Allgemein,  Recht und Hund

Wer haftet bei menschlichen Schreckreaktionen?

Das Ver­hal­ten unser­er Hunde kön­nen wir nie zu 100% vorherse­hen. Daher haben wir stets dafür zu sor­gen, dass von unseren Vier­bein­ern keine Gefahr aus­ge­ht, son­st haften wir schnell für einen unter Umstän­den hohen Schaden.

Zur Haf­tung eines Hun­de­hal­ters im All­ge­meinen

Queen ist ein eher unsicher­er Hund. Manch­mal erschreckt sie sich und nur in den sel­testen Fällen ver­ste­he ich, warum. Manch­mal find­et sie bes­timmte Sit­u­a­tio­nen unheim­lich. Ich erin­nere mich noch gut an den Hor­ror — Spazier­gang am See, bei dem sie solch eine Angst vor einem Jog­ger bekom­men hat, dass sie ein­fach los­ger­an­nt ist. Es gibt aber auch Momente, in denen sie nicht flieht, son­dern bellt. War der sich näh­ernde Jog­ger oder Rad­fahrer in Gedanken, so erschreckt sich dieser natür­lich in einem solchen Moment.

Doch wer haftet eigentlich, wenn sich zum Beispiel ein Jogger vor einem bellenden Hund erschreckt und stürzt?

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In dem zugrunde liegen­den Sachver­halt ereignete sich Fol­gen­des:

Ein Rad­fahrer war auf dem Weg zur Schule und hörte dabei Musik über seine Ohrstöpsel. Der Hun­de­hal­ter befand sich eben­falls auf dem 2,30m bre­it­en und ger­ade ver­laufend­en Weg. Nach­dem der Hun­de­hal­ter den Rad­fahrer sah, hielt er seinen Hund am Hals­band fest und blieb am Weges­rand ste­hen. Als das Rad auf der Höhe des Hun­des war, bellte dieser ein­mal und machte eine kurze Bewe­gung in Rich­tung des Kläges. Dieser stürzte und zog sich Ver­let­zun­gen im Gesicht und auch an den Zäh­nen zu.

Der Rad­fahrer behauptete, der Hund habe einen Satz in Rich­tung Wegesmitte gemacht. Er habe sich der­art erschrock­en, dass er eine spon­tane Auswe­ich­be­we­gung gemacht hätte. Hier­bei sei er gestürzt. Der Rad­fahrer ver­langte Schmerzens­geld in einem vier­stel­li­gen Bere­ich.

Der Hun­de­hal­ter schilderte den Fall so, dass der Hund zwar ver­sucht habe hochzus­prin­gen. Dies sei ihm jedoch nicht gelun­gen, da er den Hund fest am Hals­band gehal­ten hätte. Auf das Bellen habe der Kläger auch gar nicht reagiert. Er sei in viel zu hoher Geschwindigkeit vor­beige­fahren und sei dann gestürzt.

Das Amts­gericht Coburg hat­te also zu klären, ob der Grund des Unfalls die spez­i­fis­che Tierge­fahr war oder ob der Rad­fahrer unangemessen und über­zo­gen reagiert hat.

Das Urteil find­et ihr unter dem Akten­ze­ichen Az. 12 C 766 / 13.

Das Gericht wies die Klage des Rad­fahrers ab. Zwar ist der Hal­ter eines Tieres immer unab­hängig von einem eige­nen Ver­schulden zum Schadenser­satz verpflichtet, wenn durch sein Tier jemand ver­let­zt wird.

Voraus­set­zung für eine Haf­tung ist allerd­ings, dass sich ger­ade die spez­i­fis­che Gefahr des Tieres ver­wirk­licht hat. Davon könne keine Rede mehr sein, wenn der Rad­fahrer unangemessen und über­zo­gen auf das Ver­hal­tens des Tieres reagiert.

