Allgemein, Erziehung

Stress beim Hund — Symptome früh genug erkennen

Laut Wikipedia bezeichnet man Stress als

eine her­vorgerufene psy­chis­che und physis­che Reak­tion bei Lebe­we­sen, die zur Bewäl­ti­gung beson­derer Anforderun­gen befähigt, und zum anderen die dadurch entste­hende kör­per­liche und geistige Belastung.

In unserer lauten und hek­tis­chen Welt bleiben auch unsere Vier­beiner nicht vom Stress verschont.

Doch wie erkennt man, ob sein Hund gestresst ist und warum sollte Stress auch beim Hund nicht unterschätzt werden?

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Viele Hunde kön­nen eine ganze Menge aushal­ten. Ger­aten sie jedoch in bes­timmte Sit­u­a­tio­nen oder sind bes­timmten Ein­flüssen dauer­haft aus­ge­setzt, so kön­nen sie unter (chro­nis­chen) Stress geraten.

In unserer lauten und schnel­llebi­gen Welt lässt es sich manch­mal gar nicht ver­mei­den, dass unsere Hunde kurzfristig in eine Stress — Sit­u­a­tion ger­aten. Zu viele Autos, extremer Lärm, zu viele Men­schen, unge­wohnte Geräusche und agres­sive Artgenossen kön­nen den ein oder anderen Hunde schon ein­mal ganz schön aus der Bahn wer­fen. Aber auch wir Hun­de­hal­ter ver­set­zen unsere Vier­beiner unter Umstän­den in unan­genehme Sit­u­a­tio­nen. Wir kom­men gestresst von der Arbeit und schmeißen unsere Tasche in die näch­ste Ecke, wir stre­iten uns laut mit unserem Part­ner oder erledi­gen hek­tisch und polternd den Haushalt.

In der Regel ver­tra­gen die meis­ten Hunde diese Sit­u­a­tio­nen und der Stress ver­schwindet, sobald die aus­lösende Sit­u­a­tion been­det ist.

Ein Prob­lem entwick­elt sich jedoch dann, wenn die aus­lösende Sit­u­a­tion nicht endet, immer wieder auf­taucht oder sogar dauer­haft besteht. Wir dür­fen nicht vergessen, wie sen­si­bel unsere Hunde sind. Es geht eben nicht nur ums Schlafen, Fressen und Spazierenge­hen. Hunde merken mehr als wir denken und so kann sich auch unser Stress neg­a­tiv auf den Hund auswirken.

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In erster Linie sind fol­gende Sit­u­a­tio­nen stres­saus­lösend für die Fellnase:

  • Über­forderung und Unterforderung
  • aggres­sives Umfeld
  • Schmerzen
  • unbekan­nte Situationen
  • Lärm und unge­wohnte Gerüche

Der Klas­siker ist die Über­forderung. Wir meinen es oft nur gut und laufen von Agility — Tunier zum Waldspazier­gang, tre­f­fen uns danach noch mit den Nach­barn­shun­den und nehmen unseren Hund anschließend mit auf einen Kinderge­burt­stag. “Der arme Hund soll ja schließlich beschäftigt wer­den und alleine bleiben möchte er sicher auch nicht.” 

Dabei vergessen wir, wie schnell wir unseren Hund über­fordern kön­nen. Hunde schlafen bzw. dösen bis zu 16 Stun­den am Tag. Natür­lich gibt es auch hier große Unter­schiede. Queen schläft in der Regel nachts, wenn ich auch schlafe und tagsüber nur kurz für max. eine halbe Stunde nach einem län­geren Spazier­gang. Den­noch beschäftige ich sie nicht in jeder Minute, in der sie wach ist. Sie soll zumin­d­est die Möglichkeit haben, sich auszu­ruhen. Zwis­chen den Spaziergän­gen spie­len wir im Garten, trick­sen oder machen Such­spiele. Aber ich gestalte den Tag so, dass immer wieder zwis­chen­durch gar nichts passiert, sonst würde Queen den ganzen Tag in Bewe­gung sein und würde auf Dauer unter Stress geraten.

