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Wie du dich nach einem Beißvorfall verhalten solltest

Täglich kommt es auf Deutsch­lands Hun­dewiesen zu Beißvor­fällen. Und nie­mand kann sagen “So etwas passiert uns nicht”. Tierver­hal­ten kann nie zu 100 % vorherge­sagt wer­den und jed­er Hund kann Opfer eines Beißvor­falls wer­den.

Doch ich schreibe diesen Artikel nicht ohne Grund.

Bei uns in der Nach­barschaft wohnt seit eini­gen Wochen ein neuer Hund. Ger­ade ich als Schäfer­hundbe­sitzerin weiß, wie es ist, mit Vorurteilen zu kämpfen und obwohl ich selb­st absoluter Gegen­er von der Beze­ich­nung “Lis­ten­hund” bin, werde ich zur Voll­ständigkeit erwäh­nen, dass es sich hier­bei um einen ca. ein­jähri­gen Lis­ten­hund han­delt. Schon bei unser­er ersten Begeg­nung wurde mir ganz anders. Der Hund war extrem aggres­siv und die Besitzerin hat­te nicht die Kraft das Tier festzuhal­ten. Sie braucht einige Meter, bis sie annäh­ernd in der Lage ist, das Tier zu hal­ten. Sie wusste sich nicht anders zu helfen, als ihren Schlüs­sel auf den Hund zu wer­fen. Da sie den Hund nicht hal­ten kann, war die Begeg­nung eine knappe Angele­gen­heit.

Kurze Zeit später berichtete eine Hun­debe­sitzerin aus der Nach­barschaft, dass ihr Hund von dem anderen ange­grif­f­en wor­den sei. Ohne Leine kam dieser quer übers Feld und flog ihrer Hündin ohne zu brem­sen direkt in den Hals. Die Besitzerin ver­suchte ihre Hündin zu schützen, ging dazwis­chen und kon­nte Schlim­meres ver­mei­den.

Mit­tler­weile sind wir diesem Hund schon einige Male begeg­net und wenn es eben geht, dann drehe ich direkt um oder weiche aus. So geht es im Übri­gen jedem Hun­debe­sitzer hier. Sobald dieser Hund auf die Felder kommt, sieht man wie andere umdrehen und ver­suchen auszuwe­ichen. Ich habe mich schon mit Queen und Püp­pi hin­ter einem Auto ver­steckt, weil der Weg eng war und ich nicht auswe­ichen kon­nte. Dieser Hund ist der erste Hund, vor dem ich Angst habe. Noch mehr Angst habe ich vor den unfähi­gen Besitzern.

Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich nicht weiß, wer das hier lesen wird und weil “das Ganze” noch kein Ende gefun­den hat. Ich halte mich daher an die Fak­ten: Die Sit­u­a­tion ist dem Ord­nungsamt geschildert wor­den. Wir haben hier in der Stadt einen Mitar­beit­er beim Ord­nungsamt, der wirk­lich nett ist, über­aus kom­pe­tent und der sich auch super ein­set­zt. Er ist nur für den Bere­ich “Lis­ten­hunde” zuständig. Schnell stellte sich her­aus, dass die Besitzerin unser­er Nach­barin nach dem Vor­fall einen falschen Namen und eine falsche Adresse gegeben hat­te. Wir wis­sen jedoch, wo der Hund wohnt. Wie schon ver­mutet, ist der Hund beim Amt nicht angemeldet. Dem­nach kann man auch die Ver­mu­tung auf­stellen, dass die Besitzerin nicht den hier in Nieder­sach­sen erforder­lichen Sachkun­de­nach­weis (schriftliche und prak­tis­che Prü­fung) gemacht hat. Ihr Ver­hal­ten deutet auf jeden Fall darauf hin.

Doch warum schreibe ich nun diesen Artikel?

Ich möchte euch gerne aufk­lären, wie ihr euch richtig nach einem Beißvor­fall ver­hal­ten soll­tet. Denn als wir erfahren haben, warum der Beißvor­fall wahrschein­lich ohne Kon­se­quen­zen bleibt sind wir sprich­wörtlich hin­ten rüber gefall­en.

Lasst euch den Namen und die Adresse geben

Ganz ehrlich: Auch ich kann mor­gen vor dem Prob­lem ste­hen, dass Queen oder Püp­pi zuge­bis­sen haben. Das kann jeden von uns tre­f­fen und ich bin mir sich­er, dass sich die meis­ten von uns ver­ant­wor­tungs­be­wusst ver­hal­ten wür­den und ihre Per­son­alien abgeben wür­den. Doch wenn man die Per­so­n­en nicht ken­nt, dann sollte man sich den Ausweis zeigen lassen und nicht alle Angaben glauben. Die Leute kön­nen noch so harm­los und fre­undlich wirken, wenn sie euch anlü­gen habt ihr ein Prob­lem.

