Queen — ein Jagdhund im Wolfspelz ?>

Queen — ein Jagdhund im Wolfspelz

Jagdverhalten besteht aus verschiedenen Elementen:
suchen, fixieren, anschleichen, hetzen, packen, schütteln, töten, fressen

Queen gehört zwar nicht zu den typ­is­chen Jagdhun­derassen, den­noch zeigt sie einen deut­lichen Jagdtrieb, der sich immer deut­licher auszuprä­gen scheint.

Es beginnt mit einem Geruch oder dem Sichten eines Wildtieres und Queen will los­ren­nen. Jagdver­hal­ten abzu­trainieren stellt eine beson­dere Her­aus­forderung dar, denn bere­its beim Het­zen wer­den kör­pereigene Hor­mone und Endor­phine aus­geschüt­tet, sodass ein Glücks­ge­fühl entsteht. Hunde suchen unter Umstän­den im Laufe der Zeit selb­st­ständig und ver­mehrt nach einem solchen “Kick”, sodass sich das Jagdver­hal­ten festigt.

Queen — ein Jagdhund im Wolfspelz

Bei Queen fing alles recht harm­los an. Mit­tler­weile sind wir allerd­ings soweit, dass sie genau weiß, an welchen Stellen unserer Runde sich Kan­ninchen, Katzen oder Eich­hörnchen aufhal­ten. Ich habe dem Jagdtrieb keine große Bedeu­tung zugemssen. Immer­hin ist Queen kein typ­is­cher Jagdhund und zudem ist sie in jedem Jagdver­hal­ten abruf­bar. Sollte sie losstür­men, so kann ich sie zurück­rufen und sie kommt auch direkt zurück.

2014-01-11 09.36.28

Wo ist dann das Problem?

Mit­tler­weile sind wie an einem Punkt ange­langt, wo die ersten Prob­leme auf­tauchen. Es macht keinen Sinn mehr an den Stellen, wo Wildtiere leben, vor­beizuge­hen. Die typ­is­che Mor­gen­runde an dem kleinen Gang ent­lang bis auf die große Wiese wird wohl bald der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Sobald Queen an diese Orte kommt, fix­iert sie sofort die Gegend. Das beudeutet, dass sie direkt in den typ­is­chen Gang ver­fällt und sich anschle­icht. Sie muss nicht ein­mal ein Tier ent­deckt haben, son­dern pirscht sich auf diese Weise durch das Gelände.

Schäfer­hunde sind Arbeit­shunde und wenn man sie nicht beschäftigt, dann suchen sie sich eben ihre eigene Auf­gabe. Manch­mal muss Hund aber auch ein­fach mal sein Geschäft draußen erledi­gen. Und sobald Queen ein­mal in dieses Jagdver­hal­ten ver­fällt, ver­harrt sie so sehr in diesem Muster, dass sie nicht mal mehr — ich sag es mal wie es ist — “Pipi” macht. Von dem anderem Geschäft ist sie noch weiter entfernt.

Also nichts mit Pi und Pu 😀

2015-03-12 07.55.27

Natür­lich kann ich sie mit Spielzeug und Kek­sen aus dieser Sit­u­a­tion her­aus­holen, aber dann hat sie ihre näch­ste Lei­den­schaft, in die sie sich hine­in­steigert und … Genau, wieder kein Pi oder Pu 🙂

Dennoch gebe ich natürlich nicht einfach auf, sondern versuche sie, aus diesem Jagdverhalten herauszuholen.

Wir machen viele Such­spiele, damit Queen lernt, Wildgerüche und Ablenkun­gen auszublenden. Das klas­siche Wer­fen eines Balls haben wir einge­tauscht gegen ein gezieltes und klar struk­turi­ertes Apportier­train­ing. Queen ist dadurch ruhiger und konzen­tri­erter gewor­den. Sobald ich zur Wurf­schleuder werde, dreht Queen total hoch und steht völ­lig unter Strom. Das gilt es natür­lich zu ver­mei­den, daher sind unsere Spiele struk­turi­erter geworden.

Doch sobald wir an den entsprechen­den Wiesen mit Kan­ninchen und anderen Wildtieren vor­beikom­men, ver­fällt sie direkt in alte Muster. Also meide ich diese Plätze zur Zeit, wenn Queen ihr Geschäft erledi­gen muss. Haben wir das bere­its hin­ter uns, lass ich sie an den entsprechen­den Orten zunächst an der Leine bis ich merke, dass sie sich beruhigt hat und nicht mehr fix­iert oder sucht. Leine ich sie erst dann ab, klappt das prima und sie ver­hält nicht in das Jagdverhalten.

