Allgemein, Alltägliches, Erziehung

Welpenstunden — Ja oder Nein?

Mit Queen habe ich nie eine Hun­de­schule besucht. Zwei mal haben wir Kurse bei Mar­tin Rüt­ter DOGS gemacht. Hier­bei ging es um die richtige Gestal­tung von Spaziergän­gen und das Erschnüf­feln klein­er Gegen­stände.

Mit Püp­pi habe ich direkt ab der 9. Woche einen Welpenkurs besucht.

Doch warum eigentlich?

Und lohnt sich das wirklich?

Das The­ma Hun­de­schule war für mich schon immer mehr ein “kann” als ein “muss”.

Wenn ich mir einen 50jährigen Mann mit einem Mün­ster­län­der — Welpen vorstelle, der sein Leben lang Hunde gehal­ten und vielle­icht sog­ar zur Jagd aus­ge­bildet hat, dann kann ich mir kaum vorstellen, dass dieser Mann tat­säch­lich noch viel mit­nehmen kann aus diesen Stun­den.

Sozialkon­tak­te kann man auch außer­halb der Hun­de­schule organ­isieren und das eigentliche Train­ing find­et so oder so im eige­nen All­t­ag statt. Nie­mand kann mir erzählen, dass die eine Stunde pro Woche auf einem Hun­de­platz zur kom­plet­ten Erziehung eines Hun­des aus­re­icht. Übun­gen müssen auch in den eige­nen vier Wän­den und auf den Spaziergän­gen stat­tfind­en.

Anson­sten hat man näm­lich irgend­wann einen Hund, der auf dem Platz alle Übun­gen beherrscht und Zuhause der let­zte Rüpel ist, weil er genau weiß, dass das Zweibein auf dem Platz kon­se­quent ist und im eige­nen Haus nicht.

Ich komme nicht umher zuzugeben, dass ich dur­chaus über mich sagen würde, dass ich ein Händ­chen für Hunde habe. Ich habe das Gefühl schnell einen Draht zu den Hun­den zu haben, sie zu ver­ste­hen und so schnell eine Bindung zu ihnen auf­bauen zu kön­nen. Sowieso bin ich der Mei­n­ung, dass eine starke Bindung der Schlüs­sel zu allem ist. Die Erziehung ergibt sich bei uns im All­t­ag. Ich nehme mir keine Hand voll Leck­erlis, set­ze mich auf den Tep­pich und übe “sitz” und “platz”. Dadurch, dass ich den gesamten Tag mit meinen Hun­den ver­brin­gen kann, üben wir im All­t­ag. Kommt ein Jog­ger, set­zen sich die bei­den an den Rand und wer­den aufge­fordert zu bleiben. Dann gibt es eine Beloh­nung und weit­er geht’s. Während ich Leck­erlis in Baum­rinden oder im Gras ver­stecke, warten die bei­den liegend am Rand bis sie die Auf­forderung zum Suchen bekom­men.

Die Hunde ler­nen auf diese Weise viel schneller als wenn ich erst auf dem Tep­pich, dann im Garten und schließlich auf dem Feld “sitz” übe.

Aber nun zurück zum The­ma.

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Wieso bin ich eigentlich in den Welpenkurs gegangen?

Zunächst ein­mal hat­te ich das Bedürf­nis etwas mit Püp­pi alleine machen zu wollen. Zwei Hunde zu haben ist zwar mehr als nur super, aber den­noch finde ich, dass bei­de auch Zeit alleine brauchen. Queen hat ihre Zeit mit mir alleine, wenn wir im Wald Such­spiele machen. Püp­pi sollte ihre Zeit mit mir bekom­men, wenn wir in den Welpenkurs gehen.

Außer­dem wollte ich, dass sie Kon­takt zu Gle­ichal­tri­gen hat. Zwar hat sie vom ersten Tag an mit Queen gespielt, doch sie hätte ohne die Hun­de­schule viel weniger Kon­takt zu Artgenossen gehabt. Queen ist zwar grund­sät­zlich verträglich, spielt jedoch nur mit ihren Kumpels. Unbekan­nte Hunde draußen wer­den ignori­ert. Queen ist zudem ziem­lich eifer­süchtig, wenn Püp­pi mit anderen spie­len will.

Wie lief unser Welpenkurs eigentlich ab?

Den Welpenkurs haben wir eben­falls bei Mar­tin Rüt­ter DOGS gemacht. Zunächst wusste ich gar nicht, dass die dort auch Welpen­stun­den anbi­eten, daher habe ich mir zunächst eine andere Hun­de­schule ange­se­hen. Dort haben wir uns aber so unwohl gefühlt, dass schon nach der ersten Stunde klar war, dass wir nicht wieder kom­men wür­den.

Die Welpen­stun­den laufen bei Mar­tin Rüt­ter DOGS so ab, dass die Kleinen in der Regel die gesamte Zeit in dem Welpe­naus­lauf frei laufen dür­fen. Sie spie­len miteinan­der, während die Trainer­in ganz viel zum The­ma Kör­per­sprache erzählt und zudem Fra­gen beant­wortet. Der Welpe­naus­lauf beste­ht nicht nur aus einem Zaun und ein­er Wiese, son­dern auch ver­schiede­nen Unter­grün­den. In dem Aus­lauf ste­hen zudem Gegen­stände wie kleine Zelte, Fig­uren aus großen Hun­den, Git­ter­box­en, einem Kas­ten voller Bälle und ver­schiede­nen Sachen aus dem All­t­ag.

