Sind Stacheldrahtzäune bei Pferdeweiden erlaubt?

Sind Stacheldrahtzäune bei Pferdeweiden erlaubt?

Noch immer sieht man Pfer­dewei­den, die mit Stachel­draht umzäunt sind. Doch wie sieht das eigentlich juris­tisch aus?

Ist das erlaubt?

Grund­sät­zlich besteht gem. § 2 Nr.1 Tier­schutzge­setz die Pflicht, dass Tiere art­gerecht und ver­hal­tens­gerecht unterge­bracht werden.

Die Hal­tung von Pfer­den auf Wei­den, die durch Stachel­draht eingezäunt sind, bringt jedoch eine erhe­bliche Ver­let­zungs­ge­fahr mit sich und ver­stößt daher gehen § 2 Nr.1 Tierschutzgesetz.

Stachel­draht– sowie Knoten­git­terzäune führen zu häu­figeren und sehr viel schw­er­wiegen­den Ver­let­zun­gen als andere Arten der Einzäunung.

Pferde sind Flucht­tiere. Bei Schmerz, Angst, Schreck­si­t­u­a­tio­nen oder Bedro­hun­gen suchen Pferde das Weite und neigen zu Panikreaktionen.
Auch allein durch den Kon­takt zu dem Stachel­draht kann eine solche Panikreak­tion aus­gelöst wer­den. Das Tier reagiert mit einem Fluchtver­such und kön­nte hier­bei in den Stacheln hän­gen bleiben. Die Ver­let­zun­gen kön­nen von erhe­blichem Aus­maß sein.

Diese Gefahr ist noch größer, wenn der Stachel­draht zudem unter Strom steht.

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Die Tiere kön­nen sich bere­its dann erhe­blich ver­let­zen, wenn sie lediglich ver­suchen, auf der anderen Seite des Zaunes Gras zu fressen. Junge Pferde kön­nen zudem die wenig sicht­bare Einzäu­nung falsch ein­schätzen und in einem spielerischen Galopp direkt in den Draht rennen.

Dies wird auch durch die “Leitlin­ien zur Beurteilung von Pfer­de­hal­tun­gen” und die “Empfehlun­gen zur Frei­land­hal­tung von Pfer­den” bestätigt. Nach Ziff. 1.7 der Leitlin­ien sind “Stachel­drahtzäune, Knoten­git­terzäune und ähn­liches als alleinige Begren­zun­gen ungeeignet”. Ziff. 12 der Empfehlun­gen beze­ich­net Stachel­draht– und Knoten­git­terzäune als alleinige Begren­zun­gen für Pfer­dewei­den als “äußerst ver­let­zungsträchtig und daher tier­schutzwidrig.” Sie kön­nten nur toleriert wer­den, “wenn sie in genü­gen­dem Abstand durch einen weit­eren, gut sicht­baren Innen­zaun so gesichert sind, dass ein direk­ter Kon­takt zwis­chen Pfer­den und Stachel– oder Glattdraht bzw. Knoten­git­ter ver­hin­dert wird”.

Dafür, dass Stachel­draht bei beson­ders gut­müti­gen Pfer­derassen, beson­ders stram­mer Span­nung oder beson­ders großen, gras­re­ichen Wei­den tier­schutzgerecht sein soll, findet sich kein Anhaltspunkt.

Die zivil­rechtliche Recht­sprechung beurteilt die Sit­u­a­tion weitaus pos­i­tiver. Stachel­draht wird als übliche und herkömm­liche Ein­friedungsart beze­ich­nen, mit der ein Hal­ter seiner Verkehrssicherungspflicht nachkom­men kann (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 2. März 2005 — 13 U 191/04). Das OLG Koblenz hat verneint, dass einen Hal­ter, der Stachel­draht ver­wen­det, ein Mitver­schulden trifft, wenn sich das von einem Drit­ten aufgescheuchte Pferd am Zaun ver­letzt. Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt, dass Stachel­drahte­in­friedun­gen bei Pfer­dekop­peln “ort­süblich” seien und die Aus­bruchssicher­heit im konkreten Fall für ihre Ver­wen­dung gesprochen habe. Eine Absicherung des Stachel­drahts durch einen strom­führen­den ist nach Ansicht des OLG kein geeignetes Mit­tel gewe­sen, um die Ver­let­zung des Pfer­des zu ver­hin­dern (vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 16. August 2002 — 10 U 1804/01).

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Diese Entschei­dun­gen set­zen sich jedoch in keiner Weise mit den tier­schutzrechtlichen Gesicht­spunk­ten auseinan­der. Sie sind lediglich auf die Ver­hin­derung eines Aus­bruches der Pferde gerichtet.

Zudem ver­lan­gen die Zivil­gerichte von einem Pfer­de­hal­ter keineswegs zwin­gend, dass er seine Wei­den mit einem Stachel­drahtzaun gegen ein Aus­brechen der Pferde sichert. Auch mit einem ord­nungs­gemäß errichteten und überwachten Elek­trozaun genügt er beispiel­sweise seiner Verkehrssicherungspflicht (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 2. März 2005 — 13 U 191/04).

Auch über Deutsch­lands Gren­zen hin­aus gilt die Auf­fas­sung, dass Stachel­draht als Einzäu­nung für Pfer­dewei­den generell tier­schutzwidrig ist. In der Schweiz ist nach Art. 63 der Tier­schutzverord­nung vom 23. April 2008 in der aktuell gülti­gen Fas­sung vom 1. Juni 2012 Stachel­draht weit­er­hin aus­drück­lich als Einzäu­nung für Pfer­dege­hege verboten.

Fazit

Die Ein­friedung von Pfer­dewei­den mit Stachel­drahtzäunen ver­stößt gegen § 2 Nr. 1 Tier­SchG, wenn nicht durch einen geeigneten Innen­zaun sichergestellt ist, dass die Pferde keinen Kon­takt mit dem Stachel­draht haben können.

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Posted on: 20. August 2016Sabrina

Ein Gedanke zu „Sind Stacheldrahtzäune bei Pferdeweiden erlaubt?

  1. Sehr inter­es­san­ter und infor­ma­tiver Beitrag! Ich finde es gut, dass es juris­tisch ver­boten ist Pferde mit Stachel­draht einzuzäunen. Ein guter E-Zaun hat den gle­ichen Nutzen und ist dafür noch sicherer fürs Pferd, da es sich nicht extrem daran ver­let­zten kann. Aber nicht nur für die Pferde finde ich den Stachel­draht gefährlich. Nein, auch für die Hunde, die dort eventuell spazieren gehen. Auch Hunde kön­nen am Zaun schnüf­feln und sich ern­sthaft daran verletzten…

    Liebe Grüße Tessa mit Gringo und Buddy☺

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