Allgemein, Alltägliches

Vorurteile bei Schäferhunden

Ich halte nicht viel von Vorurteilen. Schubladen­denken liegt mir nicht. Den­noch werde ich immer wieder mit Vorurteilen dem Schäfer­hund gegenüber kon­froniert. Es sind oft die zufäl­li­gen Begeg­nun­gen im Wald oder auf den Feldern. Manch­mal ahnt man schon, dass der Ent­ge­genk­om­mende nicht wort­los vor­beilaufen wird. Manch­mal kommt es uner­wartet. Es sind immer wieder die gle­ichen Fra­gen oder plumpten Unterstellungen.

In diesem Artikel habe ich die Vorurteile zusam­menge­tra­gen, denen ich am häu­fig­sten begeg­net bin. Und um damit ein wenig aufräu­men zu kön­nen, werde ich ein paar Worte dazu verlieren.

Haben Sie einen Zwinger Zuhause?”

Wie oft ich diese Frage schon gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Warum denken so viele, dass Schäfer­hunde grund­sät­zlich in einem Zwinger leben? Ich glaube tat­säch­lich, dass viele Schä­fis, ger­ade die, die im IPO Bere­ich geführt wer­den, oft in einem Zwinger leben. Ich bin abso­lut kein Fre­und von Zwinger­hal­tung. Ein Hund ist ein Rudeltier und ein Rudeltier lebt, isst, schläft und ruht wie der Name schon sagt mit seinem Rudel. Für mich ist die Zwinger­hal­tung keine Option und ich hoffe, dass dies­bezüglich bald ein Umdenken kom­men wird. Den gest­zlichen Bes­tim­mungen zufolge müssen die Zwinger bei einem Hund mit einer Wider­risthöhe von zum Beispiel bis zu 50 cm nur 6 Quadrat­meter groß sein. In meinen Augen ist das keine art­gerechte Hal­tung und ich hoffe sehr, dass die Zwinger­hal­tung abnehmen wird und aus den Köpfen der Leute verschwindet.

Oh ein Schäferhund. Die sieht man ja auch immer seltener.”

Ja das stimmt lei­der. Die meis­ten Schäfer­hunde ken­nen nur den Weg zum Hun­de­platz und zurück. Natür­lich nicht “per­sön­lich”, denn sie wer­den in der Regeln in Anhängern trans­portiert und dürften nur für zehn Minuten Unterord­nung und Schutz­di­enst raus. Ich habe eine unfass­bare Wut auf Hun­de­hal­ter, die ihre Schäfer­hunde in Zwingern hal­ten und nur als Sport­gerät oder als Geschäft betra­chten. Jährlich wer­den ca. 16.000 Schäfer­hund — Welpen reg­istri­ert. Auf dem zweiten Platz folgt der Dackel mit 6.000 Welpen. Allein dieser Ver­gle­ich zeigt doch schon,  wieviele Schäfer­hunde auf den Straßen zu sehen sein müssten. Viele Tiere wer­den in dun­klen Sche­unen oder Zwingern gehal­ten und dür­fen nur zwei bis drei mal die Woche auf den Hun­de­platz.  Das war’s. Es gibt sicher­lich auch viele Schäfer­hundbe­sitzer wie ich es bin, aber es gibt lei­der genauso schwarze Schafe. Da gibt es nichts zu beschöni­gen. Und solange die schwarzen Schafe immer noch die Hunde als Sport­gerät, als Geschäft betra­chten, solange wird es auch immer wieder Vorurteile der Rasse gegenüber geben.

Trägt ihr Hund gar kein Stachelhalsband?

Nein und das wird auch niemals passieren. Mit­tler­weile gibt es sogar Stachel­hals­bän­der, die sind unter einem Gurt­band befinden, damit nie­mand sehen kann, wie das Tier behan­delt wird. Richtig per­vers wird es dann, wenn auf dem Gurt­band “Mamas Liebling” steht. Kein Scherz. Ich habe auf einer Messe selbst schon solch ein Exem­plar in den Hän­den gehal­ten. Ich möchte allen Men­schen, die ein Stachel­hals­band benutzen, dieses Hals­band eben­falls um den Hals binden. Und dann laufen wir mal die Unterord­nung. Und wehe der Winkel stimmt nicht zu 100%.

Oh da kommt Kommissar Rex.

