Wie stark ist eigentlich die Bindung zu einem Hund? ?>

Wie stark ist eigentlich die Bindung zu einem Hund?

Ich bin sicher nicht die einzige, dessen Fre­unde bei Face­book den berühmten Text “Es ist nur ein Hund” in ihren Sta­tus gepostet haben.

Unzäh­lige Mal musste ich mir diesen Satz schon anhören. Offen­bar ver­ste­hen viele Men­schen nicht, wie eng die Bindung zu einem Hund sein kann. Das ist so trau­rig, denn offen­sichtlich haben diese Men­schen nie so etwas schönes erfahren wie wir:

Das Leben mit einem Hund.

Doch wie stark ist eigentlich die Bindung zwischen Mensch und Hund? Ziehen wir unseren Hund tatsächlich anderen Menschen vor?

Waldsee32

Zwei amerikanis­chen Sozi­olo­gen namens Jack Levon und Arnold Arluke haben eine inter­es­sante Studie durchge­führt. Ins­ge­samt 240 Proban­den erhiel­ten einen fik­tiven Zeitungsar­tikel, in dem entweder von der Mis­shand­lung eines Welpen, eines aus­gewach­se­nen Hun­des, eines Kleinkindes oder eines Erwach­se­nen berichtet wurde.

Hier­bei vari­ierte lediglich das Objekt — der beschriebene Vor­gang war jedes Mal gle­ich. Nach­dem die Proban­den den Text gele­sen hatte, sollte sie aus einer Liste mit 16 Emo­tio­nen diejeni­gen auswählen, die den eige­nen Gefühlen beim Lesen am näch­sten gekom­men sind. Beispiele der Liste waren Gefühle wie “irri­tiert”, “bewegt”, “geschockt”, “mitlei­dig” oder “verletzt”.

Die Ergebnisse sind für uns Hundemenschen kaum überraschend:

Kleinkinder und Welpen riefen am meis­ten Mitleid her­vorr. Aus­gewach­sene Hunde erhiel­ten mehr Mit­ge­fühl als Erwachsene.

Warum Hun­den grund­sät­zlich mehr Mitleid zuge­sprochen wird als Men­schen, kön­nen wir nur ver­muten, aber ich habe da eine The­o­rie 🙂  Tieren wer­den intu­itiv als unschuldig und wehr­los ange­se­hen. Wer­den sie schlecht behan­delt, kön­nen sie sich nur sel­ten wehren. Außer­dem tra­gen sie keine Schuld daran, wenn jemand schlecht zu ihnen ist.

Erwach­sene Men­schen wer­den grund­sät­zlich als selb­sständig ange­se­hen. Sie kön­nen sich wehren und entsprechen damit weniger dem Bild eines unschuldigen Opfers.

Waldsee39

Doch steckt vielleicht noch mehr dahinter?

Unser All­tag ist schnel­llebig. Nahezu über­all geht es nur um Entwick­lung, Fortschritt, Erfolg und Reich­tum. Die Men­schen sind ego­is­tisch und rück­sicht­s­los, wenn es um die eige­nen Ziele geht.

Aus beru­flichen Grün­den umzuziehen ist keine Sel­tenheit mehr. Der Job nimmt nahezu den gesamten All­tag ein. Wer hat da noch Zeit, neue Kon­takte zu knüpfen? Wer ist über­haupt noch da, wenn man seinen alten Fre­un­deskreis betrachtet?

Und kann man sich über­haupt noch auf die Men­schen ver­lassen? Vielle­icht ler­nen wir einen net­ten Arbeit­skol­le­gen ken­nen, der uns dann bei der näch­sten Beförderung sein wahres Gesicht zeigt. Vielle­icht haben wir eine Beziehung zu einem tollen Part­ner, der uns bei näch­ster Gele­gen­heit für eine(n) andere(n) sitzen lässt. Vielle­icht bekom­men unsere Fre­unde Kinder und haben keine Zeit mehr, jeden Sam­stag abend ins Kino zu gehen?

Das Leben verän­dert sich. Schnell und beinahe täglich.

Doch eines bleibt:

unser Hund.

Unser Hund ist immer da, wenn wir nach Hause kom­men. Seine Liebe ist gren­zen­los, unab­hängig davon, wieviel Geld wir haben, welchen Beuf wir erlernt haben oder ob wir über­haupt einen Job haben.

Unser Hund ist immer an unserer Seite.

In der heuti­gen Zeit findet man eine bedin­gungslose Beziehung wie diese nicht an jeder Straße­necke. Beständigkeit ist etwas, was man zu schätzen weiß und was man in Ehren trägt.

Je mehr Men­schen ich ken­nen lerne, desto mehr mag ich meinen Hund” würde auch ich blind unterschreiben…

Teilen Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+

3 thoughts on “Wie stark ist eigentlich die Bindung zu einem Hund?

  1. Was für ein toller Beitrag liebe Sab­rina!! Er hat mich sehr bewegt, trifft genau den Punkt und auch ich würde den let­zten Satz sofort unterschreiben!!!

    LG, Jule

  2. Ein wun­der­voller­Text der den Nagel auf den Kopf trifft. Ich kann jeden Satz nur unter­stre­ichen u weiß mal wieder nur zu gut, warum ich meine Hunde so sehr liebe.

  3. Unsere Hunde wer­den wie Fam­i­lien­mit­glieder behan­delt — zwar mit weniger Pflichten :-D, aber genauso mit Rechten. Natür­lich stellen wir keinen Hund über einen Men­schen, aber emo­tional sind beide genauso an uns gebun­den und wie als “Kinder” empfunden.

    Diesen Satz “es ist nur ein Hund” kann ich nicht mehr hören. Genauso wie ich anderen nicht vorschreibe, dass sie ihre Kinder lieben oder eben nicht, soll man uns in Ruhe lassen, wie sehr wir unseren Hund lieben, ver­wöh­nen oder erziehen.

    Schöner Beitrag!

    LG Jérôme

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.