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Von Hunden die zu Nashörnern wurden

Warn­hin­weis: Dieser Artikel kann Spuren von Ironie enthal­ten.

Ich denke, wir alle haben schon ein­mal diesen magis­chen Moment erleben dür­fen. Diesen kurzen Augen­blick, in dem auch der noch so kle­in­ste Hund plöt­zlich und uner­wartet zu einem Nashorn wird.

Es geschieht meist draußen und ste­ht in einem unmit­tel­baren Zusam­men­hang zu der von manchen Men­schen als modis­ches Acces­soires, von manchen lediglich als notwendi­ges Übel genutzten Verbindung zwis­chen Men­sch und Hund — der Leine.

Vielle­icht hat der ein oder andere, der bere­its Zeuge dieses magis­chen Moments gewor­den ist, schon jet­zt ein Bild vor Augen. Für alle anderen möchte ich eine dieser unglaublichen Ver­wand­lungssi­t­u­a­tio­nen, die ich erst kür­zlich wieder erleben durfte, genauer beschreiben.

Ich ging mit Queen, Püp­pi und Sam durch den kleinen Stadt­park bei uns in der Sied­lung. In der Nähe eines Enten­te­ich­es bemerk­te ich eine Dame, die gemein­sam mit ihrem Pudel spazieren ging. Da die bei­den uns direkt ent­ge­gen kamen, rief ich Queen, Püp­pi und Sam zu mir. Wir wichen auf den bre­it­en Grün­streifen neben dem Weg aus, sodass wir mit einem aus­re­ichen­den Abstand an der Dame und ihrem Pudel vor­beilafen kon­nten.

Viele Hun­debe­sitzer hand­haben es ähn­lich wie ich. Doch manchen scheint dies ein­fach nicht möglich zu sein …

Wenn der Hund zum Nashorn wird…

Es geschah exakt in dem Moment, in dem wir auf der gle­ichen Höhe wie die Dame und ihr Hund gewe­sen sind. In Bruchteilen von Sekun­den erstar­rte der kleine Pudel und ver­har­rte stock­steif mit­ten auf dem Weg. Die kleine Pfoten wur­den zu schar­fen Krallen, die sich in den Boden bohrten. Wer jet­zt glaubt, dass man diesen Pudel doch sich­er an der Leine zur Seite führen kön­nte, der irrt sich. Das ist der magis­che Moment, in dem der kleine niedliche Pudel zu einem nicht mehr von dem Weg zu bek­om­menden Nashorn wird. Zumin­d­est muss man diese Sit­u­a­tion so inter­pretieren, wenn man dem Ver­hal­ten der Dame Glauben schenken kann. Denn wenn Hunde zu Nashörn­ern wer­den, wirken die Besitzer macht­los. Wenn der zum Nashorn wer­dende Hund ste­hen bleibt, sich steif macht und die Krallen in den Boden bohrt, dann ist es nicht mehr möglich, die Leine zu sich zu ziehen, damit der Hund den Weg frei macht.

Liebevoll redete die Dame auf ihren Liebling ein. “Komm mein Schatz. Wir gehen nach Hause. Komm Schatzi. Ich habe auch ein Leck­er­li dabei.” Schein­bar ist dies die einzige Option, die den Besitzern solch­er Nashorn­hunde bleibt. Dass jemand ver­sucht, seinen Nashorn­hund aus dem Weg zu nehmen, kon­nte ich jeden­falls noch nicht beobacht­en.

Der Pudel wurde zu einem Nashorn. Einem ton­nen­schw­eren Tier, welch­es nur aus eigen­er Wil­len­skraft her­aus in Bewe­gung kommt. Von außen ist da nichts mehr zu machen.

Hil­f­los blick­te die Dame mich an. Ich lock­te Queen, Püp­pi und Sam an dem ver­har­ren­den Nashorn vor­bei. Als wir einige Meter weit hin­ter ihnen waren, schaute das Nashorn sich zu uns um und legte sich in die Leine. Die Dame hat­te keine Chance. Sie musste ihrem Nashorn fol­gen und so lief sie hin­ter uns her. Schließlich zog der Pudel, äh das Nashorn in unsere Rich­tung. Und bei einem solch schw­eren Tier kann man mit den eige­nen Kräften nichts mehr anricht­en. Wenn ein Nashorn zieht, kann man nicht mehr ste­hen bleiben und erst recht kann man die Leine nicht langsam zu sich ziehen. Bei solchen Kräften dieses unglaublich schw­eren Tieres hat man da schlicht keine Möglichkeit­en mehr.

Wir wur­den schneller und bogen schnell in den näch­sten Weg ab. Erst als wir hin­ter den Büschen ver­schwan­den, wurde drehte das Nashorn sich langsam zu seinem Frauchen um und wurde plöt­zlich wieder zu dem niedlichen kleinen Pudel, welch­er ruhig neben seinem Frauchen her­lief…

2 Comments on “Von Hunden die zu Nashörnern wurden

  1. Ich schmeiß mich weg! So geil! Nashörn­er hab ich auch ab und zu getrof­fen. Da wün­schte ich mir immer Flügel, dass ich mit Shi­va ein­fach davon fliegen kön­nte.
    In let­zter Zeit geh ich meis­tens ziem­lich alleine auf den Hochebe­nen, da sind wir unter uns. Ab und zu tre­ff ich mal jeman­den, aber die weichen auch lieber aus und haben ihre Ruhe, anstatt gezwun­gene Kon­fronta­tio­nen. Der-tut-Nixe sind dort nicht anzutr­e­f­fen, weil die offen­bar nur in hochfre­quen­tierten Streck­en glück­lich wer­den kön­nen.
    Flauschige Grüße
    San­dra & Shi­va

  2. Haha, der Artikel gefällt mir aus­nehmend!
    Es ist immer erstaunlich wie viele Nashörn­er mit ihren Frauchen oder Her­rchen direkt mit­tig auf einen Weg schla­gar­tig ver­weilen müssen. Scheint wirk­lich sehr schwierig zu sein den Hund zu umrun­den und dann zu block­en um ihn in die richtige Rich­tung zu delegieren. Da bräuchte man nicht mal die Leine an sich als Angel zu nutzen. ^^
    Am besten dann noch wie bei dir, nach dem passieren des Nashorns, dass dieses sich wie durch Zauber­hand in Bewe­gung set­zt und hin­ten­rum an den vor­beilaufend­en Hund ran will.
    Vie­len Dank für deine Schilderun­gen und deine gle­iche Ein­stel­lung (gegen­seit­ige Rück­sicht­nahme), die sich sehr oft mit meinen Erleb­nis­sen deck­en.
    Her­rlich das es wirk­lich noch Hun­debe­sitzer gibt die Anstand, Rück­sicht, Respekt und Tol­er­anz haben und bei denen gegen­seit­ige Rück­sicht­nahme kein Fremd­wort ist!
    Scheint aber eine ausster­bende Art zu sein.

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