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Menschliche Schreckreaktionen

Kommt es zu ein­er men­schlichen Schreck­reak­tion so richtet sich die Haf­tung des Tier­hal­ters nach ein­er durch­schnit­tlich erwarteten Reak­tion. Kann man das Ver­hal­ten des Ver­let­zen nachvol­lziehen, so haftet der Tier­hal­ter. Bei kleinen Kindern oder älteren Men­schen kann daher bere­its ein ein­ma­liges Bellen aus­re­ichen. Reagiert der Betrof­fene allerd­ings über­zo­gen und unver­ständlich, so ist er für den einge­trete­nen Schaden selb­st ver­ant­wortlich.

Im vor­liegen­den Fall ging das Gericht von ein­er über­zo­ge­nen Reak­tion aus und begrün­dete dies wie fol­gt:

Der Rad­fahrer kon­nte den Hund frühzeit­ig erken­nen und sich dementsprechend auf die Sit­u­a­tion ein­stellen. Er hätte also seine Geschwindigkeit reduzieren und der Sit­u­a­tion anpassen müssen. Wäre der Weg zu eng gewe­sen, so hätte der Rad­fahrer auch absteigen und diesen kurzen Moment sein Rad schieben kön­nen.

Stattdessen fuhr er mit Ohrstöpseln in den Ohren am Hund vor­bei. Die zum Sturz führende Sit­u­a­tion ist nicht mehr auf die spez­i­fis­che Gefahr des Hun­des zurück­zuführen, son­dern stelle nach der Entschei­dung des Gerichts eine Über­reak­tion dar.

Hat sich auch schon mal ein Zweibein­er vor eurem Hund erschrock­en?

 

 

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9 Kommentare

  • Melanie

    Hal­lo Sab­ri­na, wieder mal ein toller Bericht von Dir.( Ich ver­folge Euch schon etwas länger) Mein Vier­bein­er ist auch manch­mal unsich­er und bellt schon mal.
    Wenn der Rad­fahrer absteigen MUSS, dann MUSS dieser doch auch sich­er klin­geln um eine Gas­sige­hbande zu passieren?!Macht (fast)Keiner!Würde mein Hund also bellen und dieser vom Fahrrad fall­en, dann wäre er selb­st Schuld?!Wie ver­hält es sich denn mit Jog­gern?!
    Viele Hunde reagieren ja auch mit Bellen aud diese.Dürfen die ein­fach im Lauftem­po passieren (von hin­ten kom­mend) ohne sich z.B durch ein :“Vor­sicht”, anzukündigen!Dürfen schon aber im Falle eines Fall­es 😀
    Mach weit­er so!!
    LG

    • Sabrina

      So pauschal kann man das nicht sagen. Jed­er Fall ist eine Einzelfal­l­entschei­dung. Es kommt zum Beispiel auch darauf an wie bre­it der Weg ist. Ist er schmal, so muss der Rad­fahrer schon mal absteigen. Ist er bre­it genug, so kann er auch mit geringer Geschwindigkeit an dem Hund vor­beifahren. Also ist es nicht richtig zu sagen, dass grund­sät­zlich der Rad­fahrer selb­st Schuld ist. Der Beitrag soll auch keinen Freifahrtschein geben, denn das Bellen eines Hun­des sollte nicht die Regel sein dür­fen.
      Je schmaler der Weg umso eher muss sich ein Rad­fahrer oder Jog­ger bemerk­bar machen.
      Sollte sich zum Beip­siel her­ausstellen, dass der Hund grund­sät­zlich bellt, dann hat der Hun­de­hal­ter schlechte Karten. Daher sollte der Hund schon dahinge­hend erzo­gen wer­den, dass das nicht passiert. Zu 100% kann man das ja nie sagen, aber du weißt bes­timmt wie ich das meine.
      Wenn ich als Rad­fahrer unter­wegs bin und mich klef­fen ständig Vier­bein­er an, finde ich das auch nicht lustig.
      Es ist also immer eine Einzelfal­l­entschei­dung. Je schmaler der Weg, desto vor­sichtiger muss man sich als Rad­fahrer oder Jog­ger ver­hal­ten. Die Annahme, dass Rad­fahrer bzw. Jog­ger grund­sät­zlich selb­st schuld sind, wenn etwas passiert, stimmt natür­lich nicht.

