Über Vermenschlichung, einem schlechten Gewissen und unterschiedlichen Bedürfnissen

Zwei unter­schiedliche Hunde ergeben unter­schiedliche Bedürfnisse. Logisch.

Doch so unter­schiedlich Queen und Püp­pi auf den ersten Blick erscheinen, sind sie gar nicht. Oder zumin­d­est haben sich bei­de so aneinan­der angepasst, dass es bish­er keine Prob­leme gab, bei­den gle­ich gerecht zu wer­den.

Da ich von Zuhause aus arbeite und daher meine Zeit frei ein­teilen kann, laufen die Tage eigentlich immer ziem­lich gle­ich ab. Mor­gens drehen wir eine Mor­gen­runde, die bei uns ca. 30 Minuten dauert. Anschließend schlafen bei­de bis ca. 10 Uhr / 10.30 Uhr. Dann drehen wir eine etwas größere Runde zusam­men. Und wie Hunde halt so sind, wird anschließend weit­er geschlafen. Nach dem Mit­tag gehen wir in den Garten. Für Queen ver­stecke ich Leck­erlis und Püp­pi apportiert oder trickst mit mir. Meis­tens dauert es dann noch ca. 1 oder 1,5 Stun­den bis Her­rchen von der Arbeit kommt, daher liegen bei­de in dieser Zeit im Flur und star­ren auf die Woh­nungstür. Sobald Her­rchen hier ist, wird gespielt, geknud­delt und Kekse abges­taubt. Wir ver­brin­gen den Rest des Tages meist zu viert und sei es nur knud­del­nd auf dem Sofa. Abends drehen wir die let­zte Runde eben­falls zusam­men. Meist wieder für ca. 30 Minuten, anschließend wird gefut­tert, gekn­ab­bert und gepen­nt 🙂

Ja ich würde sagen, so kann man unsere Tage ganz gut zusam­men­fassen.

Uns ken­nt man nur zusam­men und das ist auch gut so

Zur Zeit wer­fen uns allerd­ings zwei Umstände etwas aus der Bahn. Zum einen die Hitze, die Queen zu schaf­fen macht und zum zweit­en ihre Läu­figkeit, die zusät­zlich als Hand­bremse wirkt.

Wenn Queen läu­fig ist und zu der Zeit muss ich lei­der auch noch die vier bis sechs Wochen nach der eigentlich Läu­figkeit zählen, ist sie für nicht allzu viel zu begeis­tern. Sie schläft viel, ist draußen langsamer unter­wegs und bei weit­em nicht mehr so motiviert wie son­st. Natür­lich kann man jet­zt daran denken, sie kas­tri­eren zu lassen, doch für mich liegt hier keine medi­zinis­che Indika­tion vor, sodass eine Kas­tra­tion zum jet­zi­gen Zeit­punkt keine Option ist. Nur weil sie mehr schläft und unmo­tiviert durch die Gegend schlen­dert, lasse ich sie nicht operieren. Sie lässt sich ganz gut anlenken, indem wir neue Streck­en oder ihre Lieblingswege laufen. Auch Nase­nar­beit und Kop­far­beit holt sie aus dem Moti­va­tion­stief her­aus. Zwar ste­ht diese bei uns täglich auf dem Plan und ich ver­suche die Gas­sirun­den zur Zeit ihrer Läu­figkeit beson­ders span­nend zu gestal­ten, doch zur Zeit legt uns die Hitze einige Steine in den Weg.

Schäfer­hunde und Hitze passt unge­fähr genau­so gut wie ein Eis­bär in die Wüste. Mor­gens und abends drehen wir daher etwas größere Run­den, um in der Mit­tagszeit möglichst nicht raus zu müssen. Queen find­et das super und chillt gemütlich im Flur. Bis hier hin also alles irgend­wie regel­bar, indem man die Spaziergäng der Wärme anpasst und zwis­chen­durch für Ablenkung sorgt.

In der ganzen Geschichte haben wir aber einen entscheidenden Punkt vergessen:

Püppi.