Jaaaaaa. Vielle­icht süß gemeint, aber nach dem hun­dert­stens Mal auch nicht ger­ade ein erfrischen­der Kommentar.

Fass!”

Ihr glaubt gar nicht wieviele Men­schen an mir vor­bei gehen, Queen ganz tief in die Augen sehen und im let­zten Moment “Fass” sagen. Und mit Men­schen meine ich hier in der Regel Jugendliche mit der “Ich habe vor nie­man­dem Respekt, weil wir mit unseren dreck­i­gen Schlab­berk­lam­ot­ten und der Kippe im Hals die cool­sten sind” — Ein­stel­lung. Was denken die, was bei dem Wort passiert? Queen kennt das Kom­mando natür­lich nicht und hat auch noch nie Erfahrung mit Schutz­di­enst gesam­melt, sodass sie kein­er­lei Reak­tion zeigt. Damit geben sich die coolen Kids von heute aber nicht zufrieden, daher folgt in der Regel ein Satz wie “Der Hund ist kaputt” oder “Da sind wohl die Bat­te­rien leer.”

Sobald uns jemand ent­ge­gen kommt oder von hin­ten über­holt, rufe ich Queen zu mir und sie läuft direkt neben mir. Pflicht erfüllt. Oder nicht? In den Abend­stun­den fällt es beson­ders auf. Kennt ihr sie auch? Eine Gruppe älterer Damen, die wild schnat­ternd mit alten Jog­gin­ganzü­gen aus den 70ern im Gle­ich­schritt um den See laufen und dabei ihre über­schüs­si­gen Pfunde loswer­den wollen, aber eigentlich nichts anderes tun als mit ihren Fre­undin­nen spazieren gehen und durcheinan­der reden? Auch liebevoll die “Nordic Wob­bler” genannt?  Dann höre ich immer so ein leises Gemurmel. Mal hört man das Wort “Schäfer­hund”, mal erkenne ich ganze Fet­zen wie “ohne Leine — das geht doch nicht”. Ich kön­nte es ja nachvol­lziehen, wenn Queen nicht erzo­gen wäre. Aber so ver­stehe ich es nicht so ganz. Ich rufe sie doch zu mir.  Wo ist dann das Prob­lem? Klar, wird sicher mal der ein oder andere Respekt vor ihr haben. Das ist ganz klar. Aber ich habe sie nicht erzo­gen, um sie ständig an der Leine zu hal­ten. Ich halte mich an Regeln und sie belästigt wirk­lich nie­man­den. Ich passe immer auf, dass genug Platz zu frem­den Men­schen ist und nie­mand sich bedrängt fühlen muss. Mehr kann ich nicht machen.

Oft geht es in Gespräche darum, wie gefährlich doch ein Schäfer­hund ist. In der Regel fällt früher oder später der Satz “aber im Zweifel würde die doch zubeißen, wenn sie dich beschützen will” Ja, dass würde sie. Aber sie wäre sicher nicht der einzige Hunde, der sein Frauchen beschützt und ist deshalb noch lange nicht gefährlich. Natür­lich hat ein Schäfer­hund ein anderes Aggres­sionspo­ten­tial als ein Labrador. Und natür­lich ist ein Schäfi anders gestrickt wenn es um Ter­ri­to­ri­alver­hal­ten, Ressourcenverteilung und Dom­i­nanz geht als zum Beispiel ein Pudel. Den­noch ist ein Schäfer­hund kein generell gefährlicher Hund. Das ist Quatsch. Und dass die Beißs­ta­tis­tik von Schäfer­hun­den ange­führt wird (übri­gens dicht gefolgt vom Chi­huahua) liegt unbe­strit­ten daran, dass der Schäfer­hund im Polizei– und Zoll­dienst einge­setzt wird und auch diese Fälle mit in die Sta­tis­tik fallen.

