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Wann darf ein Hund wie lange bellen?

Hunde bellen.

Dies ist uns allen bekannt und daran gibt es nichts zu rüt­teln. Ob es die Katze auf der anderen Straßen­seite, der vor­beil­laufende Erzfeind am Garten­zaun oder der klin­gel­nde Besuch ist. All unsere Hunde haben schon ein­mal gebellt und wer­den es auch in Zukunft tun. Es gehört zu ihrer Kom­mu­nika­tion dazu. Natür­lich gibt es große Unter­schieden zwis­chen unseren Vier­bein­ern. Der eine bellt vielle­icht schon, wenn ein Auto in die eigene Straße ein­biegt, der andere bleibt selbst bei der Türklin­gel völ­lig gelassen.

Doch wieviel Lärm durch einen Hund muss ein Nach­bar eigentlich hin­nehmen? Wo liegt die Grenze, dass der Ver­mi­eter ein­schre­iten kann und vielle­icht sogar die Hal­tung des Vier­bein­ers unter­sagen darf?

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Diese Frage beschäftigt immer wieder die Gerichte in ganz Deutschlang. Bere­its im Jahre 1987 schuf das Ober­lan­des­gericht in Hamm mit seiner Entschei­dung Richtwerte, die auch heute immer wieder zur Entschei­dungs­grund­lage gemacht werden.

Die Grenze zur Unzu­mut­barkeit ist dann erre­icht, wenn der Hund unun­ter­brochen zehn Minuten lang bellt. Das mag erst ein­mal großzügig klin­gen, denn selbst, wenn ein anderer Hund den eige­nen Garten passiert oder die Türklin­gel zum Aus­löser wird, kommt kaum ein Hund auf zehn Minuten unun­ter­broch­enes Bellen. Dies kann schon ein­mal anders ausse­hen, wenn ein allein­ge­lassener Hund an diese Sit­u­a­tion nicht gewöhnt ist und sich nicht anders zu helfen weiß, als unun­ter­brochen zu bellen. Dann sind zehn Minuten schnell erreicht.

Aber diese Grenze ist nicht der einzig fest­gelegte Richtwert des Ober­lan­des­gerichtes, denn ins­ge­samt darf ein Hund täglich nicht mehr als dreißig Minuten lang bellen. Aber auch diese Grenze ist für den durch­schnit­tlichen Hund schwer erre­ich­bar. Nehmen wir also das Beispiel, dass vier bis fünf Mal täglich fremde Hunde den eige­nen Garten­zaun passieren, vielle­icht noch eine Katze auf dem Gar­ten­tisch hockt oder bis zu zwei Fahrzeuge täglich in die eigene Ein­fahrt fahren. Soll­ten all diese Sit­u­a­tio­nen Aus­löser für den eige­nen Hund sein, so kommt er kaum an die Grenze von dreißig Minuten heran.

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Zudem gilt allerd­ings zu beachten, dass zwis­chen 19 Uhr abends und 8 Uhr mor­gens in einem beson­deren Maß Anspruch auf Ruhe besteht. Hier gilt also ein beson­deres Rück­sicht­nah­mege­bot, sodass ein Bellen des eige­nen Hun­des weitest­ge­hend zu ver­mei­den gilt.

Wir kön­nen also fes­thal­ten, dass die durch das Ober­lan­des­gericht Hamm fest­gelegten Richtwerte im Großen und Ganzen dur­chaus hun­de­fre­undlich sind. Die Gren­zen schaf­fen im Großen und Ganzen einen adäquaten Mit­tel­weg, um den Inter­essen der Hun­de­hal­ter und denen der im Umkreis wohnen­den Men­schen gle­icher­maßen gerecht zu werden.

Habt ihr rechtliche Fra­gen rund ums Tier­recht, die ihr gerne beant­wortet haben möchtet? Vielle­icht muss es sich nicht zwangsläu­fig um Fra­gen rund um den Hund han­deln. Vielle­icht habe ihr auch eine Frage, die euer Pferd bet­rifft? Dann schreibt mir eine Mail an queen@dietutnichts.de oder kon­tak­tiert mich über unsere Face­book — Seite. Ich greife eure Fra­gen auf (gern auch anonym) und beant­worte sie aus­führlichen in einem Beitrag.

Bitte beachtet, dass es sich hier­bei um all­ge­meine Fra­gen wie “Wie lange darf ein Hund bellen?” oder “Wann darf mein Ver­mi­eter ein Haustier ver­bi­eten?” han­deln sollte. Rechts­ber­atung für konkrete Fälle darf ich weder öffentlich noch unent­geltlich durchführen.

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9 thoughts on “Wann darf ein Hund wie lange bellen?

