Wenn der andere Zweibeiner kein Hundemensch ist…

Guten Mor­gen mein Schatz. Ich habe schon mal den Ruck­sack gepackt und die Kam­era aufge­laden. Ich dachte, wir erd­kun­den heute das Wald­stück, was wir let­ztens ent­deckt haben. Die Hunde wer­den es sich­er lieben.”

Na das wäre doch mal was, oder? Ein Fre­und, der eben­falls gern mit den Hun­den die Welt ent­deckt. Welch­er Hun­de­men­sch wün­scht sich keinen Zweibein­er an der Seite, der die Lei­den­schaft zu den Vier­bein­ern teilt?

Stephan ist kein Hun­de­men­sch.

In sein­er Fam­i­lie gehören Hunde in den Zwinger. Hunde hält man aller­höch­stens dann, wenn sie das Grund­stück bewachen sollen…

Für mich gehören Hunde zur Fam­i­lie. Zeit mit ihnen zu ver­brin­gen, ste­ht für mich an ober­ster Stelle. Egal was ich mache, ich passe meinen All­t­ag liebend gerne meinen Vier­bein­ern an, weil ich sowieso nichts lieber mache, als mit ihnen die Welt zu ent­deck­en…

Zwei völ­lig gegen­sät­zliche Sichtweisen.

Wie soll das klappen? Wie kann man diese unterschiedlichen Ansätze unter einen Hut bringen?

Wir alle wis­sen wieviel Zeit ein Hund am Tag beansprucht. Wir alle wis­sen, wieviele Beschäf­ti­gung Hunde brauchen und wir alle wis­sen, wie oft unser Hund unseren All­t­ag bes­timmt.

Stre­ichen wir doch mal gedanklich all unsere Sätze am Tag, die sich um das The­ma Hund drehen. Viel übrig bleibt doch nicht.

In unserem Fall kam erschw­erend hinzu, dass wir bere­its mehrere Jahre zusam­men waren als Queen ein­zog. Stephan kan­nte mich ohne Hund. Er kan­nte mich als ein junges, ein wenig naives Mäd­chen, die all ihre Aufmerk­samkeit ihrem Fre­und schenk­te.

Queen zog ein und plöt­zlich war unser All­t­ag ein ander­er.

Die Abende im Kino wur­den sel­tener, die Son­ntage wur­den nicht mehr nur auf dem Sofa ver­bracht. DVD — Abende mit Fre­un­den wur­den nach und nach von Spaziergän­gen im Wald abgelöst. Shop­ping — Nach­mit­tage in der Stadt wur­den erset­zt durch Train­ingsstun­den in der Hun­de­schule. Die kleine Hand­tasche mit Lip­gloss und Son­nebrille wurde erset­zt durch einen Ruck­sack mit Spielzeug, Kam­era und Puu — Tüten.

Die Liste ist unendlich lang und endete beina­he in dem gefürchteten Satz

Der Hund oder ich”

Heute bin ich mir sich­er, dass diese Worte nur deshalb nie über die Lip­pen kamen, weil er genau wusste, wie meine Antwort aus­ge­se­hen hätte.

Damals dachte ich, wer mich vor diese Wahl stellen sollte, den möchte ich nicht mehr an mein­er Seite haben. Allein das Aussprechen dieses Ulti­ma­tums hätte ihn aus meinem Leben gestrichen.

Das sehe ich auch heute noch so.

Den­noch ver­ste­he ich auch ihn.

Unser Leben hat sich kom­plett verän­dert, weil ich mich kom­plett verän­dert habe. Er hat mich ken­nen gel­ernt als kleine Tus­si, die nur Klam­ot­ten, Nag­el­lack und Schminke ken­nt. Als ein Mäd­chen, die ihrem Fre­und all ihre Aufmerk­samkeit schenkt.