      • Melanie

        Na, ich hole mir doch keinen Freifahrtschein :D!
        Wenn ich einen Hund hätte der ständig bellt, dann wäre ich sich­er nicht an solchen Stellen unter­wegs, wo mir diese Men­schen alle oft begegnen(aus Rück­sicht für alle Parteien).
        Und mein “selb­stschuld” ist auch aus reinen ärg­er, da auf meinen Gas­sigehrouten (fast) alle ein­fach unacht­sam sind und ich mich ständig umdrehen muss ob nicht gle­ich Ein­er kommt.
        Ab und an kann man sich dann schon mal erschreck­en und ich sage “huch” und mein Hund erschreckt sich dann auf sein­er Sprache mit bellen.
        Danke für Deine aus­führliche Antwort.
        Schö­nen Tag

        ps. alles ist von der Sit­u­a­tion abhänig ist mir klar.

        • Sabrina

          Ich ver­ste­he dich sehr gut. Bei uns ist das ganz ähn­lich. Auf­grund der Feld­wege han­delt es sich meist um Jog­ger, die plöt­zlich neben einem ste­hen. Vor gar nicht allzu langer Zeit hat Queen sich der­art erschreckt, dass sie panisch los­ger­an­nt ist und nicht mehr reagiert hat. Sie ist der­art in Panik ger­at­en, dass sie mich auch gar nicht richtig wahrgenom­men hat. Ich hat­te richtig Angst, weil ich wusste dass es fast dunkel war und in 200 Metern ein Wald­stück anf­ing. Ich hätte sie dort nicht find­en kön­nen. Der Mann hat nicht reagiert der ist ein­fach weit­er gelaufen obwohl ich ständig gerufen habe und Queen zwis­chen­durch ste­hen blieb, bellte und dann weit­er­ran­nte, weil der Jog­ger nicht ste­hen geblieben ist. Das war Hor­ror. Zu allem Über­fluss hat sie sich auch noch vertreten dabei und humpelte anschließend für mehrere Tage.
          Mir passiert das ständig, dass Jog­ger plöt­zlich da sind obowhl es doch nicht zu viel ver­langt ist, ein­mal “achtung” oder “vor­sicht” zu rufen.
          Ich denke, dass viele Prob­leme mit etwas Rück­sicht untere­inan­der geregelt wer­den kön­nten. Schade, dass solche Fälle tat­säch­lich immer wieder vor Gericht lan­den und wirk­lich teuer wer­den. Ein Wort wie “Achtung” hätte alles ver­hin­dern kön­nen…

          • Melanie

            tja, lei­der denken immer mehr Men­schen immer weniger mit.Aber es gibt auch tolle Sit­u­a­tio­nen in denen man sich sog­ar freut!
            Glaub ich gerne, dass das der Hor­ror war.Da kann man nur sagen, zum Glück ist alles gut ausgegangen.…Ich halte es von Vorteil eine Leuchte ans Hun­di anzubringen.Ich füh­le mich dadurch sehr viel bess­er.…

  • Sonja

    Span­nen­des The­ma… wir hat­ten ger­ade eine Sit­u­a­tion auf einem Park­platz. Hund lag wegen der Hitze neben dem Auto und war abgeleint. Da kam ein Mann sehr nah an uns vor­bei und öffnete genau auf unser­er höhe eine Bier­flasche mit einem laut­en “Plopp”. Unser Hund ist hoch geschreckt und hat den Mann ein­mal ange­sprun­gen. Dieser hat sich zwar erschrock­en, aber sich auch direkt entschuldigt.

    Wir haben uns natür­lich gle­ich mehrmals entschuldigt, aber ich wüsste nicht wer da Schuld gehabt hätte. Zum Glück ist aber nichts passiert 🙂

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