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Schutzdienst — (m)ein kritischer Blick

Der Schutz­di­enst ist seit vie­len Jahren äußerst umstritten.

Dieser Sport löst die Gefährlichkeit von Hun­den aus” ist ein nicht sel­ten in diesem Zusam­men­hang gehörter Satz.

Ich selbst mache keinen Schutz­di­enst mit Queen, den­noch bin ich mit diesem Hun­de­sport groß gewor­den. Mein Opa hat lange Zeit Schäfer­hunde gehal­ten und auch als Hobby gezüchtet. Täglich trainierte er mit seinen Hun­den und stand auch mehrmals die Woche auf dem Hun­de­platz. Dien­stags, Don­ner­stags und Sam­stags durfte ich ihn begleiten. Ich bin mit Schäfer­hun­den groß gewor­den und habe einen Ein­blick hin­ter die Kulis­sen bekom­men. Schutz­di­enst ist für mich kein Fremd­wort. Über viele Jahre habe ich mich mit diesem Sport auseinan­derge­setzt. Ich habe sowohl neue Trainigns­meth­o­den als auch ver­al­tete gese­hen und ver­folgt, wie sich Hunde mit den unter­schiedlichen Meth­o­den entwickeln.

Heute möchte ich mich kri­tisch mit dem Schutz­di­enst auseinandersetzen.

Löst dieser Hun­de­sport tat­säch­lich eine gewisse Gefährlichkeit in den Hun­den aus? Oder ist vielle­icht doch alles nur ein großes Spiel?

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Worum geht es beim Schutzdienst eigentlich?

Beim Schutz­di­enst muss der Hund eine gewisse Anzahl an Ver­stecken ablaufen und den Helfer “suchen”, der sich hin­ter einem dieser Ver­stecke befindet. Hat der Hund den Helfer ent­deckt, soll er ihn durch Ver­bellen anzeigen. Hier­bei muss der Hund abruf­bar sein und auf Kom­mando zum Hun­de­führer zurück­kom­men. Der gesamte Schutz­di­enst besteht aus vie­len Ele­menten. Der Helfer bewegt sich zum Beispiel mit schnellen Bewe­gun­gen auf den Hund zu oder vom Hund weg. In diesen Sit­u­a­tio­nen darf der Hund in den Sportarm beißen. In einem Teil der Prü­fung läuft der Hund neben seinem Besitzer, während der Helfer vor ihnen hergeht. Plöt­zlich rennt der Helfer los und der Hund soll ihn stellen und auch hier in den Sportarm beißen. In einer Übung erhält der Hund vom Helfer zwei Schläge mit einem Soft­stock, wobei gewün­scht ist, dass der Hund weit­er­hin den Ärmel festhält.

Sind Hunde, die diese Sportart betreiben, gefährlich?

Trotz der zahlre­ichen Kri­tik weisen vorhan­dene Sta­tis­tiken über auf­fäl­lig gewor­dene Hunde kein­er­lei Zusam­men­hang zum Schutz­di­enst auf.

Dies wird zum Teil daran liegen, dass viel Hun­de­hal­ter den Hun­de­sport richtig ange­hen. Zum Teil liegt es sicher auch daran, dass viele Hunde dieses Sports gar nicht auf der Straße zu sehen sind. Nicht wenige Hun­de­hal­ter, die Schutz­di­enst betreiben, neigen dazu mehrere Hunde auf ihrem Hof zu hal­ten. Außer dem Hun­de­sport findet dort nicht viel statt. Die Hunde sind oft schlecht bis gar nicht sozial­isiert und auf­grund der isolierten Hal­tung für den nor­malen Hun­deall­tag ungeeignet. Die Hunde ken­nen nur die eigene Sche­une und den Anhänger mit dem sie zum Hun­de­platz fahren. Und ich spreche hier­bei lei­der nicht von Einzelfällen.

Schutz­di­enst bedeutet nach wie vor für viele Men­schen, dass die Hunde trainiert wer­den, um ihren Besitzer beschützen zu kön­nen. Das ist völ­liger Quatsch. Auch wer jahre­lang Schutz­di­enst macht, kann nicht sicher sagen, dass sein Hund ihn ihm Ern­st­fall beschützen würde.

