Allgemein, Persönliches

Wie das Bloggen mich verändert hat

Ich gehöre zu den chro­nisch verzweifel­ten Men­schen. Ich denke über alles nach, mache mir ständig Sor­gen und habe dauer­haft Angst, etwas falsch zu machen. Dabei hat Selb­stkri­tik noch nie geschadet. Doch bei mir trifft eher das Wort Selb­stzweifel zu. Dieses Wort kön­nte ich als Slo­gan auf meinem T — Shirt tragen.

Ich bin ori­en­tierungs­los und schließe mich gerne an. Ich suche stets nach Vor­bildern, Inspi­ra­tion und neuen Wegen. Dabei bin ich dur­chaus in der Lage selb­st­ständig zu denken. Doch der unbe­d­ingte Wille es richtig zu machen, begleitet mich wie eine lästige Fliege.

Und wie ein ori­en­tierungsloser Ele­fant fiel ich vom Him­mel. In eine Welt, über die ich rein gar nichts wusste: in die Welt der Hun­debe­sitzer. Damals habe ich nicht annäh­ernd geahnt, wie wenig ich tat­säch­lich wusste. Ich wusste rein gar nichts über das Thema Ernährung. Ich hatte nicht annäh­ernd eine Ahnung von dem Thema Gesund­heit und das einzige, was ich mit­brachte war ein gutes Bauchge­fühl für die Kom­mu­nika­tion zwis­chen Men­sch und Hund.

Und so stolperte ich in den Tier­fach­han­del und stand vor all den Säcken Trock­en­fut­ter. Was nehme ich denn nur? Frolic und Co. kam nicht in Frage. Dass das nur Müll in einer hüb­schen Ver­pack­ung ist, wusste ich bere­its. Doch da hörte es auch schon auf. Und was macht man wenn man keine Ahnung hat? Man fragt. Nehmen wir also ein­fach das, was die nette Frau aus dem Tier­markt uns emp­fiehlt. Die Haus­marke? Naja, so überzeigend wie die Dame das Fut­ter ange­priesen hat, muss das ja “das Richtige” sein…

Welche Leck­erlis? Ach, da vorne in der Aus­lage kann man sich selbst eine Tüte zusam­men­stellen? Ein Kilo kostet nur 2,99 EUR? Das ist ja gün­stig. Die Frage, was bei diesem Preis wohl für Inhaltsstoffe vorhan­den sind, stellte sich mir zu diesem Zeit­punkt nicht. Und wenn die Verkäuferin ihrem Hund diese Leck­ereien auch immer gibt, dann muss das ja etwas Gutes sein…

Ab zum Tier­arzt, denn schließlich steht mal wieder eine Imp­fung an. Und natür­lich nimmt man die oblig­a­torische Wurmkur mit, die man alle drei Monate in den Hund stopft…

Wenn ein anderer Hund ohne Leine ent­ge­genkommt, dann kann man seinen Hund auch laufen lassen. Denn das ist doch das all­ge­mein anerkan­nte Zeichen dafür, dass der ent­ge­gen komende Hund ein “Der tut nix” ist, oder? Und weil ich eine “Die tut nix” habe, wird es schon gut gehen. Anson­sten sind es ja Hunde. Und Hunde klären es ja unter sich. Das wis­sen wir doch alle.

Doch irgend­wie ließ mich ein Gefühl nicht los. Das Gefühl etwas falsch zu machen. Das Gefühl, dass da noch Luft nach oben ist. Und wenn ich heute zurück­blicke, so war es wohl die bei Queen diag­nos­tizierte ED, die mich dazu brachten, mich an meinen Lap­top zu set­zen. Langsam set­zte bei mir ein Prozess ein, der noch immer nicht abgeschlossen ist und der auch nie abgeschlossen wer­den kann: ich fing an zu recher­chieren. Und während ich mich durch unzäh­lige Artikel und Foren las, stieß ich immer wieder auf den ein oder anderen Hundeblog.

Und plötzlich waren sie da — die Hundeblogger

Eine Welt in zartem rosa, in der die Hunde von dickem Kuschelkissen zu Kuschelkissen sprin­gen; mit zwei Spielzeu­gen im Mund und einem bre­iten Lächeln auf den Lefzen. Aus meinen Augen sprangen die Herzchen her­aus. In meinem Bauch war so ein wohliges Gefühl. Hin­ter mir sah ich meine Sor­gen in Form von dun­klen Män­nchen mit schw­eren Kof­fern in einen Zug steigen und davon düsen. In meinem Kopf ein Schild mit der Auf­schrift: “zu einem besseren Hun­deleben — hier entlang”.

