Pferdekauf — Ansprüche gegen den beauftragten Tierarzt

Pferdekauf — Ansprüche gegen den beauftragten Tierarzt

Nicht sel­ten wird vor einem Pfer­dekauf ein Tier­arzt beauf­tragt, der den Gesund­heit­szu­s­tandes des Tieres beurteilen soll. Schließlich geht es um viel Geld und oft wird ein Pferd zu einem ganz  bes­timmten Zweck gekauft.

Doch wie sieht es juristisch aus, wenn der Tierarzt einen Fehler macht, etwas übersieht oder eine (absichtlich) falsche Einschätzug abgibt. Haftet der Tierarzt in einem solchen Fall? Und wie wirkt sich ein vereinbarter Haftungsausschluss aus?

In dem zugrunde liegen­den Fall erwarb eine Dame von einem Pfer­de­v­erkäufer eine laut Kaufver­trag vier Jahre alte Schim­mel­stute als Reitpferd zu einem Kauf­preis von 2.700 EUR. Das von dem Verkäufer angegebene Alter entsprach dem im Pfer­de­pass geführten Gebursts­da­tum des Tieres.

Der Kaufver­trag sollte wirk­sam wer­den, wenn die soge­nan­nte Ankauf­sun­ter­suchung durch einen Tier­arzt pos­i­tiv ist. Der Verkäufer beauf­tragte daraufhin einen Tier­arzt für eben diese Unter­suchung. Hier­bei wurde ver­traglich vere­in­bart, dass der Verkäufer kein­er­lei Ansprüch gegen den Tier­arzt habe.

2016-08-16 10.11.31

In dem über die Ankauf­sun­ter­suchung erstell­ten Pro­tokoll ver­merkte der Tier­arzt nicht, dass die Stute noch ein voll­ständi­ges Milchge­biss hatte und deshalb ent­ge­gen der Angaben in ihrem Pass noch keine vier Jahre alt sein konnte.

Die Käuferin des Pfer­des erfuhr, dass das Pferd erst 2,5 Jahre alt war und ver­langte daraufhin Schadenser­satz von dem Tier­arzt. Die ihr entste­hen­den Aufwen­dun­gen, bis das Pferd vier Jahre alt ist, wollte sie von dem Tier­arzt ersetzt haben. Das Pferd sei jetzt nicht als Reitpferd ein­set­zbar. In Ken­nt­nis des tat­säch­lichen Alters hätte sie von dem Kauf des Tieres abgesehen.

Das Ober­lan­des­gericht Hamm sprach der Käuferin des Tieres 4.500 EUR Schadenser­satz zu. Dem zwis­chen dem Verkäufer und dem Tier­arzt vere­in­barten Ver­trag über die Ankauf­sun­ter­suchung ent­falte Schutzwirkun­gen für den Käufer. Eine Haf­tung könne hier­bei nicht aus­geschlossen werden.

Recht3

Der Tier­arzt hätte auf das fehler­haft angegebene Geburts­da­tum hin­weisen müssen. Da die Käuferin das Pferd unter diesen Umstän­den nicht erwor­ben hätte, muss der Tier­arzt ihr den Schaden erset­zen, der ihr durch den Erwerb auf­grund des falschen Befun­des ent­standen ist.

Die 4.500 EUR set­zen sich aus den Unterbringungs-, Verpfle­gungs– und Behand­lungskosten für die Stute zusam­men bis diese 4 Jahre alt sein würde.

Fazit

Ein für eine Ankauf­sun­ter­suchung beauf­tragte Tier­arzt haftet gegenüber dem Käufer für Fehler bei dieser Unter­suchung und zwar selbst dann, wenn zwis­chen dem Tier­arzt und dem Verkäufer ein Haf­tungsauss­chluss vere­in­bart wor­den ist.

 

Ober­lan­des­gericht Hamm, Urteil vom 05.09.2012 — 21 U 143/12

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Posted on: 27. August 2016Sabrina

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