Die ersten kleinen Übun­gen wur­den einge­baut, doch in der Regel stand der Sozialkon­takt und das gemein­same Ent­deck­en im Vorder­grund.

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Was hat mir der Kurs denn gebracht?

Ich muss zugeben, dass ich nicht gedacht hätte, dass ich soviel mit­nehmen würde. Ich habe viel über Kör­per­sprache gel­ernt und ein Gespür für sehr viele Kleinigkeit­en bekom­men, worüber ich vorher nicht nachgedacht hab. Ich kann mich noch gut an eine Übung erin­nern, in der wir unseren Kleinen das “bleib” näher brin­gen woll­ten. Püp­pi bliebt lieb sitzen, doch sobald ich sie belohnen wollte, stand sie auf. Die Trainer­in erk­lärte mir dann, dass ich zu frontal auf sie zuge­gan­gen bin und dadurch, dass sie so klein ist, habe ich mich dabei zu allem Über­fluss auch noch vorge­beugt — ihr qua­si gedro­ht.

Ich bin dann seitlich auf sie zuge­gan­gen und habe mich mehr in die Hocke geset­zt statt mich vorzubeu­gen und siehe da: sie blieb sitzen.

Jet­zt kann man natür­lich sagen: Hey, das hätte dir doch selb­st auf­fall­en kön­nen und in anderen Sit­u­a­tio­nen ist mir das auch schon aufge­fall­en. Aber in dieser eben nicht und vielle­icht hätte es noch die ein oder anderen Übung­sein­heit gedauert, bis ich gecheckt hätte, was ich da ger­ade falsch mache.

Wenn wir unter­wegs sind und die bei­den laufen frei, dann rufe ich sie grund­sät­zlich, wenn wir an eine Gabelung kom­men. Meis­tens sage ich einige Meter vor der Kreuzung “stop”. Bei­de bleiben ste­hen, ich geh an ihnen vor­bei und schaue, ob ein ander­er Hund oder ein Fahrrad kommt. Dass ich mit diesem Ver­hal­ten gle­ichzeit­ig die Gegend “abchecke” und so den Hun­den ver­mit­teln würde, sie kön­nen sich auf mich ver­lassen, weil ich das regeln würde, war mir in der Form nicht bewusst.

Und so ganz allgemein

Ein Welpenkurs ist nie verkehrt. Selb­st wenn man denkt, man kriegt das alles hin, so kann man den­noch einiges mit­nehmen. Tolle Erleb­nisse dort stärken die Bindung und man hat eine Stunde, in der man sich mal so ganz ohne Handy, Zwei­thund oder andere Ablenkun­gen auf seinen Welpen konzen­tri­eren kann.

Die Train­er ste­hen einem mit Rat und Tat zur Seite und man kann Prob­leme schon früh erken­nen und aus der Welt schaf­fen. Train­ern fällt nochmal einiges mehr auf als einem selb­st und auch die eigene Kör­per­sprache und -hal­tung kann verbessert wer­den.

Zudem hat Püp­pi in der Welpen­stunde zwei tolle Fre­unde gefun­den, mit denen wir auch jet­zt noch gemein­sam in den Junghun­dekurs gehen. Auch pri­vat haben wir uns schon getrof­fen. Natür­lich war Queeni dann auch dabei 🙂

 Ein Welpenkurs ist sich­er kein unbe­d­ingtes Muss, aber den­noch sam­melt man dort tolle Erfahrun­gen und nimmt einiges mit. Ich würde es in jedem Fall wieder machen 🙂

8 Comments on “Welpenstunden — Ja oder Nein?

  1. Mit Shi­va war ich auch in einem Welpenkurs und sie hat da viel von ihren Äng­sten abge­baut. Sie hat auch einige Fre­unde gefun­den, mit denen sie heute noch gerne spielt. Mit Rocky war ich nie in einem Welpenkurs, aber er war eh “every­bodys Dar­ling”. Da hat es mein Flauschemädel schon schwieriger mit ihrem Migra­tionsh­in­ter­grund. Einen Welpenkurs finde ich gut und sin­nvoll. Nicht nur wegen der Sozialkon­tak­te. Wenn es gute Train­er sind, wer­den viele neue Dinge gemein­sam mit Her­rchen und Frauchen ken­nen­gel­ernt, auf die man anders vielle­icht gar nicht kom­men würde. Man kann also vom Ideen­re­ich­tum der anderen prof­i­tieren und das finde ich eigentlich echt klasse.