Und wenn die Per­son sich nicht ausweisen kann und euch auch nichts anbi­eten kann (wie zum Beispiel gemein­sam die Woh­nung oder das Auto auf­suchen um Per­son­alien auszu­ta­suchen), dann ruft die Polizei an. So wird der Vor­fall aktenkundig und die Ermit­tlun­gen zum Geschehen, zu Zeu­gen usw. kön­nen ein­geleit­et wer­den.

Geht zum Arzt

Selb­st wenn es noch ein­mal gut aus­ge­gan­gen ist, geht direkt zum Arzt. Lasst euch den Beißvor­fall bescheini­gen. Aber das ist noch nicht alles. Der Mitar­beit­er des Ord­nungsamtes hat uns gesagt, dass die Besitzerin den Vor­fall jed­erzeit leug­nen kön­nte und dann bringt auch das Attest für den Beißvor­fall nichts. Bit­tet daher den Arzt, eine Spe­ichel­probe aus der Wunde zu nehmen. Ich muss zugeben, dass ich erst ein­mal irri­ter­it geguckt habt, als ich dies vor eini­gen Tagen ehrlich gesagt zum ersten Mal hörte. Aber es macht Sinn und scheint bei Tierärztin auch bekan­nt zu sein. Lasst euch also die Ver­let­zung doku­men­tieren und lasst eine Spe­ichel­probe aus der Wunde nehmen.

Nur wenn ihr die Per­son­alien der anderen Per­son habt, die Ver­let­zun­gen von einem Arzt bescheinigt ist und ihr die Spe­ichel­probe als Beweis habt, kön­nt ihr Ansprüche gel­tend machen. Und nur wenn die Verur­sachung durch diesen Hund bewiesen ist, kann das Ord­nungsamt eine Maulko­rbpflicht und einen Wesen­stest anord­nen.

Ich will hier ganz sich­er nicht alle Hun­debe­sitzer schlecht machen. Würde mir das zum Beispiel passieren, würde ich selb­stver­ständlich wahrheits­gemäß meine Per­son­alien angeben und den Fall mein­er Ver­sicherung melden (voraus­ge­set­zt mein Hund hat den Beißvor­fall verur­sacht). Und ich bin mir sich­er, dass ihr euch genau­so ver­hal­ten würdet. Ich möchte nur sagen, dass man den Men­schen nur vor den Kopf schauen kann und wir hät­ten niemals gedacht, dass die junge Dame dreist einen falschen Namen und eine falsche Adresse nen­nen würde. Und wenn man nichts zu ver­ber­gen hat, dann hat man sich­er kein Prob­lem damit, seinen Ausweis zu zeigen. Falls man diesen nicht bei sich führt, kann man dem Besitzer des anderen Hun­des anbi­eten, dass dieser uns nach Hause oder zum Auto begleit­et, um Per­son­alien aus­taschen zu kön­nen.

Wir alle soll­ten uns für Augen führen, dass es auch bei unserem Vier­bein­er zu einem Beißvor­fall kom­men kann. Es kann sein, dass er zubeißt. Genau­so kann es sein, dass unser Hund gebis­sen wird. Wir soll­ten uns darüber klar sein, dass man das Ver­hal­ten unser Tiere nie sich­er vorherse­hen kann. Es ist wichtig, dass wir uns in solch ein­er Sit­u­a­tion ver­ant­wor­tungs­be­wusst ver­hal­ten. Hat unser Hund den Beißvor­fall verur­sacht, so soll­ten wir unsere Per­son­alien angeben und den Vor­fall unser­er Ver­sicherung melden. Wurde unser Hund gebis­sen, so soll­ten wir uns den Ausweis des anderen Besitzers zeigen lassen und wenn dieser dazu nicht bere­it ist, die Polizei ein­schal­ten. Wir soll­ten unseren Hund zum Tier­arzt brin­gen, um eine Doku­men­ta­tion der Ver­let­zun­gen und um eine Spe­ichel­probe bit­ten.  Denn sich­er ist sich­er. Und die Sit­u­a­tion ist für sich genom­men schon schlimm genug. Da soll­ten wir Zweiebein­er es nicht unnötig kom­pliziert­er machen.

 

Wie ihr ja wis­sen, schreibe ich gerne und oft über das The­ma “Gegen­seit­ige Rück­sicht­nahme unter Hun­de­hal­tern”. Hierzu möchte ich euch gerne einen Artikel mein­er Kol­le­gin ans Herz leg­en, damit es gar nicht erst zu einem Beißvor­fall kommt. Den Artikel find­et ihr hier.

