“Wie kann man nur…?”

“Wie kann man nur…?”

Wie kann man nur…?”

Eine Frage, die oft gar nicht als solche gemeint ist. Worte, die dem Gegenüber deut­lich zu ver­ste­hen geben, dass man so gar kein Ver­ständ­nis für das Han­deln des anderen auf­brin­gen kann. Rhetorische Fra­gen, die verun­sich­ern und dazu führen, dass einer der wichtig­sten Grund­steine in der Hun­deerziehung erst verblasst und schließlich kom­plett verschwindet:

unser Bauchgefühl.

Wir lassen uns so sehr von anderen bee­in­flussen, dass wir ständig vom eige­nen Weg abkom­men. Wir hören auf andere, weil sie ihre Worte so vor­wurfsvoll ver­packt haben, dass wir davon auge­hen, dass es sich um den einzig richti­gen Weg han­deln muss.

Wie kann man nur…?”

Wie kann man nur mit seinem Hund Ball spielen?”

Als ich diese Frage zum ersten Mal gehört habe, dachte ich, ich bin im falschen Film. “Warum soll ich nicht mit meinem Hund Ball spielen?”

Oh, das kann ich dir erk­lären. Wenn du einen Ball wirfst, dann hat der Hund seinen Erfolg weit weg von dir und lernt so, dass der Spaß nicht in deiner Nähe son­dern in einiger Ent­fer­nung stattfindet.”

Wow.

Also mal im Ernst Leute. Ich würde nun auch nicht zur Wurf­mas­chine wer­den wollen, indem ich kon­tinuier­lich stumpf den Ball werfe. Aber wenn ich ab und zu mit meinem Hund und seinem Ball spiele, dann sehe ich da ganz ehrlich null Prob­lem. Solange der Hund auch andere Spiele kennt und man vielle­icht mal ein “bleib” ein­baut oder den Hund auch zwis­chen­durch mal suchen lässt, ist das doch eine super Möglichkeit den Hund aus­las­ten zu kön­nen. Der Spaß findet mit mir statt und ich bin mir sicher, dass das auch der Hund so sieht.

Wie kann man seine Hunde nur so überfordern?”

Das ist eine Frage, die mir per­sön­lich immer häu­figer begegnet.

Dadurch, dass ich Zuhause arbeite und meine Hunde in der Regel immer bei mir sind, habe ich auch viel Zeit mich mit meinen Hun­den zu beschäfti­gen. Dadurch, dass ich meine Zeit frei ein­teilen kann, kann ich auch mor­gens in die Hun­de­schule und dafür abends oder Sam­stags arbeiten.

Ich beschäftige mich wahnsin­nig gern mit den bei­den und ganz ehrlich: wozu habe ich einen Hund, wenn ich keine Lust habe, mit meinem Vier­beiner etwas zu erleben?

Queen geht trailen, macht ZOS und täglich Nasen– und Kop­far­beit. Püppi geht zum Agility und Dog­danc­ing, dadurch üben wir mit­tler­weile fast täglich, um auch die vie­len Tricks fürs Dog­danc­ing ler­nen zu kön­nen. Zudem wird sie bald auch in einer Hun­de­schule apportieren und Fris­bee steht auch auf dem Plan. Beide Hunde zeigen kein­er­lei Anze­ichen von Über­forderung– im Gegen­teil ich bin mir sicher, dass Püppi das braucht.

Wie kann man nur seine Hunde überall mithin schleppen?”

Auch das ist eine Frage, die ich oft gestellt bekomme. Wenn es geht, kom­men sie mit. Warum auch nicht? Keiner der bei­den gerät in der Stadt, in einem vollen Restau­rant oder auf dem Markt in Stress oder ähn­liches. Wür­den sie in der Innen­stadt Angst bekom­men, wür­den sie Zuhause bleiben, denn kein Hund muss das kön­nen. Aber nur, weil der Wald span­nen­der ist, bedeutet das nicht, dass wir nur dort unter­wegs sein kön­nen. Denn im Prinzip soll der Hund mich begleiten und nicht ich den Hund.

Als ich noch nicht hier gewohnt habe, sind Queen und ich jedes Woch­enende mit Sack und Pack mit dem Zug hier hin gefahren und das teil­weise im Berufsverkehr. Queen hat im Zug grund­sät­zlich geschlafen, zum Teil lag sie auf der Seite und hat entspannt gepennt. Vor­würfe? Aber klar. Prob­leme? In meinen Augen nicht.