QueenSchlafdecke

Viele Hun­debe­sitzer suchen den ständi­gen Kon­takt zu anderen Hun­den und gehen immer wieder mit unter­schiedlichen “Rudeln” spazieren. Auch hier kann es zu einer Über­forderung und fol­glich zu Stress kom­men, weil inner­halb der Gruppe immer wieder neu die Dynamik geregelt wer­den muss. Die Rang­folge muss stets neu bes­timmt wer­den, was dur­chaus den ein oder anderen Vier­beiner unter Stress set­zen kann.

Nicht zu vergessen sind die armen kleinen Wuffis, die den ganzen Tag in einer kleinen Hand­tasche oder auf dem Arm herumge­tra­gen wer­den, weil das liebe Frauchen den Hund als Schmuck­stück betra­chtet. Diese Hunde dür­fen weder schnup­pern noch mit Artgenossen toben. Dieses Leben ver­setzt den ein oder anderen Vier­beiner unter Stress.

Auch Unter­forderung kann zu Stress führen. Durch zu kurze und zu sel­te­nen Spaziergänge fehlen dem Hund die Ein­drücke, die seine Sinne benöti­gen, um die Pro­duk­tion von notwendi­gen Hor­mo­nen sicherzustellen. Der Hund ist unausgeglichen.

2015-09-03 18.07.18

Und wie erkenne ich nun, dass mein Hund gestresst ist?

Hecheln, ­Spe­icheln, Zit­tern, langge­zo­gene runde Mund­winkel, hän­gende, nach ­hin­ten geklappte Ohren, eine ­geduckte ­Kör­per­hal­tung etc. sind deut­liche Anze­ichen dafür, dass der Hund sich derzeit ger­ade in dieser Sit­u­a­tion unwohl fühlt.

Lei­der gibt es keine Check­liste mit einer Aneinan­der­rei­hung von Symp­tomen, da die Reak­tio­nen der Hunde sehr vielfältig aus­fällt. Die meis­ten gestressten Hunde ver­hal­ten sich dauer­haft unter­wür­fig und wirken ängstlich sowie schreck­haft und nervös. Viele fan­gen zudem an, sich ver­mehrt an den Beinen und Pfoten zu lecken. Auch Appeti­t­losigkeiten, Schup­pen­bil­dung und Zit­tern kön­nen auf ver­mehrten Stress hin­weisen. Zudem wirkt sich Stress bei eini­gen Vier­bein­ern auf die Ver­dau­ung aus, sodass sie mit Erbrechen oder Durch­fall reagieren. Viele gestresste Hunde suchen einen Weg den Stress abbauen zu kön­nen. Dies kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass ein Hund plöt­zlich anfängt Dinge zu zer­stören oder plöt­zlich beginnt Artgenossen gegenüber aggres­siv zu reagieren, obwohl er sonst die Ruhe selbst gewe­sen ist.

Erkennt man bei seinem Hund Änderun­gen in seinem Ver­hal­ten oder eines der oben genan­nten Symp­tome, ohne bisher eine Erk­lärung dafür gefun­den zu haben, so sollte man unter­suchen, ob Stress die Ursache sein könnte.

Stress sollte niemals unter­schätzt wer­den, denn auf Dauer verän­dert ein gestresster Hund nicht nur sein Wesen, son­dern kann auch gesund­heitlich beein­trächtigt werden.

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12 Comments on “Stress beim Hund — Symptome früh genug erkennen

  1. Ein schöner Artikel zu einem sehr wichtigem Thema. Emmely gähnt übri­gens auch wenn sie gestresst ist 😉
    Lieb­ste Grüße
    Lizzy und das Indianermädchen

    1. Vie­len Dank. Lei­der wird das Thema oft ver­nach­läs­sigt, sollte aber stets ernst genom­men wer­den… Daher wollte ich mal ein paar Zeilen hierzu verfassen 🙂

  2. Wirk­lich ein sehr schöner Artikel! 😉
    Chilli beginnt in einer extremen Stress­si­t­u­a­tion, wie sie sie zu Sil­vester hat, neben dem starken Hecheln und Spe­icheln auch an, extrem viel (man kann wirk­lich sagen z.T. schon unkon­trol­liert) zu trinken an. 🙁
    Wir hof­fen, dass die Bach­blüten in diesem Jahr anschla­gen und wenig­sten etwas Lin­derung ver­schaf­fen und ich Besuch in 3 Wochen noch ein Sem­i­nar dazu und vielle­icht gibt es dort noch ein paar Tipps (natür­licher Basis ver­steht sich! 😉 auf die ich bisher noch nicht gekom­men bin.

