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[Sieben Voraussetzungen für einen zweiten Hund.]

Der Trend geht zur Mehrhun­de­hal­tung. Ver­ständlich, denn was ist bess­er als ein Hund? Genau — zwei Hunde. Nach­dem Püp­pi im näch­sten Monat schon vier Jahre alt wird, kann ich mit großer Gewis­sheit sagen: Ich kann es mir für mich und mein Leben nicht mehr vorstellen, nur einen Hund zu haben. Ich bin also die erste, die den Wun­sch nach einem zweit­en Hund nachvol­lziehen kann.

Ich bekomme regelmäßig Nachricht­en und Anfra­gen von Lesern oder Fol­low­ern in den Social Media Kanälen, die Aus­lös­er für den heuti­gen Artikel sind. Ange­fan­gen bei Fra­gen, ob ich die Entschei­dung bereuen würde bis hin zu Fra­gen, was genau sich verän­dert hat. Doch es erre­icht­en mich auch Bit­ten. Bit­ten von Kindern die woll­ten, dass ich ihre Eltern überrede, dass zwei Hunde einziehen dürften. Zudem wurde ich oft gefragt, wie man Hunde am besten zusam­men­führt.

Ich habe Geschicht­en gehört, die in mir die blanke Wut aus­lösten. Ich wurde um Rat gefragt, was ich machen würde, wenn der erste Hund den neuen ver­suchen würde zu beißen. Auf mein Nach­fra­gen kam her­aus, dass der Ersthund grund­sät­zlich und schon seit Jahren unverträglich sei. Ter­ri­to­ri­ale Hunde wurde im eige­nen Garten mit dem zweit­en Hund verge­sellschaftet. Richtig wütend wurde ich, als ich las, dass der zweite Hund nur deshalb ein­zog, weil der sowieso schon keine Gesellschaft tol­lerierende Ersthund zu alt war um die Freizeitbeschäf­ti­gung und den Hun­de­sport zu machen.

Daher wird es heute mal etwas ern­ster.

Dieser Artikel ist nicht wis­senschaftlich, beruht auf keinen Unter­suchun­gen, son­dern basiert nur auf meinen Erfahrun­gen und meinen Erken­nt­nis­sen, die ich im Zusam­men­leben mit Hunde sam­meln durfte. Ein Zwei­thund will gut über­legt sein, daher habe ich einige Voraus­set­zun­gen zusam­menge­tra­gen, die mein­er Mei­n­ung nach erfüllt sein müssen, bevor ein zweit­er Hund einziehen kann.

Der erste Hund darf entscheiden

Wer einen Ersthund hat, der keine Artgenossen in seinem Ter­ri­to­ri­um duldet oder vielle­icht sog­ar all­ge­mein kein Fan von Gesellschaft ist, der sollte sich keinen zweit­en Hund ins Leben holen. So ein­fach und deut­lich das ist, so schw­er scheint es doch für viele Men­schen zu akzep­tieren zu sein. Was würdest du denn sagen, wenn dein Ehe­mann oder deine Ehe­frau bzw. dein Fre­und oder deine Fre­undin ein­fach einen zweit­en Part­ner ins Haus holen, dir vor die Nase set­zen würde mit den Worten “Spielt mal schön zusam­men?” Wer der erste Hund lieber der einzige bleiben möchte, ist das sein gutes Recht und ich finde es unver­ant­wortlich und eine Katas­tro­phe für bei­de Tiere, wenn dieses Recht mis­sachtet wird.

Der erste Hund muss erzogen sein

Der Ersthund sollte erzo­gen sein. Und damit meine ich nicht, dass er wie ein Robot­er funk­tion­ieren sollte. Aber die Grun­dregeln soll­ten sitzen. Kom­man­dos wie Sitz, Platz und Bleib, geh auf deinen Platz usw. sind uner­lässlich, wenn ein zweit­er Hund das Haus betritt. Vor allem, wenn es sich um einen Welpen han­delt, kann ich euch ver­sprechen, dass es chao­tisch wird. Der Zwei­thund muss sich erst an den All­t­ag und die Regeln in eurem Haus gewöh­nen. Wenn der Ersthund dann nicht kon­trol­lier­bar ist, endet das ganze im Chaos. Außer­dem sollte der erste Hund leinen­führig sein. Einen zweit­en Hund an der Leine zu führen ist nicht nur eine Umstel­lung, son­dern gle­icht ein­er Her­aus­forderung, wenn es sich um einen Welpen han­deln sollte oder um einen Hund, der das Laufen an der Leine nicht ken­nt. Wenn das Prob­lem aber auf bei­de zutrifft, dann wird es nahezu unmöglich, gle­ichzeit­ig raus­ge­hen zu kön­nen.

Der erste Hund muss ein Vorbild sein können

Ger­ade Welpen schauen sich alles ab. Der erste Hund muss also ein Vor­bild sein kön­nen. Wenn man sich vorstellt, dass der zweite Hund alle Prob­lem­chen und Eige­narten des Ersthun­des annehmen kön­nte, dann muss man zu dem Ergeb­nis kom­men, dass das in Ord­nung wäre. Pöbelt der Ersthund zum Beispiel an der Leine, dann kann es gut sein, dass der zweite sich das abschauen wird. Han­delt es sich nun um zwei 35 kg — Hunde wird es nicht möglich sein, bei­de Hunde hal­ten zu kön­nen.