  1. Danke für deinen aus­führlichen Artikel. Wir haben lei­der einen Dauer­beller in unserer Sied­lung. Der Hund bellt locker drei Stun­den durch und kommt auch Abends nicht vor 10 Uhr zur Ruhe. Und am Woch­enende fängt er schon mal mor­gens um 4 Uhr an zu bellen. Das ist echt anstrengend!

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

    1. Ja, wir haben so zwar keine DAUERBELLER, aber viel­beller. Heute war es kurz nach 4: 00 Uhr als als es los­ging. Es geht ein paar Minuten, dann ist Ruhe und dann fan­gen sie wieder an.

  2. Moin Sab­rina,

    ich finde das Thema super schwierig. Es kommt lei­der immer sehr auf den Einzelfall an. In einer Neubausied­lung wird ein bel­len­der Hund ein­fach ganz anders wahrgenom­men als z.B. in einem Mehrfam­i­lien­haus. Wenn du dann noch Leute als Nach­barn hast denen du bzw. dein Hund ein Dorn im Auge ist… Dann ist die Schmerz­grenze garantiert schneller erreicht.

    Ich bin zum Glück nie in der Sit­u­a­tion gewe­sen, meine Bei­den sind in der Hin­sicht ziem­lich friedlich. Trotz­dem glaube ich wird es schwer, wenn du als Hun­de­hal­ter ver­suchtst dich im Stre­it­fall auf Gericht­surteile zu ver­lassen. Es ist gut, dass es solche Urteile gibt, ich kann mir trotz­dem kaum vorstellen, dass ein aufge­brachter Nach­bar plus Ver­mi­eter den Rück­zug antreten würde.

    Mal ein Beller ist sicher kein Thema aber ein Hund der dauer­haft am aus­flip­pen ist sollte, im Sinne des lieben Friedens und auch um dem Tier selbst Stress und Aufre­gung zu nehmen trainiert wer­den. Aber bitte nur positiv 🙂

    VG
    Alexander

    1. Natür­lich steht in erster Linie ein Train­ing vorne an.
      Den­noch kann ich als Recht­san­wältin fürs Tier­recht sagen, dass die Gericht­suteile sehr wohl maßgebend sind. Also im Stre­it­fall gel­ten diese Zahlen und zwar unab­hängig der Lage des Wohn­hauses. Vieles ist eine Einzelfal­l­entschei­dung, da gebe ich dir Recht. Aber in diesem Fall eher nicht.

      1. Wie häu­fig kommt es denn soweit, dass Leute deswe­gen einen Anwalt nehmen? Ich hätte echt ver­mutet, dass nach einer gewis­sen Zeit des Nach­barschaftsstre­ites die meis­ten klein beigeben?

        Ist ja super spannend 🙂

        1. Ich mache auss­chließlich Tier­recht. Min­destens 30% aller Fälle basieren auf Stre­it­igkeit dieser Art — vor allem zwis­chen Mieter und Vermieter.

          1. Wow, das ist echt viel mehr als ich dachte. Ich wollte übri­gens mit dem ersten Kom­men­tar nicht anzweifeln, dass die Zahlen stim­men. Ich wollte damit nur sagen, dass es sicher schwer wird einem stinkwü­ten­den Nach­barn zu erk­lären, dass er laut Gericht 10 Minuten gebell ertra­gen muss. 

            Ist glaub ich echt ein super schwieriges Thema, vor allem wenn Mieter und Ver­mi­eter mit Anwäl­ten aneinan­der geraten.

  3. Wir haben ja zwei wirk­lich anstren­gende Viel­beller bei uns im Vier­tel. Nach­barn von uns haben bere­its mit den Besitzern gere­det, ohne nen­nenswertes Ergeb­nis. Es ist echt anstren­gend, weil sie eben grad mor­gens VOR 8:00 Uhr, es war heute mor­gen kurz nach 4:00 Uhr anfan­gen zu bellen, nicht lange, aber so, dass man eben geweckt wird. Ich bin schwer am über­legen, ob ich da mal beim Ord­nungsamt vor­spreche, weil ich echt nicht mehr weiß, wann ich das let­zte Mal aus­geschlafen habe, wegen der Hunde. Aber bei mir ist es so, dass ich eben mor­gens zwis­chen 5:30 Uhr und 6:00 Uhr meine erste Runde mit Lyko drehe und wenn wir z.B. auf Katzen stoßen (was nahezu jeden Tag passiert) bellt Lyko auch. Er bellt ein­mal, dann kommt mein “Aus” und dann ist Schluß, aber sein Beller ist laut und weckt denke ich auch die Nach­barn. Also was habe ich das Recht, andere anzuprangern… ? Aber ich bin echt ziem­lich nervlich am Ende durch das viele, ständige Bellen der Hunde die mich nahezu jeden Mor­gen, jedes Woch­enende, an freien Tagen im Urlaub, NICHT auss­chlafen lassen.

    Gruß Silke

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