Da bestand kein Zweifel mehr. Hier fühlte ich mich aufgehoben — hier musste ich hin

Und so las ich mich durch alle möglichen Blogs und ent­deckte eine völ­lig unbekan­nte Welt. Wie ein kleines Mäd­chen mit einem rosa Kleid und einem viel zu großen Ruck­sack im Dis­ney­land, die sich mit weit aufris­senem Mund staunend umsah.

Eine Blog­gerin hat umgestellt auf BARF. BARF? Steht das vielle­icht für “beim Apportieren richtig füt­tern?” Ich hatte keine Ahnung, also recher­chierte ich. Trocken– und Dosen­fut­ter kön­nen unsere Hund krank machen? Aber ich bezahlte doch so viel Geld dafür? Und schließlich macht die Firma doch auch Wer­bung im TV und in Zeitschriften mit ihrem hüb­schen Design und den vielver­sprechen­den Slo­gan. Hatte die Dame im Fress­npaf etwas gel­o­gen? Oder hatte sie vielle­icht gar keine Ahnung? Wem soll, oder besser gesagt wem kann man denn über­haupt glauben? Wer sagt mir, was ich füt­tern soll?

Eine Blog­gerin schreibt über die Inhaltsstoffe von Leck­erlis? Während ich auch hier recher­chierte stieg in mir ein schlechtes Gewis­sen auf. Ich kam mir so dumm vor. Dabei wollte ich doch immer nur das Beste für Queen.

Und hier­bei blieb es nicht. Ich informierte mich über Impf­stoffe, Wurmkuren und über die Gabe chemis­cher Zeck­en­mit­tel. Ich komme nicht umher zuzugeben, dass mir schlecht wurde. Front­line, Bravecto und all die Wurmkuren .… Gift für unsere Hunde. Und wer hat es emp­fohlen:  ein Tier­arzt. Ein Men­sch mit weißem Kit­tel, zu dem ich komme, wenn mein Hund krank ist. Ein Men­sch, dem ich meine schlimm­sten Sor­gen anver­traute. Der Weg zu einem Tier­arzt ist für mich der schw­er­ste Weg, den ich gehen muss. In voller Verzwei­flung, Angst und Hil­flosigkeit stand ich schon ihnen. Momente, in denen ich mein let­ztes Hemd dafür gegeben hätte, dass sie meinem Hund helfen. Momente, in denen ich meine eigene Gesund­heit für ein gesunde Hun­deleben einge­tauscht hätte.

Eine Mis­chung aus Wut, Verzwei­flung und Rat­losigkeit machte sich in mir breit? Warum empfehlen Tierärzte Mit­tel, die unseren Tieren schaden (kön­nen)? Sollte einem Tier­arzt nicht die Gesund­heit unserer Hunde das aller Wichtig­ste sein? Men­schen, die einen Eid geschworen haben, verabre­ichen Mit­tel, die nicht nötig sind? warum wird in der Tier­medi­zin so oft mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Wem soll man da ver­trauen? Wie soll ich in diesem Dschun­gel den einen Tier­arzt finden, dem ich das Leben meines Tieres in die Hände legen würde?

Die Blog­ger­welt hat mir den nöti­gen Arschtritt ver­passt, damit ich meine naive rosarote Brille absetze und endlich ein­mal hin­ter­frage, was man mir da in einem Tier­markt emp­fiehlt und was dort in einer Tier­arzt­praxis auf dem Tre­sen liegt.Und wie all meine Ahnungslosigkeit zeigte, war dieser Anstoß bit­ter nötig.

Heute hin­ter­frage ich alles.  Heute recher­chiere ich selbst. Ver­suche mir möglichst viel Wis­sen anzueignen und ver­suche die einzel­nen The­men von ganz hin­ten aufzurollen, damit ich ein mit möglichst viel Wis­sen unter­mauertes Bauchge­fühl auf­baue und mich auf mich selbst ver­lassen kann. Damit ich einen guten Tier­arzt von einem, der nur das schnelle Geld machen will, unter­schei­den kann. Damit ich weiß, ob es sich um eine Per­son han­delt, die mich nicht ent­täuschen wird, wenn ich ihr die Gesund­heit meines Tieres anvertraue.

