Allgemein, Recht und Hund

Wer haftet, wenn ein Reiter aufgrund eines vorbeilaufenden Hundes stürzt?

Auf unseren Run­den begeg­nen uns regelmäßig Reiter. In diesen Sit­u­a­tio­nen bin ich stets beson­ders aufmerk­sam und dankbar, dass auch die Reiter sich rück­sichtsvoll ver­hal­ten. Schließlich tre­f­fen in diesem Fall zwei Tiere aufeinan­der, deren Ver­hal­ten man nie zu 100 % vorherse­hen kann. Wir ver­suchen, dem Reiter möglichst viel Raum zu geben, damit sich das Pferd nicht bedrängt fühlt. Bisher hat das immer super geklappt.

Wenn zwei Tiere aufeinan­dertr­e­f­fen, kann es immer zu uner­warteten Ereignis­sen kom­men. Das Pferd kön­nte sich von dem Hund bedrängt fühlen oder sich erschrecken. Möglicher­weise so sehr, dass es seinen Reiter abwirft. Doch wie sieht das eigentlich rechtlich aus?

Wer haftet, wenn ein Reiter aufgrund eines vorbeilaufenden Hundes vom Pferd geworfen wird und stürzt?

Diesen Fall hatte vor Kurzem das Ober­lan­des­gericht Frank­furt am Main zu entscheiden.

Hierbei ging es um folgenden Sachverhalt:

Der Kläger und der Beklagten nah­men an einem gemein­samen Aus­ritt teil. Der Hund des Beklagten lief frei mit den Pfer­den mit. Nach einer guten Stunde rief der eben­falls mitre­i­t­ende Ehe­mann der Beklagten den Hund zu sich. Daraufhin lief der Hund von hin­ten kom­mend seitlich an der Reit­er­gruppe vor­bei. Das Pferd des Klägers erschrechte sich, ran­nte daraufhin in einen seitlich zum Weg ver­laufenden Zaun, scheute und warf den Kläger ab.

Der Kläger begehrte von der Besitzerin des Hun­des Schadenser­satz sowie Schmerzens­geld. Das Landgericht wies die Klage ab, woraufhin der Kläger in Beru­fung ging.

Die Entscheidung

Das Ober­lan­des­gericht wies die Klage eben­falls ab. Dem Kläger stün­den keine Ansprüche gegen die Hun­de­hal­terin aus der sog. Tier­hal­ter­haf­tung zu.

Einer Haf­tung der Hun­debe­sitzerin steht zunächst ein erhe­bliches Mitver­schulden des Klägers ent­ge­gen. Er müsste sich die eigene Tierge­fahr des von ihm gerit­te­nen Pfer­des anrech­nen lassen. Der Unfall habe sich erst ereignet, als sein Pferd nach dem Scheuen in den Zaun ran­nte, sich erneut erschreckte und den Reiter daraufhin abwarf.

Außer­dem sei sich der Kläger den Risiken bewusst gewe­sen und habe sich diesen bewusst aus­ge­setzt. In Ken­nt­nis des freilaufenden Hun­des habe er an dem Aus­ritt teilgenom­men. Der Hund habe sich nicht gefahrträchtig ver­hal­ten, son­dern sei lediglich an den Pfer­den vor­beige­laufen. Ein eventueller Verur­sachungs­beitrag der Hal­terin trete voll­ständig hin­ter die vom Kläger selbst geset­zten Gefahren­mo­mente zurück.

Das Gericht zweifelte zudem an, ob sich das Pferd tat­säch­lich wegen des Hun­des erschreckt habe. Allein die zeitliche Kom­po­nente genüge hier­für nicht. Der Hund habe die Gruppe über eine Stunde begleitet, ohne dass es zu Zwis­chen­fällen gekom­men sei. Es sei daher nicht ein­deutig klar, dass sich das Pferd auf­grund des vor­beilaufenden Hun­des erschreckt habe.

Zweifel­haft sei zudem, ob über­haupt von einer Tierge­fahr auszuge­hen sei. Eine Tierge­fahr äußere sich in einem “der tierischen Natur entsprechen­den unberechen­baren und selb­st­ständi­gen Ver­hal­ten”. Hier sei der Hund jedoch lediglich dem Kom­mando des Men­schen gefolgt, sodass allein der Men­sch den daraus resul­tieren­den Schaden verur­sacht habe.

 

Ober­lan­des­gericht Frank­furt am Main, Beschluss vom 07.02.2018 — 11 U 153/17

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.