Gott sei Dank wollen heutzu­tage die meis­ten Zweibeiner einen Hund, der prob­lem­los in einer Fam­i­lie leben kann, der sich gut in den All­tag int­gri­ert und der Spaß am Hun­de­sport hat.

Grund­vo­raus­set­zung für den Schutz­di­enst muss zwangsläu­fig sein, dass der Hund das gesamte Train­ing als Spiel sieht. Die gesamte Moti­va­tion des Hun­des muss auf dem natür­lichen Beutev­er­hal­ten auf­bauen. Der Sportarm muss zur Beloh­nung wer­den. Nur dann kann es funk­tion­ieren und nur dann kann man sagen: Mein Hund ist ein aus­ge­bilde­ter Schutzhund und den­noch ungefährlich!

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Hunde lernen kontextbezogen.

Wird der Hund immer auf dem Hun­de­platz mit den gle­ichen Reizen und den gle­ichen Umwel­te­in­flüssen trainiert, so wird diese Umge­bung zum Teil des Sig­nals. Der Hun­de­platz, die sechs Ver­stecke sowie der Helfer und der Sportarm müssen für den Hund Teil des Ganzen sein. Nur so kann es funktionieren.

Mir ist dur­chaus bewusst, dass ich hier von dem Schutz­di­enst als Hun­de­sport rede. Dieser ist nicht ver­gle­ich­bar mit der Aus­bil­dung eines Polizei­hun­des, der dur­chaus in jeder Sit­u­a­tio­nen den Täter stellen muss und auch ohne Sportarm bereit sein muss, im Zweifel zuzubeißen. Um die Aus­bil­dung eines Polizei­hun­des soll es jedoch hier nicht gehen…

Eine Gefahr droht immer dann, wenn Hun­de­führer eine “gewisse Aggres­sion” als wün­schenswert beze­ich­nen. Gefährlich wird es auch dann, wenn auch außer­halb des Hun­de­platzes trainiert wird und die Besitzer Spaß daran haben, den “Ern­st­fall” zu probem.

Man darf nie vergessen, dass es sich um Tiere han­delt, desse Ver­hal­ten nie zu 100% vorherse­hbar ist — von niemandem.

Ich habe Men­schen ken­nen­gel­ernt, die ihre Hunde auf ihrem Hof gehal­ten haben. Diese Hunde kamen drei mal in der Woche in einen Anhänger und wur­den zum Hun­de­platz gebracht. Diese Hunde kan­nten keine Innen­stadt, keine Hun­dewiese und hat­ten vielle­icht sogar nie Kon­takt zu anderen Hun­derassen oder Kindern. Einen Fall werde ich nie vergessen: Ein Mann hielt seine Hunde auf genau die eben beschriebene Weise. Auf dem Hun­de­platz stand er am Rand und quas­selte mit anderen Hun­debe­sitzern über die näch­ste Prü­fung. Der Hund sollte als näch­stes auf den Platz und stand schon “in den Startlöch­ern”. Es war Sam­stag und so waren auch Kinder auf dem Hun­de­platz. Der Hun­de­führer war unaufmerk­sam, die Leine lag nur auf seinem Schuh. Plöt­zlich ran­nte ein Kind direkt neben dem Hund los. Der Hund über­legte keine Sekunde, ran­nte los und packte das Kind in den rechten Arm…

Ob der Hund nun die Par­al­lele zu dem vor ihm weglaufenden Helfer gese­hen hat, den er im Train­ing stellen muss, bleibt reine Speku­la­tion. Den­noch darf nie­mand vergessen, dass es eben doch nur Tiere sind und man niemals leichtsin­nig mit diesem Sport umge­hen sollte.

Natür­lich wer­den nun Argu­mente fol­gen wie “Der Hund kann auch andere Motive gehabt haben” oder “Wer weiß, mit welchem Meth­o­den dieses Tier aus­ge­bildet wor­den ist”… Und möglicher­weise stim­men diese Ein­wände sogar. Den­noch darf man die poten­tielle Gefahr dieses Sports nicht aus den Augen verlieren.

Dein Hund wird sich verändern.”

Dies war der Satz, den ein Aus­bilder zu mir sagte, als ich über­legte mit Queen eben­falls diesen Sport zu machen.

Wenn dein Hund erst ein­mal weiß, wofür er seine Zähne hat, dann wird er wachsen.”