Die meis­ten Begeg­nun­gen kann ich mit Humor nehmen und meis­tens sind sie bere­its nach weni­gen Minuten vergessen. Doch wenn man mal einen Strich unter die Sache zieht, ist es schon erschreck­end, welches Bild die Leute von einem Schäfer­hund haben.  Ein gefährliches Tier, welches besser an der Leine geführt wird. Ein Hund, welcher in einem Zwinger lebt und nur für den Hun­de­platz raus darf. Ein Hund, welcher auf das Wort “Fass” alles beißt, was ihm ins Maul kommt…

Der Schäfer­hund ist und bleibt ein toller Hund und ich werde mich weit­er­hin für einen zeit­gemäßen Ruf dieser Rassse ein­set­zen. Ich weiß, dass ich nicht alle Vorurteile beseit­i­gen kann. Doch immer mal wieder passieren diese Momente. Augen­blicke, in denen jemand merkt,  was für ein unglaublich toller Hund Queen ist. Zeit­punkte, in denen die Men­schen sehen, dass sie auch nur ein ganz nor­maler Hund ist, der gerne mit Bällen spielt, sich über einen Keks freut und gern gestre­ichelt wird…

Wur­det ihr auch schon mit Vorurteilen eurem Hund gegenüber kon­fron­tiert? Dann schreibt gerne einen Kom­men­tar unter diesen Artikel und erzählt mir von euren Erfahrungen.

 

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11 Comments on “Vorurteile bei Schäferhunden

  1. Wirk­lich schön geschrieben😊. Allerd­ings kann ich die Vorurteile auch nicht nachvol­lziehen. Wir haben einen Bodeguero Mix aus Spanien und einer seiner besten Kumpels ist ein Schäfer­hund 😊. Sie spie­len immer ganz aus­ge­lassen und er bringt unserem Klaus sogar noch was bei. Er hat ihm gezeigt, dass man Kinder nicht “stür­misch” anspringt und abschleckt. Wir sind bisher mit Vorurteilen ver­schont geblieben. Habt noch einen schö­nen Sonntag 🐶👩

    1. Schäfer­hunde sind ganz tolle Hunde. Queen hat auch einen großen Teil der Erziehung von Püppi über­nom­men. Mit dem Ergeb­nis, dass Püppi sich in vie­len Punk­ten ver­hält wie ein Schäfer­hund aber es ist ein­fach lustig mit anzusehen 🙂

  2. In Ham­burg fällt es mir immer beson­ders bei Jugendlichen auf.
    Mein Hund, ein Deutscher Boxer, wird wegen seinem bre­iten Maul sofort als Kampfhund “erkannt”.
    “Tüsch Digga! Da ist ein Kampfhund!” Oder er wird als Pit­bull bezeichnet.

    Beson­ders lustig war es ein­mal in Park. Zwei Boxer Welpen, Brüder von fünf Monaten, spiel­ten auf der Wiese und hatte von Rück­sicht auf andere Spaziergänger noch nicht viel Ahnung. Ein kleines Kind hatte Angst und der Vater pöbelte los, wieso die Hunde keine Maulkörbe auf hätten.

    Ja… Mir ist da auch nichts mehr zu einge­fallen als zu sagen, daß sind noch Welpen…

  3. Hallo, ich kenne das gut. Ich habe eine bel­gis­che Schäfer­hündin (Mali­nois) mit schwarzer Maske. Da gucken schon einige Men­schen skep­tisch. Vor allem, weil sie lei­der manch­mal noch immer stark an der Leine zieht. Das habe ich lei­der noch nicht so gut im Griff. Da sieht man schon in Gesichtern, dass man denkt, was kommt da denn für eine Bestie. Aber meis­tens gibt sich das dann schnell wieder, wenn sie bemerken, dass Lilly ein­fach nur ein fre­undlicher und ver­spiel­ter Fam­i­lien­hund ist und mit ihren 2 1/2 Jahren immer noch manch­mal denkt, sie sei ein Baby.
    LG Angela

  4. Habe einen Mali Schäfer Mix und er ist zu 100 % ein Fam­i­lien­mit­glied, sein Rudelkumpel ist ein Labbi (schwarz) mit den Vorurteilen kämpfen wir auch. Sind viel unter­wegs auch zwis­chen vie­len Men­schen, wie in Cafés usw. Dadurch das ich meinen Hund kenne weiß ich wann ich zuge­hen habe weils ihm zuviel wird anson­sten geniesse ich es auch ein­fach mal das die Spezies Men­sch einen Bogen um uns macht 🤪🤪
    Vor den zwei hat­ten wir zwei blonde Lab­bis, jeder kam auf uns zu, ach wie süß die doch sind.…. Jetzt beim schwarzen Labbi kom­men, zum Glück, nur noch wenige. Respek­t­farbe schwarz.……
    In vielem ist der Men­sch unbelehrbar, lei­der. Aber ich habe es akzep­tiert und wir kom­men klar damit 😝😝

