e­gorie “Kopf — Klatscher” einzuordnen 🙂

  6. Liebe Sab­rina,
    ein sehr schöner Artikel, welchen ich sofort unter­schreiben würde 😉
    Chilli ist bei Frem­den auch eher skep­tisch und braucht erst ein­mal ihre “Auf­tauzeit” und hasst es, wenn die Leute direkt auf sie zuge­hen, sich im besten Fall noch über sie beu­gen und sie mit “Na wo ist denn mein Feiner…” bequasseln.
    Alle, die ihr aber die Zeit lassen, frei­willig auf sie zuzuge­hen und in Ruhe zu beschnup­pern, schließt sie schnell in ihr Herz und wen Chilli ein­mal fest in ihrem Herzen trägt, der bleibt da auch verewigt. 🙂

    Ein schönes Woch­enende und ein dickes Küss­chen an Queen
    sendet Jule mit Chilli

  7. Das kenne ich auch. Sowohl diese Art von Vier­beiner und beson­ders die erwäh­n­ten Zweibeiner. Emmely mag ja auch nicht so gerne von Frem­den ange­fasst wer­den — sie bellt zwar nicht und geht auch nicht direkt weg, duckt sich aber ganz leicht und leckt sich das Schnäuzchen — feine aber deut­liche Anze­ichen von Unwohl­sein die auch von Hun­de­hal­tern gerne ignori­ert, überse­hen oder lei­der nicht ver­standen wer­den. Star­rer ken­nen wir auch zu genüge — beson­ders wegen Emmelys Augen passiert das ziem­lich häu­fig –damit kommt das Indi­an­er­mäd­chen aber glaube ich besser klar als ich. Amüsant finde ich es aber immer wieder, wenn wir in öffentlichen Verkehrsmit­teln sind und Andere ver­suchen sie mit Geräuschen zu sich zu locken und Emmely ihnen meis­tens nicht mal einen Blick würdigt 😀
    Ein­mal hat sie sich auch ver­tan und dachte an einer Hal­testelle würde ihr Lieblingszweibeiner ste­hen (lediglich Statur und Mütze waren ähn­lich) und sie wollte unbe­d­ingt dahin.. irgend­wann sind wir dann doch näher range­gan­gen und der Typ hat sich schon total gefreut und wollte sie stre­icheln — bis Emmely ihren Irrtum bemerkt und auf dem Absatz kehrt machte — das ver­dutzte Gesicht des Mannes hättest du mal sehen müssen *kicher*
    Woran es bei Emmely liegt kann ich nicht sagen — wie bei Lilly kenne ich ihre Ver­gan­gen­heit ziem­lich gut und weiß, dass da nichts Neg­a­tives passiert ist — allerd­ings ist eine Charak­tereigen­schaft von Aus­sis die Reserviertheit und selbst mit mir mochte Emmely früher immer nur kurz kuscheln .
    Lieb­ste Grüße
    Lizzy und das Indianermädchen

    1. Vielle­icht kennt sie das schon, dass die Men­schen ihr in die Augen schauen. Ich bin immer wieder erstaunt wie viele Men­schen nicht wis­sen, dass man Hun­den nicht in die Augen gucken sollte…

  8. Wichtiges Thema — Toll beschrieben! Das ken­nen wir auch! Unser ver­rück­ter Labradoo­dle Bob reagiert auch schon auf zu viel Gucken, nicht nur Anfassen! Auf zu viel Aufmerk­samkeit wie anschauen, ansprechen oder gar anfassen von Frem­den reagiert er mit der Flucht nach vorne. Abso­lut nicht böse, aber er hüpft, springt und knab­bert auch schon mal die Hände an, die nach ihm greifen. Dann ist es, so wie du es auch beschreibst, ganz schnell vor­bei mit “oh, ist der süß”. Lei­der provoziert er diese Sit­u­a­tio­nen selbst, weil er auch jeden regel­recht anstarrt, aber nicht weil er alle so toll findet, son­dern eher, weil er die Kon­trolle über die Sit­u­a­tion behal­ten möchte. Nun ja, da sind wir wohl als “Rudelführer” gefragt, ihm Sicher­heit zu geben. Aber es wäre leichter, wenn die Men­schen unseren Hund ein­fach mehr ignori­eren kön­nten. Ich habe in meinem Blog: anwolf.wordpress.com auch einen Artikel über diese Thema geschrieben: “Glotz nicht so — wann wird Bob endlich erwachsen?”
    Viel Spaß noch mit deiner tollen Queen! Andrea

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