 

8 Comments on “Wie du dich nach einem Beißvorfall verhalten solltest

  1. Liebe Sab­ri­na,
    auch ich musste let­ztes Jahr eine Beis­sat­tacke auf meinen eige­nen kleinen Hund miter­leben-ein Alptraum.Ich will gar­nicht näher davon erzählen-es kann sich ‚glaube ich, jed­er vorstellen. Man ren­nt zum Tier­arzt und durch­lebt die Tage danach , wie im Tun­nel. Ich denke mein klein­er Luke hat die Attacke gut über­standen-ich jedoch nicht. Ich habe nach fast einem Jahr immer noch die Bilder im Kopf und dies schränkt mich kom­plett bei Spaziergän­gen ein.Ich blicke mich immer um ‚als würde ich unter Ver­fol­gungswahn leiden.Ich suche jedoch die Kon­tak­te ander­er Hunde zu meinem Hund sehr gut aus. Lei­der gibt es über­all ver­ant­wor­tungslose Hun­de­hal­ter, die den Abstand nicht respek­tieren und immer wieder solche Sit­u­a­tio­nen provozieren.

    1. Das tut mir sehr leid, dass du solche Erfahrun­gen machen musstest. Ich habe ein­mal eine Beißat­tacke miter­lebt und obwohl es gar nicht um meinen Hund ging, habe ich die Bilder auch lange nicht aus dem Kopf bekom­men. ich kann das gut nachvol­lziehen. Aber aus­ge­suchte Hun­dekon­tak­te sind doch bess­er als gar keine. Ist bei uns auch so. Ich mei­de grund­sät­zliche KOn­tak­te unter­wegs und verabrede mich nur gezielt mit HUn­de­fre­un­den. Anson­sten brauch ich auch all den Mist nicht…

  2. Mein Hund wurde auch vom Staff ange­grif­f­en und der Schä­fi ein­er Bekan­nten würde regel­recht gelöchert. Ich bin bes­timmt nie­mand, der die Ras­seliste richtig find­et oder meint, es gäbe von Natur aus böse Hunde. Ich bin mir sehr sich­er, dass alle Hunde gut geboren wer­den und wir Men­schen ihn wenn denn dann böse machen. Diese muskulösen Hunde wer­den ein­fach von den falschen Men­schen toll gefun­den, meis­tens sind es Rüden, die nicht kas­tri­ert wer­den und sehr dom­i­nant sind. Anscheinend sind diese Hunde beson­ders sen­si­bel und daher anfäl­lig für ein “Weit­er­leit­en” falschen Umgangs. Das macht mir echt Angst — nicht um mich, aber um meine Hunde.

  3. Danke. Das mit dem “Zum Tier­arzt gehen und Spe­ichel­probe” nehmen lassen wusste ich nicht. Nemo ist auch schon ein­mal gebis­sen wor­den. Von ein­er “Stadt­bekan­nten” Per­son. Bzw. einem ihrer Hunde. Jet­zt weiß ich, warum da nie was nach mein­er Anzeige gekom­men ist. Die hat das ein­fach alles abgestrit­ten. Na. Zumin­d­est läuft sie mit ihren Hun­den vor mir weg, wenn sie mich sieht, da ich ihr klar gemacht habe, was passiert, wenn ein­er ihrer Hunde mir oder meinem Hund noch mal zu nah kommt.

