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[So verhälst du dich nach einem Beißvorfall richtig.]

Täglich kommt es auf Deutsch­lands Hun­dewiesen zu Beißvor­fällen. Und nie­mand kann sich hier generell von frei sprechen. Tierver­hal­ten lässt sich nie zu 100% vorher­sagen und auch bei unserem Hund kön­nen die “Sicherun­gen durch­bren­nen” oder ander­sherum: er kann Opfer eines Beißvor­falls wer­den. Wir haben sicher­lich alle schon ein­mal eine solche Sit­u­a­tion gese­hen oder selb­st miter­lebt. Beißvor­fälle kön­nen passieren. Oft gehen sie rel­a­tiv harm­los aus, manch­mal enden sie in ein­er Tierklinik. Zu mein­er Zeit als Recht­san­wältin im Bere­ich des Tieres habe ich einige Beißvor­fälle betreut und ich muss zugeben: Juris­tisch betra­chtet habe ich dort einige Über­raschun­gen erlebt. Daher möchte ich meine Erfahrunge mit euch teilen und euch auf die Sit­u­a­tion NACH einem Beißvor­fall vor­bere­it­en. Wie genau sollte man sich ver­hal­ten? Und auch nicht unwichtig: Wie kann ich sich­er­stellen, dass ich auf der Tier­arztrech­nung nicht sitzen bleibe? Denn eins kann ich vor­ab schon ein­mal ver­rat­en: Per­son­alien auszu­tauschen ist nett, beweist aber rein gar nichts.

Vor­ab: Ich schreibe diesen Artikel nicht grund­los.

In mein­er ehe­ma­li­gen Nach­barschaft zog damals ein neuer Hund ein. Ger­ade ich als Schäfer­hundbe­sitzerin weiß wie es ist, mit Vorurteilen zu kämpfen und obwohl ich selb­st absoluter Geg­n­er von der Beze­ich­nung “Lis­ten­hund” bin, werde ich zur Voll­ständigkeit erwäh­nen, dass es sich hier­bei um einen ca. ein­jähri­gen Lis­ten­hund han­delt. Schon bei unser­er ersten Begeg­nung wurde mir ganz anders. Der Hund war extrem aggres­siv und die Besitzerin hat­te nicht die Kraft das Tier festzuhal­ten. Sie braucht einige Meter, bis sie annäh­ernd in der Lage ist, das Tier zu hal­ten. Sie wusste sich nicht anders zu helfen, als ihren Schlüs­sel auf den Kopf des Hun­des zu wer­fen. Schon unsere erste Begeg­nung war mehr als knapp.

Kurze Zeit später berichtete eine Hun­debe­sitzerin aus der Nach­barschaft, dass ihr Hund von dem oben beschriebe­nen neu zuge­zo­ge­nen Hunde ange­grif­f­en wor­den sei. Ohne Leine kam dieser quer übers Feld und flog ihrer Hündin ohne zu brem­sen direkt in den Hals. Die Besitzerin ver­suchte ihre Hündin zu schützen, ging dazwis­chen und kon­nte Schlim­meres ver­mei­den. Es wur­den Adresse aus­ge­tauscht und zur Sicher­heit zum Tier­arzt gefahren.

Die Sit­u­a­tion ist dem Ord­nungsamt geschildert wor­den. Schnell stellte sich her­aus, dass die Besitzerin des angreifend­en Hun­des nach dem Vor­fall einen falschen Namen und eine falsche Adresse angegeben hat­te. Der Hund war beim Amt nicht gemeldet. Ob die Hal­terin über die notwendi­ge Sack­kunde ver­fügt und die hier in Nieder­sach­sen erforder­lichen Prü­fun­gen abgelegt hat, kann an dieser Stelle nicht nur auf­grund des nicht gemelde­ten Hun­des son­dern auch auf­grund ihres Ver­hal­tens bezweifelt wer­den.

Doch warum schreibe ich nun diesen Artikel?

Auf­grund der falschen Adresse und des nicht gemelde­ten Hun­des ließ sich nicht mehr fest­stellen, wie die Hal­terin des Hun­des heißt, wo sie wohnt und ob dieser Hund über­haupt ihr gehört. Auf der Tier­arztrech­nung blieb die Dame des ange­grif­f­e­nen Hun­des sitzen. Was bleibt: ein Gefühl des Unwohl­seins, der Angst, dass es wieder passieren kön­nte und Unver­ständ­nis für so viel Dreistigkeit und Sor­glosigkeit. Kurz: man bleibt auf den Kosten hän­gen und der aggres­sive Hund ren­nt immer noch durch die Nach­barschaft — keine schöne Vorstel­lung.