Der Schlüs­sel zum Erfolg ist in unserem Fall eine Mis­chung aus richtiger Ein­schätzung von Queens Kör­per­sprache sowie der passenden Auslastung.

Der Jagdtrieb wird wohl immer ein Thema bleiben und ich werde wohl stets daran arbeiten müssen, aber so wird es wenig­stens nie langweilig 😀

Garten15

 

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+

14 thoughts on “Queen — ein Jagdhund im Wolfspelz

  1. Jaaaa, ich kenne das! Und ich habe mit einem Cocker einen Jagdhund…
    Ren ist, zum Glück, nur ein Mäuse­jäger und er scheucht ab und an mal eine Krähe auf! Aber Stimpy ist mit­tler­weile so weit dass sie sich die tief­fliegen­den Schwal­ben im Garten packt!
    Und raus geht es nie ohne die Schlep­pleine! Seit 2,5 Jahren gehen wir nur daran. Manch­mal tut es mir leid aber dann merke ich wieder dass ich sie abso­lut nicht sicher abrufen kann und somit beruhigt es mich wieder dass ich die 8m Schleppi habe.
    Ich ver­suche immer mal wieder daran zu arbeiten aber noch nicht kon­se­quent genug!
    Mal sehen wann und wie wir Stimpys Jagdtrieb in den Griff bekommen.…

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren & Stimpy

    1. Schlep­pleinen sind lei­der über­haupt nicht mein Ding. Queen zur Liebe würde ich sie benutzen, aber es ändert nichts an unserem per­sön­lichen Prob­lem. Abruf­bar ist sie ja Gott sei dank “noch”. Sie ver­gisst nur wofür wir die Runde drehen und da würd ich lei­der keine Schlep­pleine etwas dran ändern 🙁
      Ich drück euch aber ganz doll die Dau­men, dass ihr die Leine irgend­wann zuhause lassen könnt!
      Tierische Grüße

  2. Wir hat­ten das Thema auch mal. Danach war Lilly ein halbes Jahr kon­se­quent an der Schlep­pleine und somit sind wir jetzt durch damit. Zum Glück. Ich wün­sche euch auf jeden Fall viel Erfolg und hoffe, dass Queen weit­er­hin beruhigt Pi und Pu machen kann 😉

    Lieb­ste Grüße

    1. Eine Schlep­pleine hin­dert Queen lei­der nicht daran sich völ­lig ins das jagen hineinzusteigern.
      Die ist da wie in einem Wahn.
      Daher hilft nur Ablenkung oder diese Strecken zu meiden…
      Richtig schade eigentlich. Ich hab auch gar nicht genau mit­bekom­men, was das Prob­lem Ernst wurde… Aber da ist ja meis­tens so 🙂
      Schön dass ihr die Leine inzwis­chen weglassen könnt 🙂
      Liebe Grüße

      1. Naja, die Schlep­pleine alleine hat uns jetzt auch nicht weit­erge­holfen, da gehörte schon eine Menge Train­ing dazu. Let­z­tendlich habe ich durch gezielte Übun­gen ver­sucht, dass sich Lilly mehr an mir ori­en­tiert — was ja auch ganz gut geklappt hat 😉

        Ich denke wichtig ist es, dass du das Ver­hal­ten umlenkst und Queen etwas anbi­etest, was sie aus diesem Ver­hal­ten rausholt. Ich drücke euch die Daumen.

        Lieb­ste Grüße

        1. Ich hab mir von einer Fre­undin ein Buch geliehen zum Thema Anti­jagdtrain­ing. Ich hoffe dort einige Tipps zu finden 🙂

  3. Ich kenne das auch nur allzu gut. Dion ist als Deutsche Dogge ja auch kein typ­is­cher Jagdhund, zumin­d­est erzählen mir das die Men­schen, die wir auf Spaziergän­gen tre­f­fen immer, Dion sieht das ganze schein­bar ein biss­chen anders. Let­ztes Jahr hat­ten ihn Rehe etc. über­haupt nicht inter­essiert. Dieses Jahr im Früh­ling sah das ganz anders aus und genau wie bei dir ist er an bes­timmten Stellen immer sofort in den Wald oder aufs Feld gestürmt und hat quasi nach nem Reh oder so gesucht, weil er wusste, dass da an den Stellen oft welche sind. Dort bin ich dann ziem­lich lange auch nur noch mit Leine vor­bei und im Wald gehörte die Schlep­pleine und Mit­tel zur Ablenkung, wie Spielzeug oder Fut­ter, nun fest zu uns. Mit­tler­weile ist es dadurch wieder viel besser gewor­den und er kann dort auch wieder frei laufen, wobei ich da immer noch ganz genau die Gegend abscanne … viel Erfolg euch weiterhin
    LG Julia & Dion