  4. Ich habe einen Rot­tweil­er-Box­er-Mix (50kg Gewicht, 70cm Schul­ter­höhe, 2 1/2 Jahre alt, als “Kampfhund” ver­sichert mit entsprechen­den Aufla­gen wie z. Bsp. Leinen­zwang). Er geht grund­sät­zlich an der Leine und hat eine Aus­bil­dung als Beglei­thund im Vere­in absolviert (IPO Stan­dard). Im Laufe der let­zten Jahre wurde er durch einen Pin­scher­mix, einen Teck­el, einen Weimaran­er, einen Aki­ta Inu, einen Bolog­neser und einen West­high­land Ter­ri­er ange­gan­gen. Ich sage bewusst ange­gan­gen, da ich in der Lage war ihn festzuhal­ten, da anson­sten die kleineren Hunde defin­i­tiv ihren “Mut” teuer bezahlt hät­ten. Das Rüden einen gewis­sen Anspruch an den Hal­ter stellen ist wohl unbe­strit­ten. Es kostet viel Zeit, Mühe, Geduld und Geld einen größeren Hund zu sozial­isieren. Das alles ist hinüber, wenn ein nicht sozial­isiert­er (ein­fach nicht erzo­gen­er), meist klein­er Hund, “Größen­wahn” hat (sich als Rudelführer sieht). Das Prob­lem ist nicht der Hund, son­dern der Hal­ter, der sich nicht die Mühe macht, wenig­stens ein­fach­ste Ver­hal­tensweisen von Hun­den zu erken­nen und ggf. gegen­zus­teuern. Man kann men­schlich­es Sozialver­hal­ten nicht auf Sozialver­hal­ten von Hun­den über­tra­gen. Beru­flich hat­te ich des öfteren mit Hun­den zu tun. Ich wurde von Hun­den größer­er Rassen (Kan­gal, DSH, Mali­nois, Dober­mann usw.) nie (!) ange­grif­f­en, wohl aber von Hun­den kleiner­er Rassen, die nach mir schnappten und auch zubis­sen (meist in die Ein­satzstiefel)
    @Anton — eine Strafanzeige ist sin­n­frei, wenn die Hunde nicht gehet­zt wur­den, son­dern von sich aus ange­grif­f­en haben. Hunde sind per se “Sachen” und eine “fahrläs­sige Sachbeschädi­gung” gibt es im deutschen Strafrecht nicht( anders nat., wenn Men­schen ange­grif­f­en wer­den, min­destens eine fahrläs­sige Kör­per­ver­let­zung).
    @ stef­fi — es ist eben nicht so, dass alle gle­ich geboren wer­den (genau wie bei den Men­schen), Vor­sicht vor Ver­men­schlichung. Über­lege bitte mal, warum es so viele Rassen bei Hun­den gibt und warum sie gezüchtet wur­den und welche Merk­male “her­aus­gezüchtet” wur­den und warum. Übri­gens ist eine Kas­tra­tion kein All­heilmit­tel und sehr umstrit­ten.
    @sabrina — die Frage ist wohl, warum es zu dem Angriff kam. Ich per­sön­lich bin für einen generellen Leinen­zwang für alle Hunde außer­halb eines umfriede­ten Grund­stücks.
    @Conny — sehr bedauer­lich, was war der Aus­lös­er für die Attacke?

    1. Ich denke nicht, dass Anton die strafrechtliche Anzeige meinte, son­dern die im all­ge­meinen Sprachge­brauch benutzte “Anzeige im all­ge­meinen Sinn”. Falls da Inter­esse beste­ht, ich als Volljuristin habe in der Kat­e­gorie Recht und Hund zahlre­iche Artikel in diesem Bere­ich ver­fasst…
      Anson­sten teile ich deine Mei­n­ung, was die Geschichte “Alle Hunde sind gle­ich” bet­rifft. Queen und Püp­pi haben die gle­iche Geschichte und den­noch hat Queen als SChäfer­hund ein ganz anderes Ter­re­to­ri­alver­hal­ten und Aggres­sionspo­ten­tial… Das ist nun mal so und da mache ich mir nichts vor. Habe ich ja auch vorher gewusst und auch so gewollt. Man kann einen Schäfer­hund oder Rot­tweil­er in deinem Fall ein­fach nicht mit einem Dack­el, Pudel oder Labrador ver­gle­ichen…

      1. Juris­ten leben von Anzeigen 😉 (Nur Spaß!). Lei­der ist man heutzu­tage sehr schnell mit “Anzeigen” dabei, wobei ein klären­des Gespräch deut­lich weit­er helfen kön­nte (“Ich hol die Polizei!” ist die mod­erne Vari­ante von “Das sag´ ich mein­er Mut­ti!”). Sehr schön auch Dein Hin­weis auf den Artikel “Gegen­seit­ige Rück­sicht­nahme…”. Jed­er sollte sich fra­gen, warum er sich einen Hund anschafft und sich klar sein, dass er eine nicht uner­he­bliche Ver­ant­wor­tung übern­immt. Als modis­ches Acces­soire (kleine Hunde) oder Sta­tussym­bol (große Hunde), sind die Hunde ein­fach zu schade und nicht gemacht.

  5. Also bei uns wohnt ein Kan­gal in der Nach­barschaft der Hun­de­fre­unde und Hun­de­feinde hat.Leidergehort Paco zu der zweit­en Gruppe. Am Anfang meinte der Besitzer das ein biss­chen run­terzus­pie­len. Mit­tler­weile ver­sucht er den Hund so kurz wie möglich zu hal­ten und zu bändi­gen. Sieht sehr unsich­er aus, daher weiche ich aus. Was bringt mir das im End­ef­fekt , wenn es zu ein­er Beißat­tacke kommt, zieht Paco den kürz­eren!!!

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