Püp­pi ist hoch motiviert. Egal, ob wir draußen 0 Grad oder 30 Grad haben. Die Kleine ist am Start und beste­ht auf ihre tägliche Bespaßung in regelmäßi­gen Abstän­den von ca. 3 Stun­den. Während Queen also nach ein­er zehn­minüti­gen Pipirunde bei 30 Grad nur noch auf den kalten Fliesen liegen will, bleibt Püp­pi direkt im Flur ste­hen nach dem Mot­to “Los, lass uns zwei nochmal alleine losziehen.”

Nun kön­nte man sagen: Warum nicht?

Queen kon­nte sich lösen, ein wenig die Beine vertreten und will bei 30 Grad ohne­hin nicht mehr machen. Also kön­nten Püp­pi und ich ja noch eine weit­ere Runde hin­ten dran hän­gen, während Queen die Ruhe auf den kalten Fliesen genießt. Püp­pi geht eben­so gern ins Wass­er wie Queen und da Queen zur Zeit der Läu­figkeit im Hin­blick auf eine dro­hende Gebär­mut­ter­entzün­dung nicht in den See darf, muss Püp­pi ja nicht zwangsläu­fig eben­falls verzicht­en oder?

Es könnte so einfach sein, wäre da nicht mein schlechtes Gewissen.

Ich stelle mir vor, dass Queen uns trau­rig hin­ter­her blickt und eigentlich vielle­icht doch mitkom­men möchte. Ich male mir aus, wie sie hin­ter der Woh­nungstür liegt und auf uns wartet. Wie sie sich fragt, warum sie nicht mit darf.

Wie ihr merkt: Ich habe über­haupt keinen Hang zur Ver­men­schlichung 😀 Wahrschein­lich ist Queen hap­py mit ihrem Kaus­treifen, den ich ihr gebe, wenn ich das Haus ver­lasse. Wahrschein­lich legt sie sich ein­fach gemütlich irgend­wo hin und schlum­mert.

Gemütlich kann sie 🙂

Doch da ich mich nun mal nicht mit ihr unter­hal­ten und sie fra­gen kann, ob sie vielle­icht trau­rig ist, wenn sie alleine bleiben muss, plagt mich mein schlecht­es Gewis­sen.

Ander­sherum würde es mir nicht anders gehen. Wenn ich alleine mit Queen nach draußen gehe, weiß ich vom Her­rchen, dass Püp­pi win­sel­nd hin­ter der Tür ste­ht. Die Vorstel­lung bricht mir das Herz und so nehme ich so doch irgend­wie jedes mal mit.

Bish­er haben wir immer alles zusam­men gemacht, weil wir das erstens gerne so machen und zweit­ens die Bedürfnisse der bei­den grund­sät­zlich auch super miteinan­der vere­in­bart wer­den kön­nen. Bei­de laufen lieber eine Runde mehr, statt mor­gens und abends eine Riesen­runde zu drehen und den Rest der Zeit im Garten zu ver­brin­gen. Doch durch die Hitze und die Läu­figkeit ist Queen unmo­tiviert, Püp­pi hat Lust etwas zu unternehmen und ich ste­he mit meinem schlecht­en Gewis­sen und viel zu vie­len Gedanken direkt dazwis­chen.

Hof­fen wir, dass es sich bald abkühlt, der Somme nicht allzu heiß wird und wir schnell mit der Läu­figkeit durch sind. Dann kön­nen wir wieder zusam­men den Park und den See unsich­er machen — so wie es am schön­sten ist 🙂

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One thought on “Über Vermenschlichung, einem schlechten Gewissen und unterschiedlichen Bedürfnissen

  1. Hal­lo Sab­ri­na!
    Das kann ich so gut nachvol­lziehen. Mir würde es genau gle­ich gehen, allerd­ings würde ich es vielle­icht ein­fach mal pro­bieren und Queen über eine Kam­era fil­men. So weißt du, was sie wirk­lich davon hält.

    Knud­dels
    San­dra & Shi­va

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