Dies war der Satz, dessen Wahrheit ich selbst in zahlre­ichen Fällen miter­lebt habe und der mich schließlich davon abhielt, Queen diesen Sport näher zu bringen.

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Die Trainingsmethoden

Der Schutz­di­enst unter­schei­det sich in keiner Weise vom Train­ing in Hun­de­schulden, anderer Hun­de­sportarten oder dem pri­vaten Train­ing: Ange­fan­gen bei einem gut struk­turi­erten, tier­schutzkon­for­men Train­ing bis hin zu einem belas­ten­den, tier­schutzwidrigem Train­ing ist alles dabei.

Unab­hängig davon, ob der Aus­bil­dungsweg zahlre­iche Jahre durchge­führt wor­den ist, ist es doch immer Auf­gabe eines Hun­de­führers diesen zu hin­ter­fra­gen und bei tier­schutzwidri­gen Ergeb­nisse entsprechend zu verän­dern. Dinge, die im pos­i­tiven Kon­text erlernt wer­den, führen zu den besten sportlichen Leis­tun­gen. Das Train­ing muss auf Ver­trauen und Sicher­heit auf­bauen und auf pos­i­tiver Beloh­nung basieren.

Mein Opa kon­nte früh in Rente gehen und hat nahezu jede freie Minute mit seinen Hun­den ver­bracht. Die Bindung zu seinen Tieren war eng und er hat eine Menge Zeit in die Aus­bil­dung seiner Hunde gesteckt. Meinem Opa war es immer sehr wichtig, dass die Hunde Spaß an der Sache haben. Das sah man natür­lich auch dem Hund an und schließlich spiegelte es sich auch im Erfolg an den Prü­fungsta­gen wieder. Ich erin­nere mich noch gut an den ein oder anderen Nei­der: Sie wollte eben­falls gute Ergeb­nisse, hat­ten aber vielle­icht nicht so viel Zeit oder woll­ten vielle­icht auch gar nicht so viel Zeit und Geduld auf­brin­gen. Nicht sel­ten wurde an dieser Stelle zu tier­schutzwidri­gen Meto­den gegrif­fen. Haupt­sache “Erfolg” — ob nun der Hund gebrochen war, Angst hatte oder vielle­icht sogar den ein oder anderen Strom­schlag ein­stecken musste, war so manchem egal.

Der Weg vom treuen Begleiter, einem Lebe­we­sen an deiner Seite bis hin zum Sport­gerät ist für so manchen aus reinem Ego­is­mus und aus dem Streben nach Erfolg nicht weit gewesen.

Dabei bin ich mir sicher:

Der Hund spiegelt den Train­ingsweg seines Zweibein­ers wieder. Ich gehe jede Wette ein, dass ich bei einer Prü­fung sehen kann, welcher Hund in einem pos­tiven Kon­text gel­ernt hat und bei welchem Hund tier­schutzwidrige Meth­o­den angewen­det wor­den sind.

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Fazit

Zusam­men­fassend lässt sich also fest­stellen, dass Sta­tis­tiken keinen Zusam­men­hang zwis­chen auf­fäl­lig gewor­den Hun­den und dem Schutz­di­enst sehen. Den­noch habe ich in den vie­len Jahren, in denen ich diesen Hun­de­sport begleitet und zum Teil auch selbst gemacht habe, immer wieder gese­hen, dass die Hunde sich nicht sel­ten verän­dern. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass die Hunde aggres­siv gewe­sen sind.

Wer diesen Hun­de­sport mit dem Respekt gegenüber dem Tier­schutz durch­führt und die poten­tielle Gefahr nicht außer Acht lässt, kann einen Hund neben sich haben, der viel Spaß am Schutz­di­enst hat und für den alles nur ein großes Spiel ist.

Wer jedoch frag­würdige Meth­o­den anwen­det, wird vielle­icht bald einen Hund neben sich haben, der nicht mehr kon­tol­lier­bar ist und der vielle­icht ein ren­nen­des Kind als Reiz empfindet.

Daher komm ich nicht umher zuzugeben, dass in diesem Artikel eine Botschaft steckt.

Eine Botschaft an alle, die meinen, ihren Hund als Sport­gerät benutzen zu müssen. An alle, die der Mei­n­ung sind, haupt­sache der Hund funk­tion­iert, egal mit welchem Methoden.

 Unser Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung ändern kann.

(Fran­cis Picabis)

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