    Lieb­ste Grüße senden Jule & Chilli

    1. Sil­vester ist wirk­lich ein blödes Thema. Wir haben da Gott sei Dank über­haupt keine Prob­leme mit…
      Du musst unbe­d­ingt von dem Sem­i­nar berichten 🙂

  3. Toller Beitrag! Und vor allem sehr wichtig für uns Hun­de­hal­ter. Finn hat den meis­ten Stress beim Aut­o­fahren… Er hechelt stark, spe­ichelt und manch­mal spuckt er sogar. Wir bekom­men das ganz gut hin, dank unserer Tierheilpraktikerin! 🙂
    Lieb­ste Grüße
    Lisa & Finn

    1. Schön, dass ihr das im Griff habt 🙂
      Ich finde es schade, dass viele Hun­de­hal­ter sich über­haupt keine Gedanken zu diesem Thema machen…
      Viele Hunde lei­der unter Stress und man kann immer etwas tun 🙂

  4. Sehr schöner Beitrag.
    Viele vergessen, dass ein Hund sich von Men­schen gar nicht so groß unter­schei­det. Wie reagieren viele Men­schen wenn sie ständig unter Stress / Strom ste­hen? Genau, sie sind gereizt. Die sel­bi­gen wun­dern sich allerd­ings darüber, dass ihr Vier­beiner plöt­zlich aggres­siv o.ä. wird…

    Wir haben zu Hause unserem Labrador ein­fach gle­ich mehrere Rück­zug­sorte gegeben. So ist in jedem einzel­nen Zim­mer ein Hun­de­bett platziert. Hier hat Mar­ley inzwis­chen seine Art auch uns zu zeigen das er ein­fach nur Ruhe will, ohne aggres­siv reagieren zu müssen. Legt er sich ins Schlafz­im­mer, wis­sen wir alle Bescheid. Im Gegen­zug hat er gle­ichzeitig gel­ernt uns unseren Rück­zug zu gewähren 🙂