Ihr kennt euch und eure Hunde am besten und wenn ihr Bock drauf habt, auf einer Wiese einen Ball zu wer­fen, dann macht das. Und wenn ihr Lust habt, mit eurem Hund Hun­de­sport zu machen ja dann los. Und wenn ihr in die Stadt geht und euren Hund mit­nehmen wollte, na dann Leine dran und ab geht’s. Ihr wisst doch am besten, in welchen Sit­u­a­tio­nen ihr euch und eure Vier­beiner sich wohl fühlen. Achtet auf die Kör­per­sprache und überseht keine Sig­nale, die euch euer Hund mit­teilt und alles ist gut.

Ist so.

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Posted on: 28. Februar 2017Sabrina

8 Gedanken zu „“Wie kann man nur…?”

  1. Hallo Sab­rina,
    es ist toll das Du dir die Zeit so schön ein­teilen kannst. Für deine Hunde kann es nichts besseres geben als das Du dich mit ihnen regelmäßig beschäftigst. Und man liest es in deinen Artikeln gut raus, das Du es mit viel Liebe tust. Ich ver­suche auch mit meiner Lady 2-3x die Woche ein paar Tricks zu üben, ein wenig Kop­far­beit zu machen. Oft ist es mit der Arbeit schwer sich da die Zeit zu nehmen, aber ich bemühe mich sehr. Ich richte mich da ganz nach meiner Hündin. Hat sie keine Lust, ist sie erschöpft, etc. dann trainiere ich ein anderes Mal. Aber ich denke ich großen und Ganzen klappt es ganz gut. Ganz liebe Grüße Claudia

  2. Ich habe zwar selbst keinen Hund und bin daher kein Experte, aber nennt man das Spiel mit dem Ball in Fachkreisen nicht auch “Apportieren”? Seit wann ist es falsch wenn ein Hund einen Ball oder etwas anderes apportiert? xD
    Ich glaube manche Leute brauchen immer etwas zum herum­mäkeln und selbst besser da zu stehen.
    Eigentlich traurig.

  3. Sehr schöner Text. Und ja, auch ich gehöre zu den bösen Hun­de­hal­tern die ein­fach auf ihr Bauchge­fühl hören.
    Mir fällt da spon­tan auch noch ein, wie entsetzt manche Leute reagieren und dann kom­men mit “Also früher hat man das ja so und so gemacht”. Jap, früher hat man auch noch seine Klei­dung im Bach gewaschen und heute benutzt man eine Waschmaschine…

    Ich denke, wir ken­nen unsere Hunde am besten. Und wenn wir ein Anze­ichen von Über­forderung oder sonst was sehen, dann reagieren wir dementsprechend.

    Liebe Grüße,
    Nadine mit Motte, die übri­gens auch immer liebend gerne mit in’s Café geht und trotz Ball­spie­len zwis­chen­durch noch super­freudig mit mir spielt 🙂

  4. Hallo Sab­rina,

    ein toller Artikel! Ich musste mir zum Glück noch nie Vor­würfe anhören. Mein Zwerg kommt auch über­all hin mit. Men­schen­massen gehen wir aus dem Weg — fer­tig. Im Restau­rant und im Zug schläft er meis­tens. Und was das Spie­len betrifft:

    Warum sollte der Hund Spaß mit Ent­fer­nung verknüpfen? Immer­hin gibt es in der Ent­fer­nung keinen Spaß, wenn wir nicht wären. Zudem kommt es ja auch auf das “Wie” an. Unser Zwerg liebt Bälle über alles. Aber er “muss” auch immer mal was für seinen Spaß tun 🙂 — suchen, warten, Pfötchen geben etc. 

    LG
    Kata

  5. Hi 🙂
    also ich gebe Dir fast kom­plett Recht. Ich nehme meine Hunde auch fast über­all hin mit. Sie sind gerne bei mir und ich gerne bei Ihnen. Ich darf mir auch Dinge anhören wie: “Warum ist dir Wei­h­nachten mit Deinen Hun­den wichtig, die wis­sen doch gar nicht, dass Wei­h­nachten ist!” Na ganz ein­fach, weil ich meine Hunde liebe, sie immer gerne dabei habe und dann doch erstrecht Wei­h­nachten. Sie sind meine Fam­i­lie, Wei­h­nachten ist ein Fam­i­lien­fest — also! Zug fahren, Auto fahren, wenn Flugzeug im Pas­sagier­raum möglich wäre, wären Sie auch dann dabei. 

    Über­forderung sehe ich nun auch nicht, wenn man das alles macht. Ein Prob­lem ist bei den meis­ten Leuten wohl eher eine Unter­forderung des Hun­des und sie sagen solche Sachen um ihr schlechtes Gewis­sen zu beruhigen.