    1. Bei uns hilft es auch. Nur ich steh abso­lut auf dem Kriegs­fuß mit schlep­pleinen ? sie wür­den uns aber auch nicht helfen weil Queen sich da den­noch rein­steigern würde. Ich kann nur mit Ablenkung was erreichen …
      Schön dass ihr Fortschritt macht

  4. Finde total span­nend, was du schreibst, denn bei unserer Schäfer­hündin haben wir ein ähn­liches “Prob­lem” und genau wie bei euch, lässt Chili sich mit arbeiten super ablenken, aber wir sind auch nicht immer auf zack und bei uns ist die typ­is­che Jagdstelle lei­der direkt am Hoftor. Laufen wir nach und vor jedem Spazier­gang dadurch, sucht sie direkt nach unseren Katzen. Ich bezwei­fle zwar, dass sie ihnen was tun würde — immer­hin sitzt sie auch bei mir, wenn wir die Katzen füt­tern und macht dann auch nicht mehr als schnup­pern — aber man weiß ja nie und ich möchte das wirk­lich nicht herausfordern.
    Das struk­turi­erte Arbeiten nehme ich mir jetzt auch mal vor. Madame dreht näm­lich auch unheim­lich gerne richtig hoch — typ­isch Schäfi eben. ^^
    Ganz liebe an eure Maus!
    Kathy

    1. Schäfer­hunde gleiten einem ziem­lich schnell aus der Hand, weil die sich unfass­bar schnell über­all rein­steigern kön­nen. Das geht so schnell…
      Diese Junkies 🙂

  5. Nunja — JAGEN ist hier vielle­icht etwas hochgegriffen. 

    Denn das ist bei uns defin­i­tiv kein Jagen.
    Die verteibt sich die Zeit ein­fach mit anderen span­nen­deren Dingen…
    schaut einem Hasen hin­ter­her, läuft mal los — aber du rufst sie zurück !!
    Das ist defin­i­tiv kein Jagen 🙂 🙂
    –> Da kannst du schon­mal beruhigt sein.

    Ich würde mit Ihr ein­fach ein paar Übun­gen machen — ein Platz und Sitz auf Dis­tanz — abrufen, vorsitzen …
    So bleibt sie bei dir, wird aber nicht zu sehr hochge­pusht (wie du es beim Ball­spie­len etc.) hast. 

    Lg, Car­ola mit Deco & Pippa

    1. Das ist lei­der wirk­lich jagen. Die ver­fällt richtig in diesen Hetz — Zus­tand. Und das hat auch lei­der nichts mit Langeweile zu tun…
      Dass sie abruf­bar ist, wun­dert mich nicht, weil sie das eigentlich in jeder Sit­u­a­tion ist. Auch wenn sie einem Ball hin­ter­her rennt oder mit anderen spielt, kommt sie auf einen Pfiff zurück.
      Was mich an der Sache unberuhigt, ist eigentlich nur diese Fix­ierung in die so ver­fällt. Sie ver­gisst alles andere und ist nur noch im Jagdmodus. Schäfer­hunde sind halt ziem­lich schnell auf etwas fix­iert und gestresst.
      Wenn ich sie in einem solchen Moment anspreche reagiert sie kurz und schwups fix­iert sie wieder die Gegend…

  6. Na, das ken­nen wir, das Jagdprob­lem 😉 Bei Jessi ist min­destens eine Jag­drasse mit dabei und wenn sie gewit­tert hat, dann geht sie auch hin­ter her. Das raus zubekom­men ist ver­dammt schwer. Aber ihr macht das wirk­lich toll 🙂 Ich hoffe für euch, dass es im Laufe der Zeit wieder so wird wie vorher oder zumin­d­est vergleichbar. 

