Trennung — Wem gehören die in einer Ehe erworbenen Hunde?

Nach­dem ich so viele Monate lang keinen Artikel zum The­ma Recht & Hund veröf­fentlicht habe, habe ich mich mal wieder in der juris­tis­chen Daten­bank umge­se­hen und eine Entschei­dung aus diesem Jahr gefun­den, von der ich euch gerne bericht­en möchte.

Es ging um zwei Eheleute, die während der Ehe zwei Hunde gemein­sam in ihr Leben geholt hat­ten. Nach­dem es zur Tren­nung der bei­den Eheleute gekom­men ist, lebten die Hunde zunächst bei der Frau. Nach weni­gen Monat­en holte der Mann die Hunde zu sich.

Die Frau möchte nun, dass die Hunde wieder zurück zu ihr kom­men. Sie trug vor, dass der zweite Hund von ihr gekauft wor­den sei. Sie habe sich qua­si alleine um den zweit­en Hund geküm­mert und eine beson­ders inten­sive und innige Bindung aufge­baut. Auch nach der Tren­nung seien die Hunde ein großer Trost gewe­sen. Ihr Mann habe die Hunde eigen­mächtig und ohne ihr Ein­ver­ständ­nis zu sich geholt.

Der Mann trug vor, er habe sich während des Zusam­men­lebens so viel wie möglich mit bei­den Hun­den beschäftigt und sich um sie geküm­mert. Bei­de Hunde seien wichtig für ihn und ihm ans Herz gewach­sen. Die Hunde habe er nicht ohne Ein­ver­ständ­nis zu sich genom­men, son­dern weil seine Frau sich auf­grund ein­er län­geren Abwe­sen­heit nicht mehr um die Hunde küm­mern kon­nte. Die Hunde soll­ten auf keinen Fall getren­nt wer­den, doch seien bei­de sehr fix­iert auf ihn, sodass er sie gerne bei sich behal­ten möchte.

Wem gehören die Hunde, die gemeinsam während der Ehe erworben wurden?

Die Hunde ste­ht­en im Miteigen­tum bei­der Beteiligten (§1568 b Abs.2 BGB ana­log), da sie während der Ehezeit erwor­ben wur­den und von bei­den betreut und ver­sorgt wur­den. Wer sich im Einzel­nen mehr geküm­mert hat, kann dahin­ste­hen.

Im Rah­men ein­er Tren­nung bzw. Schei­dung ist ein Hund grund­sät­zlich als sog. Haus­rat einzuord­nung. Dieser wird nach Bil­ligkeit verteiligt. Berück­sichtigt wird hier jedoch, dass es sich um Lebe­we­sen han­delt. Aus Tier­schutzgedanken ist hier fol­glich maßge­blich, wer die Bezugsper­son des Tieres ist.

Wer die Bezugsper­son des Tieres ist, beurteilt sich nicht danach, wer die meiste Zeit mit dem Tier ver­bracht hat, son­dern zu wem das Tier eine inten­si­vere Beziehung aufge­baut hat. Dass Hunde Rudeltiere sind, deren Mit­glieder nicht beliebig aus­ge­tauscht wer­den kön­nen, wird von den Gericht­en bei ihrer Entschei­dung berück­sichtigt. Aus tier­schutzrechtlichen Gesicht­spunk­ten entsch­ied das Gericht zudem, dass es abwägig sei die bei­den Hunde zu tren­nen und jew­eils einem Beteiligten zuzus­prechen.

Das Gericht berück­sichtigte zudem, dass die Hunde seit fast einem Jahr bei dem Mann lebten und ein erneuter Umge­bungswech­sel auf­grund der engen Beziehung zwis­chen Hun­den und Her­rchen nicht zumut­bar sei.

Schon seit meinem Studi­um ver­folge ich Urteile im Bere­ich Recht & Tier. In den let­zten Jahren flossen immer mehr tier­schutzrechtliche Aspek­te in Gericht­sentschei­dun­gen mit ein, was wirk­lich eine gute Entwick­lung ist. Auch, wenn unsere Tiere vor dem Gesetz als “Sachen” beze­ich­net wer­den, so wer­den doch immer häu­figer Emo­tio­nen, tier­schutzrechtliche Gedanken und per­sön­liche Beziehun­gen berück­sichtigt.

Zusam­men­fassend lässt sich also fes­thal­ten, dass ein während der Ehe erwor­ben­er Hund — im Sinne des Hun­des — dem­jeni­gen zuge­sprochen wird, der die Bezugsper­son für das Tier ist.

Faire Lösung oder was meint ihr?

Wer die Entschei­dung im Detail nach­le­sen möchte:
Amts­gericht München, Beschluss vom 02.01.2019 — 523 F 9430/18

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2 thoughts on “Trennung — Wem gehören die in einer Ehe erworbenen Hunde?

  1. Bin ich froh, dass wir vor unser­er Hochzeit gek­lärt haben, wo Abby hinkom­men würde, wenn der (hof­fentlich nicht kom­mende) Fall ein­tritt.

    Gut, Abby war vor der Hochzeit gekauft und nur ich steh im Kaufver­trag, aber es sollen ja noch mehr Hunde kom­men. Da weiß der Lieb­ste aber, dass die zu mir kom­men. Außer, der Hund würde an ihm hän­gen.

    Aber ich hoffe sowieso, dass wir uns darüber nie Gedanken machen müssen.

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