Nun trage ich Hosen mit Pfoten­ab­drück­en, max­i­mal Wim­pern­tusche und trage noch die gle­ichen Klam­ot­ten wie in der let­zten Sai­son. Kinobe­suche, DVD — Abende und Shop­ping — Aus­flüge wur­den erset­zt durch Hun­de­schule, Spaziergän­gen im Wald und Verabre­dun­gen mit anderen Vier­bein­er. Das Inter­esse für Filme, die neuste Mode und Klatschgeschicht­en wurde erset­zt durch das The­ma Hund, Hund und nochmals Hund.

Mein ganzes Leben dreht sich nur noch um dieses The­ma. Dieser Blog, mein Shop, mein Leben als Recht­san­wältin. Über­all und an jed­er Ecke dreht es sich um die geliebten Vier­bein­er.

Ich kann ver­ste­hen, dass er seine Zeit brauchte, um diese Entwick­lung ver­ste­hen zu kön­nen.

Heute ist es immer noch so, dass er keine Luft­spünge macht, wenn ich eine Wan­derung vorschlage. Die meis­ten Runde gehe ich alleine und auch son­st küm­mere ich mich kom­plett alleine umd die Fell­nasen. Er kuschelt mit ihnen, wenn sie seine Nähe suchen. Er gibt ihnen eine Kaus­tange, wenn Queen ihn bit­tet und zu den Dosen schub­st. Passiert etwas niedlich­es oder lustiges, so hat auch er Freude an diesem Moment.

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Ob das reicht?

Ja. Mir reicht das.

Ich habe keine Prob­leme damit, die meis­ten Run­den alleine zu gehen und ich würde es auch gar nicht wollen, wenn er sich in die Erziehung ein­mis­chen würde. Ich beschäftige mich gerne mit meinen Hun­den und genieße die Zeit. Ich brauche nie­man­den, der mir diese Auf­gabe abn­immt. Ich würde gerne häu­figer län­gere Aus­flüge machen und ich fänd es toll, wenn er mehr Freude an der Fotografie hätte. Aber hey, das sind Luxu­s­prob­leme oder? Er hat­te kein Prob­lem damit, dass ein zweit­er Hund einzieht, obwohl es ohne mich nicht mal den ersten in seinem Leben gegeben hätte. Er akzep­tiert und ver­ste­ht, dass sich mein ganzes Leben um die Hunde dreht. Er kommt mit zur Welpen­stunde und begleit­et mich gerne zum See. Er lacht über Püp­pi und liebt es, dass Queen genau­so gemütlich ist wie er. Es ist ihm recht, dass bei­de Hunde mit im Bett schlafen und bringt bei­den eine Leck­erei mit, bevor wir uns hin­le­gen.

Noch vor drei Jahen wäre das undenkbar gewe­sen und wer weiß, wie es in weit­eren drei Jah­ern aussieht 🙂

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14 thoughts on “Wenn der andere Zweibeiner kein Hundemensch ist…

  1. oh! Damit hätte ich ver­mut­lich seeeehr große Prob­leme!
    Denn ich hätte immer das Gefühl dass ich mich recht­fer­ti­gen müsste wenn ich was mit den Hun­den mache! Mein Ex-Fre­und zB ist über­haupt nicht mit Ren klar gekom­men! Das wäre auf kurz oder lang eh ein Tren­nungs­grund gewe­sen! Und als ich meinen Roman ken­nen gel­ernt habe, hat er mich mit bei­den Fell­nasen ken­nen­gel­ernt und er sagt dass wäre soa­gr ein Bonus gewe­sen 😉 Das Schöne ist dass ich ihm meine bei­den vol­lkom­men anver­trauen kann da er sie sehr in sein Herz geschlossen hat und umgekehrt genau so 🙂 Er geht sog­ar mit zum Train­ing!!!!!! Er ver­dreht nur die Augen wenn ich mal wieder zuviele Fotos mache und das unseren Spazier­gang in die Länge zieht 😉 Anson­sten lebt er genau so ein Hun­deleben wie ich 🙂 Und wenn wir dem­nächst in unser neues Häuschen ziehen hat er auf einen Schlag gle­ich 2 Hunde für sich!
    Ich finde es gut dass Dein Fre­und sich aus Liebe zu Dir mit Deinen Hun­den arrang­iert hat! Und ich drücke EUch die Dau­men dass es alles mit der Zeit noch selb­stver­ständlich­er wird! Denn das ist ein tolles Gefühl!