    Beste Grüße

  5. Ich find den Text klasse!
    Allerd­ings fehlt mir bdi den Aus­lösern eine große Gruppe:
    Die Hund-Mensch-Gespanne, denen ordentliches an der Leine gehen nicht gelingt.
    Damit meine ich das Ziehen sel­ber. Es muss ein­fach Stress aus­lösen, wenn man ständig gewürgt wird oder in regelmäßi­gen Abstän­den zurückgezogen/gerissen wird oder die ver­meitliche Flex­ileinen­frei­heit hat, bei der Hund jed­erzeit mit einem harten Ruck durch Betäti­gen des Stop­knopfes oft schmerzhaft aus seinem Tun geris­sen wird.
    Ins­beson­dere die neg­a­tiven Verknüp­fun­gen, wenn der Hund durch irgen­det­was neugierig gemacht wurde oder durch das Aif­tauchen eines neuen Reizes sich stärker bewegt– wenn dann immer ordentlich der Leinen­ruck folgt, weil Men­sch nicht dazu in der Lage ist, ihm zu “erk­lären” wie das mit der Leine funktioniert.
    Abge­se­hen davon noch der Hin­weis, dass man bei einem Hund der gel­ernt hat, was wir von ihm an dr Leine erwarten, auch den Stresslevel erken­nen kön­nen, eben weil er plöt­zlich trotz­dem zieht.
    Mein Trainer hat den Hun­den und mir das sehr deut­lich gemacht.
    Der große Schwarze kommt aus 4.Hand und war in jeder neuen Umge­bung, ja sogar auf jedem neuen Meter, sehr aufgeregt und hat , wenn man sich nicht darum geküm­mert hat und ihn in seinem Stress allein lies, nach spätestens 2 m gezo­gen wie ein Berserker. Abge­se­hen davon hat er regelmäßig Hunde und Men­schen ange­bellt, obwohl er nor­maler­weise kvöl­lig verträglich und men­schen­fre­undlich ist. Ich hatte immer das Gefühl, es war sein Über­druck­ven­til, diese zusät­zliche Frus­tra­tion, dort nicht hinzukom­men und die ehe­mals neg­a­tiven Erfahrun­gen mit der stram­men Leine, haben ein­fach zum Übekochen geführt.
    Zu Beginn war es sehr müh­sam, sich jeden neuen Meter zu erkämpfen. Der Weg dahin ging über immer wieder zurück­ge­hen in das zuvor erschlossene Gebiet, ste­hen und gucken lassen und bei leinen­zug auch immer wieder zurück ins alte Gebiet. Nach einer Weile kon­nte ich ihn auch ins pos­i­tiv aufge­baute Platz legen. Dort schaute er sich dann um und wenn er run­terge­fahren war und die Umge­bung fer­tig ver­daut hatte, merkte ich das daran, dass er mich wieder erwartungsvoll ansah.
    Alles wurde unter­stützt vom Clicker und VIEL Futter.
    Die Frage die sich manche vielle­icht stellen, ob statt dem Geclickere ein­fach eine klare Ansage geholfen hätte, kann ich ganz klar verneinen. Der Vorbe­sitzer hatte es bere­its mit Erziehungs­geschirren und Stachel­hals­band pro­biert– damit hat er genauso gezo­gen, wie mit nor­malem Geschirr oder Bre­item Leder­hals­band, nur dass er lt.deren Aus­sage dann ein­fach noch Gek­läfft hat.
    Ende vom Lied:
    Ein Hund der dezent beginnt zu ziehen, wenn ihn eine Sit­u­a­tion über­fordert. Hilft man ihm mit nur etwas Zus­pruch, Kurzem Zeit­lassen oder indem man ein oder zweimal zurück­gejt und clickt, ist es sofort besser. Er ist in völ­lig frem­den Umge­bun­gen natür­lich noch aufgeregt, aber bleibt ansprech­bar und kann sich auch mal zusam­men­reißen, weil er weis, dass sich das lohnt. Außer­dem fährt er schneller wieder runter.
    Inzwis­chen zieht er auch erst deut­lich später an der Leine, meist merken wir seinen Stress schon lange vorher und kön­nen direkt gegen­s­teuern. Men­schen und Hunde bellt er scgon lange nicht mehr an, nicht­mal, wenn die ihn anbellen. Er schaut dahin und wenn wir dann sig­nal­isieren, dass das Gek­läffe egal ist, scheint es er würde mit den Achseln zucken und weitergehen.

    Als Aus­löser fehlt mir auch der Stress der entsteht durch Het­zspiele oder auch bei “Balljunkies” das Aus­bleiben des Spiels. Ich kan­nte mal einen Hund, der durch eine Ver­let­zung plöt­zlich nicht mehr Ball­spie­len durfte, das hat ihn so fer­tig gemacht dass er Autoag­gres­sio­nen entwick­elt hat. Er hat sich das Fell an den Vorder­beinen ausgerissen…

    Das was mir bei den Stres­sanze­ichen fehlt ist schlicht und ein­fach das Bellen. Hat dr Hund Stress beim Alleinebleiben,bellt er oft oder in Begrüs­sungssi­t­u­a­tio­nen oder an der Leine oder aus Frust, wenn ihm etwas vorge­hal­ten wird.

    Sonst aber ein toller Artikel! Ich finds gut, dass das mal the­ma­tisiert wird🙄

    1. Hallo Julo,

      ich finde den Ansatz Ihres Train­ers sehr interessant.
      Kön­nten Sie etwas genauer erläutern, wie Sie das in den Griff bekom­men haben? Also, auch vor der Haustür Schrittchen für Schrittchen gehen, schauen lassen, abwarten und erst den näch­sten Schritt gehen, wenn der Hund ruhig bleibt?
      Wir haben hier ein ähn­liches Prob­lem und mit den bish­eri­gen Train­ern sind wir lei­der nicht vor­angekom­men. Daher freue ich mich (par­al­lel zur aktuellen Trainer-Suche) nach Tipps. 🙂

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