    Flauschige Grüße
    San­dra & Shi­va

  2. Tschuldigung, aber ich musste jet­zt wirk­lich ganz laut lachen, als ich das mit dem 50-jähri­gen Mann mit dem Mün­ster­län­der-Welpen gele­sen habe. Zum einen, weil es mich an jeman­den aus mein­er Hun­de­schule erin­nert (allerd­ings ist der Mann eher an die 70, Jäger, Ex-Lehrer und der Hund eine andere braun-weiße Jagdhund-Rasse). Zum anderen, weil das genau die Typen sind, die eine Hun­de­schule brauchen. Ich bin seit 8 Jahren in der Hun­de­schule. 2x in der Woche Gehorm­samkeit­strain­ing, mit jedem Hund 1x, dazwis­chen immer mal wech­sel­nd Men­tal­train­ing, Suchen oder Agili­ty. Außer­dem ist Sam­stag Spiel­stunde. Und Du glaub­st nicht, was man da so alles mit­bekommt. Ich bin der Mei­n­ung, Hun­de­schule sollte Pflicht für alle sein. 85% schaf­fen es nicht, ihren Hund aus dem Freilauf abzu­rufen. Sitzen bleiben? Nö. Platz? Wozu? Selb­st Leute, die da seit 2 Jahren sind, schaf­fen die ein­fach­sten Dinge mit ihrem Hund nicht. Weil sie beratungsre­sistent und mit dem Kopf woan­ders sind. Weil sie nicht mal ansatzweise die Hun­de­sprache ver­ste­hen, geschweige denn so kom­mu­nizieren kön­nen, dass ihr Hund sie ver­ste­ht. Hun­de­train­er mag für einige ein Traumjob sein, in echt ist es ein Alp­traum. Und besagter Jägers­mann ist der Knaller schlechthin. Wenn man ihm etwas erk­lärt macht er garantiert das Gegen­teil beziehungsweise es eben auf seine Art (er macht Agili­ty. Und ist ein Grund, warum ich es nicht mehr mache. Es war ein DRAMA). Mit dem Hund wird nur im Kaser­nen­ton gesprochen, nach­dem dauernd an ihm rumgez­er­rt wurde. In der Hun­de­schule lernt auch nicht der Hund was, son­dern der Men­sch. Und das ver­ste­hen die meis­ten nicht.

    Liebe Grüße
    Susanne

    1. Den Jäger, den du beschrieben hast, kann man aber dur­chaus als Aus­nahme beze­ich­nen. Die meis­ten Leute, die jahre­lang Hunde gehal­ten haben und aus­ge­bildet haben, haben schon ein gutes Gespür für ihre Vier­bein­er.
      ICh sehe bei Hun­de­schulen zudem ein Prob­lem: Die Leute nutzen so viele Ange­bote, dass ihre HUnde viel zu viel beschäftigt sind. Das ist nicht mehr art­gerecht. Viele gute HUn­de­train­er sind sich einig, dass Mantrail­ing, Agili­ty, NAse­nar­beit, Gehor­samkeit u.s.w. ein­fach zu viel für den Hund sind. Das hat mit art­gerechter Beschäf­ti­gung nichts mehr zu tun…

  3. Darf ich kor­rigieren?
    “Ein guter Welpenkurs schadet nie” wäre bess­er.
    Ich habe schon viel von Schlecht­en gehört, wo ein­fach alle Hunde zusam­men gewor­fen wer­den à la Die machen das schon selb­st aus. Und wenn dann der unis­chere Welpe Schutz bei einem sucht wird sich ihm ent­zo­gen denn “Der muss ja da durch”

  4. Finde an sich auch das ne Welpen­stunde an sich schon sin­nvoll ist, man muss halt die Hun­de­schule gut aus­suchen. Bei uns lief des so ab das die Hunde 10 Minuten spie­len durften, kleine und größere Welpen getren­nt, an sich gut, aber die kleinen hat­ten so abso­lut keinen Kon­takt zu den größeren und ich musste mit Allie schon bet­teln das sie zu den großen durfte weil die kleinen ihr zu klein waren. Dann kam 20min The­o­rie teil wo die Train­er irgen­dein The­ma ver­tieft haben und einige dinge geübt wurde und dann wurde nochmal für 5 Minuten gespielt. bei uns hat das mit den Sozialkon­tak­ten nicht so gut geklappt,also nicht nur weil ich schüchtern bin, son­dern weil ich altersmäßig näher an dem Alter der Kinder der Hun­debe­sitzer dran war als an den Hun­debe­sitzern

  5. Ich habe auch dur­chaus pos­i­tiv mitgenom­men aus der Hun­de­schule (Welpenkurs und danach Junghunde), dass es nett ist mit anderen zusam­men noch mehr zu ent­deck­en. Man lernt wirk­lich noch mal viel über Kör­per­sprache und ein Objek­tiv­er Blick von draußen auf die eigene Kör­per­sprache ist auch echt hil­fre­ich. Ich habe mit Aaron ja die ersten Jahre als Prak­tikan­ten in der Hun­de­schule ver­bracht. Würde ich einen neuen Welpen bekom­men, würde ich auch wieder so einen Kurs besuchen. Ein­fach damit der Lütte gle­ichal­trige zum Spie­len hätte und ich wieder jeman­den habe, der von draußen mal rauf guckt. Natür­lich auch nur weil ich mich sehr wohl füh­le in unser­er Hun­de­schule 🙂

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