    Viele liebe Grüße
    Stef­fi mit Ren & Stimpy (& Roman)

    1. Das klingt ja wirk­lich super 🙂
      Ich komme mit unser­er Sit­u­a­tion gut zurecht. Ich würde es auch gar nicht wollen, dass er sich in der Erziehung ein­mis­cht oder mit den Hunde alleine durch die Wälder streift 😀 Dazu bin ich iene viel zu große GLucke 😉

      1. ich kenne das mit der Glucke 😉 Aber Roman ver­traue ich so dass ich da echt lock­er lassen kann! Ist auch das erste Mal dass ich das zulasse 🙂

        Aber ihr macht das schon und habt Euch da ver­mut­lich schon gut einge­spielt!

  2. Das klingt sehr har­monisch bei euch, dass freut mich 🙂 bei uns sieht es anders aus. Jes­si kam zu uns, ein Jahr nachdemn wir zusam­men kamen. Erst war alles gut, wir haben uns mit dem gas­si abgewech­selt, sind zusam­men gelaufen und um die Erziehung have ich mich geküm­mert, weil er Mon­tagear­beit­er ist. Mit­tler­weile mache ich alles alleine, er hat über­haupt kein Inter­esse mehr an Jes­si, es ist ihm zu anstren­gend. Auch die fes­ten Gas­sirun­den stören ihn. Aber auch daran kann man sich gewöh­nen, obwohl ich am Son­ntag auch mal gerne länger als sechs schlafen würde 😀

    1. Ich gehe auch jede Gas­sirunde mit den Hun­den raus. Das liegt aber auch daran, dass ich eine GLucke bin und keine ruhige Minute hätte, wenn Stephan mit ihnen durch die Gegend streifen würde. Aber es ist wirk­lich schade, dass dein Fre­und kein Inter­esse mehr an Jes­si hat. Das merkt ja auch der Hund… Gut, dass du dich so rührend um Jes­si küm­merst und dich so viel mit ihr beschäftigst 🙂

  3. Hal­lo Sab­ri­na,

    du hast Recht. Das reicht und ich finde… er hat sich vielle­icht mehr verän­dert als du glaub­st. Er hat dich so akzep­tiert und hat deine Hunde akzep­tiert. Er lässt sich abschleck­en, er kuschelt mit ihnen, er begleit­et dich. Du bist ihm wichtig genug, dass er sein Leben umgestellt hat. Ich hat­te dieses Glück damals nicht und hab mich nach fast 5 Jahren getren­nt. Bei mir kam dieses Ulti­ma­tum: “Dein Hund oder ich!”. Ich hab ihm viel Glück für die Zukun­ft gewün­scht… 🙂 Genießt eure Zeit zu viert. Ich bin sich­er, er find­et die zwei Wuschelmäuse genau­so toll, wie du. Er zeigt es nur nicht so sehr.

    Flauschige Grüße
    San­dra & Shi­va

    1. Oh Gott dieses Ulti­ma­tum ist wirk­lich furcht­bar. Aber alleine die Tat­sache, dass diese Worte aus­ge­sprochen wur­den, wäre für mich schon Grund dem­jeni­gen ein gutes Leben zu wün­schen.
      Du kön­ntest wirk­lich recht haben, vielle­icht zeigt er es ein­fach nur nicht so 🙂

  4. Ich finde, Stephan macht das richtig gut. Ich habe ihn ja hier live und in Farbe mit Queen erlebt und ja: Man merkt, dass er kein Hun­de­men­sch ist. Aber er gibt sich wirk­lich sehr viel Mühe und ich glaube, eine kleine Ecke seines Herzens gehört Queen auf jeden Fall. 🙂

    Den­nis ist ja zum Glück auch ein absoluter Hun­de­men­sch — trotz­dem wälzt er gerne alles Unan­genehme auf mich ab. Gas­si gehen bei Regen? Muss nicht sein. Fut­ter zubere­it­en? Auf keinen Fall. Sich um den Fut­ter­nach­schub küm­mern? Niemals. Man kön­nte schon sagen, er pickt sich ein biss­chen die Perlen her­aus. Aber das ist in Ord­nung. Haupt­sache, er liebt Moe genau­so wie ich — und das tut er durch und durch.