Man braucht Zeit

Ein zweit­er Hund läuft nicht ein­fach neben­her. Der Zwei­thund braucht Zeit. Man muss auch mal getren­nt raus­ge­hen, getren­nt miteinan­der üben und auch getren­nt an der Bindung zu dem neuen Hund arbeit­en. Es kann immer zu Sit­u­a­tio­nen kom­men, in denen die Hunde getren­nt raus gehen müssen. Wenn sich zum Beispiel ein Hund ver­let­zt oder krank ist, dann sollte der zweite Hund nicht zurück steck­en müssen. Welpen kön­nen noch nicht so weit laufen, doch immer nur für 10 Minuten vor die Tür ist für den Ersthund keine Option. Daher muss der Welpe entwed­er getra­gen wer­den oder man muss auch hier Zeit für getren­nte Run­den ein­pla­nen.

Bei uns beste­ht zum Beispiel das Prob­lem, dass Queen unglaublich eifer­süchtig ist, wenn Püp­pi Kon­takt zu anderen Hun­den hat. Sie geht dazwis­chen und will die Sit­u­a­tion been­den. Das geht natür­lich nicht und das möchte ich vor allem dem anderen Hund nicht antun. Daher ist es bei uns lei­der so, dass wir frem­den Hun­den aus dem Weg gehen. Ich weiß, dass Püp­pi nahezu mit jedem Hund spie­len möchte, doch lei­der ist das nicht möglich, wenn Queen dabei ist. Da ich Püp­pi dies aber nicht immer ver­wehren möchte, muss ich mir immer wieder Zeit­fen­ster freis­chaufeln, in denen ich getren­nt mit bei­den raus­ge­he oder gezielt Play­dates für Püp­pi organ­isiere.

Man braucht Geld

Zwei Hunde bedeutet dop­pelte Kosten. Nicht nur dop­pelt so viel Fut­ter, son­dern auch dop­pelt so viel Zube­hör und höhere Kosten beim Tier­arzt. Man zahlt deut­lich mehr Hun­des­teuer, dop­pelt Ver­sicherung — das sollte vorher durch gerech­net wer­den.

Man muss akzeptieren, dass sich der komplette Alltag ändern wird

Der All­t­ag ändert sich kom­plett. Queen hat mich früher eigentlich immer begleit­et. Heute über­lege ich zwei mal, ob ich bei­de Hunde mit­nehme. Einen Hund kann man schon mal mit­nehmen, aber zwei Hunde sind schon etwas anderes. Wenn man dann auch noch alleine unter­wegs ist und sowohl links als auch rechts eine Leine in den Hän­den hält, muss man sich voll und ganz auf die Hunde konzen­tri­eren.

Man braucht klare Regeln

Wo man vielle­icht bei einem Hund mal ein Auge zudrück­en würde und auch kön­nte, so hat man mit zwei Hun­den keine andere Wahl mehr. Der Rück­ruf muss sitzen, anson­sten hat man ein Prob­lem. Vor allem dann, wenn die Hunde auch noch in ver­schiedene Rich­tun­gen laufen. Einen Hund kann man vielle­icht ein­fan­gen, aber zwei? Schwierig.

Wenn uns zum Beispiel ein Hund ent­ge­gen kommt und der Weg so bre­it ist, dass ich die zwei nicht anleine, dann muss ich mich darauf ver­lassen kön­nen, dass sie neben mir bleiben und nicht rüber laufen wer­den. Queen links und Püp­pi rechts am Hals­band oder Geschirr festzuhal­ten und gle­ichzeit­ig weit­erzu­laufen ist auf­grund der unter­schiedlichen Kör­per­größe nicht möglich. Sollte nun ein­er der bei­den rüber­laufen, wird der andere es eben­falls. Was ich sagen will? Zwei Hunde zu hal­ten bedeutet, dass die Erziehung wirk­lich sitzen muss. Man muss bei­de Hunde nur mit Worten hän­deln kön­nen, son­st endet es früher oder später im Chaos.

Selb­st, wenn all diese Voraus­set­zun­gen erfüllt sind, so sollte man real­is­tisch bleiben. Es kann den­noch schief gehen. Vielle­icht ver­ste­hen die bei­den sich nicht oder die erhoffte Vorstel­lung von zwei über die Wiese ren­nende Hunde erfüllt sich nicht, weil sie sich schlichtweg ignori­eren. Obwohl ich sich­er bin, dass das tausend mal bess­er ist, als wenn sie sich nicht “riechen kön­nen”. Ich will nie­man­dem ausre­den, sich einen zweit­en Hund anzuschaf­fen. Ich möchte nur ein­mal klar und deut­lich auf das Risiko aufmerk­sam machen, welch­es man hier­bei einge­ht. Viele sehen nur die Fotos von Queen und Püp­pi und denken, ein Zwei­thund “läuft so neben­her”. Das ist aber nicht so. Ein zweit­er Hund bedeutet dop­pelt so viel Arbeit, dop­pelt so viel Zeitaufwand. Das Leben ändert sich kom­plett. Bevor man einen zweit­en Hund zu sich holt, es aus ver­schiede­nen Grün­den vielle­icht nicht passt und dieses Tier dann wieder gehen soll, sollte man sich real­is­tisch mit diesem The­ma auseinan­der­set­zen.

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