Über Sofawölfe, die (k)einen Rudelführer brauchen

Über Sofawölfe, die (k)einen Rudelführer brauchen

Kennt ihr auch diese tollen ange­blichen Ratschläge von richti­gen ange­blichen Experten, die auf jeden Fall ange­blich zum Erfolg führen sollen?

Da hät­ten wir die Klassiker:

Dein Hund braucht eine klare Hier­ar­chie. Du musst ein Rudelführer sein.”

Kein Hund stirbt an einer aufgeris­se­nen Kralle. Immer­hin stam­men die vom Wolf ab.”

Nahrungsergänzungsmit­tel? Dein Hund braucht Fleisch. Wölfe schüt­ten sich auch kein Pul­ver über ihr Kanninchen.”


Und meinen absoluten Lieblingssatz: “Dein Hund ver­hält sich so, weil er nach Macht strebt.”

Also ganz ehrlich. Eine Diskus­sion über die Ver­gle­ich­barkeit von Hund und Wolf ent­puppt sich doch so langsam als öffentlicher IQ — Test. Diese ganzen Hun­de­hal­ter mit der “die Hunde regeln das schon unter sich — Ein­stel­lung” reden sich die Welt doch nur schön mit ihrem ganzen “Ist wie bei den Wölfen — Gelaber” … Hunde regeln es eben nicht unter sich und viele wirk­lich rel­e­van­ten Gemein­samkeiten zwis­chen Hund und Wolf gibt es auch nicht mehr.

Ja. der Hund stammt vom Wolf ab. 
Nicht mehr und nicht weniger.

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Aus der aktuellen Caniden­forschung wisssen wir, dass das Zusam­men­leben in einem Wol­frudel lange nicht so ist wie die “Du musst ein Alphatier sein” — Hun­de­hal­ter uns ver­suchen zu erk­lären. In einem Wolf­s­rudel erfüllt der “Rudelführer” die Rolle eines für­sor­glichen Wolfes, der sich um das ganze Rudel die die ganze Fam­i­lie küm­mert. Das Bild eines dom­i­nan­ten fauchen­den Wolfes, vor dem alle anderen Respekt haben, ist doch längst über­holt. Stre­it­igkeiten gibt es nur, wenn die Tiere gestresst sind. All diese furchte­in­flößen­den Begriffe wie “Macht”, “Diszi­plin” oder “Gehor­sam” kom­men in keiner Wolfs­fam­i­lie vor.

Wenn Erziehung aber nicht auf Rudelstrukturen und Dominanz aufgebaut werden kann, wie dann?

Ist euch schon ein­mal aufge­fallen, dass euer Hund immer das wieder­holen, was sich für sie lohnt? Sie machen sofort “Sitz”, wenn der Keks schon in der Hand ist. Sie bet­teln am Tisch, wenn es let­zte Woche ein Stückchen Fleisch von dort gab. Kurz gesagt: Sie sind auf ihren Vorteil aus. Was sie kriegen kön­nen, das nehmen sie sich. Und warum? Weil sie es kön­nen 🙂 Wir lieben sie und das ist auch gut so. Trotz ihrer zugegeben­er­maßen leicht ego­is­tis­chen Grund­hal­tung 😀 sind sie die liebenswertesten Geschöpfe, die ich kenne.

wir

Also wie muss man Erziehung dann verstehen?

Ich betra­chte Erziehung als eine Art Aus­tausch. Wir bekom­men unser gewün­schtes Ver­hal­ten, während der Hund bekommt, was er braucht. Fut­ter, Zuwen­dung, Spielein­heiten — aber auch ganz grundle­gend Wasser, einen Schlaf­platz und die Gebor­gen­heit, um zur Ruhe kom­men zu kön­nen. Experten beze­ich­nen das als Ressourcenkon­trolle. Das Geheim­nis besteht in einer guten Bindung zu seinem Hund. Diese widerum entsteht, wenn der Hund sich bei uns wohl fühlt und alles hat, was er braucht. An dem Tag, an dem wir unseren Hund zu uns geholt haben, begann die Ver­ant­wor­tung für dieses Lebe­we­sen. Wir sind es unserem Hund schuldig, sich mit seinen Bedürfnis­sen auseinan­derzuset­zen. Und hier haben Gedanken über Rudelführung und Dom­i­nanz nichts verloren.

2015-07-11 15.02.10

Und jetzt?

Zunächst ein­mal sollte nicht jedes Ver­hal­ten mit dem Streben nach Dom­i­nanz und Macht erk­lärt wer­den. Ein Hund, der sich auf unser Bett legt, möchte vielle­icht gar nicht zum Aus­druck brin­gen, dass er das Alphatier ist, son­dern vielle­icht möchte er ein­fach nur bequem liegen. Ein Hund, der einen Men­schen anspringt, möchte keine Macht gewin­nen, son­dern vielle­icht ein­fach nur seine Zunei­gung aus­drücken, weil Hunde sich hierzu die Schnauze lecken. Ein Vier­beiner, der sein Fut­ter vertei­digt, muss nicht direkt zum Hun­de­trainer, son­dern hat möglicher­weise ein­fach nur Angst, dass man ihm etwas weg­n­immt. Und was ist mit dem zäh­ne­fletschen­den Dackel, der bel­lend in der Flexi — Leine hängt? Nun ja. Vielle­icht ist er ein­fach nur nicht richtig sozial­isiert worden …

Natür­lich muss es im Zusam­men­leben mit einem Hund klare Regeln geben. Aber die gibt es in jeder Wohnge­mein­schaft auch. Also Schluss mit Worten wie Dom­i­nanz und Rudelführung. Wenn ihr wollt, dann nehmt eure Hunde mit ins Bett, nehmt zur gle­ichen Zeit eure Mahlzeiten ein und lasst euren Hund ruhig als erster aus der Tür gehen.

Solange ihr euch wohl fühlt, es euch gut geht und ihr eine harmonische Beziehung habt, ist doch alles perfekt.

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Posted on: 11. September 2015Sabrina

3 Gedanken zu „Über Sofawölfe, die (k)einen Rudelführer brauchen

  1. Beide Dau­men hoch! 

    Solange sonst alles klappt, besteht ja gar kein Grund, dem Hund gewisse Priv­i­legien zu ver­wehren. Shiva kann ein kleines Leinen­mon­ster sein, seit wir geübt haben, dass sie immer mich zwis­chen sich und die ver­meindliche Gefahr brin­gen soll, klappt es tadel­los. Das macht sie auch bei freilaufenden Begeg­nun­gen. Sie kommt erst Mal zu mir uns setzt oder stellt sich hin­ter mich. Nach dem Motto: “Soll das die Dicke regeln”. Warum auch nicht? Ich bin im Zweifelfall eh die stärkere von uns bei­den. Also kann ich auch gle­ich diese Rolle übernehmen und mein Fräulein fühlt sich gle­ich viel viel sicherer. Ab dem Moment, in dem ich meine Grund­hal­tung geän­dert hatte, hatte ich plöt­zlich einen ganz anderen Hund an der Leine. Viel cooler und entspan­nter. 😉 ich hoffe, der Trend hält an.

    Flauschige Grüße
    San­dra & Shiva

  2. Du sprichst mir aus der Seele. Was unsere Hunde wirk­lich brauchen sind Regeln und Gren­zen. Wie jedes andere Fam­i­lien­mit­glied auch. Charly kuschelt auch wahnsin­nig gerne mit mir auf der Couch. Ein­fach so.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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