    Liebe Grüße
    Nicole (die du jet­zt zu einem Artikel inspiri­ert hast)

    1. Oh da bin ich ja mal ges­pan­nt, zu welchem Artikel ich dich heute inspiri­ert habe 😀
      Stephan gibt sich wirk­lich Mühe, das stimmt 🙂

  5. Hal­lo!
    Ich glaube wir bilden da die ganz große Aus­nahme. Denn mein Fre­und hat Tim­my mit in die Beziehung gebracht und er war der Hun­de­men­sch. Ich war damals auch noch das Mod­e­püp­pchen das gerne weg geht und Son­ntags bis Mit­tags im Bett bleibt… Ich bin jeden Meter mit dem Auto gefahren und lange Spaziergänge? Haha ich hätte jeden aus­gelacht der das vorgeschla­gen hätte 😀

    Und heute? Renne ich eben­falls in Gum­mistiefeln und dreck­iger Hose draußen rum, weil Tim­my zu stür­misch war. Ste­he vor der Arbeit frei­willig 3 Stun­den eher auf um noch 2 Stun­den Spazieren zu gehen usw… Heute übernehme ich den Großteil der Erziehung und der Beschäf­ti­gung aber so oft es geht, machen wir etwas zu dritt. Ich bin froh, dass mein Fre­und Tim­my mit­brachte und ich bin froh, dass er mit­tler­weile noch mehr Hun­de­men­sch ist als er eh schon war und wirk­lich alles mit­macht, was ich mir wieder aus­gedacht habe (Hun­de­sport, Fotografieren, unseren Blog…) Anders kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen.

    Toll das es bei euch so gut funk­tion­iert und es den­noch so klasse klappt! Und wie du schon schreib­st… Wer weiß wie es in weit­eren 3 Jahren aussieht. Denn irgend­wann wick­eln unser­er Vier­bein­er doch jeden um den Fin­ger 😉

    Lieb­ste Grüße von uns!

  6. Mein Fre­und hat mich mit Hund ken­nen­gel­ernt und fing nach ca. 6 Wochen an zu meck­ern: Der Hund (im Kör­bchen vor dem Bett) schmatzt im Schlaf und er kann nicht schlafen, also schläft er – der Fre­und – nicht mehr bei mir bis der Hund gel­ernt hat in einem anderen Zim­mer zu über­nacht­en (Hund kackt dann aber ins Wohnz­im­mer ist ja seit 7 Jahren im Schlafz­im­mer im Kör­bchen was soll er allein im Wohnz­im­mer Nachts) …Der Hund soll nicht aufs Sofa, der Hund soll die Pfoten nach jedem Gas­si Gang abgeputzt bekom­men ( er latscht mit Schuhen ins Haus) . Der Hund soll ihn nicht anleck­en unhy­gien­isch. Der Hund soll dies und das nicht. Heute, nach dem x.ten Stre­it hat er mir meine Haustürschlüs­sel kom­men­tar­los in die Hand gedrückt und ist gefan­gen! Es ist bess­er so….

    1. Puh, das tut mir sehr leid, aber vielle­icht ist es wirk­lich bess­er so… Dieser Artikel ist schon älter und bezog sich auf meine frühere Beziehung. Heute bin ich mit jeman­dem zusam­men, der durch und durch Hun­de­men­sch ist und es ist großar­tig. Näch­stes Jahr wird geheiratet. Du wirst deinen Hun­de­men­schen auch noch find­en 🙂

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