Ich bin auf einem guten Weg. Ich habe viel Wis­sen dazu gewon­nen. Habe Men­schen gefun­den, denen die Gesund­heit unserer Hunde wichtig ist. Men­schen, auf die ich mich ver­lassen kann. Men­schen, denen ich das Leben meiner Hunde in die Hände legen würde. Ich habe viel über gesunde und art­gerechte Ernährung gele­sen. Ernähre meine Hunde gesund. Viele Bücher über das Thema Kom­mu­nika­tion habe ich durchge­le­sen und auch hier Men­schen ken­nen gel­ernt, die mir halfen meine Hunde zu ver­ste­hen. Ich weiß, dass man unbekan­nte Hunde nicht aufeine­nader zu ren­nen lässt. Die Kör­per­sprache von unseren Vier­bein­ern ist mir kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg.

Und dann gibt es noch die “andere Welt”

Hun­debe­sitzer, die ihrem Hunde Fut­ter aus dem Dis­counter geben. Für die Dog­Dance, Obe­di­ence und Co. Fremd­wörter sind. Diejeni­gen, bei denen die näch­ste Wurmkur und Bravec­totablette schon im Kalen­der einge­tra­gen ist. Hun­debe­sitzer, die sich keine Gedanken machen und bei denen Hunde Prob­leme schon unter sich klären.

Ich komme nicht umher zuzugeben, dass ich das ein oder andere mal denke “Wie kön­nen die nur?” Dabei war ich eine von ihnen…

Wie gern würde ich auch ihnen den nöti­gen Anstoß liefern, dass auch sie ihr Ver­hal­ten hin­ter­fra­gen und nicht alles glauben, was man ihnen auf dem hüb­sch ver­pack­ten Präsen­tierteller legt. Wie gern würde ich sie schüt­teln und fra­gen, ob sie jemand darüber nachgedacht haben, was so eine Wurmkur alle drei Monate für einen Hundedarm bedeutet. Ob sie jemand hin­ter­fragt haben, was das Wort “tierische Neben­erzeug­nisse “bedeutet.

Ich bin froh, dass ich ange­fan­gen habe, die Dinge zu hin­ter­fra­gen. Es ist nicht mit diesem exem­plar­ischen The­men getan und manch­mal kommt es mir vor wie ein fass ohne Boden. Aus Liebe zu meinen Hun­den und auf­grund der Ver­ant­wor­tung, die ich für sie trage, werde ich weiter recher­chieren. Mich weiter bilden und nicht aufhören zu hin­ter­fra­gen. Denn wir alle wollen nur das Beste für unsere Hunde. Zu 100%, 24 Stun­den lang an sieben Tagen in der Woche…

Das kann so falsch nicht sein…

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2 Comments on “Wie das Bloggen mich verändert hat

  1. Toller Beitrag, toller Text! Ich blogge erst seit kurzem, aber schon seit ca 3 Jahren hin­ter­frage ich alles, was andere mir über die Hun­deerziehung erzählt haben. Mir geht es ähn­lich. Viel zu oft habe ich nach Aus­sagen anderer gehan­delt. Aber jetzt hin­ter­frage ich und recher­chiere sel­ber und ver­suche mein Wis­sen weiter zu ver­mit­teln. Weiter so :-). Lg, Madeleine

  2. Ein super Artikel der mir zu 100 % aus dem Herzen spricht.
    Obwohl ich Hunde schon immer als die toll­sten Wesen auf dieser Welt empfinde und auch schon über 30 Jahre Hunde habe, befasse ich mich erst seit etwa 3 Jahren inten­siv mit alles was sich um Hunde dreht.
    Bei mir war der Auss­chlag, dass ich meinem Tier­arzt ver­traute und Bravecto gegeben habe.
    Seit mir klar ist hin­ter­frage ich wirk­lich alles und ver­suche so gut wie möglich zu recher­chieren, um das best mögliche für meinen Hund zu entscheiden.
    Ich habe das Glück, dass ich mich täglich mehrere Stun­den mit dem Thema „Hund“ befassen kann.
    Trotz­dem ist die Masse der Infor­ma­tio­nen riesig.
    Damit ich den Überblick behalte, habe ich mir eine eigene Hun­de­seite erstellt.
    So kann ich die für mich wichti­gen Infor­ma­tio­nen aufar­beiten und kann vielle­icht noch dem einen oder anderen Hun­de­hal­ter helfen.

    Sab­rina sagt es ja immer wieder.
    Hin­ter­fragt den chemis­chen Zeck­en­schutz und die 3 monati­gen Wurmkuren.
    Das ist die Basis einer gesun­den Hundehaltung.

    Glaubt eurem Tier­arzt und anderen Experten nicht alles.
    Recher­chiert zum wohle eures Hun­des selbst und bildet euch dann eure eigene Meinung.
    Dann könnt ihr nach besten Wis­sen und gewis­sen für euren Hund entscheiden.

    Viele Grüße

    hans Peter

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