    Ball spie­len hinge­gen sehe ich kri­tisch. Nicht wegen dieses Entfernungsquatsches…also Hunde sind ja nicht doof und wis­sen schon wer den Ball schmeißt, aber ger­ade bei Ball spie­len an Land sehe ich zum Einen das Brem­sprob­lem, dass sie Ellen­bo­gen kaputt macht (Bei “bleib” und “such” wahrschein­lich nicht so das Prob­lem) und zum Zweiten finde ich Balljunkies asozial. Die Hunde ren­nen nur noch rück­wärts vom Herrchen/Frauchen rum und warten, dass der endlich schmeißt. Alles was drum herum ist: Gerüche, Geräusche, andere Hunde, Menschen,…ist egal. Das finde ich nicht gut und es lastet den Hund lange nicht so effek­tiv aus wie das Spiel mit Artgenossen. Ich spiele auch manch­mal Ball oder Fris­bee mit meinen Hun­den, aber nur ins Wasser hinein und nur, wenn keine anderen Hunde da sind.
    Dazu muss man aber auch noch sagen, dass nicht alle ein gutes Bauchge­fühl haben. Ich habe auch schon gese­hen, dass eine Frau ihren Hund auf einen Gang bei einem Fes­ti­val mitgenom­men. Es gab mehrere Lär­mquellen mit sehr lauter Musik und so viele Men­schen, zum Teil echt betrunken und mit­ten drin dieser Hund. Ich fand das unmöglich und sprach sie darauf an…sie behauptete, so lange man den Hund nicht anspräche, würde er sein Hören ausstellen. Ich stand völ­lig ver­dat­tert da…sowas hatte ich noch nie gehört und ich habe es bisher auch noch nir­gends bestätigt gefunden…

    1. Ich sehe das Thema Ball spie­len genau wie du. Meine müssen warten bis der Ball liegt und dür­fen erst dann los­ren­nen. Dann sind sie nicht so wild und brem­sen nicht so stark ab. Queen hat zudem gel­ernt einen Bogen um den Ball zu laufen und ihn im Laufen aufzunehmen. Sie bremst quasi gar nicht ab.
      Ich nutze den Ball eigentlich nur zwis­chen­durch, vielle­icht ein­mal pro Woche zur Impulskontrolle.
      Ich sehe das Spiel mit Artgenossen eher kri­tisch. Es muss schonh zu 100% passen und es sollte sehr aus­gewählter Kon­takt sein. Sonst ist es mehr Stress als alles andere. Queen zum Beispiel hat ihre Kumpels mit denen sie gern unter­wegs ist. Andere Hunde ignori­ert sie kom­plett. Die kleine hat eben­falls ihre Fre­unde mit denen sie richtig zockt. An 80% der frem­den Hunde geht sie ein­fach vorbei.
      Einh Hund auf einem Fes­ti­val ist eine absolute Katastrophe.

  6. Hallo Sab­rina,

    ich sehe Ball­spie­len auch kri­tisch, aber noch aus einem anderen Grund.
    Es gibt Hunde, die wirk­liche Balljunkies sind. Die haben nur noch Brei im Kopf und sind nicht mehr ansprech­bar, wenn sie einen Ball auch nur von Weitem sehen. Das hat für mich mit Spaß und Spiel wenig zu tun, son­dern hat Suchtcharak­ter. Diese Hunde sind wie Süchtige, die nur noch an ihren Stoff wollen. Und wenn man meint, man lastet so einen Hund mit Ball­spie­len aus, dann kommt mir das so vor, als ob man einem Alko­ho­liker eine Kiste Suff hin­stellt, sich freut, dass er sich begeis­tert drauf­stürzt und erst­mal eine Weile beschäftigt ist (schlimm­sten­falls bis er nicht mehr kann. Ger­ade Gebrauchs­hun­derassen ken­nen ihr Limit oft nicht). Motto: “Soziale Kon­takte brauch’ ich nicht, bin 7 Tage die Woche dicht.” Andere Hunde wer­den dann nur als störend emp­fun­den, auch wenn der Hund ohne Ball verträglich wäre.
    Manch­mal ist der Stress unter Hun­den haus­gemacht, durch das Schaf­fen solcher Konkurrenzsituationen.

    Aber auch Hunde, die keine Balljunkies sind, reagieren oft ungemütlich, wenn andere Hunde in der Nähe der “Beute” sind. Meis­tens ist der Ball ein­fach nur ein unnötiger Zankapfel. Es sind ja schließlich keine Kinder, die sich auf einem Bolz­platz tre­f­fen und “schön” miteinan­der spielen.

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