    Liebe Grüße Diana und Jessi

  7. Ich finde es gut, dass du keine Schlep­pleine ein­setzt. Ich lehne Schlep­pleinen beim Hund ab. Warum?

    Es gibt ver­schiedene Arten die Schlep­pleine einzusetzen:
    • Der Men­sch lässt sie auf dem Boden schleifen und tritt nur im Not­fall darauf, wenn der Hund abhaut.
    Ehrlich? Mal abge­se­hen davon, dass sich das Teil bei dem Schnüf­felver­hal­ten meines Hun­des ständig um Mais­stan­gen, getrock­nete Son­nen­blu­men­stän­gel und Büsche wick­eln würde, ist meine Reak­tion­szeit ganz sicher zu kurz um noch auf das Restchen Leine zu treten, wenn mein Hund wegen einer Fährte durch­startet. Der macht das ja nicht dann, wenn vor mir alle 15m Leine liegen, son­dern wenn er bere­its 12m weit weg ist. Er soll ja mit der Schlep­pleine Frei­heit haben. Dann rutscht das Ding wom­öglich noch unter der Sohle durch, weil unter meinem Fuss evtl. weicher Erd­bo­den ist?
    In dem Fall ist mein Hund auf und davon mit 10-15m Leine hin­ter sich, die sich über­all im Wald ver­wick­eln kann und meinen Hund daran hin­dert, wieder zurück zu kom­men. Die Leine wird zur Falle.

    • Der Men­sch hält die Leine in der Hand.
    Und wo ist jetzt der Unter­schied zur Flexi Leine? Wenn ich 10-15m Schlep­pleine in der Hand halte, 

    1. dann muss ich entweder dauernd Leine lassen und wieder aufnehmen ,
    2. oder diese zwis­chen mir und Hund rum­schleifen lassen,
    3. oder diese ständig nach­fassen und nach mir auf dem Boden schleifen lassen. 

    Die Argu­mente für die Schlep­pleine, bzw. gegen Flexi Leine wer­den durch diese Hand­habun­gen selbst ausser Kraft gesetzt:
     Der Hund fühlt sich nicht angeleint – Falsch: Bei 1. und 3. ist er ganz deut­lich an der Leine, da sieht er sogar die direkte Verbindung. Bei 2. halte ich das Argu­ment auch für frag­würdig, weil
     das auf dem Boden schleifende Teil ver­hed­dert sich auch manch­mal, übt in dem Fall immer einen Ruck auf meinen Hund auf und verun­sichert ihn.
     Die Flexi Leine übt immer einen leichten Zug aus. Dumme Frage, aber 10-15m Leine, die am Boden schleift, hat kein Gewicht und übt deshalb keinen Zug aus? Vor allem, wenn sie wom­öglich noch nass und dreckig gewor­den ist?
     Bei allen boden­schleifenden Führungsvari­anten muss man extrem auf­passen, dass weder der Hund noch der Men­sch sich in der Leine ver­hed­dern – Verletzungsgefahr.
    Mein Fazit:
    Schlep­pleine auf dem Boden ist sowohl für Hund und Men­sch gefährlich.
    Bei der Schlep­pleine in der Hand ist der Men­sch eigentlich der grosse „Flexi Leinen Kas­ten“ und küm­mert sich um die Leine – wertvolle Aufmerk­samkeit, die man dem Hund schenken kön­nte, geht damit verloren.
    Egal wie, Schlep­pleine birgt immer Stolper– und Verwicklungsgefahr. 

    Dir würde ich ein­fach empfehlen, für den Anfang beim Spazier­gang deinen Hund an der Flexi Leine zu lassen, bis die wichti­gen Dinge erledigt sind. Dann kann sie ja schnup­pern so viel sie will. Wenn sie nicht mehr abruf­bar wäre, d.h. du sie wirk­lich nicht mehr von der Leine lassen kannst/willst, dann kannst du es auch noch mit einem Spray Com­man­der pro­bieren. Wir haben mit unserem Bea­gle damit sehr gute Erfahrung gemacht (und bevor jetzt irgend­je­mand schreit, dass das ja furcht­bar ist, der soll sich mal die Frage stellen, was schlim­mer ist: Nie mehr von der Leine oder ein paar­mal kurz mit einen Sprüh­stoss erschrecken?) Bei unserem Bea­gle kon­nten wir ihn damit nochmals kurz aus dem “Jagdfieber” reis­sen und dann zurück­rufen. Und es hat ihm in keiner Weise geschadet, er ist immer­noch ein aus­geglich­ener, tiefe­nentspan­nter Hund.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.