Lasst euch den Namen und die Adresse geben

Ganz ehrlich: auch Queen oder Püp­pi kön­nen noch heute in einen Beißvor­fall ver­wick­elt wer­den. Das kann jeden von uns tre­f­fen und ich bin mir sich­er, dass sich die meis­ten von uns ver­ant­wor­tungs­be­wusst ver­hal­ten wür­den und ihre Per­son­alien abgeben wür­den. Doch wenn man die Per­so­n­en nicht ken­nt, dann sollte man sich den Ausweis zeigen lassen und nicht alle Angaben glauben. Die Leute kön­nen noch so harm­los und fre­undlich wirken, wenn sie euch anlü­gen, habt ihr ein Prob­lem.

Und wenn die Per­son sich nicht ausweisen kann und euch auch nichts anbi­eten kann (wie zum Beispiel gemein­sam die Woh­nung oder das Auto auf­suchen um Per­son­alien auszu­ta­suchen), dann ruft die Polizei an. So wird der Vor­fall aktenkundig und die Ermit­tlun­gen zum Geschehen, zu Zeu­gen usw. kön­nen ein­geleit­et wer­den.

Geht zum Arzt

Selb­st wenn es noch ein­mal gut aus­ge­gan­gen ist, geht direkt zum Arzt. Lasst euch den Beißvor­fall bescheini­gen. Aber das ist noch nicht alles. Der Mitar­beit­er des Ord­nungsamtes hat uns gesagt, dass die Besitzerin den Vor­fall jed­erzeit leug­nen kön­nte und dann bringt auch das Attest für den Beißvor­fall nichts. Bit­tet daher den Arzt, eine Spe­ichel­probe aus der Wunde zu nehmen. Ich muss zugeben, dass ich erst ein­mal irri­ter­it geguckt habt, als ich dies zum ersten Mal hörte. Aber es macht Sinn und scheint bei Tierärztin auch bekan­nt zu sein. Lasst euch also die Ver­let­zung doku­men­tieren und lasst eine Spe­ichel­probe aus der Wunde nehmen.

Nur wenn ihr die Per­son­alien der anderen Per­son habt, die Ver­let­zun­gen von einem Arzt bescheinigt ist und ihr die Spe­ichel­probe als Beweis habt, kön­nt ihr Ansprüche gel­tend machen. Und nur wenn die Verur­sachung durch diesen Hund bewiesen ist, kann das Ord­nungsamt eine Maulko­rbpflicht und einen Wesen­stest anord­nen.

Ich will hier ganz sich­er nicht alle Hun­debe­sitzer schlecht machen. Ich bin mir sich­er, dass die meis­ten von uns selb­stver­ständlich wahrheits­gemäß die Per­son­alien angeben und den Fall der Ver­sicherung melden wür­den. Ich möchte allerd­ings sagen, dass man den Men­schen nur vor den Kopf schauen kann und wer hätte gedacht, dass die junge Dame dreist einen falschen Namen und eine falsche Adresse nen­nen würde. Und wenn man nichts zu ver­ber­gen hat, dann hat man sich­er kein Prob­lem damit, seinen Ausweis zu zeigen. Falls man diesen nicht bei sich führt, kann man dem Besitzer des anderen Hun­des anbi­eten, gemein­sam das Haus oder Auto aufzusuchen — je nach­dem wo sich der Ausweis befind­et.

Wir alle soll­ten uns für Augen führen, dass es auch bei unserem Vier­bein­er zu einem Beißvor­fall kom­men kann. Es kann sein, dass er zubeißt. Genau­so kann es sein, dass unser Hund gebis­sen wird. Wir soll­ten uns darüber klar sein, dass man das Ver­hal­ten unser Tiere nie sich­er vorherse­hen kann. Es ist wichtig, dass wir uns in solch ein­er Sit­u­a­tion ver­ant­wor­tungs­be­wusst ver­hal­ten. Hat unser Hund den Beißvor­fall verur­sacht, so soll­ten wir unsere Per­son­alien angeben und den Vor­fall unser­er Ver­sicherung melden. Wurde unser Hund gebis­sen, so soll­ten wir uns den Ausweis des anderen Besitzers zeigen lassen und wenn dieser dazu nicht bere­it ist, die Polizei ein­schal­ten. Wir soll­ten unseren Hund zum Tier­arzt brin­gen, um eine Doku­men­ta­tion der Ver­let­zun­gen und um eine Spe­ichel­probe bit­ten.  Denn sich­er ist sich­er. Und die Sit­u­a­tion ist für sich genom­men schon schlimm genug. Da soll­ten wir Zweiebein­er es nicht unnötig kom­pliziert­er machen.

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