    P. S. Super Text von dir und tolle Bilder
    Grüße Micha

  5. Da hast du lei­der voll ins Schwarze getrof­fen… ich lebe direkt neben einer Hun­de­schule in der sehr viel Ipo gemacht wird… oft echt schlimm… und lei­der erfüllen diese Schäfer genau die Vorurteile mit denen du kämpfst… ich gehe seit dem zweiten argen Beis­san­griff auf meinen Lab­bie nur mehr mot Pfef­fer­spray in die Rich­tung… und musste es lei­der schon anwenden…
    aber jeder gute Schäfer­hal­ter ist einer mehr! 🙂 

    Umgekehrt als Lab­biehal­ter hat man es auch nicht leicht 😉 der frisst ja immer nur… und er ist immer dreckig… naja das mit dem Dreck stimmt, aber der Lab­bie ist komis­cher Weise sehr hacklig…
    ein­mal wurde ich gefragt wie ich das zu Hause mit der Wäsche mache… Lab­bies haben ja eine genetis­che Ver­an­la­gung um Socken zu fresse…
    Alter Schwede… klar, mir ist auch schon der ein oder andere Sock abhan­den gekom­men… ich glaube aber eher, dass ihn die Waschmas­chine gefressen hat 😉 

    Durch­hal­ten!
    Liebe Grüsse Moni

  6. Auch ich kenne die ganzen Vourteile. Die Leute wech­seln die Straßen­seite, wenn ich mit Kyra um die Ecke komme. Oder es kom­men Kom­mentare wie: die grht mit einem Wolf spazieren.
    Wenn kleine Hunde kläf­fen dann wird das süß gefun­den, wenn Kyra dann antwortet, dann heisst es, was für ein agres­siver Hund.
    Hun­debe­sitzer mit kleinen Hun­den nehmen diesr auf den Arm. Man gut, dass Kyra das über­haupt nicht inter­essiert, sonst hät­ten die Besotzer der kleinen Rassen echte Prob­leme. Die meis­ten Men­schen holen sich irgen­deinen Hund ohne sich zu informieren.
    Und dann nimmt die Ver­men­schlichung seinen Lauf. Die armen Wuffels

  7. Liebe Sab­rina, ich habe diesen Artikel mit einem lachen­den und einem weinen­den Auge gele­sen — so war er ja wahrschein­lich auch gemeint. Viele Grüße aus Köln. Sören

    1. Ach ich denke, das ist genau richtig so. So geht es mir auch oft. Manch­mal muss ich über solche Sit­u­a­tio­nen lachen, manche sind zum Heulen 🙂

  8. Liebe Sabrine, Danke für Deine schö­nen Aus­führun­gen und Bilder. Es ist abso­lut unver­ständlich aber Schäfer­hunde haben zur Zeit einen abso­lut schlechten Ruf. 

    Unser Alt­deutsche Aragon ist jetzt 2 Jahre. Schon als Welpe durfte er in der Hun­de­schule nicht immer mit spie­len und sollte zuschauen wie die anderen tobten.

    Ich bin sehr viel mit Aragon in Wald und Feld unter­wegs und habe ihn immer angeleint, manch­mal mit kurzer und oft auch mit langer Schlep­pleine, immer wieder bekom­men wir “blöde” Kom­mentare von Pas­san­ten zu hören. Ger­ade gestern rief mir eine Frau zu: “Kön­nen Sie den Hund auch wirk­lich fes­thal­ten?”. Mir fällt nichts dazu ein und in der Regel gehe ich ein­fach mit meinem Liebling an der Seite kom­men­tar­los weiter.

    Zudem wurde jeder andere Hund schon mal von einem Schäfer­hund gebis­sen! Dabei ist Aragon alles andere als agres­siv und extrem verschmust.

    Liebe Grüße aus dem Raum Stuttgart — Roland

    1. Ja das stimmt 🙂 Entweder ist der Hal­ter oder der Hund schon ein­mal von einem Schäfi gebis­sen wurde 😀
      So ein Quatsch 🙂
      Ich wün­sch euch viel Freude mit eurem Aragon. Klingt nach einem wirk­lich tollen Hund <3

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